Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1894
- Issue
- 3 (1894)
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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also statt einer Rekapitulation sich einer Inversion, einer umgekehrten Ordnung, bedient. Doch letzter« fordert eine große Gewandtheit, Geschicklichkeit und Festigkeit von Seiten de» Lehrer», wrun er nicht vom richtigen Wege abirre» soll. — So wertvoll mir aber auch der Unterricht in der ReligionSlehre und biblischen Geschichte war» hatte ich dennoch die Wichtigkeit de» Hebräischen keinen 8ugenblick au» den Augen verloren. Ich fühl« mich berufen, da» Alte mit dem Reuen zu versöhnen, ein Gefühl, da» jede« Lehrer unsrer Zeit beseelen muß, der deren pädagogischen Anforderungen entsprechen und fie zur Erhaltung und Belebung de» Judentum» benutzen will. Den Pentateuch pflegte ich mit de» Knaben 2 Mal dnrchzuarbeiten, zuerst in einem 3jährigen und dann in einem 2jährigen Kurs»», ebenso da» Gebetbuch und dir hebräische Grammatik (Herxheimei). Die Prüfung fand jährlich au eiuem Sabbath statt, Nachmittag» von 2 Uhr an, damit die Eltern der Linder und andere Freunde de» Iugenduuterricht« zugegen sein konnten. Der große Schulsaal war jedesmal mit Besuchern angrfüllt. Geleitet wurde die Prüfung von dem Rabbiner Dr. Auerbach, der ein guter Pädagoge war, im Verein mit de» Mitgliedern der Gr. BezirkSkommisfion. Da« Hebräisch« blieb selbstverständlich dem Rabbiner allein überlaffen. Indessen war fast jedeSmal außer demselben noch ein Kenner de» Hebräischen anwesend, nämlich der verstorbene Alexander Wolfs, Vater de» berühmten Oberrabbiurr» Prof. Dr. A. A-Wolff in Eopenhagen. Er war Privatmann, besaß aber die Hattoras Haurooh (Rabbiner-Diplom) und war, «a» hier in Betracht kommt, von echter Frömmigkeit und warmen Eifer für den Jugendunterricht beserlt. E» ist mir und wohl auch noch manchem meiner früher» Schüler erinnerlich, wir zuweilen dieser ehrwürdige Greis vor die Knaben hintrat, ihnen im Pentateuch verschiedene Stellen aufschlug, und, wenn fie diese richtig und gewandt zu übersetzen vermochten, ihnen einige herzliche Worte de» Lobe» spendete, um ihren fernem Eifer zu fördern. Alle Anwesenden waren freudig erregt, wenn beim Schluffe der Prüfung die Mitglieder der Bezirk»- schulkommisfion und der Rabbiner ihre volle Zufriedenheit mit dm Leistungen de» Lehrer» und der Linder zu erkennen gaben. Urberdie» erblickten die Israeliten in der Fürsorge, welch« hohe Staatsbeamte, hohe Geistliche rc. dem jüdischen Religionsunterrichte zuwendeten, sowie iu der Zufriedenheit, die dittelben über die Leistungen der Schule au»sprachm. eine Ehreuberrigung für da» Judentum» mit welcher fie sich selbst gehoben fühlten. Daß mir von Seiten der Vorsteher, der Sltem rc. vielfach« ehrend« Anerkennung zu Teil wurde, ist selbstverständlich, und nur mit Rühmng kann ich mich noch jetzt daran erinnern, wie einmal beim Schluffe der Prüfung — ich glaub«, e» war im Anfang der fünfziger Jahre — der damalige Präses de» Vorstände», Herr Semeinderot B.J. Trier, meine Hand ergriff uud mit Herzjnnigkeit laut die Worte sprach: „Die» können Ihnrn nicht Menschm, sondem da» kann nur Gott belohnen." Im Jahre 1847 war ein Konflikt auSgebrochm zwischen einigm Privaten, welche ihre Linder der Konfirmation entzogen, und dem Rabbiner, und in Folge dessen wurde durch Entschließung de» Sr. Ministerium» der Schulzwang aufgehoben. Ich sah mich aber dadurch genötigt, meine Amt»« thätigkeit zu verdoppeln, indem ich mich mit den Eltern der Linder mehr in Rapport setzen mußt«, um die vielm Schulversäumniffe, die au» der Aufhebung iw» Schulzwang«» erwachs« konnten, möglichst zu verhütm, und da sie dmuoch stattfanden, den Nachteil, der sich für die ganze Schule daran» ergebe» konnte, wieder au»zugleichm und dies« in ihrer frühem Gehobenheit zu erhalt:». Diese Reminiszenzen habe ich vor etwa acht Jahrm niedergefchrirbm; ein kurzer „Nachtrag" folgt demnächst. Man nheimer. It eicnttrorl. Redakren: l'i. Rahner Magdeburg. Druck: Fried Der Kinder Gugel. Für die Lleium erzählt von O«kel Netlhch. Habt ihr schon einmal einen Engel gesehen 9 Ich meine einen richtigen Engel, nicht «inen solchen, wie fie von Wach» gemacht und am WeihnachtSbaume befestigt werden. Nicht wahr, ihr habt noch keine» gesehen? Da» dachte ich auch, aber nun hört einmal, wa» mir der kleine Eduard gestern erzählt hat: „Ich war recht müde, al» mich mein« Mutt« iu» Beuchen legte und mich recht warm und mollig zudeckte. Bald war ich fest eingeschlafen und schlummert« die ganz« Nacht recht schön und sanft; gegen Morgen aber weckte mich die liebe Sonne, welche hell durchs Kammerfenster und mir gerade in» Seficht fiel. Schnell wollte ich au» dem Bette springen, da hörte ich den Kuckuck der Schwarzwälder Uhr rufen. Ich zählte, und da e» erst sieben Uhr war, so dachte ich: „Ei, da schläfst du noch eiu Stundchm, denn heute ist Sonutag." Ich drehte also der Sonue dm Rü cken und schlief wieder ein. Da hatte ich einen gar lieblichen Traum. Ich sah. wie die Engelchru, welch« jede Rachr an dem Bette der Kinder Wache halte«, wieder in dm Himmel zurückkehrten. Hell lmchteten ihre Kleider im Sonnenschein, und wenn fie im Himmel verschwandm, so blieb der Saum ihre» Gewand«» al» feiner roter Streif am Himmel sichtbar. Rur einer der Engel blieb zurück, und ich sah io sein liebest gute» Gesicht. Da» kam mir so bekannt vor, und doch wußte ich nicht, wo ich t»- schon gesehen hatte. Jetzt beugte fich der Engel über mich und küßte mich mit weichen Lippen auf die Sttt«.. So« dieser Berührung erwachte ich und sah da» Gesicht meiner lieben Mutter, welche sich liebevoll über mich gebeugt hatte. . Da wußte ich auf einmal, daß da» Geficht de» Engel» dem meiner Mutter geglichen hatte, und daß sie der gute Engel ist, dm Gott den Lindem hier auf Erden zur Seite gestellt hat." So e^ählte mir der kleine Eduard; ich aber fteute mich, daß er mir endlich sagte, wie ein Engel auSfieht. Und nun - blickt einmal anf euer Mütterchen! Hat Eduard nicht recht? Ist fie nicht eiu guter Engel, welchen der liebe Gott.de» kleinen Menschenkindern gegeben hat, damit er fie beschütze und leite vom srühm Morgen bi» zum späten Abend? Wa» meint ihr? _ (Zuschauer.) Weiberfei«dliches Lu« de« „Zuschauer." Du glaubst, der hochaelahrie Doktor Schlau Beherrsch' al» Svrachgelehrter alle Zungen? Ich kenne zwei, die me er hat bezwungen: — Die von der Schwiegermutter und der Fraul * , * Eine Schwiegermutter ist wie eine Zahnradbahn: fie muß allerwärt» ei n»r ei f e n. # Die Männer find da» stark? Geschlecht, die Weiber ober stutz da» stärkere. Jede» Wttb bettachtet ihrm Mann'gleichsam al» ihr Larthago, gegen welche« dir drei puuischen Kriege: Berlleb«, Verlobung und Heirath, au»zufechtea find. Ganz sich« fühll fie fich erst nach dem dritten, da fie den Gegner gänzlich wehrlo» gemacht und ihn aller Herrschaft beraubt hat- Sie erlaubt ihm dann nur noch — Handel zu treiben. (Lonstanttn Brunner.) Mu» dem Spruch sch atz dr» »almud. Poetisch iibeittagen von Max Lieiudlrg. Die Manchen hat'» gereut, daß er geplaudert wie Manchen hat'» gefreut, daß er gezaudert! laß nie Dein Dort za frei sei»,- Laß stet» dein Ohr dabei fein. (KoWeth nbk* 62.) JutzckU: De, Pedr» >»» sei, Mischer MiMßrr. Hifturtseks «rzLhiun, au« de« I«. Jahrhundert. (Korrsetzung) Pea «d. ». Z «« I i n »ktz. — Rem ia,»zenzen au» «eine« L «hrerlede» Bon «. «ennheimer. — Der Kind erI» gel. Onkel Ralph. — Weibers et» d l t.che ». - >,« de« 8 p r » 6» fch » tz d e« L a l» ud. Bou^Rax >«i»b«^^ ich Rosche *0- ., B agdeburg. BettagLobert Friese -