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Jüdisches Familienblatt · 1894-01-01 · 2 (1894) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1894
Issue
2 (1894)
Date
1894-01-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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Katechifire« sei gründlich und gewandt gewesen. Ich maßte «ich selbst öfter» fragen: woher solche Gewandtheit? Hatte ich doch nt« vorher in ein Lehrbuch der Katechetik geblickt, nie die Ausführung einer Katechese vor mir gesehen, oder eine gedruckte Katechisarion gelesen. — Man sagt wohl, der gute Katechet müsse geboren sein, d. h. er müsse von Natur auS zu eine» solchen beaulagt sein; allein sowie ein jede» Talent erst durch Beispiel und Uebung zur Entwickelung gelaugt, so auch da» der katechifiischen Kunst. Sine gute Vorbereitung und Entwickelung hierzu konnte ich bei mir nur in meinen gründliche« talmudischeu Studien entdecken, dem ich etwa ein Jahrzehnt unter der Leitung der berühmtesten Rad» biner mit unermüdlichem Fleiß und Eifer Tag und Nacht abgelegen hatte.*) Der Talmud aber ist ein Werk, da» in seinen zahllosen Diskussionen, Kontroversen, Dialogen, von der Fragcform in ihren verschiedensten Arten beherrscht wird; daher mußte sein Studium eine gute Lorschule bilden für eine geschickte Anwendung der rrotematischen Methode (frageweisen Lehrform), zu welcher ich mich derart angezogen fühlt«, daß ich als Elementar-(Bolk»-)lehrer nicht nur die Religion, sondern auch andere Lehrgegenstäude nach ihr unterrichtete: Mathematik, (Geometrie von v. Turk,) deutsch« Sprache (Sprachlehre von Bauer). Wie aber auS der Geschichte der Pädagogik erhellt, hatte diese Methode beim Jugendunterricht bi» ins vorige Jahrhunden hinein gar keine Fortschritte gemacht und in den Schulen keine Ausbildung gefunden. Erst durch Mosheim (gest. 1758) that fie eineu Schritt weiter, und wie man ihn den Batcr der deutschen Kanzelberedsamkeit zu nennen pflegt, so kann man ihn auch den Vater d« Sokratik nennen, d. h. jener Kunst, welch« beim Jugendunterricht bestrebt ist, den Kindern dir Vorstellungen, Begriffe und Urteile in Worten und Sätzen nicht zu geben und mitzuteilen, sondern ihnen zu entlocken, d. h. sie durch geschickt angelegte Fragen von ihnen auffinden und erzeugen zu lassen. Monheim, der in seiner „Sittenlehre der heiligen Schrift" seine methodischen Ansichten anzuwenden sucht, nahm sich nämlich die Dialoge d«S Sokrates zum Borbilde, daher der Name Sokratik. Die Pädagogen nennen fie auch Heuristik d. i. die Kuust des AuffiudenS und HervorlockeuS. Allein die Bemühungen MoSheims und anderer gleichgesinnten Männer hatten nur geringen Erfolg. Sinn und Verständnis für die sokratische Lehrform war nur bei Wenigen vorhanden. Da erschien 1767 Mendelssohn'« „Phädon oder über die Unsterblichkeit der Seele," ein Buch, das einen solchen Erfolg hatte, daß eS in allen Kreisen gelesen, ja verschlungen wurde und daher schon in wenigen Jahren mehrmals aufgelegt werden mußte. In diesen schöne», herzgewinnenden, geistentwickeluden und überzeugenden Dialoge» hat Mendelssohn die sokratische Fragform mit einer wahrhaften Meisterschaft gehaudhabt und auSgebildet, und dadurch hat man in pädagogischen Kreisen den Wert derselben für Jugendunterricht recht kennen und schätzen gelernt und sich so für sie begeistert, daß fie allmählich daS ganze Schulwesen beherrschte. — Man würde sich aber meines Erachtens sehr irren, wen« man annähme, Mendelssohn sei etwa nur durch das Lesen der Dialoge de» Platon zu dieser Meisterschaft gelangt; denn ohne Zweifel haben auch seine talmudische Studien dazu beigetragen, da ja fast auf jedem Blatte des 12 dicke Folianten umfassend«» Talmuds jede Art von Fragen, so verschieden diese auch find, ihre Anwendung findet, und zwar dies manchmal auf die scharfsinnigste Weise. Ja, eS pflegen darin öfters subtil« Fragen aufgeworfen zu werden, nicht eines materialen sondern eine» bloS *) Untet meinen vorzüglichsten Lehrern ragt: besonder» der selige Oderradbiner A. Ving in Würziurg hervor. Er hatte den au» Pole» «iugesühnen geifterverwirrendea Pilpul an» seiner Lehrstub» verdrängt und war zu der einfache» natürlichen Au»legu«g de» Talmud», zu der Methode eine» Maimonide», «ine» Be» Aderrth zurückgekehrr, was sein« Borrrüge llar rnd furchtbar machte, dl« Denk rast seiner Jünger natürlich entwickelt« »nd ihr «tue grade Richtung gab. formale» Zweckes willen, mn nämlich dir Urteilskraft t* schärfen (nnrft). Wer also den Talmud eifrig und gründlich studtrt, auf desse» Frageknust muß er eine» bildeudeu Eindruck' üben, wenn er auch nicht von der seltene» geistigen Begabung eine« Mendelssohn ist. _ (Schluß folgt.) ZU-vael. Ein Wunderbaum von Meisterhand Gepflanzt und tteu gepflegt, Seit vielen tausend Jahren stand Bon manchem Sturm bewagt. Der Wurzeln siebenfach Geflecht ich m al Wob Hh ln alter Zett Zum Stamm — des hohen Meisters Knecht, 3m Dienste stets bereit. Der Stamm der Zweige zwölfe trieb Wohl über'- Erdenrund, Damit de» Meister« Güt' und Lieb' Den Menschen werde kund. Gleicht nicht daS siebenfach Geflecht Dem Leuchter am AUar? Entwickeln dann nicht Licht und Recht Die Zweige wunderbaren ihm der Zeiten ewig' Rund im Spiegel llar; ' - ‘ teil', er Woche fiebenteil'ger Bund. Der Monde zwölf im Jahr. — Den Wnnderbaum zu fällen hin Kam mancher Feind heran: Mit bitttem Spott und wildem Sinn Hat man ihm Leid» gethan- — Und ach, selbst au» des Baume» Krön' Manch' morscher Sproß fiel ab. Der zu der Feinde Gift und Hohn, Den Sttel zur Axt noch gab. Doch steht er noch und wächst und blüht Und treibt stets frisches Merk, Weil hold auf ihn der Meister steht. Der Meister, groß und stark. Münster. Wer ist nim dieser Gottesbaum, Und wer die Zweige - Sprecht! Und nennt Ihr ihn, bann nennt Ihr auch Eu'r eigene» Geschlecht. Treu- Heinrich Heine! irr hat in einer stillen Rächt in deutscher Säuger Dein gedacht. Den Wohlllana Deiner schönen Lieder Gab hier de» Urwald» Echo wieder. Hier hat der Stadttat keine Macht, Um den die Welt genug gelacht. Ob diesem kannibalschen Treiben Soll Heine hier ein Denkmal bleiben. Hier, wo die göttliche Natur Noch nicht nach Christ nud Jude frag, Da fie de» Menschen nur gedacht» Des Sänger«, seiner Liedervrao -3 4 Hi» Heinedenkmnl i« DemDüffeldorf.'r.TLal. Au,.' sendet der durch seine Afrika-Ve» richte wohlbekannte Direktor Robert Biss er vom Eongo die Nachricht, daß er al» guter Patriot und Verehrer de» unsterblichen Dichter» Heine diesem nntteu im Urwald« zum Spott und für die Düsseldorfer Stadtweisen ein Denkmal errichtet " eibt: „«» * " “ be Viffer schreibt: »E» steht unter Palmen und Waldriest» und bildet eine Erinnerungstafel mit Inschrift E» kostete anch auch ziemliche Müh«, mtt den mir zu Gebote stehenden primitive» Mitteln da» Ganze zusammenzustellen. Da ich zwei Platten bet der photographischm Aufnahme herstellte, send« ich Ihnen eine ein da» Ganze zusammenzustelleu. Da ich zwei ' _photographischm Aufnahme herstellte, smd« ich __ zur Ansicht.' - Folgend« Bette, die Biffer auf die Gedenktafel geschrieben, mag sich nun der Düsseldorfer Stadttat in» Stamm» uch schreiben. (Bist in Düsseldorf geboren.) ~ " et« ' D», Beer» sei, lüetscher At totster. Erzähiuöa au» de« 14. Jahrhundert. (Fortsetzung) Bo, Ab. v. Zemlinsky. — ReminlSzeuzeu au» »eine« Lehr«»» lebe». Bo» 5f. Mannheimer. — Israel von Treu-Munster, l — SinHetnedenkmali« llrmal». la Verantwort. Redakteur: Dr. Rahmer Magdeburg. Druck:Friedrich Rasche * Ce. Magdchurg,

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