Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 52 (31.12.1894)
- Date
- 1894-12-31
- Page
- Seite 415 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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415 / -HauS entscheidet, daß die Wiedereröffnung der Sitzung und "bie Verlesung der Interpellation in derselben nicht zulässig sei. Hiermit schloß die geheime Sitzung. Man sieht hieraus, daß eine starke, kräftige Hand des Vorsitzenden im Stande ist, antisemitische Skandale in den öffentlichen Kör- Lerschaften, welche die Radaupartei so gerne provocirt, zu hintertteiben. — In der gestrigen Sitzung deS Abgeordnetenhauses gelangte der Antrag P. Byk den Juden in Galizien, die ven Sabbath feiern, von der nunmehr gesetzlichen Sonn- ^Heiligung Ausnahme zu gewähren, mit einem Zusatzantrag, Dasselbe auch auf die jüdischen Bewohner der Bukowina «uSzudehne», mit 95 gegen 34 Stimmen zur Annähme. Auch daS Herrenhaus nahm diesen Antrag mit großer Majorität an. Wien. In der Sitzung vom 1b. Dezember hat der .• Llbg. Dr. Bloch in einer thatsächlichen Berichtigung wieder einmal den antisemitischen Verleumdern gründlich heimgeleuchtet, * indem er den vom antisem. Abg. Schlesinger verlesenen angeblichen ״Aufruf- Eremieux' als ״literarische Büberei" und ^Fälschung" brandmarkte. Vom Präsidenten einige Mal unterbrochen schloß Bloch seine Rede mit folgender Bemerkung: ״I«" alten Rom gab e« da« famose Institut der Delatoren, die «< ebenfalls nicht immer genau mit ihren Beschuldigungen nahmen, wenn «* galt, ihre elenden Zwecke zu erreichen. Wurde aber einer «wischt und der Lüge überwiesen, so brannte man ihm zur Strafe und Warnung ein 6 (6aI»mm»tor-Berleumd«) aus die Stirn. Ich glaube. et wäre an d« Zeit, angesicht» solch« Borgänge eine ähnlich« Bestimmung in unser« Geschäsltordnung einzufügen, damit Derjenige, k« diese« C an bn Stirne trägt, nicht mehr so leicht de» Menschen ׳ «in I sür ein 0 vormachon kan». (Lebhafter Beifall und Hindeklallchen.)" Dies gilt nicht nur für die österreichischen, sondern für kbie antisemit. Abgeordneten aller Parlamente. ׳Neueste und vermischte Nachrichten. f Berlin Dem berühmten Klinik«, LudwigT raube, der langsilbriger Arzt an der Eharitö und Direktor der dortigen medici- Nischen Klinik war, soll jetzt, wie der Berliner Lokalanzeiger meldet, fast zwanzig Jahre nach seinem Tode, im Jnnenhofe de« Krankenhauses ein Standbild errichtet werden. Eine in dieser Angelegenheit tagende Kommission sprach sich für die Annahme eine« vom Prosesior Marlin Wulff entworfenen Modellau«. Mit d« Büste, die in Bronze gegossen wird, erhält die Eharitö da« Denkmal hervorragender Aerzte. Diejenigen der Professoren «, Bardeleb«» und Mehlhausen sind llereit« vorhanden. athülluug des neuen Standbilde« wird vorau-fichtlich im Mai stattfinden. Frankfurt a. M. Do« hiesige Oberverwaltuno-gericht bcschäftigte sich jüngst mit einem Recht-stteit, dessen Ausgang für me hiesige Gemeinde von außerordentlicher Bedeutung ist. Der Privati« Adolf Moo« zu Frankfurt a. M. war für da« Etatjahr 1883/94 mit 40 Mark von der i-r. Gemeinde veranlagt worden. Seine Reklamation erfolgte rechtzeitig, hatte jedoch keinen Erfolg. Er beschritt darauf den Klageweg und führte au-, er sei im September 1893 von Konstanz nach Frankfurt gezogen, ohne dabei sein« badische Staatsangehörigkeit verloren zu haben. Sei er Badenser, wa« nicht bestritten wurde, so könne ihn doch die Frankfurter Gemeinde nicht besteuern. Der Gemeindevorstand hingegen erklärte, Mitglieder der Gemeinde seien alle Juden, die i n Frankfurt a. M. wohnen, ohne Rücksicht aus ihre Staat«- angehörigkeit. Rach längerer Verhandlung und Berathung nklärte der Vorsitzende de« zweiten Senat«, e« handle sich hier um eine Frage von außerordentlicher Tragweite. Die Gesetzaebung lasse im vorliegenden Falle die beklagte Gemeinde im Stich. Wegen der ungewöhnlichen Wiibtigkeit des Rechtsstreit« solle erst dem Minister de« Innern und dem Ober-Präsideuten von Hessen-Naffau Gelegenheit zur Aeußerung gegeben werden. Auch läge e« im Interesse der Gemeind«, bizur Anberaumung eine« neuen Termin« noch Ermittlungen nach gesetzlichen Bestimmungen anzustellen, wodurch sich d« Anspruch der Gemeind« rechtfertigen lasse. (E« müßte doch zunächst konstatirl »erden, ' ' M. pro 1883/94 zur Konstanza Gemeind« gesteuert hat, oder . “ '־" a, »euu er in Frankfurt ansässig pst «Hält, zu dieser Gemeinde Kraukfurt a. «. Vorgestern Nachmittag begaben sich da Oberbürgermeister, Herr Adicke«, und der stellvertretend« Stadt, verordnetenvorsteher, Har Sonnemann, zur Lady Rothschild, um ihr anläßlich des Tode« da Freifrau Louise v. Rothschild da« Beileid und zugleich den Dank da Stadt für die hochherzige Schenkung au-zusprechen, die von der Freifrau Louise in Höhe 100,000 Mk. zur Errichtung eine« Schwimmbad«- s. Z. anonym gespendet wurde. Lady Rothschild gab ihre Zustimmung dazu, daß eine Gedenktafel für die verstorbene Wohlthäterin an dem Schwimmbadgebäude angebracht werde. Danzig. Herr Rabbinat-candidat Dr. Bogelstein, Sohn de« Stettiner Rabbiner«, wird am 12. Januar hia eine Probepredigt halten. Pasewalk. Herr Dr. B. KönigSberger au« Breslau ist zum hiesigen Rabbiner gewählt worden. Au« Württemberg, 24. Dez. (Or.-llorr.) Der Verein zur Unterstützung von Wittwen und Waisen arma iSrael. Lehrer Württembags veröffentlicht wie alljährlich nun diese Zeit seinen Rechenschast-bericht pro 1893—94, da- 32 Rechnungsjahr. Der Verein«vorstand, Herr Oberlehrer S te rn in Eßlingen, widmet darin dem im Okt. 1893 verstorbenen Gründer und langjährigen Vorstand. Oberlehrer Liedmann in Stuttgart, einen warmen Nachruf. Im verflossenen Jahr erhielt sich der Mitglicderstand auf seiner Höhe und umfaßt wie seither alle Lehrer und Vorsänger de« Lande«, auchdieTheilnahmederisrael. Gemeinden Württemberg» und die Unterstützung feiner Gönner blieb ihm treu. Auch Ihre Maj. unserer Königin gewähtte huldvoll eine Unterstützung von 25 Mk., der i-rael. Gemeindebund in Berlin eine solche von 30 Mk. Im ganzen vereinnahmte der Vereins Beiträge ordentlicher Mitglieder 120 Mk.. außerordentlicher Mitglieder 304,60 Mk., Gaben von Gemeinden 1774,68 Mk., von Privaten 74 Mk., von Zinsen 1719,30 Mk., zusammen 3992,38 Mk.; dazu noch 480 Mk., Beiträge zum Grundstück Unterstützungen wurden 1865 Mk. verteilt. Da« Vereinsvermögen hat um 2285 Mk. zugenommen und beträgt jetzt 46169 Mk. Au« Baden, 24. Dez. (Or -Lorr.) Im nächste» Jahre wird die i-rael. Synode unseres Lande« zum erstenmale zusammentreten. Hauptgcgenstand für dieselbe wird die Einführung der neuen Kultussteuern sein. Die Wählerlisten werden ansaiig« Januar 1895 aufgelegt werden. Es bestehen« im Lande 16 Bezirke, welche 20 Abgeordnete wählen. «ünchen. Das Sigl'sche ״Vaterland" macht aus dem Hypnotiseur Ezynski einen ״polnischen Juden.״ — (Ter Mann war Katholik, der aus Oppottunisitätsgriinden Protestant geworden ist.) Au« Ungarn. Der au« dem Tißa-Eßlarer Prozesse bekannte ״Kronzeuge" Moriz Schars ist bekanntlich seiner Zeit von einem Diamantenschleiser in Amsterdam als Lehrling ausgenommen worden. Jetzt ist Moriz Scharf militärpflichtig und zur Assentirung nach seiner Heimathsgemeinde Csurgo cinberufcn morden. Er wird also in nicht ferner Zeit ins Vaterland zurückkehren. Aus Jerusalem kommt die bettübende Nachricht, daß ein mehere Tage andauernder Sturmregen, der über die Hasenstadt Jaffa »iederging, sehr verheerend gewirkt habe. MehrereHouser seien schon zusammengestürtzt, während mehr als fünfzig de,.. Zusammenbruch nahe ynd. In den Fluthen sollen auch mehere Bewohner der Stadt ihren Tod gesunden haben. Jerusalem- Das Retz der fyrisch-palästinensaischen Eisenbahnen schreitet rüstig sott, und e« wird nur noch wenige Jahre dauern, bis dieses ganze Gebiet dem Weltverkehr auch durch Bahnen angeschlossen ist. In allernächster Zeit wird die Bah» Beirut- Damaskus eröffnet, und eine Zweigbahn von Damaskus in den Hauran ist bereits fettig. Nun ist iu der letzten Zeit die sehr wichtige Concesfion einer frnnzösischcn G.sellschast ec.heilt worden, die Fortsetzung dieser Bahnen von Damaskus über Homs, Aleppo nach Biredschih am Euphrat zu bauen. Biredschch ist aber der Knotenpunkt in dem bereits concessionitten Netze der kleinasiatischen Bahnen, von wo die Anschlüsse nach der projectitten Tigrisdahn gebaut werden sollen. Auch die Linie Akka-Damatkumacht dedeutend« Fottfthritte und soll noch in diesem Jahre bis zum Jordan dem Verkehr übergeben werden. Run fehlt nur noch eine Zwriglinie von einem Punkte dieser Sttecke nach Jerusalem, dann ist auch der Süden Palästina'« in diese« Retz hineingezogen, und man kann von Europa au« nach Jerusalem per Brhn ressen, ohne mehr zur Sr« zu fahren, al« der Uebrrgang über den Bo«- vor»» erfordert. . ’ ־