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Israelitische Wochenschrift · 1894-11-23 · 47 (23.11.1894) · p. Seite 369

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
47 (23.11.1894)
Date
1894-11-23
Page
Seite 369 (sequence 7)
Language
German
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tofin das Wirken der Stiftung gar nicht dazu angetha», da- Verbrecherwescn der galijischeu Juden schon jetzt zu vermindern, denn die selbe besteht aus ,schulen", und Schulknaben begehen bekannt lich keine Verbrechen. Dr. Bloch ist doch ein wahrer Abkömmling degali fischen jüdischen Ghetto'- und sollte doch mit dem Maßstabc der Moral und Sittlichkeit seiner jüdische» Landsleute genau vertraut sein und wissen, daß die galizischen Juden nicht erst die auswärtige Wirkung zwecks der Verringerung ihrer Perbrechcrzahl bcdürseu und er hätte es unlerlasjc» sollen, von der Tribüne de- Pariamentaus zu behaupten, daß cs einem Philanthropen zu verdanken sei, daß die Israeliten in Galizien wenig Verbrecher aufweisen. Bekanntlich züchtet zumeistdicArmuthund die Noth das Berdrechcrthum und wenn 772,21.? Menschen der Antisemiten- Partei so arm, elend und unglücklich wären, wie die galiz. Juden eS sind, würden uuler ihnen nicht bloS 733, sondern 50,000 Verbrechen jährlich vortomme». Tic geringe Berbrechcrzahl der Juden hier zu Laude ist eine dirccte Folge ihrer Genügsamkeit, und Gottergebenheit und ist es absolut unrichtig, daß erst aus sie von auswärts gewirkt werden müsse, daß dieselben weniger Verbrechen begehen sollen.״ — Auch gegen das gefährliche Treiben der ,Zionisten" in Galizien erhebt das Blatt seine warnende Stimme. Doch darüber schreibe ich ein andernial. R«hland. Petersburg. Tie hiesige Judcngcmeinde hat sich mit einem prachtvollen Kranz am Sarge des verstorbenen Czar Alexander IIIeingesundcn. Ter Kranz trägt folgende Inschrift: .Wir vere herrlichen Teincn Namen von Geschlecht zu Geschlecht, weil dis Völker ihn von Ewigkeit zu Ewigkeit preisen werden". Aus da» Condolenz-Tclegramm der israelitischen Knlt«Sqe1»ei״dc ließen der Kaiser und die Kaiserin-Witwe durch den Hvsministcr für des Ausdruck der treuen und uuterthänigcn Gefühle und des Beileids ihren Tank übermitteln. Aus dem Gouvernement ZekaterlnoSlaw In der Nähe von Odessa und Jeloswiet wurden vor einigen Monate» 125 jüdische Familien ausgewiescn, wodurch sie in ihrer Existenz bcdroht wurde». Die Ausgewiesenc» machte» ein Gnadengesuch an den verstorbenen Zaren, in dem sie um Aushebung der Aus- Weisung ersuchte», da ihnen und ihre» Familien sonst der vollständige Ruin bevorstehe. Das Gesuch blieb unbeantwortet und am 15. d. M. hätte» sie schon ihre Heimat verlaffen müffen. Bor wenigen Tagen soll nun plötzlich eine günstige Entscheidung aus Livadia vom Zaren Nikolaus II. eingelroffcn sein, welcher allen bedrohten Familien bis aus Weiteres den Aufenthalt in hren bisherigen Wohnorten gestattete. Aus der Krim. Fast um dieselbe Zeit, in welcher die Leiche des Kaisers Alexander aus Jalta fortgeführt wurde, hat daselbst auch die Ausweisung jüdischer Familien begonnen, welche in Jalta kein Recht zum Aufenthalt haben sollen. Lidau. Von den 600 Juden, welche für Rechnung des Baron Hirsch nach Argentinien befördert werden sollen, ist die erste Partie (96 Männer und 361 Knaben, 77 Frauen und 41 Mädchen) per Dampfer ״Curonia" von hier nach Stettin abgefertigt. Dieselben sind sämmtlich aus den! Grodnaschen Gouvernement und alle Emigranten sind genügend mit Geldmitteln versehen. Ein Theil der Emigranten hat Ackerbau betrieben, die andereu sind Handwerker. Da sie durchweg auf dem Lande gewohnt haben, ist ihnen allen die Landwirthschast bekannt. Neueste und vermischte Nachrichten. Berit«. Prof. Dr. Henna»» Aron, Lehrer der Physik an der Vereinigten Ingenieur- und Artillerieschule, ist zum Geheimen Regierungsrath ernannt worden. Wie wir hören, erfolgte die Auszeichnung für Dienste, die der Gelehrte der Artillerie-Prüfung-- K ommission geleistet hat. Pros. Aron ist der Erfinder dein der ganzen Welt verbreiteten ElektrizitätSmeffers. Auch gehört er dem Lehrkörper der Universität an. Er stammt aus Kempen (Posen) und steht im SO. Lebensjahre. Die Armenkommission der hiesigen Mischen Gemeinde hatte gegen die minderjährigen Kinder des Oberstabsarztes Professor Dr. Hermann Rabl-Rückhardt und besten geschiedene, jetzt an einen Rechtsanwalt in Hamburg verheirathete Ehefrau, eine Pflegetochter des 1864 verstorbenen Kommerzienraths Moritz Gersou, mit dem Antrag geklagt, die Verklagten zu vcrurthcilen, darein zn willigen, daß ander Nachlahmaffe de» Verstorbenen sofort 600 000 Mk. zn Gunsten einer in dieser Höhe zu WohlthätigkeitSzwcckc» .Moritz und Rosa Gersou-Stiftung" gemachten Zuwendung auSgeschiedcn werden. Das Kammergencht hat nunmehr auch so erkannt. Berlin. Der am 22. September 1863 hier verstorbene Rentier Johann Koustant Sala hat in seinem Testament der Ttadtgemcinde Berlin ciu Kapital von 300,000 Mk. zur Begründung einer ״Konstant Sala-Stiftung" vermacht, die den Zweck haben soll, bedürftigen und kränklichen, die Genieindeschulc Berlins besuchenden Kindern beiderlei Geschlechts, ohne Unterschied der Eonfessivn, einen mindestens vicrwöcheutlichen Aufenthalt in gesnndcr frischer Lust aus dem Lande oder an der See zu gewähren. Die landesherrliche Genehmigung zur Annähme des Stiftung-Vermögens, von den, nur die Zinsen zur Verwebung gelangen sollen, ist den! Magistrat bereits zugegangen. Thann. 6. Nov. Gestern fand unter überaus zahlreicher Bethiligung der Gemeinde Alt-Thann die Beerdigung des dort sehr geachteten und beliebten Metzgermeisters Enianuel Weill statt. Es war dies die erste Beisetzung aus dem neuen Friedhose der hiesige» israelitischen Genieinde Der alte Fricdhos, welcher schon mehr als 100 Jahre die Grabstätte der hiesigen israelitischen Grmeinde bildete, bot keinen Raum mehr und durfte aus hygienischen Gründen uicht mehr erweitert werden. Durch die Bemühungen und Opscrwilligkcit dehier hoch angesehene» und langjährigen, ui» da- Wohl der Stadt Thann sehr verdienten Mitglieds des Gcmciudcraths, Abraham Spiro, der auch als Vorstand der israelitischen Gemeinde, trotz sciucs Alters eine segensreiche Thätigkeit entfaltet, ist es der!rraelitischeu Gemeinde gelungen, sich in kurzer Zeit aus eigenen Kräften einen neuen Friedhof zu erwerben. «eh. Ter hier bestehende ״WvhlthätigkeitSverein der israelitischen fugend" ist amtlich als gemeinnützige Anstalt anerkannt ivordcn. Schweiz. Der BuudcSraih hat das Gesuch des schweizerische» Thicrschutz-Vereins um Erlaß ci'ucS für alle Kantone gleichmäßig geltende» VollzichuugsgcsetzeS zum Schächtverbvt, ״auS konstitutionellen und praktischen Gründen" abgewicsen. Die Bundesversam,.,lu»g wird dem Antrag ohne Zweifel zustinimen. (VersasiungSmäßig hindert nichts die Thierschutzvereine, vermittels einer Initiative auch noch die Detailbestimmungen zum Schächtverbvt zu erlassen.) Belgien. Ungeachtet der großen Wahlerfolge der katholischen Partei lourde dennoch der Senator Montefivre-Levy in Lüttich wieder in den Senat gewählt, die übrigen Candidaten haben sich mit den Sozialdewokralen einer Stichwahl zu unterziehen. Parts. An dem hiesigen Rabbinerscminar und an beste» Vorbereitungsschule (Talmud Thora) werden niit dem Eintritt des SeniesterS folgend« Veränderungen vorgenommen: Herr Woguc, Professor der Exegese und Theologie am Seminar und der hebräischen Sprache an der Talmud Thora, tritt seinehohen Alters wegen in den Ruhestand; er wird ersetzt durch den Prof. Mayer Lambert, der bereits Arabisch und syrisch lehrte. Der Lehrstuhl der Theologie wurde dem;»künftigen Schwiegersohn des Seminardirectors Lehmann, Herrn Rabbiner Jacob Kahn übertragen, der auch die hebräische spräche an der Talmud Thora vorträat. Diese Docente» lehren unter der Aufficht Jsraöl Leich's, Professors der jüdischen Geschichte und Literatur an derselben An-, statt. (Wogne lehrte seit 1851; ihn! ist ein otinm cum dignitate wohl zu gönnen. Red.) Parts, in! November. Am jüngsten Versöhuungstage prrdigte der Oberradbiuer von Frankreich über die Nothwendigkeit einer guten ftanzösischen Bibelübersetzung, damit eine billige und correkte Ausgabe derselben in den Besitz der französischen Familien käme. Demnächst wird ein daraus bezüglicher Ausruf zur' Sammlung von Beiträgen ergehen. <5inrtnnatl. Die ״Deborah" weist darauf hin, daß der erste November, der Todestag des Zaren, dasselbe Datum sei, an, welchem vor einigen Jahren die Judenvrrsolgungsedikte vom Zaren unterzeichnet wurden.

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