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Israelitische Wochenschrift · 1894-11-23 · 47 (23.11.1894) · p. Seite 363

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
47 (23.11.1894)
Date
1894-11-23
Page
Seite 363 (sequence 1)
Language
German
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allgemeine Zeitung des Zudenthums. Erscheint wöchentlich* Bit zwei Beilagen (״?smilienbUtt* and :-UttermtarbUtt“) and kästet bei alle« Post« latm and Buchhandlungen, auch direkt bei tzer Expedition, drei Mark vierteljährlich. (Mach de» «u«laude lv Mark jährlich.) Die «ndgabe ohne »Litteraturblatf — nur h«rch die /Mt t" beziehen — kostet L^LV Narb. L te Eimel-Rr. kostet 25 Pt!. Heraurgegrben von Rabbiner Dr. W. Pghmer in Magdeburg- Für Wahrheit, R««h» und ,fric6e111 'T^r־ Inserate für die »Israelitische Wochenschriftwie für das »Jüdische Lftteratnrblatt-, die vtergespaltene Petitzeile oder deren Man« Ly?ff., find entweder durch die «nnoncen» Expeditionen ober — falls »an selbst auf Rabatt Anspruch macht — sleoat einzusenden an: Via Expedition der ״Israel. Wochenschrift*4 in Magdeburg. *s״r 5$יד־ Fnhalk T«tt««b« Artikel, Eine Rundschau. — ,Unsere Heimat" und ,orientalische» GeschSftSgebahren". Bruchstücke au» einer Predigt zu ChajeSarah. — Beitrag zur Geschichte de« BereinSwesen» israelitischer Lehrer in Deutschland. Bo» A. Treu. 'Saritchte ««d L«vv«sp««d««z««> Deutschland: Magdeburg. Berlin. Berlin. Bromberg. Schwerin. Köln. Hannover. Hannover. Dresden. Oesterreich-Ungarn: Wien. Krakau— Rußland: Petersburg. A. d. B. ZekaterinoSlaw. Au» der Krim. Libau. Va»»li«ht« ««» ««««st« Nachrichten, Berlin. Berlin. Beilin. Thann. Meh. Schweiz. Belgien. Pari». Paris. Cincinnati. Wochen- Novemö. 1894 Lhischw. 5655 Kalender. Sonnabend . . 24 25 (4,67) חיי שרה Sonntag . . . 25 26 (Reumondeinsegnung) Montag.... 26 27 Dienstag . . . 27 28 Mittwoch . . . . 28 29 Donnerstag . . 29 I R0«c)1 ('iiwiench Kianlew. Sreita«. . . . 30 2 •* Eine Rundschau. Der biedere Glaubensgenosse, welcher tagsüber in seinem 'Geschäft arbeitet und Abends seine Zeitung, aber auch nur diese liest, hält sich dadurch allerdings über die wichtigeren l^r» eignissc des Tages auf dem Laufenden. Er hat da genau den Verlauf der tödtlichen Krankheit des Zaren verfolgen nen, hat rechtzeitig den Sturz Eaprivi's erfahren und nimmt sich einen Rapport über die Vorgänge auf dem ostasiatischen sschauplatze entgegen. Aber von dem inneren Leben der «genen Nation, von den tausend Strömungen, welche cs ziehen, von dem unendlichen Gewirr der mannichfachcn bungen und Kämpfe merkt der gewöhnliche Zeitungs- 1er sehr wenig. Er kann es auch nicht, denn die Zeitung ag nur Bruchstücke zu geben, ein einheitliches Bild der ^enwart aber kann nur die Beobachtung des Ganzen ge-!rcn, die das Gestem und Vorgestern, das Dort und Drüben Nicht vergißt und alles Ihr-bekannt-werdende aneinanderhält. Der Winter beginnt und bald wird das öffentliche Leben der Ration im graben Gegensatz zu dem Leben der Natur rkcr zu pulsircn, heißer zu entbrenn« anheben. In dem er der Nation sind auch wir Juden eine Ader und sicher- ' lich werden die bekannten Aerzte wiederum versuchen, das Volk gerade an uns zur Ader zu lassen um eS — nach einer mittelalterlichen StaatStherapie — von seinem unreinen Blute zu Hkfreien. Ohne Bild gesprochen, wir Juden werden mit erneuter Heftigkeit angegriffen werden und deshalb erscheint es!. angemessen, gerade jetzt den Versuch zu einem Gcsammtbild Mserer Loge zu macheo, «ine Rundschau abzuhaltcn. Beginnen wir mit »er Politik und den Parteien im Deutschen Reich. Seit der Antrittsrede des früheren Reichskanzlcrs, des Grafen Caprivi, hörten und lasen wir bis zum Uebcrdruß vom ,neuen Kurs", aber kein Mensch wußte, was er darüber zu denken hatte, denn Handelsverträge und Militärvorlagen hatte es auch früher gegeben und die Aenderung in der Richtung war viel unbedeutender, als man nach dem vielen Geschrei darüber crwanen sollte. Höchstens der Ton in der Musik war 'anders geworden. Die Bismarckischen Brutalitäten hörten aus. Immerhin giebt es unter den neuen Gesetzen einige, tvelche eine erhebliche Belastung des Handels» stattdes herbeigeführt und damit einem großen Theil unserer Glaubensgenossen das Leben schwerer gemacht haben. Wir erinnern nur an das Gesetz über die Sonntagsheiligung. Bewundernswerth ist der Opfermuth vieler unserer Brüder, welche nichtsdestoweniger den Sabbath uyd alle Feste (bisweilen, wie in diesem Herbst, vier Tage hintereinander!) streng heilig halten. Das ist der sogenannte Materialismus oder Mammonismus der Juden! Aber ein rein antisemitisches Gesetz giebt es, Gott sei Dank, noch nicht und wird es auch so bald nicht geben. Daran ändert-nichts die Haltung der Parteien. Tie vor Kurzem erfolgte Einigung der antisemitischen Gruppen zu einer ,Deutsch-soeialrn Resormparter" darf in dieser Hinsicht nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht genommen werden. Nicht zn leicht, deun bei den zerfahrenen Parteiverhältnissen können Sie Antisemiten jetzt leicht den Ansschlag geben -und bei ihrer Grundsatzlosigkeit werden fie sich in jedem Falle dazu dräng«, um ,Geschäfte" zn mach«. Picht Csa. -?***jf&jatiektoAXjä't* ... *Ls.

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