Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 41/42 (14.10.1894)
- Date
- 1894-10-14
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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"לרי־יז ■*יי^חי Heueste unö vermischre Wachrichten. Magdeburg. Der ״Eentral-Berein deutscher Staatsbürger üd. Glauben-" versendet jetzt den gedruckte»» Bericht über die Pisherige Thätjgkeit seiner Rechtsschutz-Commission, erstattet vom 3. Vorsitzenden Herrn Dr. Eugen Fuchs. Liegen auch die Erfolge meist auf der negativen Seite, so ist doch auch mancher nicht zu unterschätzende positive Erfolg zu vrrzeichnen. Die ncgativen Erfolge haben den Werth, daß sie eine gewisse Klarheit über das zur Zeit aus geordnetem Rechtswege Erreichbare geschafft haben. Der Bericht saßt dieselben aus Seite 41 in kürze zusammen, indem er die Grundsätze anführt, die in den Bescheiden der Staatsanwaltschaft aus die eingereichten Beschwerden ' mit ziemlicher Regelmäßigkeit wiederkehren. Es sind folgende: >. Bei Beleidigungen de« einzelnen oder mehrerer oder einer größeren Sesammtheit von Juden wird nicht eingeschritten, weil es am öffentlichen Interesse fehlt. 2. Bei Beleidigung ״aller Juden ohne Ausnahme" wird nicht eingeschritten, weil der Kreis zu groß und unbestimmt ist und nicht erhellt, ob gerade der Antragsteller ge« troffen werden sollte und getroffen worden ist. 5. Bei Angriffen gegen den Talmud wird nicht eingeschritten, weil thatsöchlich (?) im Talmud mancherlei bedenkliche Stellen enthalten sein sollen, der Talmnd weder allgemein anerkanntes RtligionSgesep noch Einrichtung oder Gebrauch der jüdischen Religion sein soll, auch nicht ersichllich sei, daß die Angreifer sich der RechlSwidrigkeit ihrer Handlungsweise bewußt gewesen sind. 4. Bei Angriffen gegen da« Indent hum wird die Ab- Weisung der Slras-Anzeige damit motivirt, daß die Jude» . nicht al« ReligionSgesellschast sondern al« Bolk gemeint seien. 6. Bei direkten Religionsvergehen, wo der obeu gedachte Abweisungtgrund anSgeschloffen ist. wird hervorgehoben, daß nicht schon jede Beleidigung eine Beschimpfung sei, daß hierzu nur Ausdrücke besonderer lästerlicher Frivolität gerechnet werden dürften und daß Ausdrücke, wie ״international »erschworene Betrügergefellschasten" noch nicht genügend lästerlich sind.") 6. Bei Aufteizungen zum klasienkampf wird ein Einschreiten adgelehnt, weil die angegriffenen Schriften ja bisher noch nicht den öffenllichen Frieden gestört hätten und eine naheliegende Möglichkeit der Störung nicht anzunehmen sei u. s. w. ״Das sind die übliche» und fast regelmäßig wiederkehrende» Abweisungsgriindc — fährt der Berichterstatter fort —, sollen wir un» bei ihnen beruhigen! Wer dazu räth, der meint enicht gut mit der Sache des Judenthums, oder der hat kein Berständniß für jenes große und wahre Wort unseres größten deutschen Juristen: ־״$״. Kampfe sollst Du Dein Recht finden!" Einen Doppelsieg hat der RcchtSschutzverein bereits erkämpft, wie im ״Nachwort" mitgetheilt wird: 1. Wegen deverleumderischen Borwurfes in der hannoverschen Post", daß durch da» Lol liickro Gebet den Juden Dispens für alle Meineide ertheilt wird, wird das Hauptvcrfahren vor der Strastammer in Hannover «rösfnet. 2. Gegen da« in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitete Flugblatt, welches die Juden zu einer ״internationalverschworenen Betrügergesellschast" stempelt, hat der OberstaatSanwalt zn Breslau den ersten Staatsanwalt daselbst einzuschreilen angewiesen. ״Da- Ergebniß de» Strafverfahren- und die Entscheidung der Gerichte bleibt abzuwarten; wie sie aber auch auSsallen möge, — helßt eS sehr richtig im ״Nachwort" — schon die Thatsache, daß die Anklagcbehörd« die öffentliche Klage erhoben hat, ist ד Gerade betreffs diese« Punkte« ist durch die Oberstaatsanwalt« schasi in Breilau bereit« eine andere idttscheidung getroffen worden.!,.(Siehe oben da» ״Nachwort"). von nicht zu unterschätzender Tragweite. Jahrzehnte hindurch hat man den Juden, einer in Preußen mit CorporationSrechten ausgestatteten ReligionSgesellschast, nachsagen dürfen, daß sie Verbrecher von ReligionSwegen seien; durch hundert Tausende von Flugblättern hat man — ohne sich durch den historischen Zusammenhang von Judenthum und Ehristenthum beirren zu lasten, — diese Beschimpfung in allen möglichen Bariationen verbreitet und damit da- Feuer der antisemitischen Bewegung geschürt; alle Bemühungen, die Anklagedehördc zum Einschreiten zu vcranlnsien. sind vergeblich gewesen; nun scheint es, daß e» u»S gelingen wird, eines der verwerflichsten und gefährlichsten Agitatione mittel der Gegner lahm zu legen." Wir können dem unermüdlichen und trotz vieler Beschimpfungen unentwegten Borgehen des Eentral-BereinS nur unsere volle Zu« stimmung und dankende Anerkennung au-sprechen. Nicht aus die Zahl der errungenen Siege kommt eS an, die Thatsache, daß ein ״RechtSsltutzverein" existirt, der den BertheidigungSkamps gegen die maunigsachen Beschimpfungen unserer Religion und die versuchten Verletzungen unserer staatsbürgerlichen Rechte mit allen gesetzlichen Mitteln führt, ist erhebend und beruhigend zugleich; aber diese Beruhigung darf nicht mit thatenloser Ruhe verwechselt ioerden, sondern legt einem Jeden von undie Pflicht aus, sich um die Fahne dieses Vereins zu schaaren und ihn thatkrästig zu unterstützen. Je größer die Zahl der Kämpfer, desto aussicht-voller der Sieg! Magdeburg. Der 8 130 de« Strafgesetzbuchs, welcher lautet: ״Wer in einer den öffentliche» Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander öffentlich aufreiz!, wird mit Geldstrafe dis zu 600 Mk. oder mit Gefängniß bis zu 2 Jahren bestraft" soll geändert werden. Ein Meinungsaustausch unter den Regierungrn soll zu dem Vorschläge geführt haben, die Worte ״zu Gewaltthätigkeiten" zu streiten. Berlin. Eine christliche Feier des jüdische» Versöhnung-- tages wurde im Saal der evangelischen Brüdergemeinde (Wilhelmstraße >36) am Dienstag Abend um 7'/, Uhr abgehalten. (Wann wird da-Ehristenthum eine» wirklichen Versöhnung-- tag mit dem Judenthum feiern?) Berlin. Im ״Reichsherold" de- Herrn Dr. Böckel ist zu lesen: ״Wie die Einigkeit der Antiseniiten au-sieht, davon giedt ejetzt inerkwürdige Proben: Bor uns liegt ein Zirkular, unterzeichnet von deii ReichstagSabgevrdneten Hirsche! und Köhler. In diesem Zirkular heißt es wörtlich: ״Wir fordern Sie auf, den Berliner ״Reich-Herold" nicht wieder zu bestellen." Das schreiben die Herren, welche dem ״ReichSberold״ ihre politische Existenz verdanken!" — Wer die Verhältnisse kennt, kann Herrn Dr. Böckel die Gefühle, die ihn gegen seine beiden ehemaligen ״Freunde" erfüllen, ungefähr nachfühlen. «tratzbmm t. «s. -Der, wie berichtet, an der hiesigen Universitäl zum Honorar-Profeffor ernannte Dr. S. Landauer ist 1846 geboren. Er ftndirte orientalische Sprachen und vromovirte 1872 1» München zum Doktor. 1876 trat er al« Hilfsarbeiter bei der Straßburger Bibliothek ei». 1884 wurde er dort BUioothekar. Ju den ersten Jahren seine» hiesigen Aufenthalte» lehrte er an der Universität al» Privatdozent Arabisch, Persisch und Hebräisch. Al» Doktorschrift veröffentlichte er eine Studie zur Philosophie der Araber: ״Die Psychologe de» Jbu Sina." Später erschienen von ihm Au-gaben de- Nitab el Amanat von Eaadja, und Firdusi'S Liber regnin, ferner die Studien: ״Halochischr Diskussionen de» JsakAlfafi", »Rabbinicaet Jndaica», ״Zu Merx' Chrestomathia targamica", ״Die Masora zum Onkel»«" (18888). Man »erdankt chm ein Berseichni» der hebräischen, arabischen, persischen und türkischen Handschriften der hiesigen Bibliothek: auch an der Bearbeitung der karlSrrher orientalischen Handschriften nahm er theil. Elbtug. im September. An, 16. d. Mt» fand hier auf dem Friedhof eine Gedächtnißfeie. für den am 6. kifflew S6S3 verstorbenen Lehrer Isar Lev in statt, bei der Herr Rabbiner Dr. Silherstein eine Gedächnißrede hielt. Levin war 30 Jahre hier Religionslehrer. befaß die 711 .1 vom seligen Lippschütz au» Danzig, und war ein Schüler R. Akida Eger».