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Israelitische Wochenschrift · 1894-10-05 · 40 (5.10.1894) · p. Seite 319

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
40 (5.10.1894)
Date
1894-10-05
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
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Budapest über die Anfänge der arabischen Poesie. Nach den Darlegungen dieses namhaft» Gelehrten ist dieselbe aus »berformelo hervorgegangen, die dazu dienen sollten, den inden Leid und Schaden zuzufügen. Die Thütigkeit des ichterS und des Zauberes fiel also in den frühesten Zeitm smsammen. Der Vortragende wies auf die Erzählung von Bileam im alten Testament als das älteste Beispiel für diese Berhältnisse hin. Die aus den Zaubergesängm hervorgegangene satinsche Poesie, deren Recitatton anfänglich von Gesten begleitet war, zeigt eben hierin noch deutlich ihren Ur» fprung. Grünerl-Prag berichtete über die reiche Ausbeute von Eduard Glasers letzter südarabischer Reise. (Glaser hat Nämlich eine Anzahl Inschriften und 252 Manuskripte aus ■oßot Gebieten der arabischen Wissenschaft mitgebracht, darunter 14, die mit zu den ältesten arabischen Handschriften gehören, die unS überhaupt erhalten sind.) S. F. Jassy. (Or. Eon.) Am 13 September fand in Jassy die feierliche Einweihung der von dem Verein ״Cultura" gegründeten Schulen statt. Wie unseren Lesern bekannt, wurden die Juden Rumäniens durch das im vorigen Jahre votirte Schulgesetz, welches jüdische Kinder vom Besuche der öffentlichen Schulen fast gänzlich ausschließt, genöthigt, zur Gründung von Schulen aus eigenen Mitteln zu schreiten. In last allen größten Städten deS Landes entstand» Vereine, welche eS sich zur Aufgabe machten, den Kindern jüdischer Eltern den ihnen durch das neue Schulgesetz entzogenen Schulunterricht wiederzugeben. Die bedeutendste derarttge Vereinigung ist der, Dank den Bemühungen des Herrn Dr. H. Tiktin anfangs diese- Jahres i»S Leben gerufene Verein ״Cultura" in Jassy, der gegenwättig über 400 Mitglieder mit Jahresbeiträgen von zusammen über 25000 Francs zählt. In den drei von dlesem Vereine bisher gegründeten Schule» erholten über 600 Knaben größtencheil unentgelüichen Unterricht sowohl in allen von dem Pro- «ramm der Staatsschulen vorgeschricbmen Elementargegenständen als auch in den hebräisch» Sprache. Die VorttagSspräche ist ausschließlich die rumänische. Die Eröffnungsfeier nahm folgenden Verlauf. Am Morgen des 13. September versammelten sich sämmtliche Zöglinge der drei Schulen von dem Locale der Schule Nr. 2 (Sttada Palatulin Nr. 151, zogen mit ihren Fahnen und mit einem Musikcorps an der Spitze, unter Führung ihrer Lehrer, durch die Hauptstraßen der Stadt und begaben sich nach der Schule Nr. 1 (Sttada Olba Nr. 15), woselbst die Feier siattfand und. welche zu diesem Zwecke mit Laub, Guirlanden, Fahnen und Lampions aufs reichste geschmückt war. Daselbst war bereits eine große Menschenmenge ver- Sammelt, welche den ganzen Hof deS Schulhauses und dm »avor befindlichm Platz ausfüllte. Auf dem vorder» Balcon hattm die Damen der Jassyer Gesellschaft Platz genommen, währmd die Mitglieder des Vereins auf der Terasse des Hauses und den zu derselben führmden Freitteppen Aufstellung genommen hattm. Nachdem die Schüler dm Umzug durch die Stadt bemdet hatten und in dm Hof d«S Schulgebäudes Selangt warm, bettat der Ehor deS Tempels ״Beth Jacob" ie Terasse und ttöffnete die Feier mit Absingung von Psalmm und einer Festhymne, worauf der Eantor das übliche Gebet für dm Landeshcrrn verrichtete. Dann bettat Herr Dr. Tikttn die Rednerbühne und hiell die Festtede, in der er die Umstände schildette, welche zur Gründung deS Vereins geführt, die große Wichttgkeit dn Aufgabe zeigte, welche sich derselbe gestellt, die Opferwilligst seiucr Mitbürger mit warmm Wort» prieS und dm Segen des Allbarmherzigm auf das schöne Untemehmm herabflehte. Rach Herm Dr. Tiktin Machen noch die Herr« Dr. H. Herzeuberg, Vicwräfidmt der Schulcomnnssion, und Dr. PH. MargulieS, Mitgliü» derselbe». Hierauf umrden seitens der Damm d«S Festromitä- Erfrischung» an die Zöglinge veradreicht. Am Abend fand ei» Gartenfest in demselben Locale statt. Beim Festmahle verlas Dr. Tiktin die eingelaufmen Glück- Wunschtelegramme und Gratulattonsschreiben. Zahlreiche Toaste wurden auSgebrachr; die Luft erscholl von dm Rufen: Hoch der Verein ״Eultura"! hoch Ehrendirector Tikttn! hoch daS gesammte Comirä! u. s. w. Das schöne Fest schloß mit einer Tanzunterhaltung, die erst in dm Morgenstunden endete. Sttigarien. Sofia. Am 10. September wurde hier ein Rabbinerseminar in Gegmwatt des Eenttal-Consistoriums für daS Fürstenthum Bulgarien eröffnet. Herr Großrabbiner Dr. M. Grünwald, gleichzttttg Director des Rabbinerseminars, hielt ttnr Ansprache, in welcher er die Wichtigkeit. ja die Nothwendig- Feit dieses Institutes für die Juden Bulgariens auseinandersetzte. Aus diesem Anlasse veröffentlichte er auch die Schüft: ,Praktische Einleitung in die Mischnah". Aus den 6 Ordnungen der Mischnah sind einzelne Mischnah's ausgewählt, spagnolisch übersetzt und mit erläutemdm Anmerkungen vnsehen. Das Seminar zählt gegenwärtig drei Hörer, je einer aus Ruftfchuk, Tatar-Bazardjik und Nova-Zagora. Sämmtliche Mische Gemeinden haben sich verpflichtet, jährliche Bcittäge zur Unterstützung der armen Studirmdm zu senden. — Neben Herm Dr. M. Grünwald wird der Redacteur deS ,Amigo bet Pueblo", Herr Samuel b. Eli za, die Zöglinge des Seminars unterrichten. Widdin. Gelcgmtlich der Einweihung der hiesigen Synagoge hat Herr Dr. M. Grün wald ttne Schüft (I)idrv Illoräevbai) veröffentlicht, welche von Seite 1 bis 22 die Geschichte der Cultusgemeinde Widdin, von Seite 23 bis 32 die bei diesem Anlasse gehaltene Rede in spagnolischer Sprache uud von Seite 40 bis 48 einm Theil des jüngst im ,Jüd. Litteraturblatt" von Dr. M. Grünwald besprochmen Manu« scttptes des Ralbag und zwar einen Theil in hebräischem Text und mit spagnolischer Uebersetzung enthält. Die Schüft wurde aus Kosten der hiesigm Cultusgemeinde gedruckt. Neueste unö vermischte Nachrichten. Raßdebnrg, 4. Octobu. Der Mischen Wissenschaft ist eine hohe Ehre erwiesen worden. Professor Dr. LazaruS ist anläßlich seine- 70. Geburtstage» vom deutschen Kaiser zum Geheimen RegierungSrat emannt worden. Eine seltene Auszeichnung, vielleicht das erste Mal. daß sie einem jüdischen Gelehrten zu teil geworden. ־ י״י ליראיוflD Berlin. 4. Ocober. Aus eine Beschwerde deS Vorstandes der ״Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens״ hat der KüegSminister gegen den Redacteur deS ״Reichsherold", Reichstagsabgeordneten Dr Böckel, wegen Beleidigung der Einjährig-Freiwilligc» jüdischer Religion auf Grund deS Z 186 deS Strafgesetzbuches den Strafantrag gestellt. Berlin. — Dr. Karl Bernstein. außerordentlicher Professor deS römischen Rechts an hiesiger Universität, der krankheitshalber aber schon seit etwa zwei Jahren seine Vorlesungen einstrllen mußte, ist am Sonntag im.53. Lebensjahre gestorben. Er stammte au» Odessa. Berlin DaS Organ deS Abg. Förster düngt in süner Nr. vom 18. September eine Notiz über einen jüdischen HeirathSschwindler Schnitzer, der 16 Jahre im Zuchthause zugebracht, und fügt in Klammer hinzu: ״Ein Namensvetter von Emin-Paschal" — Wieviel Namensvettern des Herm Dr. Förster mögen wohl im Zuchthause fitzen? Zu Pideage» brachte kürzlich der antisemitische Agitawr au» Zülpich üne Versammlung zusammen, welche mit großer Majorität beschloß, daß von Mischen Metzgem kein Fleisch mehr gekanst werden soll. — Der Beschluß wird jedoch unwirksam sein, denn gerade im Kreise Duren, in welchem Nideggen liegt, hat der Antisemitismus durchaus keinen Boden. Au» Part» wird beüchtet, daß der Bischof von Blois, MSgr. Laborde, gleich den Bischof von Bame» seinen Geistlich» da» Lesen der anttsemitischen »lädro parole« Drumont» verboten hat.

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