Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift · 1894-09-28 · 39 (28.9.1894) · p. Seite 311

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
39 (28.9.1894)
Date
1894-09-28
Page
Seite 311 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492344-5935089-5962352--2196-5376432
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

י:< Glieder zählt, damit, ein« Neuregelvug deS HeimatSttchts herbei- Juführen und die Einwanderung fremder unliebsamer Elemente, | darunter verstehe er auch vor Allem die aus dem Osten kommenden Juden, fast unmöglich zu machen. Daraus er-;־;־ Hebe sich zur Genüge von selbst die Stellung dt- Verbandes zu der angeregten Frage. (Also doch antisemitisch!) Marburg, 21. September. Ein empörendes Beispiel - echt jüdischer Unverschämtheit, das vor einigen ztvanzig Jahren »assirte, hat dieser Tage endlich seine Sühne gefunden. Zog F da aus dem Kirchspiel Hebel, Kreis Homburg, mit der seiner K Race eigenen Aufdringlichkeit ein Jude, NamenS Moses Fränkcl, | in den deutsch-französischen Krieg. Damit nicht genug, er- A. dreistete sich der Jude, offenbar auf eine geheime Weisung D der alliunce israelite, sich für das deutsche Vaterland, todt f schießen zu lassen, für das Vaterland, das ihn doch gar nichts f onging. Im Lauf der Jahre wurde beschlossen, in Hebel eine A -Kriegergedenktafcl zum Gedächtniß an die Gefallenen aufzu- %■ hängen. Da erinnerte sich der Pfarrer von Hroel, Leichmann, ) an Me jüdische Schandthat und setzte all selnen Einfluß ein, ' daß der Name des Moses Fränkel nicht auf die Tafel komme, F sintemalen der Jude, trotz seinekirchenfähigm Namens Moses, - nicht in das christlich« Gotteshaus gehöre. In diesen Tagen f ist die Tafel aufgehängt worden, aus der der Name des Moses Fränkel — fehlt. Somit hat Hebel das reine Deutschthum gelettet, wenn anderdas in Melsungen, der Hauptstadt der deutschen RechtSpattei, erscheinende ,Hessische BolkSblatt" die Wahrheit berichtet hat. Sumäitien. Bukarest, 12 September. Das hauptstädtische Tribunal hat anläßlich einer an dasselbe gerichteten Berufung gegen ein «rstrichterliches Uriheil eine prinzipiell interessante Entscheidung gefällt. Der Einbringer der Berufung hatte nämlich seinen mrkurs gegen das erstinstanzliche Urtheil!«mit motivitt, daß dasselbe auf Grund eines von seinem der israelitischen Konfession angehörigen Prozeßgegner nicht in der Synagoge, sonder» im Gcrichtssaale abgelegten Eideausgesprochen worden sei. Das Tribunal hat nun diese Motivirung als Unbegründet zurückgewiesen. Bezüglich der prinzipiellen und moralischen Bedeutung dieses Bescheides muß auf den Unfug »erwiesen werden, welcher namentlich von einzelnen unteren Gerichtsinstanzen der Provinz damit getrieben wurde, daß man Parteien mosaischen Glaubens zur Eidesleistung im Gerichtssaale gar nicht zuließ, sondern sie zu der umständlichen Eidesleistung in der Synagoge anhielt. Mit der Entscheidüng des Bukarester Tribunals, daß der von einem Juden im Gcrichtssaale auf seine heiligen Bücher abgelegte Eid volle .Geltung habe, ist freilich die Frage betteffs der Berechtigung der rumänischen Gerichte, von einer israelitischen Pattei die Eidesablegung nach alttestamcntarischem(?) Ritus in der Synagoge zu verlangen, »och keineswegs endgiltig beantwortet. Hierzu bedarf es erst eines Urtheils des Kassationshofs, da «S, so lange ein solches »och nicht erflossen ist, den Einzellichter» auf die bloße Gefahr eines Rekurses an die Oberinstanz hin noch immer freisteht, die betreffende Frage nach ihrem Gutdünken zu behandeln. Heueste und vermischte.Nachrichten. Bettln. Daß der Ausdruck ,Judenblatt" beleidigend ist, ist . dieser Tage in dem Proreffe de- ZeitungSverlegerS Rudolf Masse Margen den Redatteur Dr. E. Müller vom ,Reichsboten" wegen j Beleidigung ettanut worden. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat tEollmann, fühtte in der Begründung des Uttheils aus: ,Der Ausdruck,Judenblatt" ist beleidigend, denn wenn auch allgemein :von ,Judenblatt" geredet wird, so muß man doch dabei an sonen anknüpfen — eine Zeitung selbst hat doch keine Religion. Deff»». 24. September. Ski der Eröffnung der Eisenbahn on hier nach Wörlitz durch den Erbprinzen Friedrich erhielt v. Lohn alt Urheber und Förderer de- Bahnbaus, den der Stadt Wörlitz durch den Bürgermeister. . de» Kaufmann stattet. Voran ging eine Trauerfeier in der Synagoge — in welcher der Verstarb«»« i» früheren Jahren an den Feiertagen selbst vorgebetet hatte, — der viele Leidtragende, darunter die Mitglieder de- Magistrats, der Bürgermeister und die Stadtverordneten, sowie alle Mtiglieder der hies. Synagogengcmeinde (und aus Burg), deren erster Vorsitzender der Verstorbene war, beiwohnten. Länger al» 25 Jahre gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an und seit 14 Jahren bekleidet« er das Amt eines Stadtverordneten- Vorsteher». Biele WohlthätigkeitSanstalten haben in ihm einen stet» hüls-brreiteu Gönner verloren. — Der einzige Sohn de- Verstorbenen ist Landrichter in Altona. Taruawttz, 23. September. Heute fand hier die Einweihung der neuerbauten Leichenhalle durch Predigt und Gesang statt. ttschwege. 21. Sept. Der antisemitische Reichstagsabgeordnete für Eschwege-Schmalkaldeu, HanS Leuß, wird jetzt von seinen eigene» Pattcigängern im Stich gelaffen. Das ,Schmalkalder Tageblatt", welcheebenso wie sein Verleger und Redakteur in der Hauptwahl 1893 die Wahl de- Herrn Leuß dringend empfohlen hatte, schreibt jetzt: »Wir haben keine Beranlaffuug. Herrn Leuß in Schutz zu nehmen, im Gegentheil bedauern wir außerordentlich, daß u»ser Wahlkreis einen solchen Bettrtter erhalten hat." (Der Wahn war kurz, die Reu' ist laug.) Franktun a. M., 10. September. BemerkenSwcrth ist die Rede, welche der Pfarrer Naumann jüngsten Sonntag, als der Evangelisch« Arbeiterverein sein neues Verein-lokal bezog, hielt. Er sprach über den AntffemitiSmuS. ״Wir wollen nichtzu thun haben." sagte der Redner, ,mit einer Bewegung, die den Gegner gegenüber nur Lunaeukrast, aber keine Gedanken in- Feld führt. Selbst da» Richtige, was von solcher Seite ausgesprochen werden mag. verliert seine Kraft durch die Hintansetzung der Gruuddediiiguiig alleparlamentarischen Leben-: der Achtung vor dem Gegner." jBravch!) Nürnberg. 25. September. Die hiesige Straskamnier ve-- uttheilte heute den antisemitische» Agitator und Broschürcnschreider Retterspitz wegen Beleidigung zu 6 Monaten Gefängnis und ordnete seine sofortige Verhaftung an. T. Wien. .20. Sept. (Or.-Corr.) Der Kaiser hat dem ordentlichen Professor für Dermatologie an der hiesige» Univerfitäl, Dr. Isidor Neu man», in Anettennung seiner hervorragenden Verdienste uni die Organisation des öffentlichen SanitätSwesens in Bosnien und der Herzegowina den Titel eines HofratheS verliehen. Ncumann ist der einzige jüdische Proseffor, der durch den HofrathStitel ausgezeichnet wurde. Haag. An Stelle deseligen Oderrabbiners B. Bernstein wurde Herr Tall von Arnhem zum Oberradbiner gewählt. S«peuha»en, 18. Sept. Nach erfolgter königlicher Ernennung alzweiter Rabbiner der hiesigen Gemeinde war Dr. E. Kali sch er zur Audienz bei Sr. Majestät. Der König äußerte demselben seine Anerkennung darüber, daß er in 1'^ Jahren eine solche Beherrschung der Landessprache sich angeeignet habe. Petersburg, 20. September. In einigen Gegenden sind Jude», die aus den öffentlichen Aukliouen Staatswaldungen zum Abholzen erstanden hatten, von der öttlichcn Polizei nicht in die Wälder getaffeu worden, da Juden in der detrffcnden Gegend nicht da» Recht hätten, außerhalb der Städte und Flecken zu wohnen. Da hierdurch auch der Staat Verluste erleidet, so ist verfügt worden, daß solche J-raeliten für die Frist, i» der da» Abholzen der Wälder erfolgen muß, bedingungslos da- Recht haben, sich zeitweilig in dem betreffenden Rayon aufzuhalten. deSgleichen auch die Kommis deS Käufers; letzter dürfen jedoch die Anzahl nicht übenteigen. dir der Kaufmann »ach seine» Handelspapieren zu halten berechtigt ist. Jerusalem. — Die Eyenbah» von JLfL nach Jerusalem befördert durchschnittlich jährlich 20,000 Reisende; di« Einnahmen bettagen monatlich 40,000 Jrauken und die Ausgaben 30,000 Franken; die Einfuhr von JLsL nach Jerusalem beträgt da» Fünffache der Ausfuhr von dott nach Jüfü; die Bah» wird nur prosperiren, wenn 0>e bisherigen hohen Fahrpreise herabgesetzt werden uuter Hinzufügung einer bis jetzt fehlenden dritten Wagenklaffe; die hohen Fahrpreise bewirken, daß Biele aus dem bisherigen Fahrwege vettehren, aus welchem sich auch der Lastenvettehr bewegt, so daß täglich ca. 4000 Kaineele JLsü passircn. Rew-Putt. Die hiesigen Juden haben die Errichtung einer Statue zum Andenken de» >m Somnier verstorbenen Philanthropen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.