Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 37 (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Magdeburg, (4• September;(894• XXV. Hahrg. L ־ tef. eine allgemeine Zeitung des Zudenthums. Erschelht wöchentlich ■it zwei VeUogen (,.Familieablatt“ und ,.Litt«r»tarblaU ל and kostet bei allen Post- *ü«tern »ad Dnchdandlnuae», anph direkt bei der Erpedit׳»n. clnsl ^Harl« oirrteljLdrlich. (Naw dem *uilaube 15 Mark iührlich.) Die Laogabe ohne..Litteraturblatt" — nur darch die »rt zu beziehen — koket 2L6 Narb. ^1e Kin*el־Hr. kostet 26 PtR. Heraurgegeben von Rabbiiikk vr. M. Pahmrr in Magdeburg Für Wahrheit, »««ht und ,friciot! Inserate für di- ^»rael,tische Sochenschrtfi-' wie für da» .Jüdische Litteraturblatt". die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum 26 Pf»., sind entweder durch die Annoncen- Speditionen oder — soll« man selbst aus Rabatt Anspruch macht — direct einzu« senden an: Di« Expedition der ״larael. Wochenschrift,“ ia Magdeburg. Ns" 1*Jtk Wochen- Zeptimb. 1894 . «lut. 5654 Sonnabend . . 15 14 Sonntag . . . lß 15 Montag . . 17 16 Dienstag . . . '.8 17 Mittwoch . . . 19 18 Donnerstag . . 20 19 -reitag. . . . 21 20 § 11 Jj a I f: ‘ ‘1*1 ftittnbt JtetiMt Herr Prof. R Lazarus zu seinem 70. * Beburtstag Bon B. R. — Orsseulliche Bolksvrrlammluiigen. Bon B I — Die Socialhqgienr der Juden. Besprochen »o» Tr. Linger-Loblenz. (Schluß.) — Jüdische Lehrer-Bildungsanstalten in Deutschland. Bon Seniiiiarlehrer A. Treu in Münster. (Schluß.) &<rid?U «nd C«mfftMtt«jt111 Deulschland: Magdeburg. ‘ ^Berlin ' Hannover. Thoni. Crefeld. München. Hall. Lesterreich-Ungarn: Lemberg. Lemberg. Budapest. ve»»N«ht«««»d««««ki«Na«h»i«ht»«, Magdeburg. Berlin. Gleiwiß. Mannheim. Mosbach. Leiiomischl. Paris. Cincinnati .1>»ז0)«3 Mulndrr. 7.8) בי תדא). lVivk I ». II. Hkmi frifrifir I. Ltjgris j> friir■?9. ־ Aristoteles, bet selbst kein hohes Alter erreicht hat und barm» über das Alter nicht aus eigener Erfahrung sprechen konnte, sagt, dass die Greise nur in der Erinnerung und nicht in der H offnung lebe». Ter Satz hat nur seine Richtigkeil, wenn wir von unserem engen persönlichen Dasein reden und gilt darum von allen denen, die nur für sich und den kleinen Bezirk ihre- Hauses existieren. Aber wer öffentlich wirkt, der lebt als Greis erst recht in der Hoffnung; auch wenn ihm die Früchte nicht so, wie er erwartet hatte, gereist sind, erfrischt und ermuthigt ihn die Zuversicht, daß er nicht vergebens gearbeitet hat, daß das Saatkorn, welches er in die Furche der Zeit gestreut hat, einmal ausgehen wird. Pros. Lazarus war religiös und polirisch ein Anwalt - seiner Glaubeusgemeinschast, und ist, trotzdem das Schicksal ihn hcimgesucht und ihn in seinem Hause vereinsamt hat, so rüstig, daß er nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Oeffcntlichkeit noch als Greis ans seinem Posten aushält; er hatte stets den hohen Muth herauszutreten, und eine Fahne zu entsalten; und es ist ihm wie Wenigen gegeben, seine " Meinungen in klassischen Worten auszuprägen. Lazarus hatte, besonders politisch, nicht immer Recht. , Heute wissen wir es Alle, daß Bismarck im Jahre 1887 die üffrntliche Meinung in Deutschland düpirt hat, daß das Schreckgespenst einer auswärtigen Gefahr zu ganz anderen Zwecken heraufbeschworen wurde, als diejenigen waren, die Fürst Bismarck öffentlich auSsprach.^ ,Die Großen der Erde, sagt ein Franzose, haben Interessen aber keine lieberzcugungen". Lazarus hat das in der Harmlosigkeit eines dent'cheii Gelehrten nicht bedacht. Aber auch wenn er politisch sich. zum Worte meldete, hat er vor Allem sein jüdisches Herz befragt, das treu schlägt für de» geringsten seiner Brüder. Lazarus hat zu sein ein 70. Geburtstag seinen Glaubensgenossen ein Geschenk bereitet und jüngst eine Studie über den Propheten Jeremias veröffentlicht, die sich auszeichnet durch den Adel der Form und die Wärme der Empfindung. Aber das Thema hat wohl auch einige persönliche Beziehung im Sinne der Worte, die wir einleitend ausgesprochen haben. Lazarus sagt in einem früheren Werke (Treu und Frei, S. 820): ,Mag immerhin ihr Werk, weil es unvollkommen ist, mißlingen — ihr reines, starkes Wollen, ihr heißes Ringm dauert als ein Saatkorn, welches in schöpfungssrohen Geistern späterer Zeit wieder aufgeht und fruchtbar wird. Darf man Kleines mit Großem vergleichen. Nichts hat Jeremias bei seinen Zeitgenossen ausgrrichtet; die Großen haben ihn verdämmt und verlassen, die Gassenbuben haben ihn verhöhnt; versunken und vergessen ist die gedankenlose, nur in der Gedankcnlosigkcit einige Masse; und die Große» und Vornehmen führen rin trauriges Andenken allein desivegen, weil sie, seinem Gedankrnfluge zu folgen unfähig, eine Rolle in seiner Leidensgeschichte spielen. Seit dritthalb tausend Jahren aber wird immer wieder an den Worten, welche seine Zeitgenossen zu beherzigen zu blöde und zu stumpf gewesen, an den Worten welche die Gluth seines Ernstes und die Reinheit seines Wollen« bezeugen, heiliges Feuer der Gesinnung entzündet.- A9B