Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 35 (31.8.1894)
- Date
- 1894-08-31
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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hörigen erhebende und wahrhaft aufrichtend« Worte des Trostes. Auch der tiefgebeugte Gatte gab, unterbrochen vv» öfteren. Schluchzen, den Gefühlen seiner und der Familie Trauer am Grabe geziemenden Ausdruck. Möge diese »Escheth lappidoth«, die ihr Haus zu einer echten Stätte des Friedens und der Freudigkeit zu gestalte» wußte, nunmehr im himmlischen Frieden ruhe! Budapest, 22. Aug. Tei» seitherigen Privatdozenten anderhiesigen Universität, Dr. Ignaz Goldzihcr, ist der Titel und Charakter eines ,ordentlichen Professors" verliehen worden. Bis jetzt hat noch kein Jude an der Budapester Universität den Rang eines ordentlichen Professors erlangen können. Ter angebliche Charakter dieser Universität als einer kathotischen Stiftung hat bisher als Vorwand herhalten müssen jüdische Bewerber um Ordinariate a limine zurückzuwciscn. , Das hinderte jedoch nicht, daß schon seit Langem schon Pro- * tcstanten zu ordentlichen Professoren ernannt wurden. Nur dem Juden gegenüber blieb die Universität ,katholische Stiftung." Diese Ungerechtigkeit einigermaßen zu bemänteln, wurden an der zweiten Landesuniversität, Klausenburg, einige wenige ״Ehrenjuden" als ordentliche Professoren untergebracht, aber auch dort nur, wenn absolut kein anderer Be- . Werber auszutrciben war. Der ehemalige Kultusminister Pauker legte jedem jüdischen Kandidaten in cynischcr Weise nahe, erst durch die Taufe seinen Eintritt in die ungarische Gesellschaft zu erwirken, ehe er den Anspruch erhebe, von der ungarischen Gesellschaft versorgt zu werden. Der liberale Kultusminister Csaky ließ es in Betreff der Juden gleichfalls bei den Pauker'- scheu Maximen. Nun aber ist der ehemalig« Professor der - Physik Barou Lorand E ö t v ö s, der Sohn des großen Staatsmannes Baron Josef Cötvös, Kultusminister geworden und dieser hervorragende Gelehrte hat denn auch vor Wissenschaftlichen Leistungen soviel Respekt, daß er nicht länger sesthielt an der Fiktion der katholischen Universität. Er setzt sich kühn über die gehässige Tradition hiniveg und läßt einem Gelehrten von Weltruf endlich die verdiente Würdigung zu Theil werden. Goldziher zählt zu den hervorragendsten Orientaliftendcr Welt und hat als solcher schon die.ehrendsten Auszeichnungen des In- und Auslandes.erhalten. Tie Wahl Eötvös' darf also eine durchaus glückliche genannt werden. Bedenkt man, welche außerordentlich bedeutende Rolle die jüdischen Gelehrten im wissenschaftlichen Leben Ungarns spielen, so wird nia, die That des neuen Kultusministers nur als Ausfluß des Rechtssinnrs und als Akt einer weise» Assimilirungspolitik billigen können. Ukuestk und vkrmifchtk Nachrichten. Magdeburg. 26. August. Ahlwardt nutzt die wenige» Tage goldener Freiheit, die ihm noch vis zum Antritt der dreimonatlichen Gesängnißstraic zur Bcrfügung stehen, »ach Kräfte» aus, um der antisemitischen Sache neue Anhänger zu gcwimien. Er bereist gegenwärtig Ne Provinz Pommern,' wo er von Dorf zu Dorf zieht und in zahlreichen Bersammlungcu gegen das übliche Entröc seine Weisheit an de» Man» und die Kinder bringt. Man scheint ihm dieses Geschäft nach Möglichkeit zu erleichtern. So hat in einem kleinen Städtchen, in dem am vergangenen Donnerstag Ahlwardt einen Vertrag -über die Judenfrage Hallen sollte, eit, Lehrer in be4 Untertertia des GyinnaflumS gesagt: ״Wer am Donnerstag zum Bortrag geht, dem sind die Arbeiten für Freitag erlaffe)!. Ich hoffe, recht viele von Euch mit den Ellern dort zu sehen." Dieser selbe Lehrer würde wahrscheinlich den Unterricht autzsetzcn, weim es dem ,Rektor aller Deutschen? einfielc, feinen Bortrag während der Schulzeit zu halten. Die.״Nordd. Allg. Ztg." wirlz zweifellos da»Vorgehen des Lehrers nicht in Ordnung finden, aber sollte es nicht nothwendig fein, gegen eine derartige systematische Erziehung zum Judenhaß einzuschreitcn? Magdeburg Die .,Staatsbürger-Zeitung" muß jetzt selber erkläre», daß die in der famosen ״Selterser Räubergeschichte" für ״jüdisch" au-gegebene Dresdener Firma Siemen-L Eo., die 5 Millionen Mark den ״respektablen christlich«»" .entrissen haben, gar keine jüdische, sonder» gut christliche sei. (Das war also wieder einmal nichttl — Pergl. den Leitartikel in Rr. 33.) Hannover. Die ״Papenburger Ztg." leistet sich folgenden antisemitischen Beitrag zu dem Kapitel über die sogen. Berzudnng des Richtcrstandes: ״Dein Bernchincn nach ist die diirch den Fortgang des Amtsrichters Löwenherz erledigte Stelle wiederum mit einem Amtsrichter jüdischen Bekcniitnisses besetzt worden. Da sich in der Stadt Papenburg wie in dein Amtsgerichts-Bezirke Jude» nicht i» nennenswerther Zahl aushalten, so kann hierin der Grniid sür diese Erschciining nicht gesunden ivcrdcn, wir sind vielmehr nachgerade genöthigt, in letzterer ein Zeichen besondereu Wohlwollens der Justizverwaltung. sür unsere Stadt zu erblicken. Wir müsse» hiersür de» maßgebende» Instanzen in Celle und Berlin un> so dankbarer sein, als es sich »m den einzigen jüdischen Amtsrichter der ganzen Provinz Hannover handelt." — (Und auch diesen ״Einzigen" will man sortgraulen! In Koniy ist übrigens die Stelle des nach Danzig versetzte» jüdischen Landrichters nicht wieder mit einem jüdischen Richter besetzt worden.) Thalheim. 20. August. Zu Ehren des nach Oehringen besörderten Lehrers 2. Rosenberger wurde eine herzliche Abschiedsseier veranstaltet, welche aus allen Kreisen der Bevölkerung gut besucht war. Der Lrtsschulinspektor, Herr Pfarrer Eitel, hob die gesegnete Wirksamkeit des Scheidenden auf allen Gebieten seiner Thätigkcit hervor. Herr Kirchenvvrsteher Mos. Manasse überreichte unter warmen Dankeswvrten dem Scheidenden ei» werthvolles Geschenk als Andenken. Aus Bulgarien, 24. August. ,Or.-Corr.) Am 14. August, dem Tage, an welchem vor 7 Jahren Fürst Ferdinand I. den bulgarischen Thron bestieg, besand sich der Grotzrabbiner Tr. Grünwald aus seiner Jnspcctionsreise in Rustschuk. Er sandte von da aus ein Glückwunsch-Telegramm an den Fürsten nach Sofia und erhielt von demselben folgende telegraphische Antwort: ״Grotzrabbiner Tr. Grünwald, Rustschuk. Empfangen Sie meinen Dank sür die Glückwünsche, die Sie im Namen sämnillicher Israeliten Bulgarienan ,»ich richtete». Ich bin hiervon tief gerührt und danke auch Ihnen sür Ihre persönlichen Gebete. Ferdinand." — In den drei alten Gemeinden Jambol, Nicopol (Wirkungsort des Rabb. Josef Karo) und Widdin werde» im Monat Ellnl neue Synagogen ringcwciht werten. Bei der Einweihung derSynagogc in Widdin, die in Maurischeni Styl erbautist, wird der Großradbii'er die Festreden halten, tmd zwar eine in spaniolischer und eine zweite in bulgarischer Sprache. Widdin zählt 400 jüdische Familien. Petersburg. 7. August. Ein amerikanischer Philanthrop, der bereit» »ährend der Hungersnoth in Rußland diel Gutes gethau hat, beabsichtigt, von amerikaiüschen Gesinnungsgenossen unterstützt, in Rußland eine landwirthschastliche Lolonie für anne Juden zu errichten. (Lamit hängt wohl die Reise des amerikanischen Rabbiners Dr Krauskops nach Rußland zusammen, woselbst derselbe sowghl vom Finanzminister als auch vom Generalproturator Podbidenoszew wohlwollend ausgenommen wurde.) Smyrna. Wie der »Oourier de 8myrna« meldet, haben vier wackere Israeliten, die Feuerwehrmänner Jsak Danon, Sa-׳ muel Speranza und noch zwei andere nicht namentlich angeführte, sich anläßlich der letzten großen Brände außerordentlich tapfer und tocesmuthig benommen und di« Rettuirg von Menschenleben mit eigener Gefahr bewerkstelligt haben. Der Gouverneur berief sie vor die Front, belobte in längerer Ansprache die Wackeren und heftete ihnen die vom Sultan verliehenen Ehrenzeichen an die Brust. Jerusalem. Mittelst der alten, salomonischen Wasserleitung, die wieder hergestrllt weroen soll, würden der Heiligen Stadt die 22 Kilometer südwärts befindlichen Quellen von Arroub zugeleitet werde». Während die alte Wasserleitung das Gebirge in einem Bogen umging, wird die neue dasselbe in einem 3750 Meter langcn Tunncl - durchschneidc». Die Kosten dieses Werkes sind aus zwei Millionen Francs berechnet. Es ist bemerkenswcrth, daß noch zur Zeit des Pontius PilaiuS die alte Wasserleitung die Quellen von Arroub »ach Jerusalem brachte. vinriunati. Bo» den aus den, hiesige» ״Hebräischen Union College" hervorgegangenxn Rabbinern hoben bereits 41 Anstellungen in amerikanische» Gemeinden gefunden — ein schönes Zeugniß für die Leistungen dieses Jnstit»:s. Da es in Amerika etwa 300 Gemeiuden giebt, so . ist noch viel zu leisten. Das College ist der Unterstützung der amerikanischen Geldfürsten werth, und es ist zu verwundern, daß »och keiner derselben mit einer größeren Dotation sich einen Namen zu machen den Ehrgeiz hat.