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Israelitische Wochenschrift · 1894-08-17 · 33 (17.8.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
33 (17.8.1894)
Date
1894-08-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 258 — uns abhanden gekommene Schweinhagen sich zu ihm gesellt hat, um das Verleumdungsgeschäft mit beschränkter Haftpflicht gemeinsam fortzusetzen. Schw. ist gegangen »yd Hempel- Lange sind gekommen, um einem tiefgefühlten Bedürfnisse abzuhelfen und auf Kosten derer, die nicht .alle' werden, eine neue Zeitung zu gründen, welche allen Schäden abhelfen soll, namentlich dem in der eigenen — Geldtasche. Die trefflichste Illustration zu der Frage, ob diese Leute für das .Wohl der Arbeiterklassen' oder für das eigene besorgt sind, bietet die Arbeitsniederlegung sämmtlicher sieben Arbeiter in dem Försterscheu .Freideutschland', von welchen dieser edle Wohlthätcr verlangte, daß sie für das übliche Lohnminimum das Arbcitsmaximum einer viel größeren Anzahl von Setzern übernähmen. Da der große Geldgeber Herzog todt ist, kann nur ein solches Haifischsystem die Leute über Wasser halten; und .da der Teufel, der in ihnen steckt, nur in Helligenmaske incognito bleiben kann', so erhält das Zeitungsunternehmen die Firma .unparteiisch". — Dieses lose Schelmstückchen hat Tr. Langer bei der ebenfalls, ״unparteiischen Täglichen Rundschau' gelernt. Ihre allzugroße Vorsicht hat aber den Herren, welche dem nach Berlin verpflanzten Böckel hatten den Rang ablaufen wollen, einen bösen Streich gespielt, wel- «her an die Urne mit doppeltem Boden des Mannes vom zweiten Dezember erinnett. Tie ״Bürger und Bauern' bekommen andere Prospekte als die Lehrer und Geistlichen, welche zu Agenten gegen Provision des neuen Unternehmens herabgcwürdigt werden sollen.*) Die Geistlichkeit in ihrer Mehrzahl, besonders die katholischen, haben diese Insinuation mit Entrüstung zurückgewiesen und die Lehrer gewarnt, nicht auf diesen Köder — 20 Pf. Vergütung für jeden Aoonnenten — anzubeißen. Aber auch in Lehrerkreisen macht sich eine gewaltige Empörung gegen diese Zumuthung, welche sich unpatteiischer zeigte, als dir verheißene Zeitung, da sie mit uuverschämter Naivität auch jüdischen Lehrern zugcsandt wurde, Luft, und sie bedanken sich für die ״Wahrnehmung ihrer berechtigten Interessen' durch die ״Volksrundschau", deren Haupttedcckteur selbst ״aus dem Lehrerstande' hervorgegangen ist. Dieser edle Schulmann hat eine eigene Auffassung von Unpatteilichkest, di« nicht ganz uninteressant ist; so verjpricht er den Häuptlingen des Antisemitismus, ihre Wahlen zu unterstützen, andererseits aber auch den Vereinen des eisernen Kreuzes, von Antisemitismus sich zurückzuziehen! Und ein solches Lügengewebe nennt der Mann mll dem Janusgesichte deutsch und christlich! Da aber Lügen kurz: Beine haben, so wird dieses Unternehme» wohl auch den Weg seiner Vorganzer gehen, und es werden andere Giftpllze auffchießen, und je länger dieses Kommen und Gehen andauert, und jemehr von diesen Harpyen erscheinen, welche unter der Borgab« nur sein Bestes zu wollen, des Volkes Hab und Gm aus jedmögliche Weise ihm aus der Tasche rauben, desto schneller werden sie, auch ohne ״Nachschub' von oben, abgewitthschaftet haben. Eine antisemitische Räubergeschichte nennt die Bert. ״Volksztg." mit Recht die nachfolgende Geschichte, die jetzt die Runde durch die Organe des Ahlwardtis- Mlls macht. Quelle für die Geschichte sind dir ״Deutschsozialen Blätter". Ta die Mittheilung zugleich einen überaus charakteristischen Beinag zur Naturgeschichte des ״Geschäfts-Anttsemitismus" bildet, so sei sie "nachstehend wiedergegeben; sie lautet: ״Die königlichen Mineral-Brunnen von Riedersellers, Fachingen, Gailenau sind seit einigen Wochen in Händen der *) Daß rt gewisse, um Abonnent«, in Rabbiner-, Lehrer-, Lantoreu- »ab Schichterkrnseu bettelnd« jüdisch« Blätter ganz ebens» treiben, beweist nur die Wahrheit de» Lprnches: ״Wie e» sich chrifte-lt,׳ jüdelt's sich auch" Juden. Die königlich« Regierung hatte die Absicht, die erwähMen Brunnen zu verpachten. Ein altangesehenes, ehrenwerte» chrWAhe» Geschäft zu Frankfurt a. M-, die Firma H. LMH LacHoläer. bewarb sich um die Brunnen und bot zunächst 3QD00ÖiK. jHrliche Pacht. Zu gleicher Zell bewarben sich di« Jiche» Siemen» u; Co, in Dresden um die Brunaenverpachtuvy piih bahn, nachdem sie von Berlin aus auf irgend eine Weise vom chriflsichen «Hot kenntniß echalten hatten (??). 320000 M. Pacht. Ohne lange zu zögern, und ohne die respektable Firma H. Kölsch von' dem Mehrgebot zu benachrichtigen, wurde den Juden dos Recht zugesprochen, die für Tausende unbedingt nothwendigen Quellen und deren Produkte allein auszubeuten. Die Verpachtung geschah an Siemens u. Co. (deren Vertreter in Frankfurt der Jude Moritz Hecht, in London ei» gewiffer Rosenthal ist). Die Firma H. Kölsch erhielt erst zu spät Nachricht. Wie wir erfahren, hätte dir christliche Firma H. Kölsch Nachfolger gern «eit mehr geboten, um die Quellen in Pacht zu bekommen. (Warum hat sie denn nicht von vornherein mehr geboten? Red. d. Bolksztg.) Der Konsum jener Wasser ist bekanntlich ei» ganz bedeutender. Man schätzt den täglichen Bedarf aus über ISO000 Flaschen. Jede Flasche kostet 25 Ps. und bringt nach Abzug der Spesen rc. «neu Reingewinn von mindestens 10 Pf. per Flasche, das macht per Tag einen Gesammtgewinn von IS 000 Mark oder von 450000 Mark per Monat, oder von 5 400000 Mark per Jahr. Diese gewalligr Summe fließt .... in die Taschen der Juden und wird gezahlt von den nach Heilung lechzende» armen DeMschen. Es wird dies« gewiß hochinteressante Angelegenheit im Reichstag zur Sprache gebracht, dafür ist Gott sei Dank schon gesorgt, und es stellt sich alsdann hoffentlich heraus, wie «S kommen konnte, daß ohne wetteres den Juden Siemens, Hecht und Rosenthal di« Pachtung zugeschlagen wurde." Bemerkenswerth ist, daß zunächst die Richtigkeit dieser Mittheilung selbst von einem Organ wie der Ahlwardt-Moniteur bezweifelt wird. Aber das thut nichts; dennoch wird sie mit der Spitzmarke versehen: ״Wir machen Rirsensortschritte in der Verjudung!" Was uns betrifft, so find wir von vorn Hern überzeugt, daß das vermeintlich Beste an der Sache nicht wahr ist. Voraussichtlich wird sich zum minbesten das Eine sehr bald Herausstellen, daß die ״Juden" Siemens u. Co. in Dresden gar keine Juden sind. Aber selbst wenn sie es wären — wenn sie mehr bieten als die christsiche Firma, so ist es einfach die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit der den Zuschlag ctthellenden Behörde, ihr diese» Zuschlag nicht vorzuenthalten. Das Verlangen, der ״christlichen Firma" müsse von jedem Mehrgebot von Amtswegen Mittheilung gemacht werden, ist so naiv, daß man darüber nur lächeln kann. Am scherzhaftesten aber ist die sittliche Entrüstunz darüber, daß nunmehr ״die nach Heilung lechzend« Deutschen" den ״jüdischen" Pächtern nach Abzug vou 320,000 Mark Pacht jährlich angeblich 5,080,000 Mark in die Tasche schanzen müssen. Hätte die ״christliche Firma" bei Zahlung von 300,000 MaN Pacht 5,100,000 Mark Reingewinn erzielt aus Kosten der ״nach Heilung lechzende» Deutschen", so hätte« das die antisemitischen Blätter natürlich sehr in der Ordnung gesunden! Nebenbei gesagt, hatten wir die angegebene Reimerttagsziffer von mehr als 5 Mill. Mark für übertrieben zu Gunsten des alarmirenden Eindrucks der ganzen fragwürdigen Notiz. Wäre auch nur die Hälfte deS angegebenen Reingewinns erzielbar, so wäre es allerdings unbegrcislich, daß der Staat sich eiue derarsige Einnahme durch Annahme des niedrigen Pachtaebots von 300 bis 320,000 Mark entgehen ließe. Ob ver Pächter Jude oder Christ, Mohamedcmer ober Atheist, das ist uns vollkommen gleichgilsig, so gleichgilsig, wie es dem Staate ist und sein maß. Aber nicht gleichgilsig kann es dem preußischen Steuerzahler sei» (der Reichstag hat natürlich mll der Sache nichts zu schaffen), wenn das Nationalvermögen zu Gunsten ein« christticheu oder jüdischen Firma so schlecht verwerchet wird, wie es nach der vorliegenden ״antisemitischen Räubergeschichte" angeblich der Fall ist. Wie dem aber auch sei: die Art, wie die Ansisemiterei aus dieser Geschichte für die Rassenhaß Kapital zu schlagen sucht verdient unter alle» UmMche, festgenagelt zu Waden. °

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