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Israelitische Wochenschrift · 1894-07-13 · 28 (13.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
28 (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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z^vährt worden. Was jedoch die Aussteller aut dem Inland« ■ «ntxfangt, so hat der ob seines antisemitischen Chauvinismus bekannte-Präsident der Looperativ-Gesellschaft dafür gesorgt, derselben einen konfessionelle!׳, Charakter zu geben. Während ׳ nämlich die Zulassung in Rumänien lebender fremder Staatsangehöriger christlichen Glaub«,» nicht im mindesten in Frage «zogen wurde und auch von den Ausstellern auS dem AuS- ,lande kein Taufschein abverlangt wird, hatte e» im Jassy« AusftellungScoiklits bereit» vor längerer Zeit eine heftige Debatte darüber geyeben» ob man auch die Jassyer Industriellen israeli- . tischer Religion zur Theilnahme an der Ausstellung einladen solle. Nun hat sich zwar die Majorität des ComitsS für . deren Einladung ausgesprochen, doch waren die vorangegangrncn 'Erörterungen derart, daß s» die israelitischen Gewerbtteute und Industriellen von Jassy vorzogen, die ihnen unter beleidigenden Bedingungen endlich doch zugestandene Theilnahme an der Ausstellung höflich aber bestimmt abzulehnrn, und die vornehmlich durch Unternehmer und Industrielle israelitischer Konfession vertrttene Gewerbethätigkeit der Moldau wird da- ׳ her auf der bevorstehenden Ausstellung nur sehr lückenhaft präsentitt sein. Daß der AuSstellungSpräsident. Herr ButculeScu, mit dem freiwilligen Fernehalten der Jassyer ׳ Israeliten ganz einverstanden ist, geht daraus hervor, daß er hiesigen Gewnbeleutrn israelitischer Ikonsessin die lieberlassung eine« Platze» in der Ausstellungshalle rundweg c>h7 geschlagen hat. Zahlreiche Pächter der Staatsdomänen sind mit ihren Pachtzahlungen im Rückstände und eS sind auch beim Domäne- Ministerium bereit» viele Gesuche um Auflösung der Pachtvetträgr eingelaufen. Die nächste Folge der unter den jetzigen Berhältnissen kaum zu vermeidenden landwitthschaftlichen -lkrisiS wird wohl in einer allgenieinen Reduktion der infolge mehrerer günstiger Ernte- und AuSsuhrjahre unvernünftig ln die Höhe getriebenen Pachtpreise bestehen. Eine wirklich«, die Entwickelung der Produktionsfähigkeit Rumäniens in ihrem ganzen Umfange ermöglichende Reform unserer landwirthschastlichen Verhältnisse wird ab-.r erst dann eintteten können, «enn jene von thörichter I u d e n» und Fremdenfurcht lnktirten Pestimmungen der Verfassung abgeändert oder in Wegfall gekrmmen sind, von welchen die eine das Recht zur Erwerbung von Landbesitz als ausschließliches Privilegium der rumänischen Vollbürger erklätt und die andere jede Kolonisation durch Ansiedler fremder Nattonalität verbittet. A«hland. Petersburg, 8. Juli. In Astrachan sind 54 jüdische Familien, die dortselbst kein Wohnrecht hatten, nach dem Mischen AnsiedelungSrayon auSgewiesen worden. Die AuSgewiesenen, meist arme Leute, die sich mit dem Detail-Fisch- Handel beschäftigten, sind von ihren begütetten Glauben», genossen nach Kräften unterstützt worden. Einige russische Blätter drücken die Befürchtung aus, daß infolge dies« AuS- Weisungen d« Astrachan'sche Fischhandel leiden wnde, da die betriebsamen Juden nne Reihe von Fischatten in den Handel gebracht haben, die man früh« nicht beacht« hätte. Auch au» Nalta in der Krim w«den die Juden ausgewiesen, da dieser Ort, in dessen Nähe das bekannte kais«. lichc Schloß Livadia liegt, dn Staatspolizei entzogen und dn ״Hofpolizei" unterstellt ist, nach den Bestimmungen de» Hof- Minist« ums ab« Juden d« Aufenthalt in den d« Hofpolizei unterstellten Ortschaften untersagt ist! Neueste unö vermischte Machrichlen. Leipzig 10. Juli. Das Reichsgericht hat die von Ahlwardt gegen das Urtheu d« zweiten Strafkammer des Landgerichts "“־rlm eingelegte Revision verworsen. Ahlwardt war durch daffelb« wegen Beleidigung de» preußischen Beamtenstandes, be- י*''""■־, ״ “ . müssen. Breslau. lOi Juli, X« constituirende Berbaudstag des ״Berbandes jüd. Rttigionslehrer" wird am 16. Juli. Bonnittag» 10 Uhr, hin im Hotel ״Zum weißen Storch" eröffnet. Möge d« weihe Storch nur kein schwarze« Kind znr Welt bringe». 8l»gau. Hier besteht ein B«ein, in dem für ״Juden und Demokratenkein Platz ist Der Verein trägt die Bezeichnung ״Reffourre befierer Bürg«.- Dieser Name rührt, wie die ״Brest. Ztg." wiffen will, von dem — Oberbürgermeister in Glvgau her. Wir haben immer geglaubt, der erste besoldttt Beamte all« Bürger ein« Stadt Hab« kein Recht, einen Unterschied zwischen befferen und schlechteren Bürgern zu mache». In Glvgau scheint man darüber ander« zu denken. Aus Bochum in Westfalen wird geschrieben: ״Der Rektor all« Teutschen, Ahlwardt. ist noch immer im hiesigen Kohlenrevierr. Damit sein Haus voll wird, habe» die hiesigen Antisemi»«׳ bestimmt, daß nach ״Abzug der Taaeskosten" der übrig bleibend« Bettag den Arme» der Stadt zukommen solle.- — Zu den .Tageskostengehört natürlich da« Primadonnen. Honorar Ahlwardt'«. Biel wird darüber hinaus nicht übrig bleiben. Marburg. Wie o«laute!. siedelt Dr. Böckel am 1. Ott ober nach Berlin über. Ei» Berliner Buchdruck«eidesitzer soll seine Druckern und den Bettag des ״Reichshrroldangekaust haben und Dr. Böckel als Redakteur mit ziemlich hohem Gehalt an. stellen wollen. Die letztere Nachricht siheint nicht sehr glaublich; denn der Reichs Herold rentitt längst nicht, und Böckel dürste als in Berlin o>1säffig« Redakteur noch wenig« die Fähigkeit besitzen, dieses liedettich und wi« geschriebene Blalt zu Heben, als « dies als hessischer ״Meffiasvermocht hat. Im Wahlkreis Marburg- Kirchhain-Frankenbetg hat Böckel seit seinem Umsall in der Militär- Vorlagesache allen Kredit verloren. Aukaschau in Ungarn wird folgende« Bottvmmniß dn neuen ״Wien« Zeit." berichtet: D« dortig׳. israelitische Seelsorg«, Dr. Monz Händler, ein junger Mann, der erst seit kurzer Zeit in Amt und Würden ist, hattt unlängst eine Trauung zu vollziehen, deren er bisher überhaupt erst sehr wenig vollzogen hat. Nach israelitischem Ritus besteht der wesentliche Theil dieser Ccremonie darin, daß der Rabbiner zu sprechen hat: ״Sei Du mir angetraut durch diesen Ring nach dem Gesetze Mose« und Israel«,- welche Wotte sodann d« Bräutigam wiederholt und zugleich de״ Trauttng seiner Braut anfsteckt, die damit seine Frau wird. Run begegnete es dem jungen Rabbiner, daß er nicht wartete, dis der Bräutigam die Wotte ihm nachsprach, sondern sie gewiffnmaßen selb« an die Braut richtete, und ihr sodann selbst den Trauring auf den Finger steckte. Dieser Nein« Jrtthum hat nun zufolge, daß eigentlich^ der junge Rabbi der Mann d« jungen Frau ist, welche unterdeyen die Hochzeitsreise mit ihrem Herrn Gemahl angettet-׳, hat. Dieser Fall gelangte zur kcnntniß des kaschau« Ob«radbinates. welchenach langer Erwägung folgendes Uriheil fällte: a) die neugeschloffene Ehe darf nicht immatticulitt werden; d) das aus der Hochzeitsreise weilend« Pärchen lebt somit m wilder Ehe; o) Dr. Händler muß sich vou der Gattin scheiden, die « einem Andere» hätte anttauen sollen, die er aber selbst geheiratet hat; ä) der Bräutigam muß sich nach den Flitter- Wochen aus« Reue mit sein« Braut, der eigentlichen Gattin de- Dr. Händler, trauen. Behufs vollständiger Klarlegung der Sache wird!«doch das Obe«adbinat ein Eonfistvttum (?) zusammenrufen, wellbes endgiltig entscheiden soll. (Der Schlußsatz zeigt denn doch gar zu deutlich, daß die ganze Geschichte von einem Reporter, wenn vielleicht auch nicht ettunden, so doch romanhaft aufgeschmückt worden ist.) Miilau». 7. Juli. Zum Beweise für ihre Behauptung, daß llasttto, d« Mörder Carnot's, jüdischer Herkunft sei, führt die antisemitffch« ״Librc Parole" auch den srühnen hiesigen Rabbiner, Ariani, an, welcher ettlätt haben soll, die Beschneidung Lasetto's vorgenommen zu hoben. Demgegenüber ettlätt nun Herr Ariani im heutigen ״Corner« d«La Sera-, daß die Erzählung de« Parffer Blatte« absolut erfunden sei, daß « weder d«gl:ichen Erklärungen abgegeben, noch daß je nne Familie Casetto der Mailänd« jüd. Gemeind« angehött habe. Die hiesigen Blätter registttren die Behauptungen des Paris« Hetzblattes zur Belustigung ihr« Lesn.

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