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Israelitische Wochenschrift · 1894-05-04 · 18 (4.5.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
18 (4.5.1894)
Date
1894-05-04
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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r. r t ־ Schlachtverfahren nach jüdischem Ritus ein ungünstige» und abfälliges Uriheil Men, Hier stehe Votum gegen Votum , und ihnen - seien die Urtheile der Gegner de» jüdischen ' Schlacktverfahrens maßgebend. Alle diese mehr oder minder sl^>histischen Entwürfe werden unbedingt zu« Schweigen {!bracht durch Dembo'» vortreffliche, geradezu mustrrgiltige rbeit. Dembo ist selber Mitglied de» Lhierschutzverein» in Petrr-bnrg, arbeitet im Austrage de» Erntral-Ausschufies der russischen Thierschutzvereine in St. Petersburg, gehört der Spccial-Eommsssion zur Auffindung der besten Schlacht- Methode au, ist Theoretiker und Praktiker zugleich, deschämgt sich seit S Jahren ausschließlich mit der Frage de» zweckmäßigsten Schlachtverfahren». hat eingehend mehr al» 4000 Fälle nach den verschiedensten Methoden geschlachteter Thier« in den größten Schlachthäusern Rußland», Deutschland» und der Schweiz beobachtet, hat alle hier in Betracht kommenden-Punkte unter Assistenz berühmter Fachmänner chemisch, physiologisch, experimentell untersucht. Seme Ergeduifle kann daher auch rin noch so antisemitisch hart gesottener Thierschützer, wenn er ernst genommen sein will, unmöglich ignoriren. All.m, die sine iru et cum Studio sich ein spruchreife» Urtheil über die Frage de» jüdisch- .rituellen Schlachtverfahreo» bilden wollen, seien hiermit aus Dembo'» eigene« Bekenntrriß verwiesen. Er erklärt auf S. 107 seiner Schrift: ,Um jeden Schein von Subjrcüvität zu vermeiden, habe ick deshalb iu zweifelhaften Fällen di« betreffenden versuche jedesmal in Gegenwart eine» zweiten Sachverständigen wiederholt. Mit nicht geringerem Eifer, als jedes andere Mitglied eine» Thierschuhvereine» diu ich an da» Studium de» Gegenstände» heraugrtreten und habe anfangs ebenfalls geglaubt, e» müßten in der jüdischen Schlachtmethode Mängel vorhanden sein, um derentwillen sie al» eine Thierquälerei bezeichnet werden könnte. Diese meine ursprüngliche Voraussetzung ist erklärlich. Wenn so siele Thierschutzvereine — sagte ich mir —־ diese Mechod« als ein« barbarische verdammen und hartnäckig auf ihre Beseitigung drängen, so müssen sie doch zwingende Gründe dafür haben. Allein, nachdem ich sämmtltche wissenschaftlichen und praktischen Seiten der Frage, studirt, nachdem ich alle», wa» im Laufe von 44 Jahren gegen da» ,Schächten* geschrieben worden, aufmerksam gelesen und geprüft, nachdem ich endlich auch die ' verschiedenen, nicht immer ganz erlaubten Mittel kennen gelernt-hatte, deren sich manche der Auti-Schächt-Agitatoren zu dedirarnfür gNt erachten, habe ich die Ueberzeuguug gewonnen, daß den meisten dieser Herren durchaus nicht daran gelegen ist, zu erfahren, welche TödtungSart für da« Thier die schmerzloseste ist, sondern baß sie von ganz anderen Beweggründen geleitet werden.* Nach drei Ricktungra wendet der gelehrte Verfasser sein Augenmerk. E: untersucht die Schlachtfraae 1) vom Standpunkte der Hu- «anitüt, 2) vom Standpunkte der Hygiene und 8) vom Standpunkte der O e k o u» m i e. wr läßt der Reih« nach alle bisher üblichert Gchlachtmrthoden Revue pasflren.' Er äußert sich eingehend über dir jüdische Schlachtmrthode» die Betäubung durch den Kopfschwg, die Bruueau'sche Schlachtmaske, di« Sirgmuud'sche Schußma-ke, den Nackenstich, die Bouterolle, die englische palentirte . Schlächtmejhode, die Tödtung vermittelst Elektricität, die Tddtung vermittelst Narkose, über das Guillotiniren. Dem Laien pflegt bei oberflächlicher Betrachtung der Rackeastich, ,das Ricken»* am meisten zu impouirm, veil das Thier sofort lautlos und änscheiüend auch leb- »uv bewußtlos zusammensinkt. Wie. sehr hier der Schein trügt, weiß jeder Sündige.. Dembo charakterisirt diese Tödtung de» Thiere» al» eine sehr, qualvolle, weil hierbei di« . Hinteren überaus empfindlichen Nerveuwurzetn de» ־ Rückenmark» verletzt werden. Da» Nirderstürzen - de» Thiere» wird durch die Verwundung ves Rückenmark» veranlaht. welche eine .Lähmung der. Extremitäten und sämmtliche unterhalb der Dnrchschneiduug befind» lichen Muskeln hecbeiführt, während nicht allein Athmung und Herzthätigkeit de»Thiere» fortdauern, sondern letzteres sich noch vollkommen bei Bewußtsei» befindet. Ein solches Thier — versichert der Berf. — hat tn Gegenwart der Mitglieder der ,Kommission zur Auffindung der besten Echlachtmechode* au» meiner Hand Brod mit Salz gefressen. Nicht besser steht es mit den anderen Schlachtmethoden von der Betäubung durch den Kopsschlag bi« zur Tödtung durch da« Fallbeil. Sie repräsentiren eine Klimax von . Barbarei und Thierquälerei. Bei fast allen lautet der traurige Refrain: Sie führen nicht dir Bewußtlosigkeit, sondern nur eine Lähmung de» zu tödtenden Thiere» unter überau» qualvollen Schmerzen herbei. Von der Tödtung durch Elektricität gilt diese Au»- sage nicht. Diese TödtungSart kann aber nicht in Betracht kommen, weil da» Fleisch sich als ungenießbar erweist. Im Uedrioen ist diese TödtungSart nicht» weniger al» human. Ein Thier durch Narkose vor den Schmerzen beim Schlachten zu schützen, erweist sich al» unausführbar, weil nicht nur da» Fleisch dadurch an Schmackhaftigkeit be» deutend verliert, sondern auch ganz besonder» darum, weil solche» Fleisch, wie der Berf. an Thieren erprobt hat, eine schädliche Wirkung auf die Gesundheit ausübt. So steht e» mit allen vielgepriesenen modernen Echlachtmethoden. Wie verhält sich dagegen da» erste, älteste einfachste Schlachtverfahren? Wir verweisen aus die orientirenden, lichtvollen, wissenschaftlich erhärteten Ausführungen des Vers'», in seiner trefflichen Schrift» welche bekunden, da» auch hier da» Einfachste da» Beste ist. Al» Ergebniß seiner umfangreichen Forschung stellt der Berf. die Thesen auf: Bom Standpunkte des ThierschotzeS giebt es keine humanere Schlachtmrthode al» die jüdische, denn: 1) sie führt am schnellsten und am sichersten durch Anämie de» Gehirn» Bewußt- und Empfindungslosigkeit herbei, 2) der Schnitt mit einem haarscharfen, schartrnlose« Messer ist an sich schmerzlo» und trifft am Halse wenig empfindsame Nervenfasern. Das Fesseln und Niederlegrn der Schlachtthiere zum Zwecke des Schächten» kann einerseit» vrrmittelst der zahlreich vorhandenen Apparate leicht und völlig schmerzlos bewerkstelligt werden und hat andererseit» den hohe״ Vorzug der Sicherheit für da» Schlachtpersonal. Diesen Thatsachen gegenüber müssen die in Eng« getriebrnen euragirtcu Thirrschützer kleinlaut zugeben, der Schlachtact nach jüdischem Ritas sei an sich nicht inhuman» dagegen die da» Schlachten vorbereitenden Handlungen, da» Fesseln, da» Niederlegen oder — wie man sich iu gegnerischen. Kreisen mit Vorliebe auSdräckk — da» ,Niederwerfen* de» Thiere«. Mit welchen maßlosen Uebertreibungen man e» hier zu chun habe, beweist Dembo auf S. 42 — 54 seiner hochinteressanten Schrift ebenso fesselnd wie überzeugend. Im ungünstigsten Falle müßten die gegen das jüdische Schlachtverfahren eingenommenen Thierschutzvereice die Construction eine» durchaus zweckmäßigen. Riederlegeapparate» anstreben, nicht aber da« Kind mit dem Bade autschütten und ihr Berdict über da» jüdische Schlachiverfahreu auSsprecheu. Da» wäre cousrquent. So geht der Petersburger Thierschutzvern« vor, der eine Prämie von 800 Rubeln für den zweckmäßigste« Niederlegeapparat ausschreibt. Uebrigen» fehlt e» schon jetzt nicht an wahrhaft guten durchaus geeigneten. Riederlegevorrichtungea. Test die Frage in Fluß gekommen, werden zahlreiche Projekte. iu BorMaq gebracht. Dembo rühmt den Apparat de- Herrn R. Stern in Fulda als sehr zweckmäßig, vielleicht hat dq» zum Patent angrmeldete verfahre« der HerreuPuk ver mann und Basch zu Wald«»» bürg 1. Schi, eine große Zukunft. Danach braucht da» Thier vor dem Schlachtschnitte weder in der üblichen Wesse gefesselt, noch niedergelegr oder gar ,»iedergeworfqn* zu «erden. Das Thier blecht bis nach dem Schtachtschuitte

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