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Israelitische Wochenschrift · 1894-04-06 · 14 (6.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
14 (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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abzuthun, renn, matt nicht in «net ganzen Reihe du Fällen ungerecht sein toifl. Man muß vielmehr auch ere, praktische Motive bei! den Juden aufsuchen.׳ Zunächst \ folgende: . ' Der Jude erzieh! seln Kind-vrakttscher. Während da« Kind Deutschen in der Schule eine ganze Maffe wertloser, tm!'praktischen Leben unverwendbarer Dinge lernt, belehrt der Jude ׳ seinen Sohn über die gewerbttchen Verhältnisse, giebt ihm Kunde von der Lolttwirtschaft, van feigen Erfahrungen rc. Ist «» ein ^Münder, da« da» viet besser für« Leben anrgeftattete Judenkind ^Dem deutschen gegenüber im Bortell ist? Wa» ist die Lehre. «eiche wir daran« ziehen müssen? Deutsche, erzieht eure Kinder Praktischer, vsr allem rüstet sie mit Kenntnissen au», die im ge- ׳:»erblichen und Geschäftsleben vorwirt« helfen l $>er Jude stattet seinen Sohn, wenn er in» GeschäftSleben 'tritt, bester au«. - AIS kluger Geschäftsmann weih der Jude, daß «zutage da« Kapital ein Hauvtfaftor ist, vvn dem das Gedeihen eine« Geschäfte« oft mehr abhängt, al« von Talent. Fleiß und «schick. Gr giebt also, wa« er an Geld verfügbar hat. dem Sohne fürß Geschäft mit und begnügt fich mit dem für'ihn Nötigsten. ^Er sagt sich niit ׳Recht: »Lasse ich meinen Sohn ohne Geld in die Weld-treten, so kommt er nur langsam-und mühsam In-die Höhe. geht vielleicht auch zu Grunde. Deshalb gebe ich ihm mit. .so viel ich irgend abgeben kann." Ebenso bandelt er bei seiner Lochtet. Er giebt ihr eine stattliche Mitgift mit, damit ste in ihrer Ehe so gut als möglich fahre. Das ist von dem Juden klug gehandelt und gerade diesem Umstande ist es zu verdanken, ‘ daß unsere GeswäftSwelt immer mehr in jüdische Hände übergeht. — Me׳ handelt nun demgegenüber der Deutsche? Hat er Geld, so hütet er sich wohl, davon etwas herzugeben, ehe er stirbt. Er häuft sein Geld in seinem Kasscnschranke als leine Augenweide auf und sagt keinem Sohne beim ®intritt in» praktische Leben den schönen Trost vor: »Ich habe mit Nichts angefangen, gehe hin, fange-auch mit Nicht« an und suche, daß du e« so weit bringst wie dein Later." — Da steht nun das arme Menschenkind mit teeren׳ Händen und muß zum Juden als Kommis oder Geschäftsführer gehen. bloS weil dieser da« Geld hat und sein Herr Vopa ״sich nicht auSzieht, ehe er todt ist." — Sehr christlich, sehr 'schön! Der arme Mensch muß die Ehre, Sohn seines Vaters zu sein, dadurch büßen, daß er Jahrzehnte im Solde des Juden schmachten muß, nicht weil dieser gescheidter oder begabter, sondern well sein Later praktischer — beinahe hätten wir gesagt »christlicher — war." - Veriim, 1. April. (Or.-Lorr.) Die von Herrn Halle gegründete Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Handlverker und Künstler hielt am 29. März seine 50. General- Versammlung im Hotel: ״König von Portugal" ab. Dieselbe war sehr gut besucht. Unter den Anwesenden befand sich auch Herr M. Halle, der einzige noch lebende Mitbe- Gründer der Gesellschaft. Der Vorsitzende Herr Herrmann üanb-berger hob in seinem Berichte über die sehr segensreiche Wirksamkeit der Gesellschaft ganz besonder« hervor, daß die Zahl der Mitglieder sich im vorigen Jahre durch fast 100 neu Eingetretene auf 700 erhöht hat. In , Heimlichster Mise begrüßte Herr Landsberger den Maler M. Locol,. der. am 30. März 1869 in den Vorstand getreten, seit 25 Jahren da« äußerst mühevolle Amt eine» Krankenveissorger« mit größter Treue und Hingebung verwaltet hat. "Die ausscheidenden Mitglieder de» Vorständewurden von 0er Versammlung wledergewählt; an Stelle der verstorbenen itglieder Auerbach, Relson und Sögal wurden die Herren bert Levin. Gelbgießerweister G. A. Loevy und Zimmer- Meister Benno Mirauer berufen. ׳ ׳. Einnahmen und Ausgaben balanciren mit M. 11463.90, per eiserne Fonds bettägt M 21950, der Reserve-Fond« PS 775 Mk., derjenige der 9 Stiftungen 27400 ML und \ $et Jubel-Fond- 10260 ML Die Wittweukasse zählt 511 Mitglieder mit einem Vermögen von 73 250 M. Berit», 2. ApriL (Or.-Lorr.) Am S. November 1893 wnrde von rttva zwanzig jüdischen Sludirenden der Berliner Universität ein ״Verein zum Studium ddr.hebräischey Bibel" gegründet. Der Verein will Den. jüdischen Studisenden aller religiösen Richtungen praktische Seleäenheik geben, fich mit dem hebräischen Text, der Bibel bekannt zu'machen. Demnach wird auf Lektüre d<l« Hauptgewicht gelegt. Bortrag«- abende. sollen nun alle sechs Wochen stattfinden. Im veraangenen Semester wurden zwei Vortragsabende abgehalten (1. R. Ackermann: Ueber die biblische Accentuation: 2. A. Nobel find, phll.: Da» Hohelied.) An den wöchentlichen Lektürabenden wurde unter Leitung von Mitgliedern in einer Abteilung-drS Deurerononivm fast vollständig gelesen, in der anderen mit besonderer Berücksichtigung der Elementargrammatik das Buch Ruth, auSgewählte Stücke aus Samuel l., Exodu« Eap. 2l 23 und Esther. Der Vorstand der jüdi- ' scheu Gemeinde stellte in liberaler Weise zwei Klassenzimmer der Knabenschule Gr. Hamburgerstr. 27 zur Verfügung- ®י ist lebhaft zu wünschen, daß der- Verein sich auSbreite und an anderen Universitäten Nachahmung finde, - denn die Bestrebungen sind höchst lobenswerthe.. Frankfurt a. M. Abg. Lieber behandelte in einer am 2. Oslers, iertagc »ierselbst abgehaltenen Wählerversanimlung auch die antisemttische Frage. »W!r wollen, so sagte He!r Dr. Lieber, .unsere jüdischen Mitbürger, die un« inancheS Unrecht gethan, ungeschoren lassen. Wir verlangen aber von ihnen, dasssiecmch un« gegenüber mit ihren ״Machenschaften" aufhören. (Wir sind uns keiner jüdischen ״Machenschaften/ gegen die Katholiken bewußt, für das ״Berl. Tagebl." und ähnliche confessionSlose Blätter ist.doch das Judenthum nicht vrranrwörtlich! Red. d. I. W.) Wir fordern gleiche Behandlung aller Mitbürger auf Grund de« gemeinen Rechts und nach dem Standpunkt: ״Gleiche- Recht für A l l e". Wir werden den Juden auch in ihrer religiösen Uberceug >ng nicht zu nahe 'treten und wenn u. A. da» Schächtverbot zur Beratung kommen sollte, gegen dasselbe stimmen, wie wir gegen da» Verbot veSSakranienispendenS uns gewandt haben." Wir freuen uns, daß da» Erntrum in dieser Beziehung zu dem Standpunkr'ihres unvergeßlichen Führer« Wndihorsts.A. zurückkehr», und erinnern zugleich, daß auch bei der dritten Berathung de» russischen Handelsvertrages in der ReichSiagSsitzung am 16. März der Abg. Dr. Lieber gegenüber Hern» Liebeemann von Sonnenberg bemerkt hat: Den Abg. Bachem hat der Vorredner ebenfalls, wie es scheint, mißverstanden- Ich glaube, die Ausführungen meines Freunde» richtig intervreriren zu können, wenn ich die Worte der Antigone citire: »Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da." Die Menschenliebe gilt bei un» auch für die jüdischen Mtbürger» und neben der Liebe auch die Gerechtigkeit- (Betfall links.) Der Zorn der Antisemiten macht sich nur in einem maßlosen Haß offenbar. Wenn die Herren sagen, wer die Bauern unzufrieden macht, arbeite der Sozialdemokratie in die Hände, dann bitte ich die Partei de» Vorredners, diesen Satz nie zu vergessen (Beifall im Centrum.) Wenn Jemand da» Urtheil, da» über den AntisemittSmu» gefällt worden ist, wahr macht, so ist es der Führer der Partei (Beifall link» und im Lentrum.) א A«K Westfale», 3. April. (Or.-Lorr.) Zur Durchführung strenger Einheitlichkeit in den Schulen im Regierungsbezirk Arn-berg haben verschiedene KreiSschulinspektoren auch israelitischen Lehrern aufgegeben, ein von der Regierung für christliche Schulen, je nach dem confesstonellen Bedürfniste eingerichtetes Lesebuch einzuführen. Daraufhin haben dem Vernehmen nach dereitS mehrere jüngere Lehrer die bi» dahin gebrauchten Lesebücher von Haester-Hecht-Blumenfeld abgeschafft und jene» Buch eingeführt. Herr Rosenfeld in Ltppstadt hat nun seiuerseiti» in einer Eingabe an seine Vorgesetzte Schulbehörde um Beibehaltung der Bücher von Bluuien'etd mit der Begründung nachgesucht, daß in dem orueinzufähreuben Büch« manche« enthalten sei, wa« von dem religiösen Standpunkte an» für

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