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Israelitische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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jhranfenjimuu'r gewichen, wer eS mit an-esehen, mit welch -Lrticher Liebe die Kinder an ihrem teuren Bat« hingen, der kann den Schmerz der Hinterbliebenen mitfühlen. Und wie schätzte der Verstorbene seine Familie, mit welcher Liebe und Verehrung blickte er auf zu feiner Muftergattiu, mit welcher Freude verfolgte er die gedeihliche Entwickelung seiner begabten Kinder, die sich zu ihrem Lebensberufe das Studium dessen erwählt, was er stets hochgehalten, harmonisch in sich vereinigt hatte, Wissenschaft und Religion. Doch sollten wir mit Worten der Klage und des Schmerzens von Dir scheiden, verklärter Lehrer! Das wäre der Stätte, von der aus du so viele gettöüet entlasten, unwürdig, unwürdig deiner selbst Ter du im Leben keinen betrübtest, du solltest im Tode Schmerz uns zufügen? Kurz war dein Leben, doch reich der Inhalt, der seine Kürze ersetze. Deine irdische Hülle wird zwar bald von uns genommen, doch dein Geist wird weiter leben, weiter wirken zum Segen für und für. Dein Wesen, deinem Namen gleich, eine Perle, wird bleiben der Juwel, dessen Glanz weithin leuchtet und erleuchtet, der Pracht jenes Edelsteines gleichend, den nach einer sinnigen Sage (Baba bathra 16b) Abraham als Geschmeide an seinem Halse gcrrageu, den Gott bei seinem Tode an der Sonne befestigte, damit, wenn diesc die Erde bescheine, der Glanz vieles Evelsteines, ein Sinnbild des Abglanzes abrahamirischcr Tugend, allen Menschen zu teil werde. So wird auch dein leuchtendes Vorbild, dein edles Leben, Wirken und Sttcdcn von dauerndem Segen sein. .Die Weisen leuchten wie des Himmels Glanz und die Viele zur Tugend geleitet, wie die Sterne immer und ewig". (Daniel 12, 3) Amen! ttutct*@M0^. 6. März. (Cr. Cor.) Den ältesten Rabbiner des Unter-Eltaß, Herrn I. L : w y, Rabbiner in Oberehnheim, haben wir vorgestern zu Grabe getragen. Es sei mir gestattet, über die großartige Leichenfeier dieses allge» mein hochgeachteten Seelsorgers, der das 86. Lebensjahr erreicht hatte, in diesem gesch. Bl. zu berichten. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Netter aus Buchsweiler, eia geborener Oberehnheimer, und Schüler des Verewigten, im Trauer!,ause, welches bis zum letzten Winkel von Angehörigen. Freunden, Verehrern und Bekannten des Verblichenen voll war, das Leben und Wirken seines unvergeßlichen LehrcrS mit beredten Worten thronenden Auges geschildert hatte, bewegte sich der säst unabsehbare Leichenzug in folgender Ordnung der Synagoge zu: Herr Lehrer Levh mit der Schuljugend: Herr Cantor Becker mit dem Chor; der - Sarg von Mitgliedern der «Gemeinde getragen; ein Schüler deS Gymnasiums, auf einem schwarzen Kisten das Abzeichen des Kronen-Ordens tragend, uiit welchen, der Verblichene vor einigen Jahren von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser Wilhelu, II. decorirt wurde, die beiden Söhne des Verstocbeneu, wovon der älteste, früher Rabbiner in Dürmenach und Ober-sulz (Ober-Elsaß) war und jetzt in Paris in gleicher Funktion ist und die Verwandten, sodann Herr H. Weil. Oberrabbiner inStraßburo, in Begleitung fast sämmt-- licher Rabbinen des Unter-Elsaß, die meisten im Ornat: Herr Kreisdirektor, Herr Dr. Levy aus Straßburg und der Consistorial-Sekretär A s ch, als Vertreter des israeltischen Tousistoriums, der Bürgermeister in Begleitung des GeweinderathS: sämmtliche Beamten der Stadt, die Vorsteher der Cu'.iuSgemeinden des RabbinatS und die Verwaltung der Oberehnheimer isr. Gemeinde, der Vorstand des Rosen- Weiler Friedhofes, der Vorstand des Oberehnheimer Fried- Hofes und endlich eine große Anzahl Theilnehmer aus allen Ständen und Eonsessionen der Oberehnheimer und auswärtiger Bevölkerung. In der schwarzumhänglen Synagoge erüstnete Herr Cantor Becker die Trauerfeier mit einem der Feier entsprechenden Chorgesang, worauf Herr O.׳crrabbi»cr Weil die schwarzdrapirte Kanzel bestieg, um dem »Amtsbruder, Freund und Verwandten" ein Denkmal als Rabbiner, Familienvater, Menschenfreund und Bürger zu setzen. Rach Beendignng dieser mit allgemeinem Beifalls aufgenommeneu GedächniSrede bewegte sich der Leichenzug von der Synagoge bis v»r die Stadt hinaus, wo Herr De. Levy aus Straßbürg rem Verblichenen einen tiefbewegten Nachruf in franzöfischrr Sprache widmete. Dann wurde die Leiche auf den dort bereitstehenden Leichenwagen gesetzt, um sie nach dem Friedhofe Rosenweiler zn bringe», gefolgt von der ganzen Gemeinde Oberehnheim und von vier Rabbinern Roller- Barr, L e w y - Schirrhofen, Dr. G o l d st e i n-Mutzig, Dr. N e t > e r - Buchsweiler, die 3 erstgenannten Rabbiner, sowie Oesterreich-Ungarn. Wien. 12. März. Der bekannte Dichter und sruchtbare Schriftsteller Ludw. August Franklist heute Nachmittag in Folge eines Herzschlages sanft ratsch!.,feu, umgeben von seiner tAattin und seinen beiden Söhnen. Frankl war am 7. Febr. 1810 in Böhmen geboren, k rm früh als Journalist nach Wien, studierte Medizin, promovirie an der Universität in Padua und widmete sich dem Schriftstellertum, worin, er es zu einer hohen Bedeutung brachte. Es war auch der Begründer isr. Blindeninstttuis. Anläßlich der Enthüllung des Schillerdenkmals (1876) war er in den erblichen Ritterstand .rhoben. als Ritter von Hochwar!. Das Leichenbegängniß findet Mittwoch Vormittag '/»!<׳ Uhr statt. (Einen ausführlichen Bericht bringen wir in der nächsten Nr.) X. A»« Ungarn, 7. März (Orig. Corr.) Adbazia und Mentone sind jetzt die Angelpunkte des öffentliihen Gesprächrs. In der österr. Adria wird die deutsche Kaiserin ertwartet, an der französischen Riviera iveilt unsere Kaiserin in Gemeinschaft mit des Kaisers Majestät. Ja dem Momente, in welchen .׳ un das geistige Auge der Monarchie aus das ligurische Meer Hingeleakt wird, ist eine sehr interessante Broschüre von Herrn Professor v. Türök Arpäd in Budapest erschienen, der jederzeit in konfessioneller Hinsicht die lobenswerteste Vorurteilslosigkeit und Gerechtigkeit der jüdischen Glaubensgemeinschaft gegenüber bewahrt und als ein Freund ׳des jüdischen Schrifttums sich erwiesen hatte. Voll Begeifteruuz ist da« Lirul^nelc (,Unsere Königin") detitelte Büchlein geschrieben, welches bestimmt it, der!n der Ferne weilenden Majestät eine patriotische Erinnerung, zu widmen und die erhebenden Lebenszüge derselben passend zu beleuchten. Mit der Liebe für Ungarn» Volk und Staat ,st selbstverständlich di: Zurückioeisung jeder antisenütisch'en Bestrebung verbunden, deren Wurzel mit der auf Gleichberechtigung unserer Glaubensgemeinschaft in Familie und * Staat abzielenden kirchenpolitischen Gesetzgebung hoffentlich für inimer vernichtet ist, welche ja doch dir Zustimmnug der Krone gefunden bat. — Dieser Gesichtspunkt fand in der jüdischen Gemeinde zu Baja, in welcher jüngst der 70jährige Geburtstag des emerit. Oberkantor» N. Jeremias-M and/ sehr festlich begangen wurde, durch mehrere Redner beifällig aufgenomnienen Ausdruck. — Allgemein ist die Trauer in der Gemeinde Baja wegen des zu früh erfolgten Ableben» d«S sel. Münchener Rabbiners Dr. Perl es, der ein Sohn des sel. RabbinaMstessors B. A. Perles in Baja war und durch Werke der Liebe sich in Kreisen seiner- Vaterstadt beliebt gemacht hatte. Aus der Kanzel der Bajaer Haupt-Syrkagoge hatte der Verblichene öfter Gastpredigten gehalten. Der Tod hielt in diefenr Jahr eine reiche Ernte in Oe!erreich-Ungarn: Dr Jelltnek (Wien), Dr. Perle« (München) und Oberradbiner M. Perl« in Ragy-Saroly (Ungarn). Der Letztgenannte war «ine bekannte rabbinischc Autorität in unserem Lande. Alle drei Männer erfreuten sich in unserem Lande großer Beliebtheit und Verehrung.

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