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Israelitische Wochenschrift · 1894-03-16 · 11 (16.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Datbestand r-. 1 nicht für gegeben erachtet, weil ein '«züchtiger Jnhait der ^chrif' nicht dargetan sei. Dazu wäre iti erforderlich, da» au« ihr selbst derZweck erkennbar wäre, M unzüchtig zu wirken. Diesen Zweck verfolge aber die Schrift M׳ nicht,. sondern lediglich antisemitische Zweckt." Der ,.Reich»- M btHe״ sagt demgegenüber: ״Nach unfter Meinung verbindet sie a nti s em i ti sche und n n z ü ch ti g e Zwnke. Wenn sie daher für die Zeit jener Sittenverwkiderulig nach den! M 30jährigen Krieg erklärlich ist, so wirkt sie in jetziger Zeit lediglich gemein und zwar liegt die größere Geineinheit einer gu allen Mitteln greifenden Wollust hier auf christlicher g; Seiie'. ־־ (Wir kennen das Buch nicht, aber der »Reichsbote' mutz es doch wissen.) ftinigäfeevfl i. Pr. Die Nachricht verschiedener $ B.ätter. der freisinnige Abg. Lenzmann habe in der Sitzung W.der Handelsoertragskommisnon die polnischen Juden als ein sA ,Unheil'- oder als eine ״Landplage" für Deutschland bezeichnet, ist vollständig erfunden. Die betreffende Aeußerung wurde vielmehr von konservativer Seite gechan, worauf Abg. Lenzmann erwiderte, daß er jene Ansicht nicht teile, ü daß aber, selbst ivenn dies der Fäll wäre, nach den Ans- Pi führungen. des Minister» in den Ausweisuugsbefugnissen der Regierung nichts geändert sei. Was die Sache selbst betrifft, so hat ja der im vorigen Jahre durch Deutschland in Scharen ftaltgehablt Durchzug von meist armen russischen Juden, die au» ihrem Vaterlande mit Gewalt ausgetrieben wurden, mauchersei Unannehmlichkeiten im Gesolge gehabt. Die relativ wenigen russischen Juden aber, die sich speziell hier in Königsbsrgs und andern preußischen Städte׳« niedergelaffen haben» sind durchweg respektable Leute, zumeist ungemei.i arbeitsam und' schon nach kürzester Zeit in der Lage, sich redlich, wenn auch mühsam zu ernähren. Bon einer Landplage u s. w kann also nicht enlsernt die Red: sein. . Elbing, 14. März. (Orig: Corr.) Es wird wohl vielen Schächtern bekannt sein, daß durch die thicrärztlichen Untersuchungen in den öffentlichen Schlachthäusern der Schächter oft in keine geringe Verlegenheit kommt. ES ist nämlich oft vorgekommen, daß ein rituell geschlachtetes Stück Bich, welches nach unseren Vorschriften für koscher erklärt worden ist, nachträglich vom Tierarzt oder 'dem Schlachthofdirckeor wegen Finnen und dergl. für ungenießbar erklärt wird. Solche Fälle verursachen ein Mißtrauen gegen den Schächter nschl nur, sondern gegen die betr. -jüd. Vorschriften. Wo» ist da zp shun? ' NiSchten doch Autoritäten sich über jj> diese Frage auslassen. (Wir haben hier die Anordnung ge»;ג troffen, daß der jüdische Schächter sein Urteil über koscher und trefa bfc* von ihin geschlachteten, Tieres erst nach, der erfolgten tierärztlichen' Uniersuchuug und Enischeidupg ab- D geben solle, erklärt der Tierarzt das Fici ich aus hygienischen Gründen für ungenießbar, so hat auch der Schächter es lunter.allen Umständen für trefa zu erklären M Eine gründliche Abhilfe wird aber erst, dann geschaffen M werden könne», wenn die jüdischen Schächter angchalte» U'. würden, einen Eursus auf einer Tierarzt,eischule durchzumachcn, ־־־'■'־'■■־' ~ 'י " ׳־ jüd-rituellen Schlachten' von ׳״K M eh« sie »die Autorisation zum einem Rablsiner erhalion.) . München Die Rede, welche her Rabbinalsventteser Dk. Meyer auf dem Friedhbs an der Bahre de« sel Rabbiner» Dr. Perle» hielt, lautete ivie folgt: ' .^ochansehnliche Trauerversammluna! Schmcrzersüllt hatten wir vor wenigen Stunden un» an heiliger Stätte versammelt um Ausdruck zn geben unserer großen Betrübnis, um zu beklagen den schweren Verlust, den picht nur eine Familie.-nicht nur eine große Gemeinde, nein ganz Israel erlcldet, und jetzt in der Stunde de- Abschiedes, beim Anblick der Lahre, die die sterblich« Hülle. diese» Lehrer» und Meisters in sich birgt, da entfesselt sich r. wiederum unser Schmerz, erbebt agfs neue sich unsere Klage, j Waren vir auch'alle. nach tym e» zur Gewißheit geworden.'daß hie Genesung de» hochverehrten Kranken sich zur׳ Unmöglichkeit 1t‘l.^ *C—. gestalte, auf da» Schlimmste vorbereitet, so wnrdrn wir doch durch die SchmerzenSkundr tieferschüttert, da man den Gedanken nicht fasten konnte, daß der fehlen sollte, der nicht fehlen darf, daß man den misten sollte, den mau nicht misten kann, daß den der Tod dabinraffe, der Leben verbreitete, wo immer er wirkte und schaffte. So wollen wir denn versuchen, in wenigen Sätzen, die Hauptzüge seine» Wirken» hervorzuheben, »nd zu zeigen, wie und was der Entschlafene war al» Rabbiner. Gelehrter und Familienvater A. V- Die Worte, mir denen der Prophet die Wirksamkeit de» Priesters schildcrt, st: kennzeichnen so recht da» Leben und Streben de» Verklärten: »Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde und Falsch ward nickt gefunden auf seinen Lippen. In Frieden und Geradheit wandelte er mit mir und Biele brachte er von der Sünde zurück.' iMaleachi 2, 6) Wahrheit war da» Siegel, das jede» Wort trug, das ec an heiliger Stätte oder 1,-itten im Leben gesprochen, und wir er gesprochen, so hak er gewirkt, wie er gelehrt, so hat er gelebt:.sein Blick war gerichtet weder nach links, noch nach recht», sondern nach dem Rechten- Er. dessen Thatensich auf der höchsten Stufe de» Menschenmöglichen beivegtcn, suchte auch seine Gemeinde durch die Tiefe und Innigkeit seine» Worte» zu der Höhe seine» Geiste» und Wirken» empor zu heben, und so erzieherisch auf Alt und Jung zu wirken Tie herrlichen Worte unsere» täglichen Gebete»: »Erleuchte unsere Augen in deiner Lehre, und erhalte unser Herz deine» Geboten treu,' sie erfüllten sich an ihm. Waren doch Glauben und Wiffen harmonisch in ihm vereinigt, und die Weisheit seines Geistes gepaart mit der Innigkeit seine» Gemütes. So entsproßte der Saat, die er aus» streute überall als schönste Frucht: der Friede. In Frieden und Eintracht wandelte er mit seiner Gemeinde wie selten ein 'Führer: die Größe seines Geiste» wie die Tiefe seines Gemütes ebuetcu die Wege de» Friedens, erschlossen ihm die Herzen seiner Gemeinde. Nahe staub er allen, doch am nächsten den Armen und Bedrückten- Beklagte er sa noch kurz vor seincin Tode das LoS.der Armen, deneti in ihrer Krankocit nicht die gute Pflege wie ihm zn teil werden könne, ei» Beweis seiner großen Herzensgute, die sein Wesen bis zu seinem letzten Athemzuge in hervorragender Weise verklärte . Weitbinaus über-die Grenzen dieser Gemeinde reicht der Name des Lcrblichenen- Der große Verlust, der uns getroffen, er berührt nicht nur unsere, engere Glaubensgemeinschaft, er macht sich fühlbar'in den weitesten Kreisen, er wird empfunden in der ganzen gelehrten Welt: ist doch einoLeuchte ddr'Wisscnschaft mit dem Verewigten dabingegangen, der jüdische», wie der Wiffenschüft überhaupt, ein Forscher allgemein gekannt und an erkann». Schon die erste wistenschastliche Arbtit gab Kunde von der Schärfe seines Geistes, -ec Gründlichkeit und Tiefe seiner Austastung und grnnblegeiid ivie ft4 war, ist sie geblieben für jegliche Forschung auf diesem Gebiete., Und wie fein Wesen in allen Punkten echt, nichts vom Scheine an sich trug, s 0 war auch liaS Ktilnzeichcy all seiner Schriften, die teils epochemachend, teils wichttge Bausteine liefernd zum Auf- - und Ausbau 10 manchen Gebiete der lexikographischen. historischen und religionsph. Wissenschaft. dem Gelehrten, einen glänzenden wissenschaftlichen Namen schon ,bei Lebzeiten erwarben Darum daß dieser Stern in Israel gesunken, daß gefallen die, Krane von unserem Haupte, darum ist unser Herz betrübt, darum durchzittcrt der Schmerz unsere Seele, darum stetst trauernd um diese Lance tut Geiste ganz Israel, das in ihm eilten Lehrer und Meister verloren Das bittere Weh, das 'allüberall empfnube» wird, wo man den seltenen Mann kannte, ach, wie unsagbar ist es in dem engeren,Familienkreise.' Sein Haus ist stets gewesen wie die Stälte. an der er gewirkt, ein Heiligtum des Ewigen, es war geweiht mit einer hödrtfn Weide, es war durchweht von göttlichem Odem. Hier herrschte kein Miß ton, .hier waren die Seg» nungen des Friedens ausgedreiict- Wer e» mit angesegen, mit welcher mehr wie aufopferungsvollen Hingabe die edle Gattin den Kranken gepflegt, wie sic Tag v:>d Nacht nicht . aus dem

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