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Israelitische Wochenschrift · 1894-03-02 · 9 (2.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
9 (2.3.1894)
Date
1894-03-02
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 71 J~btm hlbr. EHaklm rottpricht, in UcCunben zu schreiben sei. Dem & <üten Hildesheimer Rabbiner kann man allerdings nicht beikommen, ׳ ober da» letztgenannte Werk, sollte man da» nicht verbrennen? 4Int«:ssaat ist übrigen» eine andere Erklärung, wonach der Name Götz au« den Anfaog»buchstaben vcn *er «edelc (dh. «rfrichttger Proselyt) entstanden sei,—(ähnlich wie Satz au» Sahen gedek) — weit man ihn zuerst Personen beüegte, die au» Ueberp Zeugung da» Judentum angenommen hatten.) Araufrelch. P«riS. Hier starb ein durch seine Frömmigkeit und Wohli^ättgkeit ausgezeichneter Mann, Namen» Eudlitz, der «in Nachkomme de» berühmten Meharscha war. Der Vcrstorbene war ein Schwiegersohn de» bekannten Eoimaer £ Oberribbiner»Samuel Klein und ein Schwager de» hiesigen bekannten Arzte» Dr. Klein. Frau Furt ad o, die Frau de» Lonsistorialpräsidenten ^-tu Besonne, weiche in Alter von 78 Jahren am 27. v. M. gestorben, hat 100000 Frank» für Unterricht», und Wohl- ^chättgkeit-zwecke vermacht. Schweiz. Basel. Er ist ein Aufruf im Umlauf der zu einer ..Bereinigung freisinniger schweizerischer JSrae- , liten" auffordert. Wir heben au» dem Zirkular folgende Stelle heraus: ,Unsere frommen Eltern und Ahnen bemühten sich, die .politische Gleichberechtigung und damit eine bessere Leben»- 8 Peilung zu erhalten. Jetzt, nachdem wir die» erreicht, dür» sen wir un» nicht undankbar zeigen und wie im Mittelaltei!; tui» vom christlichen Staate abschließen, der unsere Heimat " bildet. Energ.sch gedenken wir gegen jene retrograde Bewe- -gung Front zu machen, welche eine Scheidewand., gegen r unsere christliche» Mitbürger aufzustellen sucht und in unserer | erhabenen Religion nur Forme» sieht, den edlen Kern aber ignvrirt." ׳ Der Aufruf'protestirt dann dagegen, daß ״sich die o r» k t h'o d oxen Rabbiner als die berufenen Vertreter der Gesammtheil der Israeliten geriren." Die freisinnig denkenden J»rarliten wollen sich vereinigen, ״um mit vereinten;; Kräften dem religiösen und sozialen Krebsgang . -entgegknzuarbeiten." Amerika. . New-Vork.Die Wahl de» Herrn I. S t r a u ß al» Mitp alied de» Longresse« für New-Aork ist ein erfreuliche» Zeichen f der hiepzulande herrschenden VorurtheilSlofigkeit. ES find Ärwohl in allen zivilifirten Staaten Juden Mitglieder der Parlamentarischen Körperschaften, aber der Werth dieser Wahl liegt darin, daß der Antisemitismus gar nicht in Krage kommt. :Der Amerikaner hat 'eine hundertjährige Religionsfreiheit Hinter sich, die er der absoluten Trennung von Staat und ^^kirche-verdankt. Da» Bedeutsamste daran ist aber, daß die _ Religiosität dadurch nicht gelitten hat, sondern im Äegentheile i, b«r Amerikaner im Durchschnitt, besonder» in den gebildeten ü* Klassen, religiöser ist, al» der Europäer Die Familie Strauß hat aul verschiedenen Gebieten sich rühmlich hervorgethan und den Beweis geliefert» daß da» wüste Geschrei gegen Einwans' derung — dir Herren Strauß stammen sämmtlich au« Deutschd.׳ land — ein Zeichen politischer Kurzsichtigkeit ist. Reueste und vermischte Rachrichte«. -יי־ » _ Moedebur«. Au» Marienwerder theilt man un« mit. daß dir im vor. Lahre erlassene RegierungSpolizeiverordnung gen da» Schächten von einem Schöffengericht für unaüittg erlitt worden sei. »eil ste gegen die durch die preußische Berffnng gewährleistete Religionsfreiheit verstoße- Seiten» «mttanwaltschast.ist hiergezen. Berufung eingelegt worden, letzter ׳Jnstai» wird da» Kammeraericht in Berlin über die 'iigkett sener Verordnung zu entscheiden haben- ' ׳ ' ׳ MoHvebur». Dit diesige israelittsche Beerdigungs-Gesell- Mast hatte noch ihrem in der Jahresversammlung gegebenen MchnungScbschluffe im letztvp stoffenen Lerwalkung«jahre eine! Einnahme von 3598.50 M , die Ausgabe bettug 2384.16 M., so daß ein lleberschuß von 123443 M. vorhanden ist- In der Au»- gäbe befinden sich Beadiaungrkoften für Arme 136.20 M, Unterstützung an arme stänke Mitglieder 154L0 M , an die israelittsche Gemeinde zu Armenzwecken 100 Mu. sw. Da» Vermögen der Gesellschaft besteht in 12420.77 M. und bat sich gegen da« Borjahr um 1283.83 Mk. vermehrt- Außerdem sind noch an Legaten 3513.60 M. vorhanden. Die Mttalieoerzahl hat sich von 214 im Jahre 1890 aus 223 erhöht. In der Gemeinde gestorben sind in den Jahren 1890—92: 80 Männer. 36 Frauen und 35 Kinder, zusammen 101. Eingenommen wurden in den drei Jabren 11.64&62 M., auSgegrben 1L05362 Mk. Die reinen Ausgaben in der Verwaltung betrugen in den drei Jabren 9035.07 M die reinen Einnahmen 8674.73 Mk . so daß 360 35 M. mehr auSgegeben wurden. Verttn- Der zum Profeffor ernannte dirigierende Arzt des jüdischen Krankenhauses, Herr Dr- Ja men» Israel, ist ein geborener Berliner, er hat hier studiert (von 1860 bi» 1870) und promovirt und hier eine dauernde Stätte für seine Tbatigfeit gefunden. Nach der Ablegung der ärztlichen Staatsprüfung trat J-rael 1873 als LilfSarzt beim jüdischen Krankenbause ein, da» damals Langendes und Ludwig Traube leiteten. Vornehmlich war er hier al» Gehilfe Langenbeck» beschäftigt. Nach Ablauf der üblichen zweijährigen Assistentenzeit wurde er Langendeck al» stellvertretender leitender Arzt beigegeben. 1881 wurde ihm die Leitung der chirurgischen Abteilung, die vor Langenbeck der ältere Graefe. Bardeleben und Schoendorn innegebabt hatten, selbstständig übertragen. Israel, der eine hervorragende Stelle unter den deutschen Chirurgen einnimmt, hat sich besonder» in der Nierenchirurgic einen Name» gemacht- Atanfkurl a. M-, 22. Februar- Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt gestern Herr Prof Dr Sulzbach einen sehr interessanten Borttag über Kulturhistorische» au» der jüdischen nachbiblischen Literatur. Er wie» an Stellen im Talmud, Midrasch und den stüheren Erklärungen u. A. nach, daß die. anttken Sagen jenen Gelehrten nicht unbekannt waren und oft zu ethischen Zwecken verwendet wurden- Manche» in den Erzählungen, wa» man für müßige Plauderei hielt, hat sich als thatjachlich erwiesen. So z. Bbestätigt Nachtigal den Scharfsinn der Wüstensöhne zu der Auffindung von Spuren. Wenn der Thron Salomo« mit phantastttchen Ausschmückungen beschrieben wird, so bat doch der byzanttnische Kaiserthron als Vorbild gedient, und die sprechenden Tbiere daran mögen wohl der Kenntniß der indischen Automaten ihre Entstehung verdanken. Der Gebrauch der Gabel zum Essen wird den Persern zugeschricben in Werken, die lange vor deren Einführung in Italien (etwa im 12. Jahrhundert) versaßt sind. Hypnose und Suggestton scheinen auch nicht unbekannt ״ewesen zu sein- ES wird von .schwarzem Staub" im Talmud erzählt, womit die Mauern gesprengt worden seien: offenbar ist da» eine dunkle Erinnerung an die uralte chinesische Erfindung de» Schießpulver». In einem 1291 geschriebenen Werke be» Ravt» Bachia wird erzählt, beim Turmbau von Babel hätte man da» göttliche Feuer unschädlich machen wollen, ,wie Einige thun. die auf ibren Palästen Stangen anbringen, um den Blitz berunterzuleitrn“, also Blitzableiter- Der Vortrag erntete lebhasten Beifall. £itai«Om i- Pr . 18. Febr. Zum Abschlüsse de« HandelSverttaa» mit Rußland dürste die historische ReminiScenz von Interesse!ein, daß Fürst Dolgorucku in seiner ״Notice sor les principales familles de la Rosste“ (Pari» 1843) behauptet, daß der ehemalige russisch« Finanzminister Eancrin, der Sobn eine» hessischen Juden gewesen sei- Desgleichen wird bekanntlich auch von dem jetzigen russischen Finanzattachä in Dari». R affalow itsch, gesagt, daß er der Sohn jüdischer Eltern setz Lurcmtzur«. Ein wirkliche» Cbillul Haschen macht der sich Rabbiner nennende Osia» Krohn in Skala, Galizien, der sich nickt begnügt, Juden feine Bettelbriefe zuzuschicken, sondern auch allen diesigen christlichen Firmen, deren Namen nur annähernd jüdisch klingt. Die Briefe find in der bekannten Weile abgefaßt und tragen einen jüdischen Farbenstemvel. Al» Referenz wird angegeben: ״Rabbiner S- Söffe rund iSr. CultuS- Vorstand hier/ Giebt e» wirklich kein Mttel, solchem Unwesen zu steuern? Dr. Bl. Au» London verbreiten dir russischen Zionisten, Baron Hirsch habe die Uebrrzeugung gewonnen von der Unausführbarfeit seine» Projekte«, einen erheblichen Teil der russischen Juden au» Rußland nach Argentinien zu versetzen,da« Londoner ColouisationS-Lomit« sei infolge dessengeschlossen, und e» habe eine Liquidation de» ganzen Unternehmen» begonnen. Baron Hirsch habe bisber für sein mißglückte» Unternehmen die Summe von 215000 Pfd. Sterling aulgewandt. d. h. ungefähr zwei Millionen Mubel, doch hoffe da» Comit« 145000 Ptv. Sterling würden sich von dies« Summe noch retten lassen- D« Rest (70000 Pfd ) sei al» Valoren zu bettachten. t

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