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Israelitische Wochenschrift · 1894-02-23 · 8 (23.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
8 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 58 — ־bencr. es identisch ist. Aber nicht bloß der niedere, sondern auch der höhere Pöbel glaubt den wissenschaftlichen Falschmünzern, wenigstens giebt sich ein Teil deS letztem dm Anschein, als glaube er chuen. Dabei lasten sie es gem bewenden. Eine weitere öffmtliche Erörterung der Sache, so fürchten sie, könnte dm Glaubm des Pöbels an sie erschüttem und dm verständigem und dämm bestem Theil des christlichen Volkes in seiner Heberzeugung von der Verwerflichkeit des antiseinitischen Treibms befestigm. Und diese Befürchtung ist so gmndlos nicht. Ebendeshalb müßte die von Herm Dr. Kroner in der Wochmschrift vor. I. Nr. 31 (und 37 unter Berlin) angeregte gerichtliche Bestrafung der Verbreiter deS antis. ״Talmud-AuSzugs" (der ״G»beimgesetze") mdlich beantragt werden. Wir wollen vor der Hand wenigstens ein ״Geheimgesetz" vor aller Welt auch von gerichtsseilig bemfmm christlichen Mäunem der Wissenschaft aufgeklärt sehen, und zwar vor allem das ,Geheimgesetz-, welches den Judm erlauben soll, Christen im Glücksspiel zu betrügen. Wenn wir vor allem gerade dieses ״Geheimgesetz' in foro erörtert sehen möchten, so führt uns zu diesem Verlangm folgende Erwägung. In dem, der Nr. 5 Ihres gesch. Wochenschr. beigelegten ersten Jahresbericht des ״Centralvereins deutscher Staatskürzer jüdischm Glaubens" — in welchem Bericht wir viel Richtiges, aber auch mancherlei Anfechtbares findm — wird S. 24 f. initgetheilt: ״So baden wir infolge jenes unerhörten Artikels einer antisemitischen Tageszeitung, welcher Ihnen nicht unbekannt geblieben sein wird, und in dem die. einer andem ReligionS- Gemeinschaft als der unfern gewiß nicht ungestraft hingeschleuderte Schmähung enthalten ist: alle Juden ohne Ausnahme seim ebensclche Betrüger wie die Spieler in Hannover, und wenn dieRegiemng die Juden nicht aus dem Lande jage, müßte das Volk selber es thun — so haben wir infolge des Artikels jene Zeitung wegm Aufreizung zur Gewalthätigkeit bei der Staatsanwalt denunzin, über den ablehnenden Bescheid des Staatsanwalts beim Oberstaatsanwalt Beschwerde geführt und werden die Angelegenheit bis in die letzte Instanz verfolgen, bis uns das Recht wird, das in dieser Sache uns ja gar nicht versagt werden kann " Auch wir hoffen und wünschm dies, glauben es aber noch nicht. Das aber glauben wir, weil wir es wissen: daß in niederm und höherm Kreffen die — durch die litterarischen Düngerträger der Antisemitm weitverbreitete — Ansicht herrscht, der Jude dürfe nach einem ״Geheimgesetz" den Richtjuden im Spiel betrügen. An dieser Ansicht wird ein forensisches Obsiegen deS LmtralvereinS nichts ändem, und Schmähungm, wie sie uns die gedachte Tageszeitung hinschleudert, werdm wiederkehrm oder in etwas vorsichtiger Weise laut werdm, oder es werdm mffprechende Gefühle des Haste- und AbschmeS gegm die ״Falschspieler von Religionswegen" fortwuchern. Erst die Bestrafung der Verbreiter dieser Ansicht und die Bloßstellung der wiffenschaftlichm Falschmünzer vor Gericht wird jmem Obsiegm die rechte Wirkung und Bedeutsamkeit verleihen. Wir meinen also, der genannte Lmtralverein oder sonst Jemand, der das Zeug dazu hat, sollte in Verfolg des von dem sel. Jellinek und vielm andem bedeutmdm Männem gebilligtm Kronerschm Vorschlag» die Verbreiter des ״Ge» Heimgesetzes" über daSangeblich erlaubte Falschspiel der Juden mit Richtjuden vor Gericht fordern. Sehr erwünscht wäre es, wmn Herr Dr. Kroner einen mtsprechmdm StrafantragS-Entwurf veröffentlichte. Wir sind überzmgt, es würdm sich deni gen. Anträge zahlreiche Judm, oder noch besser, jüdische Gemeinden anschließen. — Obigen Ausführungen pflichten wir voll und ganz bei und erklärm uns zur Aufnahme des fraglichen Entwurfs in unsere Wochenschrift gern bereit, indem wir Herm Dr. Kroner das talmudische Wort zumfm: *׳ «־יונקmb קריינא דאגרתא «׳הו ״)Wer einm Vorschlag gemacht hat, der soll seine Ausfühmng auch fördem." Baba raezia 83.) Die Redaction. ״Darote Gespenst/' von Otto Prange.*) Besprochen von Dr. Sing« r-tkoblenz. Taus 163 genres sont bons — dachte der Herr Verfaffer, als er mutig an seine treffliche Arbeit ging, zu beweism, daß das rote Gespmst, mit dem man heute jedm politischAnderSdmkendm schrecket. nur in übersponntm Gehirnen spuckt, daß die Sozialdemokratie ihren gesunden Kern hat, ebenso berechtig« ist, wie jede andere Weltanschauung und daß eS ebenso thöricht wie ungerecht sei, ihre Anhänger mit anderem Maaße zu messen. Er läßt sich die Mühe nicht verdricßm in 9 Kapiteln — nebst Vorwort und ResumS — bie Sozialdemokratie in ihren Bqiehungen zu Staat, Religion, und allen Erscheinungen des öffentlichen Lebens nach praktischen Erfahrungm sorgfältig zu prüfm und zu beurteilen, und da er hierbei Jedem die ungeschmünkte Wahrheit sagt, so wird er für die Lösung seiner Aufgabe auf beidm Seiten Undank ernten, umso rückhaltsloser kann und muß die unparteische Kritik ihm Anerkennung zollen, wenn sie eS auch bedauem muß, daß eine solche Arbeit der Aufklärung nicht schon vor 10 Jahrm erschien, als der Kampf noch heiß brannte, der die Sozialdemokratie großzog, ihr die heutige Machtstellung einräumte und ihr dm Stempel des MärtyrertumS aufgedrückt hat. Daß bei einer solchen eingehendm Vertiefung in das Material die Beschäftigung mit der ״Vorfrucht der Sozialdemokratie", dem Antisemitismus, nicht fehlen dürfte, ist selbst» verständlich und Herr Prange hat dies im YL Kapitel in solch markiger Form gethan, daß ihm der Vorwurf nicht erspart bleibm wird, im siebmtm oder achtm Gliede von Judm abzustammm, was er wohl weiß, da er sich über diese Methode weidlich lustig macht. Bei Besprechung dieses Kapitels wollm wir dem Herm Vers, gern die Anerkennung zollm, daß er sich bestrebt hat, gerecht zu sein und Licht und Schartm gleichmäßig zu verteilen, ihm aber auch die gewünschte Belehrung nicht vormthalten, dort wo er sich geirrt hat. Er bemängelt es als eine Uebertreibnng, daß der AntisemitiSmuS eine ״Schmach des Jahrhunderts״ genannt wird. Allerdings ist ein Jahrhundert sehr groß und kmm nicht durch eine Verirrung ganz mit Schmach bedeckt werdm:' was aber gerade diese ״Verirrung" zu estier besonders häßlichen macht, ist der Fanatismus, mit dem dieser modern« Kreuzzng gepredigt und auSaeführt wird, die Berallgemeinemng, mit der man die selbst gezüchteten Fehler deS TinzAnm der Gesammthest zur Last legt, der LyniSma«, mit dem man *) Stuttgart, Verlag von Robert Lutz. 1894.

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