Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1894)
- Issue
- 7 (16.2.1894)
- Date
- 1894-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Lie Herstellung einer zweiten Auflage des ״Baal Tefillah" «it Orgelbegleüung zu den wichtigsten Piecen, sich so ver- Höaert. Möge dem tüchtigen und fleißigen Manne recht baldige Genesung zu Teil werden. Ara«kreich. P«riA. Herr Singer, der Pater der totgeborenen talmudischen Sncyclopädie und Redakteur der ״Vraie parole״ Vird letztere in ein tägliches politisches Journal umwandeln. In V»«Iogu« starb im 76. Jahre der Commandant Abraham Blum, der den Feldzug in der Krim und Italien mitgemacht und durch Heldenmut und Vaterlandsliebe sich sehr ausgezeichnet hat. L0«d0n. Ei» bisher unbekanntes Factum möge hier Erwähnung finden, nach welchem mehrere regierende Familien Europa'- jüdisches Blut in ihren Adern haben. So z. B. alle direkten Nachkommen Alberic'S, Königin von Sizilien, welch« die Tochter de»Bankiers Porleoni, de»ersten durch beu Papst Leo IX. t. I. 1116 geadelten Juden, war. Außerdem hatte Ferdinand» König von Portugal, der Großvater de» jetzigen Königs, zum Ahnherrn den ungarischen Juden K o h a r y, dessen Tochter und Erbin den Prinzen Ferdinand oon Sachsen- Coburg heiratete, so daß Don Earl öS, König von Portugal unzweifelhaft jüdischer Abstammung ist; auch ist der Prinz Ferdinand von Bulgarien, der auch ein jüdische» Aussehen hat, ein -Enkel de» Kohary. Ein zweiter Enkel der letztern, Philipp, Herzog v. Sachsen-Coburg, heiratete die ältesteTochrcr beS König» Leopold von Belgien. Ein dritter, Namen» August, heiratete die Tochter de» Don Pedro, Exkaisers von , Brasilien. Eine Enkelin de» Kohary ist die Gattin des Erz- Herzog» Joseph von Oesterreich, eine andere ist die Frau de» /Herzog» Maximilian vo» Bayern, Bruders der Kaiserin von Oesterreich und der Exkönigin von Neapel. — (Wa» werden die Raffen-Antisemiten dazu sagen -) Neueste und vermischte Nachrichten. IMceOvetzeer«, 12. Februar- Der -ReiÄSbote" und die; ^taatSbürgerztg." wiederholten vor einigen Tagen die Frage: Wa» ist au» der Untersuchung über den Lantencr Knabenmord geworden? Wir können den ungeduldigen Fragern zur Beruhtgung die un» au» Tanten zugegangene Antwort erthcilen: «Der Steinhauer Wesendruv der in dem Mordprozcsse viel aeiaout und später steckbrieflich verfolgt wurde, ist am s. d. Mm einer Herberge zu Düsseldorf verhaftet und gefesselt hier ein- «liefert worden. Sr harte sich bi» dahin al« Landstreicher umyergetrieben" Werkt». Dem Dr- Phil- Moritz Steinschneider ist da» Präbikat Professor beigelegt worden. Steinschneider, seit vielen Zähren an der königlichen Bibliothek beschäftigt, ist bekanntlich einer der hervorragendsten Kenner der orientalischen Literatur <Stist 1816 in Proßnitz geboren und har die jud.-arabischc Li- «ratur durch viele wissenschaftlich« und bibliographische Werke däeichert) Verlt«. 12. Februar. Die ,Kreuzzeitung" ist der deutsch, rusfische Handelsvertrag so sehr zu Kopf gestiegen, daß fie ihn -äl» eine »Machenschaft" de» .!«raelitischen Weltbünde»" zu »brandmarken" sucht. Damit glaubt str ihren letzten Trumps «,«gespielt zu haben. Ms»»A«r l HB. Da» hiesige israelitische Lehrerseminar IMarkS-Hatndorf'sch« Stiftung) hat 4 Srminarabtturienten entsassen. Dies« haben erst im Seminare die Prüfung al» ReltaionSlebrer und dann vom 8. —13. d. M. in Soest auch die;ftaaflich« Prüfung «it günstigem Erfolge bestanden, ft 90ft*. Wie r» in der Synagoge zu Pudewitz zugeht, hat ^7 sich au» einer Verhandlung vor der Straftammer in Posen er- ^gebeo. Sin i»raelttischer Handelsmann Markus Rotholwar «klagt, während de» Gottesdienste« in der Synagoge zu Pu- _^itz sich frech benommen zu haben. R hatte sich laut unter- »ltm, gelacht, au» Unstnu geniest, Schnupftabak herumgereicht. ־ daun auf den Lorbetervlatz gesprungen und hat dort au» der ora vorgelesen. Di« Zeugen sagten jedoch »um Staunen er au», daß'solche» Benehmen tu der dorttgeu Synagoge nicht Mi« fei. Auf Grund dieser Auksagc mußte Rotholz fteige- 6. Februar. Hier fand gestern eine Auttsemitea-Ler- - ^anvulung im Loucerthause statt. Lder statt der gewüuschtcn fteifinniaen Gegner fanden sich conlerrattoe Herren ein. welche die falschen Aniichlen und dir Verdächtigungen de« Herrn Gocksch widerlegten Letzterer batte u. A. die von Antisemiten erfundenen Audienz-Schicksale der Delegirten von Handwerkern beim Minister Bötticher seinen gläubigen Zuhörern auftischen wollen, doch wurde da» von ihm so drastisch geschilderte Benehmen de» Miuister» von einem Anwesenden Buchhalter stark bezweifelt. Ebenso trat Herr Oberlehrer Dr. Bolkmann den Ausführungen des Herrn G. vom con'ervativen Standvunfte aus entschieden entgegen, nameurlich erklärte er in anerkennenswerther Weise die Hetzereien der Antisemiten für staa:»gesährlich, worauf die Herren wenig zu erwidern wußten. Aus der Aufnahme, welche die Antisemiten auch bei den hiesigen Conservattven gefunden, können sie sich übrigen» leicht zusammenrechnen, welche .großartigen" Erfolge sie de! den künftigen Wahlen erzielen werden. EStsten, 2- Februar. Heute Abend fturb hier nach langem schwerem Leiden der Prediger Dr- Julius Landsberger. Er war im Zähre 1821 in Kreuzburg «Oberschlesieni geboren, studirte in Breslau, war Prediger der jüdischen Gemeinde in Hirschberg und siedelte vor 38 Jabren nach Berlin über. Er war hier al» Religionslehrer an höheren Lehranstalten thäng und seine Predigten versammelten stet» eine große Gemeinde Die Friedrichstädtischc israelitische Religionsschule, deren Leiter er war, wurde von ihm begründet Ein Herzleiden zwang ihn im vorigen Jahre, seine vielseitige Thätigkeit aufzugcbcn Er starb hier im Hause seiner Schwester SMllOarl Bor einer sehr großen Zuhörerschast ergriff Dr- Julius Lohn,eyer aus Eharlottenburg am vorigen Miltwoch Abend das Wort, um sowohl versönlichen als historischen .Erinnerungen an Berthold Auerbach" willkommenen Ausbruck zu verleiben und außerdem .Ernstes und Heiteres au» eigenen Schriften" zuni besten zu geben. Der Redner entrollte im ersten Teil des Abend» ein interessantes Lebensbild von unserem derühmten schwäb- Landsmann; er schilderte dessen Leben und Wirken, seine inneren Kämpfe und literarischen Erfolge, die Eigenschaften seines KarafterS und reichen Gemüt», zugleich mit dem kritischen Verständnis de- Kollegen auf dem Gebiete der Literatur und mit der Wärme und Begeisterung de» persönlichen jüngeren Freunde». Mt besonderer AuSlührlichkeit verweilte der Redner bei der Erinnerung an da- Begräbnis de« Dichters auf dem einfachen Dorftirchhof seiner Heimat Nordstetten, wo der» hatte Der Redner schloß seine Ausführungen mit dem Bortrag de» tiefempfundenen poetische» Nachruf», den er selbst s. Zt. dem Dichter und Freunde an seinem Grabe gewidmet hatte. vherdarf - «sPfinge«. (Berichtigung., Unter Bezugnähme auf den in Nr. ö diese» Blatte« erschienenen Nachruf zum Andenken an den verewigten M M. W e i l von hier muß im Interesse der Ehre de- Verstorbenen constatiit werden, daß er zwar zeitlebens stet» sowohl dem politischen wie auch religiösen Fortschritt gehuldigt hat. daß er sich aber mit allen Ideen de» Rabbiners Grün nicht befreunden konnte. L. W. Wie», 8• Februar Heute Abend fand im Leopoldstädter Temvel eine große Trauerandacht für weiland Obcrrabbiner Dr- Adolf Jcllinet statt. Da» schwarz decorirte Gotteshaus war in CultuSgemeiude, Bertteter der türk Gemeinde, sämmiliche Bororte- und Synagogenvorstände, viele Rabbiner. Lantoren, Grlehrte und hervorragende Persönlichkeiten- Die Feier begann mit einem vom Obercantor Goldstcin und dem verstärkten Chor erhebend vorgetragenea Psalm Hiecauf hielt Oberrabbtner Dr- Güdemann eine großangelegte Rede, in welcher er die Verdienste de« dohiugrauiführte. das» auch der Berewigle seinen Lebenszweck voll und ganz erfüllt und seine 8eben»tuge auf allen Gebieten der Wissenschaft zum Wähle und zur Ehre seiner Gemeinde und des Judenthum» verwandte. Nach der dei allen Anwesenden einen ttefen Eindruck hinterlassrndm Rede recitirte Obercantor Goldstein ״Bl mol« rachamim“ und da» Kaddischgrbet- 90n9on Der jüdisch« GeschichtSverein von England feierte am 4. Februar den Gedenktag, an welchem Lromwell den Juden vor 296 Jahren da» Recht der Niederlassung in England arwährt hatte. Der Obcrrabbiner de» brittschen Reiche», Dr. Adler, hielt einen Borttag über »Manasse den J-racl, den Gründer der ersten jüdischen Gemeinde in England, seit oer Lertteibuug derselben au» dem Lande". Ein zweiter Bortraa de» schäftigte sich mit der jüdischen Gemeinde, welche in Lreechurch Laue bei Leadcnball Sttert am Anfang dr« 17. Jahrhundert» ihre aotterdienftltchen Bersammlnnge« abhielt Der^ Verein be» ־ loß, jede» Jahr den 4- Februar al» Tag ederntederlaflung zu feiernde» Rechte« der