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Israelitische Wochenschrift · 1894-01-19 · 3 (19.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
25 (1894)
Issue
3 (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 22 — dak Waisenhaus gestiftet, bewilligen dieser Anstal« für die Dauer einen Jahresbeitrag in Höhe von 1500 Mk. In seinem Testamente hat der verstorbene Herr Hasse die Armen seine- Orte» wohlwollend bedach«. Er legirte 4500 Mk. mit der Beftjminung, daß der Ertrag der Zinsen an seinem Jahrzeit,age zur Hälft« den christlichen und zur Hälfte den jüdischen Armen der Stadt Rybnik überwiesen werde. Daß die Stadt Reissc in sichtbarer Weise das An denken an den grohen Emin Pascha zu verewigen beabsich tige, ist auch in diesem Blatte bereit» erwähnt worden. Mir einer ähnlichen Absicht geht auch die Stadt Oppeln, wo der junge Eduard Schnitzer, der späiere Emin Pascha, lein gere Zeit gelebt, um. An dem Hguse, in welchem er 'ge wohnt, soll eine Gedenktafel angebracht werden. Der Protest gegen die Wahl de- Dr. F scher zuin Rec tor der höheren städtischen Töchterschule in Kattowitz ist, wie die öffentliche Verhandlung in der Sitzung der Stadtverordneten inzwischen sicher ergeben hat, auf Machenschaften der verkappten und nicht verkappte», der verschämten und nicht verschämten Antisemiten zurnckzuführen. Unter solchen Umständen hat die Aufsichtsbehörde die Bestätigung der Wahl versagt. In Königrhütte zeigte die Tempelstrabe in der Nähr der Synagoge vor einiger Zeit eine nicht unerhebliche Senk ung. Da fast ganz König-Hütte durch den Abbau verschie dener Kohlenflötze mehr oder minder unterminirt ist, geben Vtraßensenkungen ni berechtigten Befürchtungen Anlaß. De schleunigst in» Werk gesetzten Maßnahuien waren jedoch ge eignet, die besorgten Gemüther zu beruhigen. Schwei». V«r«. 10. Januar. Am 20. August v. I. beschloß da» Schweizervolk in feinem Entscheid über daerste ihm vorgelegte Jntiativbegehren, daß da» Schlachten ohne vorherige Betäubung'der Th׳err verboten sei. und in der Decembertagung der Bundesversammlung wurde da» Abstiminung-ergebaiß erhärtet durch einen BundeSbeschluß» dessen zweiter Artikel lautet: ,Der BundeSrath ist mit der Veröffentlichung und melieren Vollziehung diese- Beschlüsse» beauftragt." Seitdem ist eine Veröffentlichung nicht erfolgt und thatsächlich ist also der BolkSbeschluß noch nicht in Kraft getreten; e» wird geschächtet wie vorher, di» d.r BundeSrath sich ausgesprochen hat. Dieser hat sich nun darüber schlüssig zu machen, ob ein AurführungSgesetz oder ein« Berordnuug an die Eantone erlassen werden soll, -oder ob sie sich mit einer Bekanntmachung begnügen darf. Alle drei Standpunkte hatten ihre Berireter m der Buntes- Versammlung, als die Schächt-Jnitiariv« behandelt wurde, und auch jetzt lauten die Meinungen darüber verschieden. Wie -e» heißt, dürfte man sich an der auSfübrenden Stelle mit einer Verordnung begnügen. Die Israelin« haben übrigen- Einrichtungen getroffen, um gefchächleleS Fleisch von jenseit der Grenze zu bez׳ehe». Neueste «ud vermischte Nachrichten. MvOXV»»««. 17. Januar- Unser lieber und verehrter Freund und Kollege, der HerrOberrabbinerDr- Güdemann in Wien, vrslen so nef empfundene wahrhaft klassisch« Rede an der Bahre , JellinetS vir jüngst den Lesern u. Blmitzutheilen der Lage waren, ist von einem schweren Mißgeschick und Herden Leid heimgesucht worden, er bat seine Gattin, die ihm nahezu 82 Jahre eine treue liebevolle Lebensgefährtin gewesen, durch de« Tod verloren. Sie war eine Breslauerin. geborene Spiegel» und hing mit unsäglichcr Liebe und Verehrung an ihrem Gatten. In dem letzten Jahre von einer schweren, schmerzensreichen Krankheit hrimgesucht, war e» nur durch die Kunst der berühmtesten Aerzte nach »irderbolrem operativen Eingriff und der äußerst sorgfältigen z-fleae, die ihr der Gatte und eine Schwester, die au» Magdeburg «m ihr Krankenlager ritte, ermöglicht worden, da» theure Leben noch einige Monate de« sichern Tod« zu entreiße». Sie erlag «n Sonnabend Morgen dem schweren Leiden. Hier in Raadeb«rL »o sie die ersten Jahre der glücklichen Ehe »erlebte, lebt »<e Erinnerung an fie «och im Herzen Vieler. Ave pt» uima! SDcm schwergeprüften Gatten, der trotz de» schweren Kummer« orützrend der langen, dangen LetbenSzeit die hohen Aufgabe» seine» Amre» getreulich erfüllte, ruft» wir au» tteuem, mitfühlenden und teilnehmenden FreunbrShrrzen die Worte Hiob» zu: y*v «וזי ״ נסייה־ יייוס ריכיד תקייידFürwahr, deine Gottesfurcht sei deine Zuversicht, dein ftommer Wandel — deine Hoffnung!- חכקוד זחך» ons• M»gdefn»rH, 17• Januar. Morgen Abend hält hier Frau Nahtda Rcma aur Einladung de- Literatur- und Gelchichk-oerein» einen Bortraa über: ״Was ,st der Talmud t“ Meradevur«. Zu dem jüngst von den Zeitungen gemeldeten Unalücksfall auf dem Großglockner bemerkt das Münchener antisemitische ,D. LotkSbl.- unter der Rubrik ,Allerlei Koschere»-: »Drei wiener Juden wollten den Großglockner besteigen und kamen elend dabei um. Bekanmlich fehU der Judenschast die kraxelfroh« Mu»telkraft: wa» dem Hebräer nicht verlieh», des soll er fich nicht unterzieh». LS passen uiisere deutsche» Berge nicht für truinmbein'ge Iudenzwerge,. Und solche Rohheit nennt sich »koscher!- Jeder jüdische Schächter würde einen Ochsen mit einem so verdorbenem Herzen sicherlich für ,trefaerklären. — Ferner wird au» Schneidemühl berichtet: Am Sonntag, den 7. war «in angesehener jüdischer Bürger gestarben, am V., nocki ehr er begraven war, erhielt di« Fra» desieldrn einen gemeinen anonymen Brief, auf den Lad ihre» Manne» dezüglich, zugeiandl. mit der Un erschrisi: ,,Antisemit." Und diese Gesellschaft maßt sich den Beruf an, da» deutsch« Volk sittlich zu heben! Sie müßten alle in ein EorrettionShauS gesteckt werden. Berlin. Wegen Beleidigung des Finanzministers Miqu el ist gegen den Schriftsteller Ludwig Sch w e nndaaen aus Berlin Z im Untersuchungsgefängnis Moabit, dem Rektor a. D. Lernt, «dlwardt aus Berlin, z. Z. im Untersuchungsgefängnis Plötzensee. und den Schriftstellei Rudolf PlaHPodaorSky au» FrirdrichShagen. z. Z. im Untersuchungsgefängnis Moabit, von der königlichen Staatsanwaltschaft am Landgericht I jetzt die Anklage erhoben. Während Schwenuhaaen und Ahlwardt in öffcntlichen Versammlungen über den Finanzminister unwahre Be» dauptungen in verleumderischer Absicht aufgestellt dabeu sollen, wird der dritte Angeklagte beschuldigt, dieselbe strafbare Handlung durch Berüffrntlichung der sofort nach ihrem Erscheinen deschiaanahmten Druckschrift ״Pharisäer und Heuchler Die Stützen de» Staate» und die Leuchten de» brutschen Parlaments" begangen zu haben. (Ein nette» Kleeblatt!) -»mbura. Ein antisemitischer Einbrecher ist vor einigen Tagen hier zu sieben Jahren Zuchthau» veurteitt worden Derselbe ist ein eifriger Agitator de« dies, antisemitischen Wahlverein». Bei einem seiner letzten Einbri chc bei einem Kaufmann drückt« er mit einem Stemvel die Worte ,Hütet Euch vor Judenan die HauStürr de- Kaufmann». Wie«, 16. Januar Auf dem niederösterreichischen Land- »age beantragte der antts. Aba. Schneider, daß die Regierung da« iüd. Schächten und den Verkauf von g e s ch ä ch t e t e m eisch verbiete» solle! (Geschieht da» vielleicht a»S Concnrrenz? . i uns zn Lande nennt man nämlich da» Schächten der Tiere ״schneide n") Prag, 12. Januar. In *«r gestrigen Borversammlung, bestehend au» dem Vorstand und einer großen Anzahl hervorragender Gemeindemitglieder, wurde Herr Dr. A 1k a m t n k a einstimmig zum Rabbiner und Prediger gewählt SS unterliegt keinem Zweifel, daß die ofsizielle Generalversammlung diese Wahl bestätigen wird. Le«b«ra, im Januar. Donnerstag denJanuar, Nachm, um 6 Uhr fand im mesigeu Tempel eine Trauerfeier für den ver» eines Psalm» durch den Synagogrnchor bestieg Herr Rabbiner Dr. Euro die schwarz behängte Kanzel und hielt einen warmen, den Theologen. Kanzelredner Schriftsteller, und Meister Jellinet charakterisierenden Nackruf. Herr Oberkantor Halbe.rn trug den Kl mole rsohaiiin in rührender Weise vor und mit einem Gesang« de» EdocS schloß dir erbauliche Feier, zu der sich eine zahlreiche Versammlung einaefuuden hatte. Am 5. dwurde in Kost»! der 85jährige Rabbiner Samson Kulke, der Nestor de» mährischen Rabbiner, begraben, welcher durch volle 56 Jahre al» Seelsorger in der Kosteler Kultusgemetnde gewirkt hatte. Der Pfarrer von Kostet, Herr Dechant Ignaz So n e cny. gab dem Verstorbenen bi» zua» Friedhof« da« letzte Gelette, um, wie er stch »um Sohne de» Verstorbenen äußerte, .seinem Smt»kollegendie letzte Ehre zu erweisen. Vw»«AeB. Da» klerikale Kampforaan Magyar «llam, welche» vom Minister-Präsidenten Wekerle schreibt, derselbe werde sich in Folge seiner Kirchenvolitik da« Genick brechen, meldet, daß Ober-Staatsanwalt SleraiiderKozma gegen da«selbe einen Preßprocct augcstrengt habe. Die Veranlassung bot ein Artikel de»!rl. in welchem die Juden für den 21. dmit einem M a s s a c e e dedrobl werden für den Fall, al» di« devorstehtndr Bv!.a» Wgtti Katholiken-Lersammung von Socialtsten gesprengt werden

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