Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 50 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 194- — Qkm# Abschnitte im 8. «nb 4. v. ft. find den Gesetzen über die Reinlichkeit de» Körper» »ab der Kleidung gewidmet. Am Kap. IS de» 3. »ad 4. B. M. ist der au»drückliche Befehl: „Er soll seine Kleider waschen and sich selbst i» Wasser baden" nicht weniger al» zehnmal wiederholt. Dt« Wichtigkeit, welche der Reinheit der Hände beigelegt «nrde, ersteht man au» dem häufigen Gebrauche derselben al» poettsche Metapher. „Ich will «eine Hände waschen in Unschuld und so deinen Altar umziehen, o Gott l" ruft David au» (Ps. XXVI, 6). ,M«r reiner Hände ist, dem mehret fich die Kraft," sagt Jjob (Ijob XXVI. S.). E» war daher im Einklang mit dem biblische» Ersetze, daß die Rabbiner ein sorgfälttgr» Waschen der Hände vor dem Beginne der Mahlzeit vorgeschrieben — ein« Beipflichtung, welch«» wie Dr. de M u ssy in seinen „Studien über die mosaisch« Hygiene und die alten Israeliten" behauptet, offenbar durch den Gedanken eingrgebea war, daß schädlich« Partikel» an den Händen kleben und mit den Speisen in die BerdauungSwerkzeuge dringen könnten. Diese Borschrist war daher um so wichttger, al» man zu jener Zeit, wie noch heute in Arabien, fich der bloßen Hände zum «nfaffen der Speisen bediente, wie diese» au» der Beschreibung de» „Letzten Abendmahles" ersichtlich ist, wo e» heißt: „der die Hand mit mir in die Schüssel tunkt." Sie erinnern fich wohl auch noch, daß vor einigen Jahren in der „Time»" eine Diskussion über den Ursprung de» Sprich- «orte» „Reinlichkeit steht neben derFrömmigkett" eröffnet wurde. Biele Ansichten wurden über diese Frage laut, bi» endlich ein Correspondmt richtig bemerkte, daß daS Sprichwott seinen Ursprung in dem Schluß der Mischna Sota habe, welche Stelle nach der Uebersetzung lautet: «Die äußere Reinlichkeit führt zur in nein Reinheit"*). Kennzeichen der Russen. Sie könnten nun die Frage aufwerfeu: „Wie kommt e« denn, daß trotz dieser mannigfaltigen Gesetz«, welche da» Waschen und Reinigen vorschreiben, viele meiner ausländischen Glaubensgenossen fo unzureichend der Beobachtung diese» Gesetzes Rechnung tragen?" Hierauf muß ich notgedrungen erwidern, daß dies« fich nur zu bereitwillig bequeml haben, die schlechten Sitten und Gewohnhefte« der Nationen nachzuahmen, unter welch« da» Geschick fie verschlage« hat. Wie schrecklich aber Russen «nd Polen gegen da» Gesetz der Reinlichkeit verstoßen, erfahren wir au» einem Kapitel in L a n i n » „Russische Eharaktereigentümlichkeiten" mit dessen ttaurigrn Enthüllungen. Er führt hierbei die „Nowoje Wremja" an, welch« sagt, daß „die Borliebe für Schmutz eine pan-russische Charaktereigentümlichkeit sei. Oeffrntliche GesnudheitSlehrr. Zur öffentlichen Gesundheit »lehre übergehend möchte ich vorher ihre Aufmerksamkeit auf daS merkwürdige Gesetz im S. B. M. XXIII, 13, 14 lenken, welcher bestimmt, daß die menschlichen Exkremente mit Erde bedeckt »erden sollen, — «ine Methode, welch« Rev. F. Lawrence in seinem interessanten Borttage über „Die Kirche und die menschliche Gesundheit" als da» in unserer aufgeklärte» Zeit anerkannt heilsamste »erfahren dargestellt hat. (Fortsetzung folgt). Herr William Schönlauk. «on Max Horwitz in Berlin. ifchea Garten, fand vor 4 Wochen ein Fest im «uw statt. Die Gesellschaft für Erdkunde hat vor 18 _n drei kühne Männa auSaeschickt. die Herren Dr. DrygalSki einen Neffen von DrvaalSki-Pascha, der den muselmänmschen Soldaten preußischen Drill bttgebracht hatte — dm Dr. Ban- Höffen uud Dr. Stade. Die Aufgabe der drei Gelehrte« dann bestanden, die Bewegung und Zusammensetzung da Gl zu studieren, und fie hattm sie glänzend gelöst. M»"1» rt»aa mre (* E»war eine illustrr Ättellschaft, die zu diese« Feste «sä war. Die berühmtesten Ramm au» Kunst und Wisse» wetteiferte» mV dm strahlende» Sternm auf da Brus Genaalen. Natürlich fehlte auch der preußischen Cuttu»w nicht. Die Gesellschaft schaarte sich, »m,d«n Festgeba, William Schönla nk, dm wtt dm Lesern diese» Blatte« vor wollen. Da ave Har, da die Gesellschaft geladen. steht jetzt t, seinem 72. Lebensjahre. Sr nimmt in Berlin eine ganz« etge artige Stellung ein. Jung und Att kennt ihn dem Ramm n und in den wissenschaftlichen Kreisen nennt mau ihn mV Ho achtung. Da ABC-Schütze, der ebc» anfängt, zukammmhänae, Worte zu entziffern, studiert bei einem halben Hundert f im Zoloogischen Gatten mühsam da» sich auf kleinm___ immer wiederholend« Wort heran»: «Geschenk de» Ham William. Schönlank". Uud da Gelehrte, der in seinen Studien für da» Allgemeinwohl nicht wett« kan», wttl «»ihm an Mittel fehlt, hilft sich oft» indem a sich sagt: Tragen wir die Sache Herm William Schönkank vor. a wttd schon helfen. i Dies« makwürdige, für seine Pafon die vettörvette Bedürfnißlofizkttt vorstellmde Mann, mit da stet» offmm Hand, dm Genaal Salbach als die Selbstlofigkett selbst ptte», vadient e» wohl, daß man sich ein wenig eingebend mit ihm beschäftigt. Bor etwa vierzig Jahren ttat er in da» Geschäft de» Bat«» «tu: Indigo und Farbwaaren. Man kaufte in England und verkaufte nach Rußland und Halbafien. Da» war tmmahin schon ettva»! für da» Balin jmer Tage, das blutwenig Anspruch darauf «heben konnte, in den Wellhandel einzuarttfen. Diese Stellung nahm damals noch völli» unbesttttten London ein. Ab« dem' jungen Kaufmann genügte die ttockene kaufmännische Art nicht, i Da» Faß, in welchem d« Indigo kann bildete nicht die Umgren- ' ‘ ~ ' lesseS an demselben. Er studitte, wo die Quell zungseineS Jntael der Fark ibwaarm seien. Damit wuchs sttn Jntaesse an da ®<51 ographie. SS dauerte nicht lange, bi» a fich von London un-1 abhängig gemacht. Auf eine Anzahl eigener Reisen folgte die Entsendung von Angestellten nach Chile und Hongkong, m Teneriffa uud Madagaskar, nach dem Kap und in alle Welt zu l Einkäufen. Und keine sein« Expeditionen ging ohne die de»! stimmten Aufträge: für unsae Zologischen Garten ein willkom-1 meneS Geschenk mitzubringen. Wenn uns« Garten heutt al» d« vortrefflichste in der ganzm Welt bttrachtet wird, solchem Vor«) gehen und dem durch daffelbe gegebenen und seither befolgt«) Beispiele ist eS zu danken. Da« Schönlank bald Mitglied all Kiphifchen und der damit vawandttn Bereine wurde, erständlich. Aber a wurde auch da Retter in da No d« stets bereitwillige Helfa und da Mäcen da Wiffenschaf Auch die Grönland - Exveditton. deren glücklich« Abschluß aefnett wurde, hat er mit PräcisionS-Jnsttumentm auSaer Man fängt vtt solchen Dingen überhaupt nicht unt« Sun, an, die wenig« als fünfstellig find. Gönn« und Freund« schönen Künste giebtS eS btt uns in Hülle und Fülle. SRÖHj kaum je in Derlegenheit, wenn e» heißt, Mittel zu beschaffen, ein Denkmal zu errichten. Für Sirchendauten find in dm letz. Jahren in Berlin aus Pttvatmitteln viele Millionen hagegetz worden. Sociale Zwecke zu fördern, regt es sich überall. T halb weniger Jahre hat die Stadt Berlin wieder mehr«« onen bekommen für die Untnstützung von Blinden, .für die ttchtung ttneS Fmdelhausetz, nachdem erst vor wenigm Mon gcgm via Mllionen für die Unterstützung an Lehran gest, worden warm- Ab« die Wissenschaft wurde gewissermaßen Aschenbrödel bettachttt- Mt lhrm ernsten, unabittlicheu Zs mit Wem durchdringenden Forschnblick, mit dem strengen die Äahrhttt fefizustellen. hat fie nicht daS Bestechend«, rückende d« schönen Künste. Und wiedaholt vadient e» dopp Snakemmng, wenn ttn Mann ans da Wett de» Realen, fich selbst haauS gaade in da Zuwendung sttn« reichm an solcher Aufgabe sttue Brftiedlgung findet. Hrüsnkrnsplsttkts. 1. Ein mitleidiger Manu. Liegt ttne» Armm Gut m Asche, Guckt Noth und Elend wo au» Hau». — Dann grttft gaühtt er in die Tasche Und zieht — sein Taschentuch Haan». '2. Au AllerweltSfteundr Beklagt Euch nicht uud Halter Mll, Wen» manche etwa» dab Euch kaffem Wa Bielen gut gefallen wE Da muß sich viel aefalleu lasse«. r. Rahmerj dt: Sm Pedr, sak sei, jüdischer »ittßer. . »u< dm« 14. Iahrbmwert. (F»rts«tz«z)! e«! i, » k y. — La» «saische Sanität» ' inlnnk. Boa Max Horwktz — Ged,»t»-Ut^ Druck:Fttedrich Rasche -» Co. Magdedbnrg. Verlag