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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 46 (1893) · p. Seite 182

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
46 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 182 (sequence 4)
Language
German
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emwortuug der Fragen am Schlaff« des »weiten Briefe« über» gehen können. — Jndeß findet sich mit dem Fürsprecher zur Rechte» auch der geharnischte linke Ritter ei». Sie phyfische Krankheiten in der Lust schweben solle», so scheint e» sich auch mit geistigen zu verhalten, nur» daß dies« stch viel leichter übertrage», «inen weit empfänglicheren Boden finden. St meldeten sich nämlich in zwei*) Hestblätter» zwei schneidige Stimmen alt Gegner, die da« hebräische Gebet aut den Synagogen, und den hebräischen Unterricht au« dem Jugendunterrichte verbannt wiffrn wollen. Die Forderung de« Einen ist so beschwörend, so dringlich, mit solcher Ueberzeugungstreoe und endlich mit fo innigem Wunsch« zum Lutdruike gebracht, daß schon da« Gebot der Menschenliebe jeglichem Widerspruch Bedenklichkeit und Schonung zur Pflicht «acht. Dieser will alle« getilgt wissen, was durch Lehre und Geschichte fich unserem Volke alt Individualität ringeprägt hat; selbst die auf Pergament (den Wortlaut wollen wir nicht wi«dergeben) geschriebene Thora soll abgeschafft und die Buchform in Deutsch genommen werden. Eine andere Stimme stempelt den zum Feigling, welcher seinen Kindern dageistige Erbe der Bäter zur Pflege warm ant Herz legt. Da soll nichtt mehr Heil an unserem Stamm« sein, eitel Wunde und Beule. — Der AntisemitiSmu« ist «ine geistige Krankheit einet Teilet de« deutschen Löstet und die Seuche steckt an — von unserer Seite wird in di« Anklage «ingestimmt — Oel int Feuer gegossen — um zu retten. Wirst dann der Fliehend« nicht ab, um leichter fortzukommen mit den Rufe: Wer Mut hat, der folge mir.!? — Dem gegenüber will e« doch scheinen, daß es mindesten« eben so viel Festigkeit und Eharakter beweist, dem Sturm und Drange zum Trotze ein gute» Wort für da« bewährte Alte einzulegen, ohne ein Feind der geistigen Entwickelung, wie ste in dem ureigenen Kerne de« Wesen« naturgemäß gegeben ist, zu sein. Zu dem guten Alten im Gottethause und in der Lehrstob« rechnen wir vor Allem die ilKl’ und die W12, diese find die desten und dauerhastest«n Grundlagen aller Religion. Et ist die Pietät, welche bei der Jugend zu pflegen ist. — Nicht die prunkenden Sottethäuser, welch« von der Leistungsfähigkeit der Gemeinde zeugen, nicht prächtige Säulen, prangend in bunter Farbenpracht, nicht die kunstgerechte Predigt allein, auch nicht die rauschenden Orgelllänge können jene beiden (Gottesfurcht und Andacht) dem ersetzen, der nur einigemal« des Jahres da« Gotteshaus besucht, um etwa« Ansprechendes zu hören und zu sehen. — Wie ander« blickte der fromme Jude auf die dem Schrein enthobene Thora-Rolle, für die unsere Läter gestritten und gelitten, au« der ihm das heltig gehaltene Wort oorgelesen werden sollte, mit dem einleitenden ',1 n»t 1212. Schwerlich wird eine noch so fein eingebundene Bibel, und wäre fie mit noch so viel Gold und Silber beschlagen, di« Erhebung geben und dar Gemüt erheben und ergreifen, und den Sinn auf den richten, um deswillen das GotteShau« besucht wird. — Bielleicht trägt zur Erhebung des Gemütes eben der Umstand bei, daß das Gebet, (setzen wir hinzu ein Teil) in der durch die Lehre geweihten Sprache «nd nicht in der alltäglichen Umgangssprach« verrichtet wird. Sollte nicht auch „die Macht des Geheimnisses" einen Beitrag zur Stimmung für das Höhere liefern? — Wie ander», wenn ein stommer JSraelit ooer eine Israelitin, und wäre» fie noch fo bewandert in den deutfchen Klassikern, und wüßten sich noch so sprachrichtig autzudrücken, da» Skist* pot? aoSfprichk. — Und die Tefillah (besser Siddur)? — Gegen diese wird mit aller Macht aagestürmt. Enthält denn die Tefillah nur Gebete? »Neben de» vethonse sollst du ein Lehrhau« errichten! Der Siddur läßt Gebete mit Bekeuntnissätzen, Grundlehren der Religion, Eriunrrungeu an unsere Vorgeschichte und an die Träger derselben abwechseln, damit wir tägl'ch an diese wesentliche!! Stützen der Religion — wie an die Hochhaltuug unserer *) Wwmt«ftdt«».8ri8. Arr.».«k.Lehmann».O.Eichen»et». 1 ftebd&on Dr. Rtrhmer. Magdeburg. Druck Friedri ■i Lehre erinnert werden. So soll bat Kind andächtig betend datSah'wa — »Und du sollst lleben de» Ewigen, deinen Gott — bekennen »nd erinnert werden an da«: »Beständtastt der Mensch gottetfürchtig und bekenn« di« Wahrheit" re. Daß mit Abhandlung««, wie Stehn Mltomon, Piton Haktoreth und ähnlichem unser« Jugend im Gebetbuch« nicht behelligt werden kann, bedarf wohl keiner weiteren Anseinandersetzung. Der Er« «achseue mag «t damit ja nach Bedürfnis und Anschauung halten, wie er will, er mag es beibehalten oder autgeschieden wissen wollen, da« ist seine Sache. Gerade jetzt haben wir Jude« mehr denn je den Streit im eigenen Lager zu vermeiden» Toleranz und Mild« gegeneinander zu üben, wie wir solch« von außen entgegengebracht wünschen. — Die Menschen hatten ja anch Religion vor der Wissenschaft — Dag Wissen füllt ihren Kreit nicht au«, wohl aber lebt und würzest fie in den Gewissen. Da« Gewisse» ist der geheimnisvolle Srelengrund und zugleich der Nährboden, au« welchem fich di« Ehrfurcht vor dem höchsten Wesen, die Pflicht gege» dasselbe, sowie die Pflichte« gegen unser« Nebenmensche« zum Bewußtsein abklären unter .5 dem Licht« der heiligen Lehre, die unser Denken uud Handeln alt gottgefällig — und da« Wohl der Mitmenschen fördernd regeln und zur Lebensaufgabe machen will. So liegt der Fruchtkern im dunkeln Schoß« der Muttererde; die Strahle« der wärmenden Sonne ziehen ihn an« Licht, darin seine geheimnisvolle Kraft Blätter, Blüten uud Frucht nach seiner Art «nd seiner Bestimmung treib«. — Laß deine Kinder den Boden, worin fich deine« Stammet Wurzeln geuährt und antgebreitet habe», mit P t e t ä t betreten. Diese »Pietät" ist nicht »zweifelhaft". Nicht .zweifelhaste Pietät", von der in der jugendmutigen, schwungvolle» »Red« an die deutschea Juden" gesprochen ist, läßt für den hebräische« Unterricht in unseren Schulen, alt für einen wichtigen Theil de« Religiontunterrichte« eintreten. Gerade an dtesen Unterricht soll der Schüler mit Pietät geführt werden, er soll th» alt gottgefällig und unter dem Beifall der Eltern und Lehrer schätzen lernen. Sorgen wir nur dafür, daß er der Jugend nicht zur Last gelegt, sondern in Liebe zur Lust werde. — . Mit der Erfüllung dieser Pflicht stellt fich der „deutsche Jude" nicht in einen Widerspruch zu seinen bürgerliche» uud o staatsbürgerlichen Pflichten. Ueberlasseu wir et geduldig an* fern Widersachern, einen Gegensatz zwischim dem Juden und dem Deutschen zu suchen. Wir können und dürfen diesen Widerstreit nun und nimmermehr nachbetend zugeben. Habe» denn nicht Juden alt begeisterte, muthige Baterlandtver» theidiger auf den Schlachtfeldern ihre Seele mit dem Bekenntnisse „Sch'ma" autgehaucht? — Wat hindert de» Joden, sei er streng gläubig oder steierer Richtung', au der Ausübung seiner Bürgerpflichten uud jeglicher Bürger tugend? — Der holländische, der italienische und französische Jude hat stch alt trefflicher Patriot bewährt; seine staatlich« Gleichberechtigung' hat nicht nur den gesetzlichen Ausdruck erhalten, ste ist auch praktisch verwirklicht und zur Geltung gebrecht — und man hat et nicht für nöthig gefunden, die hebräisch« Sprache ant den Gebet- und Schulhäusern zu verbannen. — So wie nun der Jude alt solcher überall alt Mensch und achtbarer Bürger ln Friede» und Freude seinem Nachbar andere« Bekenntnisse« leben kann uud so! so mag auch die hebräisch« Sprach« im Fache de« Religion! unterrichtet ihre» Platz behalten und würdig, — sicher oi Schädigung de« GesammtunterrichteS — ihre schöne Ausg im Dienste unsere Lehre erfüllen. ES kommt nur aus „Wir?", „Wat?" und den guten Willen an. Willenskraft Wege schafft! ■i 3 "stchatt: r„ Pedro und sei» jüdischer Mtotster. krzShloog a»s de« II. Johrhoodert. (Fortsetzmit) Bo»' . Z«»li 01ktz. — Pädegitische Briest üder CqWfM ««d icke. m. P»o t. Ir «u.. 6 Rasch« 4. Eo. Magdeburg. Berlag ftok,

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