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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 45 (1893) · p. Seite 178

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
45 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 178 (sequence 4)
Language
German
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tauo buftl Cd verwahrt ist, -ab« Sicht im»« angenehm« Vignette«. Sb« dtt Lüg« fävgt Bei b« Jngmdgrschichttn an tub wird fortgesetzt i» b« groß« GefchichtSwerkm »ob die Frucht unsere» sog«a»at«JdealiSmu» ist di« Ungerechtigleit u»d die Lerleumdung. . . . Eie beruf« sich auf «eine Rede au« dem Jahre 1847. - Ich scheue diese landtägliche Erinnerung nicht, ab« es wundert mich, daß Sie, «ei« Herr«, darauf zurückkommeu. Er kau» doch unmöglich al» Antisemit« in Ihr« Absicht lieg«, «ich al» Zeug« für die Jud« oufzurufen. (Uuruhe und «ll«. tri Zuufchnirufe; Ztidttcher Kniff, Schule BleichrOder, Rachon der «eise U. s. ».) Ihre Zwischenrufe paff« nicht für diese» Raum und ich sage Ihn«, daß weu» Sie nicht auch ans d« dentscheu B«siand »«richtet hätten, Sie w«ig« verwundert in die Luft starr« würde». Ich habe i« Jahre 1847 gegeudie Jude« gesprochen; da» heißt, ich habe al» pr«ßisch« Landwirt damal» dieselb« Anschauung« gehegt und »um Ausdruck gebracht, wie Liele, ob« die Meist« meine» Stande». Spät« wurde ich Gesandt«, Botschafter, Ministerpräsident und e» gelang mir, auf die Geschichte weine» Vaterland«» einigen Einfluß zu nehmen. Selbstverständlich hatte ich auch Gelegenheit, in meine« B«ufe nicht nur viele Juden k«o« zu lernen, sondern überhaupt Mensch« und Dinge ander» auzuseh« und and«» zu b«rteil«, al» vom vät«lich«a Schloßfitz« au» und i« -reise. - von Nachbarn, die jede Veränderung al» ein« Einbruch in ihre Privilegien betrachtete». Al» Junk« Hab« ich geg« die Jud« gesprochm, habe sogar l«id«schaftlich und rücksichtslos gesprochen; al» Staatsmann und Kanzler habe ich für dir Gleichberechtigung d« Juden Partei «griff« und habe ich mich von angeerbt« Vorurteilen losgesagt. WaS folgt daraus? Daß da» Vorurreil geg« die Juden verschwindet, sobald mmi um di« richtige Einsicht in die Berhältniffe gewinnt und die Oekonomie de» San»« und de» Einzelnen von einem höh«« Standpunkte au» beurteilt. Von mir könne» sie doch nicht sagen, daß ich an liberale Schrull« gebnndc» war, od« daß Leffiug'sche Tol«anzidem mich beherrscht hätten; ich Hab« rm preußisch« Landtage bewies«, daß man, mit Schild und Wappen ausgerüstet, auch mtt rinrm .Nachan den Weis«" kurz« Prozeß «acht. <Wüihender «eisall. Ruf«: «trmarck hoch!) Jetzt wert«. Sie mich verstehen; e» fällt zu Gunst« der Jud« in die Wagschale, daß ich al» Staatsmann im Vollbesitze der Macht »nd Autorität im Widerspruch« mit mein« Red« von 1847 jene Gesinnung« für di« Juden belhätigte, welche all« AutisemittSmu» au»schließen und verdamm«. (Unruhe.) Wenn ich, der Redner von 1847, al» Reichskanzler dies« Wandlung mich unterwarf» dann ist fichnlich damit bewiesen, daß nicht nur die Schule de» Liberalismus, fände« daß auch ein« konservativ« Politik es zur Pflicht macht, die Gleichberechtigung d« Jud« im Deutsch« Reich« aufrecht »»«Hallen, («uhal- :-nder LLrm. Ruse: „Er «auschelt schon. Die Juden haben ih» behert. Brav» „Weset Bituuncksohul') Fürst Litmarck fortfahreud: ,WaS toben Sie den»? Sie selb« Hab« mich zu dies« Erklärung gezwungen. Mir steht e» nun einmal fest, daß d« Adler von seinem Felsen- Horste au» einen weit«« Horizont üb«sch<utt al« d« Hahn von d« Höhe seine» Misthaufen». Im Jahre 1847 habe ich gegen die Jud« gesprochen; al« Kanzler erklärte ich, daß, so lange ich r«gi«e, ich «in Ausnahmegesetz hinsichtlich d« Juden nicht zulaff« werde. Nach meinem siebzigsten Geburtstage sagte ich im deutschen Reichstage: „Der Bleichröder ist such ein Deutscher" und so ist e». Ich bettachte die Jud« al» Deutsche, weil sie Deutsche geworden sind durch ein lange» Zusammenleben mit nn», weil sie in Deutschland und weil sie im Dienste der national« Sache sich nützlich euwiesm haben. Demg«iäß habe ich auch in d« Sitzung de» preußisch« Landtage» am 30. Januar 1872 gesagt: „Sobald wtt te» Staat in konfessionelle Stücke schneid«, an welchen jede Konfession ihr« verhältnismäßig« Ameil Hab« muß, so .ouifc sock die ganz betrLcktlich« jüdisch« Bevölkerung in Betracht, der« Mehrheit sich ja durch besonder« Befähigung und Jntelligeuz für Staot»grschäste ausgezeichnet." I könnte noch eintge cmdere Ae»ße«ng« anführ«, in ich meine Gesinnung al» Staatsmann bethätigte. Ich erirner ab« onr an d« B«lin« Vertrag, d«ich al»da» stolzeste Denkmal de» Eiufluffe» de» d«tsch« Reichstage» auf de« G«! d« «ropäisch« Politik bettachte. Hi« hat Europa htnsichtlich d« Jud« d« Grundsatz d« Gleichberechtig an anerkanut. Glaub« Sie, ich w«d« Ihretwegen diese» Den! «al mein« staatSmännischen Thätigkeit verleugn«? Seit wann steh« wtt denn zu einand« auf so freundlichem Fuße? Ihr Dr. Stöcker hat al» Hofprediger «irdtt Spitz« biettu «oll« und rin Ander« Ihr« Sippe hat geg« mich dtt schändlichsten Berleumdung« auSgestreM. Ich weiß, wie e» gemeint ist, w«u Fritsch in den .Deutschsoziale» Blätttt»' sich ftei vom Bi»marck-Kultu» erklärt. Ich bei spräche keinen Kultu»; ^aber da» soll heiß«, daß man mtt dtt Sympathie» verweigern soll. E» wird gesagt, .der AntisemittSmu» ist zu gut für d« Fürst« vi»marck," daun werde ich .da» mächiige Älttd der Judenfchutztrnppe" grnarmt, und schlttßlich wttd meine ganze Umgestaltung Deutschland» al» verfehlt bezeichnet. Da» geaügte Ihn« nicht. Man ' “ mich al» ein« Abkömmling von Jud« und Krämer» hinge-j stellt, hat mich zum .geheimen Juden" gemacht und zu eii Mitglied« der „Alliance Igrailite“ Solange ich au der Macht war, habt Ihr den St von meinen Füßen geleckt. Geg« den Wehrlos« ab« erprobt, sich Ena Heldenmut. Solch erbärmlich« Rttderttacht ist mir. best« Juden nimmer begegnet, einzig und allein in dem anti> semittsch« Subjett ..... (Ungeheurer Tumult. Rufe: .De»: Koufi» Bleichrvder's," „$od) Paasch I" Den national gesinnten Zeitungen wurde e» übd genommen, daß dieselb« für meine Polittk und meine Person einttattn und man spottete antisemitisch: „Wtt grauß d Deilsch« dastehn uuter ihrem grauß« BiSmarck." (; unter de» Aacsiemiteu). Fürst BiSmarck fortfahreud: ,Lch weiß e«, solche 6| behagen Ihnen; je roher und niedriger, desto beffer. habt für diese Jnvekriven den richtige» Maßstab: sie sind dtt" Strafe dafür, daß ich dtt von Ihnen au»geh«d« Entartung nicht vorher gesehen habe und daß ich Ihr« Bestreb nicht rechtzeitig mit der gehörig« Entschiedenheit entgegen! ttetm bin. Jetzt aber ist da» Maß der Schande voll. Sie doch Umschau, welche Personen an der Spitze stehen «! welche Summe von Niedertracht in Jhnn Schrift« abgelagei ist. Ich sage e» Ihn« aufrichtig, einer solchen Erniedri hätte ich weder dtt d«tsch« Nation, noch unser Zettalttr übe Haupt für fähig gehalten. Stt haben da» Werk geschändet,' da» ich geschaffen Hab«. Bald wollen Sie meinea Kredit bei deutsch« Volke zerstören und daun bald borgen Stt wird« meine» Namen au», um Ihn Kundschaft z» Da haben Stt ein Pamphttt heraurgegeben» und e« wurde allen antisemitischen Blättern abgedruckt: „Dtt Jud« BiSmarck". Da wttd mir ein« schändliche Ätbt in d« SWi gelegt, strotzend von Lüge, Verleumdung und Heuchelet, armselig in der Erfindung. Solch« Spott tnibt man meiner Person und eine solche Karrikamr meine» übergiebt man de« deutschen Botte. In solcher Weis« wts Stt, «eine Herr« Antisemit«, den Mau« zu ehre», und erfreuen, der sich doch immerhin rühm« kann, für Dentj land Einige« gettiftet zu haben. Wahr ist, wa» ein« JT Autorität«, wa» der Antisemit Marz von Ihn« sagte: bin ein aller Parttigäuger, aber ich habe utt «ehr E« ruenband« gefunden» al» unttr d« heutigen Geschäft»antisen» Ixchatt: 9m Pedro uk sei» tttttfchrr Minister. LrzLhluntz »ns de« 1». gehrhuudeet. (ZOktschaug) ». 3mliudkv. — Dt» latHwIM M WWirfi. : Dr. siahmer, Magdeburg. Druck: Friedrich Rasche AE«.. MMzbur«.

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