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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 41 (1893) · p. Seite 160

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
41 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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— 160 — »Wohl, darum leise. Doch sagt, wer stad die Krieg»» leute, wie komme« fie hierher»" »Au« Deutschland ließ Don Heinrich fie herüber kommen, und wie hier, so finden wir in allen Herberge» so einige beisammen. Die Mehrzahl kommt erst morgen oder später." »Nun denn auch, Donna Bianca hat für diese Soft gesorgt, find ihrer wohlgezählte 500 Kriegileute." „Gerade soviel hat anch Don Heinrich aufgebracht." „Laßt hören jetzt, wa« wurde beschlossen» ES muß ja doch endlich zur Entscheidung kommen. Doch leise, eS beginnt hier ruhiger zu werden." Und die Beiden flüsterten noch immer miteinander, al« die Söldner gähnend nach dem Wirte riefen, damit ihnen derselb« ein Nachtlager im Stalle bereite. Endlich, e» war schon ziemlich spät geworden, erhoben fich auch die letzten der Gäste am Eatisch und gar bald war die WirtSstub« leer. Doch nein! Jetzt begann e» fich in einer Ecke de» Gemache» zu rege» und die scharfe Beleuchtung der flackernden Lamp« ließ erkennen, wie fich die Gestalt eine« Manne» vor» fichtig von der Bank erhob, wie fie rasch einen Blick durch da« ganze Gemach warf und plötzlich «mporschnellte. Jetzt stand der Mann in der Mitte der Stube und drohend streckte er seine beiden Fäuste nach der Thür. E« war eine hohe kräftige Gestalt, da» Geficht war von einer langen breiten Narb«, die von einer schreckliche« Verwundung herrühren mochte, quer durchfurcht, mußte früher schön gewesen sein und zeuf'e von hoher Intelligenz und Thatkraft. „Ich habe euch erkannt", rief er zornig, „beide Hab« ich euch erkannt, ihr feilen niederen Ereaturen, denen Gold ihr einziger, wahrer Gott ist und di« ohne irgend welch« Gewissen»« biffe Menschenleben vernichten. Ich Hab« euch erkannt und werde euch gar gut im Auge behalten, um eure Schlich« kennen zu lernen. Ich muß erfahren, welche Pläne fie verfolge«. — „Sie Beide beisammen, vereint, die» hat eine wichtige Bedeutung und ihr Geflüster, in Zusammenhang gebracht mit den fremden Kriegsknechten. — Bei Sott, ich glaub« jetzt heißt e» listig sein wie der Fuch«. Ernste Begebenheiten scheinen flch vorzubereiten, um so drohender, al» man nicht weiß, von wo der Schlag und gegen wen er geführt wird. Unmöglich kann e« fich heute darum handeln, eine so beliebt aewordene Metzelei unter den Juden zu veranstalten. — Unmöglich! Solange un« der König feinen Schutz nicht entzieht» solange ge» ttauen fich auch diese elenden Ereaturen nicht au uu» heran. Nein, fie haben diesmal einen gefährlicheren Plan. E» gilt da» Leben de» König»! Ja wohl, ich glaub« fie jetzt zu durchschauen. Ist der König besrttigt, dann find di« Juden ohne Schutz und dann ist erst der geeignete Zeitpunkt zur Schlächterei gekommen. „Man nennt mich Joel den HochzeitSnarreu und die Leute lachen über all di«' Schnurre» und Schwänke, die ich ihnen erzähle. Wenn fie wüßten, au» welchem Herzen diese Lustigkeit de« Narren kommt, wenn fie wüßten, wie mir oft da« Weinen näher al» da» Lache« ist, wen» fie wüßte», warum ich der HochzeitSnarr geworden bi«. Und wenn er nur eine Ahnung hätte» wer im Kleide de« Narren steckt» er, der Verfluchte. „Ich muß morgen mit dem Rabbi darüber sprechen» muß ihm mitteilen, wa» hier vorgegange» ist. Er soll davon Don Samuel verständigen, ich glaub«, daß e« dringend nötig ist; den« diese Beiden, der Vertraute der Königin und de» Don Heinrich, fie find die Vertreter alle« Bösen und Schlechten. ,.O! Trastamare, wir Beide haben noch zu sprechen. Der jüdische HochzeitSnarr mit dem' spanischen Prinzen." 3. In der Laubhütte. Rabbi Santov Löw saß mit seiner Frau und den drei von denen der Aelteste wohl kaum S Jahre zählen rr. >e, in der Laubhütte. Der Rabbi war ein stattlicher Manu, von hoher kräftiger Sestalt mit dunklem Pollbarte, hoher Stirne und geistreich blststndeu Augen. Mirjam, dessen Frau, ein« liebliche Erscheinung von kaum 26 Jahren, von echt andalustscher Schönheit. Wie strahtten die Auge» der lieblichen Kinder, deren Aeltester unstreitig die GefichtSzüg« de» Later» trug, wenn fie hinaufblickten nach der Decke der Hütte, die au» grünem Retfig bestand, durch welche» da» ttefblaue Firmament mit den glitzernde« flimmernden Sternen so freundlich ruhig hindurchschimmette; wenn fie dir mit grün« Kränzen und bunten Blumen prächtig geputzten Wände und al? den Lichterglanz schauten! — Al? die» machte die Kinderherzen freudig erbeben und mit wahrer Andacht lauschten fie den Gebeten und Srgen-sprüche« de» Rabbi. Wie glühten ihre Wangen, wie horchten fie strahlenden Auge», al» ihnen der Rabbi erzählte von den mühsamen beschwerlichen Wanderungen der Juden in der Wüste, nachdem fie Mose» au» der Knechtschaft Egypten« befreit hatte, wie sie, um nicht im Freien schlafe« zu müsse», fich Hütten bauten und darin wohnten. „Da» muß schön gewesen sein." jubelte der Jüngste und klatschte in di« kleinen Hände. „Lauter solch« schöne Hütten, wie die unsrige, möchten wohl dott gewesen sein." Und der Rabbi begann dann wieder zu lesen: „Und Ihr sollt Euch am ersten Tage nehme», eine Frucht vom schönen Baum«, Palmenzweige und Zweige vom Baume Aboth und Bachweiden, Ihr sollt Euch freuen fieben Tage. In Hütten sollt Ihr wohnen, daß Eure Nachkommen wisse«, wie ich die Sinder Israel au« dem Egypterland führte."- Die Kinder tparcn schläfrig geworden und Mirjam verließ mit ihnen die Hütte, um fie zur Ruh« zu bringen. Der Rabbi stützt« sei« Haupt in beide Hände und seine Gedanken schienen weitau» in die Ferne zu schweifen. Mirjam war wieder zurückgekehrt und leisen Schritte» näherte fie fich dem Rabbi, ihre schönen weißen Hände auf sein Haupt legend. . „Wa« fehlt dir, Mann meine« Herzer»?" fragt« fie mit zitternder Stimme, „warum so sorgenvoll, so in Gedanken» Haft du nicht eben erst den Kindern vorgelesen: Ihr sollt Euch freuen fieben Tage?" „Hast recht, mein Lieb," sagte der Angesprochen« und schaute ihr liebevoll in ihr schöne» Antlitz, ,,e» ist heute der Beginn eine» Freudenfeste» und dennoch, ich kann nicht froh sein. Am Honzonte rhürmen fich Wolken auf, gar finster schwarz, nicht lange wird e» währe», und Blitze der Vernichtung, de« Unheil», brdräuen unsere Häupter. Ich habe heult Mt Don Samuel gesprochen und auch er ist unruhig. Gar bange Sorgen für die Zukunft drücken ihn. Er fürchtet für unsere Glaubensgenossen, trotz seiner Macht und hohen Stellung beim Könige. Die Königin, fie haßt unsere Glauben»brüder tötlich und vereint mit de» König» Brüdern ist sie stark und mächtig, wer weiß wie e» dann werden wird. Draußen im deutschen Reiche beginnt e» schon wieder zu gihrru. Dt« Priester Hetzen da» Volk gegen di« Juden» erzählen ihnen schändliche Blutmärchen, woran fie selber niemal» glaube», die aber vom mord» und beutegierigen Sefiadel gierig auf» gegriffen werden." „Wa» überläßt du dich so trüben Gedanken»" mahnt« Mirjam, ,,wtr stehen doch in Gotte» Schutz, kein Leid' wird un» wiederfahren, wenn e» sein Wille ist." „Wenn e« sein Wille ist", wiederholt« der Rabbi dumpf. Und dann fuhr Mirjam fort: „Don Samuel ist wohl ein weiser Mann» Doch leicht kann auch er fich irren in seinen Befürchtungen." „Gebe Sott, er irrte fich", sagte der Rabbi ttaurig, „doch nicht vou ihm allein kamen mir diese Andeutungen, anch de» König» Leibarzt, Abram Ibn Zarzal, machte mich aufmerksam, daß die äußerste Borficht «oth thue. Ein kleiner Anlaß ' genügen, um die Lawine in» Rollen zu bringe» und weh« un» Allen." _ --

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