Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 41 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.Wohl, darum Utfe. Doch sagt, wer find di« Krieg»» leure, wie kommen sie hierher?" „AuS Deutschlaub ließ Don Heinrich sie herüber komme», und wie hier, so finden wir in allen Herberge» so einige beisammen. Dir Mehrzahl kommt erst morgen oder später." .Nun denn auch, Donna Bianca hat für diese Kost xesorgt, find ihrer wohbgezählte 500 KriegSleute." „Gerade soviel hat auch Don Heinrich aufgebracht." „Laßt hören jetzt, wa» wurde beschlossen? ES muß ja doch endlich zur Entscheidung kcmmrn. Doch leise, e» beginnt hier ruhiger zu werden." Und die Beiden flüsterten noch iunnrr miteinander, al» die Söldner gähnend nach den, Wirte riefen, damit ihnen derselbe ein Nachtlager im Stalle bereite. Endlich, e» war schon ziemlich spät geworden, erhoben fich auch die letzten der Gäste cm Ecktisch und gar bald war die Wirtsstube leer. Doch nein! Jetzt begann e» fich in einer Ecke de- Gemaches zu regen uod die scharfe Beleuchtung der flackernde» Lampe ließ erkennen, wie fich die Gestalt eine» ManneS vorsichtig von der Bank erhob, wie sie rasch eine« Blick durch da» ganze Gemach warf und plötzlich emporschnellte. Jetzt stand der Mann in der Mitte der Stube uud drohend streckte er seine beiden Fäuste nach der Thür. GS war eine hohe kräftige Gestalt, das Gesicht war von einer langen breiten Narbe, die von einer schrecklichen Verwundung herrühre« mochte, quer durchfurcht, mußte früher schön gewesen sein uud zeugte von hoher Intelligenz und Thatkraft. „Ich Hab« euch erkannt, rief er zornig, „beide Hab« ich euch erkannt, ihr feilen niederen Ereaturen, denen Gold ihr einziger, wahrer Sott ist und die ohne irgend welche Gewissensbisse Menschenleben vernichten. Ich habe euch erkannt und werde euch gar gut im Auge behalten, um eure Schliche kennen zu lernen. Ich muß erfahren, welche Pläne fie verfolge». — „Sie Beide beisaunnen, vereint, die» hat eine wichtige Bedeutung und ihr Geflüster, in Zusammenhang gebracht mit den fremden KriegSknechten. — Bei Sott, ich glaub« jetzt heißt e» listig sein wie der FuchS. Ernste Begebenheiten scheinen fich vorzubereiten, um so drohender, al» man nicht weiß, von wo der Schlag und gegen wen er geführt wird. Umnöglich kann e» fich heute darum handeln, eine so beliebt gewordene Metzelei unter den Juden zu veranstalten. — Unmöglich! Solange un» der König seinen Schutz nicht entzieht» solange gettauen fich auch diese elenden Ereatureu nicht an uu» heran. Nein, fie haben diesmal einen gefährlicheren Plan. 8» gilt das Leben d«S Königs! Ja wohl, ich glaube fie jetzt zu durchschauen. Ist der König beseitigt, dann find di« Juden ohne Schutz uud dann ist erst der geeignete Zeitpunkt zur Schlächterei gekommen. „Mau nennt mich Joel den HochzeitSnarren und die Leute lachen über all die' Schnurren und Schwänke, die ich ihnen erzähle. Wenn fie wüßte», au» welchem Herze» diese Lustigkeit de» Narren kommt, wenn fie wüßten, wie mir oft da» Weinen näher al» das Lachen ist, wenn fie wüßten, warum ich der Hochzeitsnarr geworden bin. Und wenn er nur eine Ahnung hätte, wer im Kleide de» Narren steckt, er, der Verfluchte. „Ich muß morgen mit dem Rabbi darüber spreche», muß ihm mitteilen, was hier vorgegangeu ist. Er soll davon Do» Samuel verständige», ich glaub«, daß e» dringend nötig ist; denn dies« Beide», der Vertrante der Köuigin und de» Don Hfiurich, fie sind die Vertreter alle» Bösen «nd Schlechte». „Ol Trastamare, wir Beide habe» noch zu sprechen. Der jüdische HochzeitSnarr mit dem'spanischen Prinzen." 3. In der Laubhütte. Rabbi Santo» Löw saß mit seiner Frau und de« drei Kssbr-r, von denen der Aelteste wohl kaum S Jahre zählen mochte, i» der Laubhütte. Der Rabbi war rin stattlicher Manu, von hoher kräftiger "l Gestalt mit dunklan Pollbatte, hoher Stirne uud geistreich j blitzenden Augen. Mirjam, deffe» Fra», eine liebliche Erscheinung - von kaum 26 Jahren, von echt andalufischer Schönheit. j Wie strahlten die Augen der lieblichen Kinder, deren Aeltester unstreitig die GefichtSzüge de» Later» trug, wenn fie < hinaufblickten nach der Decke der Hütte, die au» grünem Reisig ) bestand, durch welche» da» tiefblaue Firmament mit den glitzern» ] den flimmernden Sternen so freundlich ruhig hindurchschimmerte: ' wenn fie die mit grün« Kränzen uud bunte» Blumen prächtig 4 geputzten Wände und al? den Lichterglanz schauten! — All' die» machte die Kinderheimen freudig erbeben und mit wahrer 1 Andacht lauschte» sie den Gebeten und Segenssprüche« de» Rabbi. Wie glühten ihre Wangen, wie horchten fie strahlenden H Auge», als ihnen der Rabbi erzählte von den mühsamen be- ' schwerlichtu Wanderungen der Jude» in der Wüste, nachdem; fie MoseS au» der Knechtschaft EgypteuS befreit hatte» wie fie, um nicht im Freie» schlafen zu müffen, fich Hütten baute» und darin wohnten. „Da» muß schön gewesen sein," jubelt« der Jüngste und ■. klatschte in die kleinen Hände. „Lauter solch« schöne Hütten, wie die unsrige, möchten wohl dott gewesen sein." Uud der Rabbi begann dann wieder zu lesen: „Und Ihr - sollt Euch am ersten Tage nehmen, eine Frucht vom schöne« Baum«, Palmenzweige und Zweige vom Baume Aboth und Bachweiden, Ihr sollt Euch freuen sieben Tage. In Hütte« sollt Ihr wohne», daß Eure Nachkommen wisse«, -wie ich die; Kinder Israel au» dem Egypterland führte."- Die Kinder gurren schläfrig geworden und Mrjam verließ mit ihnen die Hütte, um sie zur Ruhe zu bringen. Der Rabbi sticht« sei» Haupt in beide Hände und seine Gedanken schienen weitaus tu die Ferne zu schweifen. Mrjam war j wieder zurückgekehct uud leisen Schritte« näherte st« fich dem .> Rabbi, ihre schönen weißen Hände auf sein Haupt legend. ß , ,,Wa» fehlt dir, Mann meine» Herzer»?" fragte fie mit - j zitternder Stimme, „warum so sorgenvoll, so in Gedanke»?? Hast du nicht eben erst den Kindern vorgelesen: Ihr sollt 4 Euch freuen sieben Tage?" J »Hast recht» mein Lieb," sagte der Lngesprochene uud 4jj schaute ihr liebevoll in ihr schöne« Antlitz, ,,e» ist heute der J Beginn eines Freudenfestes «nd dennoch, ich kann nicht froh '« sein. Am Horizonte thürmen fich Wolke» auf, gär finster i schwarz, nicht lang» wttd e» währe», und Blitze der Vernichtung, de« Unheils, bedräuen unsere Häupter. Ich habe heute Ä mit Don Samuel gesprochen uud auch er ist unruhig. Gar r bange Sorgen für die Zukunst drücken ihn. Er fürchtet für ] unsere Glaubensgenossen, trotz seiner Macht und hohen Stellung jjj beim Könige. Die Königin, fie haßt unsere GlaubenSbrüder j tätlich und vereint mit de» König» Brüdern ist fie stark und -j mächtig, wer weiß wie e« dann werden wird. Draußen im 1 deutschen Reiche beginnt e« schon wieder zu gähren. Di« « Priest« Hetzen da« Volk gegen die Juden» erzählen ihnen Ä schändliche Blutmärchen, woran fie selber niemals glauben, --Jj die aber vom mord- und beutegierigen Sefindel gierig auf- -.H gegriffen werden." *1 „WaS überläßt du dich so trüben Gedanken?" mahnt,! 1 Mirjam, „wir stehen doch in Gotte« Schutz, kei» Leid' wirk Ä unS wiederfahreu, wenn e« sei« Wille ist." „Wenn e« fei« Wille isst', wiederholt« der Rabbi dumpf. -.J Uud dann fuhr Mrjam fort: „Don Samuel ist wohl ei» weiser Man»? Doch leicht kann auch er fich irren seinen Befürchtungen." . „Gebe Gott, er irrte fich", sagte der Rabbi ttanrig, nicht von ihm allein kamen mir diese Audeutnnaen, anch^-W^W König» Leibarzt, Abram Jbn Zarzal, macht« «ich a»ft»erkf>^^W daß di« äußerste Borficht noth thn«. Ei» kleiner RnlatzW^^W genüge», um dir Lawine tu» Rolle» zu dringe» wehe uni Allen."