Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 41 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492351-8722848-5962296--2255-5376077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tzerau»gegeben von Dr. fR. V»+mrr in Magdeburg. Aur Unterhalt««- ««d B,lehr««g für die israelitische Aamilie Da» ..«dtfchr jWa»w»w.»latt" erscheint wSehentlich al» Jede» aadrkttvtr »nchtnmck» an» dtrfrm «Iftm ist ui ttvT*8l. — 9v*ti»»9tttz9t aur „Jovaellüsch» Mochenfchotff". Die Einzelnummer kostet 10 Mfjz. bei der Srpeottion. Do« Pedro «nd fei« jüdischer Minister. Historische Iqitliii an» km 14. Zchrhmwert. Bo» >d. ». Ze«li«»zky. (SUuf^md otrlolra. Uebersetznaglrecht Vorbehalt«».) 2. Erlauscht« Sehetmatsse. Fast am äußersten Ende Sevilla'» gelegen, in einem :«aen schmale» Gäßcheu befand sich dt« Wirtbstnb« de» Salomo Statt. Um de» großen Lisch herum, der i» der Mitte der iZtnbe -and, saßen sieben sonnverbrannte Gesell» stl bunten abgeschabten hi« und da geflickten »ud zerrissenen Söldner rbckeu an der Seite da» lange breite Wehrgehänge und »echte» wacker drauf lo». Man sah e» ihnen an, daß fie von weither gekommei» and hier in der Stadt fremd sein »lochte». »De» Inden Wein hier schmeckt nicht schlecht", lacht« der Ei«, Hab' lauge schon solch trefflich Naß nicht gekostet. Doch sagt Kameraden, vereinzelt find wir hier zusammcngeio, nuen, fast Zeder ist durch ein andere» Thor in die Stadt eiugej ogeu, woher kommt ihr» Und calculierr ich richtig, fo hat keiner von «n» jemal» Sevilla'» Mauer» gesehen." »staunst wohl recht habe», Bruderherz", entgegnete sein Nach« ■ bar. ,Zch für meinen Lheil bi» draußen in Deutschland!>erum gebummelt. S'tst eine gar schön« Gegend am Rhein. Hab' aar manche» dort «ttgemacht, so manche» Jude» Bart in rieiner Faust gehalten und ihm dabei da» Messer in de« Bamh gestoßen. Da» war et» Lebe»! Da gab'» oft «ehr Indent eichen auf der Straße al» Steine. Und Geld! Hnhl Sticht genug Säcke konnte «an in de» Kleidern haben, um e» zu bwg». Wahrlich schade darum, daß Alle» so schnell zu End« ging." ,Z» Ende? " redete ei» Luderer, „warte nur, gar ball, wird wieder der Lang lo»gehen. Denkst wohl, zum Faulenze» hat «an un» etwa hierhergernfen. Und da jetzt weder Papst »och Kaiser »och sonst '« christliche Majestät i» Kriege ist, so gehr'» wohl wieder über Israel» Kinder her. Sie sollen hier in Spanien, wie mir gesagt wurde» verdammt viel Geld zusammen« escharrt haben." »War schaust den» du so trübselig drei» Kamerad?" sagte . der erste Sprecher und schlug de» Lngeredete» derb a»f die Schulter. ,^ber volle Becher steht vor dir »»d b» trinkst nicht, bist gar ein sonderlich Menschenkind." Dieser fuhr au» seine» , Sinnen empor und schaute irre» Micke» umher. „Ei doch" brnmmtr er verdrießlich, „laß dies« Dummheiten, bi» nicht aufgelegt dazu." ,S», b« Kopfhänger, bist nicht anfgeleG?" Stehst ja g'rade d'retn, al» wolltest du dein Testament machen Ml» fehlt dir d amt* „Fehlen — nicht»! War auch drüben in Elsaß dabei» al» JÄenschlächterri lot^na. So wahr ich Bertram heiß«, kannte kein schönere» Leben. Da» war lustig. Stau konnte H«^»»Iust de» Inden den Saran» «ach» und sth prr für dt« gehabt« Müh' »och obendrrin ihr So b und Silber nehme«. Da eine» Lage», e» mögen wohl schon an fünf Jahre sein, ich werde nimmer d'rauf vergessen, wir hatten de« Weinkeller «ine» Jude» Besuch abgestattet, und tranken, trank», daß wir selber nimmer wußten, wer vir seien. Dann taumeltetr wir durch die Straßen, stolperten über Judenletchen und der eine wankte dahin, der andere dorthin. Ich lehne mich an et» kleine» Häubchen an, um ein wenig mein Gleichgewicht herzustelle«. „Ehe ich damit zu staube gekommen, liege ich schon bei der Lhüre drinnen. Bi» ich drinneu, denk ich mir, kann ich auch gleich aachsehen, wa» e» hier giebt, stolperte über einige Stuf« hinauf und trat in eine niedere Stube ein. .E'war richtig ein Juden hau»", im Bette lag ein« juuge Wöchnerin, welche ihr Kleine» an der Brust hatte. Wa» mich da überkam» ich weiß e» h»te nicht, vor den Lugen flimmerte e» mir blutig roth. Ohne «in Wort zu sprechen» ich hätte e» ja ohnehin nicht gekonnt, denn der Wein hatte mir di« Zunge schwer gemacht, trete ich zum Bette hin und eh' die Jüdin e» hindern konnte» Hab' ich da» Kleine bei den Beinen und durch da» Fenster fliegt e» auf da» Streßenpflaster, dann wandte ich mich wieder zur Mutter, um auch ste in'» Jenfeit« zu befördern. Da sehe ich in ihre vettaufgerisseneu Augen, die mich anschau», so schrecklich auf mich schau», daß ich zur Thür« hinan»lanfe, und immer fort, immer fort, und diese schrecklichen Lug», ich sehe st« immer wieder." — .Manu", lachte sein Nachbar, .»'war ja nur ei» Jndenkind." .Jawohl, aber diese Lug» war» ja auch nur Juden» aug» und doch werd' ich st« immer vor mir sehe», selbst wen» ich schon tot bin, e» ist schrecklich." Und wieder versank er in finstere» Brüten. Währmd de» Gespräche» hatte stch ein Fremder, der ruhig di« Stube betretm hatte, an einem Lisch« in der Ecke nieder» gelass», »nd hört«, nachdem ihm der Wirt Wein gebracht, ruhig dem Gespräche zu. Ein Zweiter» der kurz nachher ein geirrt» war» nahte sich jetzt de« Ecktisch« und setzte stch dortselbst nieder. „So wahr ich Wolf heiß«', sagt« er, .»er Ihr auch seid, Ihr müßt mir Gesellschaft leisten, dorthin kann ich nicht — »nd er zeigte auf die Söldner — kein anderer Platz scheint mir hier in der Stube besser." .Setzt Euch nur hierher, vernmthe, daß wir un» manche» zu erzähl» haben." .Glaubt Ihr? Soll ich Euch etwa von Don Heinrich de Trastamare erzählen?" .Erzählt, dem» hört Ihr von mir eine Geschichte von Blau» von Bonrbon." .Bravo, haü' e» mir gleich gedacht, — erzählt." Und batet reicht« er de« Stachbar di« Hemd, di« dieser kräftig schüttelt«. .La» wir zu besprechen habe», verträgt wohl kein fremde» Ohr «nd dort find wohl »ehr wie rin»."