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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 40 (1893) · p. Seite 158

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
40 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 158 (sequence 4)
Language
German
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yerzusage» find, wurde nicht gedacht. — Wozu da» auch? Der in der „Sdjtt" unterrichtete Teil der Jugend kannte dir Bekenntnis-Glauben»- und Pflichten-Lehrru, sie waren ihm geläufig, er hatte fie in der. .Sprache de» Original» gelernt; Müh« und Eifer im Lernen hatten fie so in Fleisch und Blut übergehe» lassen, daß er fie bei jeder Gelegenheit al» Beleg anführeu konnte und fie f«rn au-sprach. Sie saßen auch fester und länger al» die bei noch so feierlichem Akte der Konfirmation in der Laude»- oder Muttersprache hergesagteu Bekenntnis- und Lehrsätze*). Die Jugend der großen Maffr lernt« allerdings hebräisch nicht in dem angegebenen Umfange, — aber da» Lesen wurde allgemein vermittelt und Alle konnten daheim wie in der Synagoge da» Borgeschriebeu« mitlesen „wie Wasser"; all« wußten im Gebeibuche, in der Thora, wir im Mactaor so gut Bescheid, wie in allen Zimmern and verstecken ihre» Wohnhaus«». Da» bewirkten dir Hebungen im Hause, da» Pfltchtbewußtsein und die Wertschätzung besten, wa« die Gesamtheit, die Erwachsenen, die Eltern mit heiliger Scheu verehrten. — Gelangte mm auch nicht dir groß« Maste zum Brrstäudniffe de» Hebräischeu, wozu in erster Linie Thora und Tephilla in Bettacht kommen, so wurte« doch sehr Biele in da» hebräische Schristeutum eingeführt. Größere Gemeinden hatten ihren Mttammed und «ancher derselben war Gelehrter; Rabbiner unterrichtete^ Schüler nicht nur au» ihrem Wohnorte, sondern auch Söhne lttstuugSfähiger Familien au» kleinen Gemeinden; und wie mancher Privatmann, der fich bei seinem mühselige« ErwerbSgeschästen io den Abendstunden und am Eabbath zur Erheb»»» mir hebräische» Schriftwerke» beschäftigen konnte, hielt e« für ein verdienstliche», ihm zu hohem Vergnügen gereichende» Werk, junge, lernlnstige Knaben, auch armer Leute, und solche erst recht, zur Verbreit»»» der Lehre au fich zu ziehen. — Hab» »vir nicht solch« Männer gekannt, Männer, die nicht nnr ein umfangreiche» Wiffen de» Hebräischen besaßen, sondern auch in der deutsche», klasfischeu Literatur gründlich Bescheid wußten? — Da» hat sich geändert und mnßte fich ändern. — Da» Unterricht»weseu te Allgemeinen hat fich umgestaltet, hat fich den Zeitströmmuugeu aubeguemeu wüsten. Männer wie Pestalozzi, Wilberg, Diesterweg und ähnliche hochbegabte Mänuei haben da» UnterrichtSweseu in andere Bahnen geleitet zur Aufklärung de» Volke« und Verbreitung allgemeiner Bildung. Die allgemeine Schulpflicht wurde gesetzlich. Dem Gesetze durste nnd wpllte die i»raelittsche Jugend sich nicht entziehen, wollt« teiluehme» an dem Genüsse eine» wohlthätigen Gesetze», da» die Grenzen der ersehnten Gleichberechtigung weiter rückte. An dir i»raelitstche Jugend ttate» neue Anfordernngen heran, dir einen Aufwand au Zeit und geistiger Mehrarbeit forderten. Damit war eine Schmälerung de» hebräischen Unterrichte» geboten und seine Bedeutnug rückte vor den Augen mancher Eltern in den Schatte« gegenüber dem praktischen, erwerbsbedürstigru Lebe». Die Folge hiervon »ar bei Vielen die Abnahme de» Sinne» für da» fpqifisch religiöse Leben. Der Unterricht im Hebräischen war nicht «ehr Hauptsache, er wurde Nebensache und — man suchte fich in der Rot zu helfen — er wurde Röttgung und zu« Notbehelf wurden Kräfte, wurde Erleichterung gesucht. — In diese trostlose Lage wurde Wandel gebracht, zuerst in den westlichen Provinzen. Ein edler geistig hochbegabter Mann, besten Herz . 'arm für da» Wohl der Menschheit und besonder» für seine Glaubensgenosse» schlug, gründest im Jahre 1825 zu Münster da» i»raüitstche Lehrerseminar (.zur Bildung von Elemeutarlehrer» und Beförderung von Handwerke« und Künsten unter den Juden.'") Die Anstalt ist jedenfalls die erste dieser Att, (später folgten ihr Hannover, *) Damit soll der ttttgcaUticn und ani verschiede«» ®tä*ten wohstngrbrachten Ko»ftr«atio« ihre Bede«»»» «nd RoNoendig» krit!rt»eF»eg1 Lbpesproche» lottbtn. Kassel, Berlin, rc.) Der Gründe:,. Professor Dr. Alexander Hatndorf, «allst durch seine Stiftung, dst vstst Sorge, Sorgfalt und materielle Opfer von ihm erheischte, einen geordneten, zeitgemäße» Religionsunterricht einführen, und zugleich dst allgemeine Bildung in den Gemeinden heben. — Israelitische Elementarschulen wurden eingerichtet. Zwar brachten ZelottSmn» und Gewohnheft dem Haindorflscheu Institute und den in demselben auSgebildestu Lehrern Mißtrauen entgegen und diese fanden fich vielfach einer schwierigen und Mühevollen Kulturarbeit gegenüber gestellt*). Nun wurde von den Lehrern au» dem genannten Seminare der Unterricht im Hebräische», im weiteren Sinne der Religionsunterricht al» ebenbürtig und mit der ihm gebührenden Beachtung und der für ihn notwendigen Stundenzahl in den Unterrichtsplan eingereiht. E» ist anerkannt uud oft von maßgebender Stelle rühmend hervorgehobeu wor? den, daß die i»r. Elementarschulen nicht nur in den allgemeinen Disziplinen Tüchttge« stiftest», sondern daß auch durch fie der Unterricht in der Religion, die Pflege de- Hebräischen gut bestellt war. Darin vereinigst fich da» UrteU der staatlichen Auffich»tbehörden mit den Stimmen von Männern wie Dr. L. Philippson, Konfistorialrabbiuer Dr. Bodenhetmer- Lrefeld, k a h n »Trier und vststr anderer, berufener Fachmänner — uud der Ruf von pädagogischer Schulung wie der Besähtiguug im Hebräifchen mancher dieser Lehrer drang über di« Grenze« der beiden Provinze« hinan». Diese» muß feftgestellt werden gegenüber von Verdächtigungen über »trostlos« Willkür.* — Wenn nun dst i«r. Schule damal», al» Männer wie Dststerweg, Ehrlich-Soest, Wagner-Brühl u. s. w., die mit dem pädagogischen Genie im schönsten Sinne de» Worte« den Geist der Humanität, der Toleranz verband«», al» ein Bedürfnis erkannt wurde, um wieviel mehr ist fie jetzt eine z«i n ge» de Notwendigkeit augeficht» der strengen konfessionelle« Scheidung, welche sogar Lehrmitstl und Lehrarte» der eisigen schroffen Strömung angepaßt wissen will, uud der Uebereifer an manchen Orte» einzelne Lehrer so weit für den Fortschritt unsere» Zeitgeiste» begeistert, daß i»r. Schüler in ihrem Empfinden für ihr« Religion und deren Bekenner gedrückt und in ihrem Ehrgefühl bitter gekränkt werden. (Schluß de» II. Briefe» folgt.) GrdAnKrnstrllMti. Bo» v. »> denke, danim bin tchl* — ^um Ueberdruß _i Ihr den Satz de» Carte« Da» Sprüchlein verkehrt, so sollt' e» gelten: .Ich bin. drum denk' ich!" — da» hott man fette». Licht ««p Schatte». Warum fie, wa» ich auch thu' und handle. Mich immer nur «l tadeln hatten? Run, weil ich im Lichte wandle, Sehen fie sttt» um meine» Schatten. *) Heber da» Strebe» »»d Wirte» der Lehrer an» de» > z» Mmcher — sowohl fist di» Bildung der Semestte», lost i» JMe der Pfleg« de» Unterrichte» i» der Religio» wie de» Hebrllifche» richtet est« Reihe M» Artikel» st der .«Ist. $«. d. 3“ (189»), titat; „Wst plantet» au» der Schule st Scherz u»d Ernst" ». Memert.1 Do» Pete» und fest stdischer Mstister. Hisstest» an» de« 14. Jahrhundert von m. vl Ze«lt»gktz. Briest »brr Irzsth»»» und Unterricht. IL Bo« ‘ :««». — Bebaustnfpltttrr. Berautwottl. Redakteur vr Rahmer, Magdeburg. Druck: Friedttch Rasche E Lo.. Magdeburg. Verlag: Rob. Fries«,

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