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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 38 (1893) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
38 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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— 150 — rin einzige» Mal auf das Wort Sott zu stoßen. Wrr sich daher nicht selbst durch andere Studien eia Segengewicht schafft, der muß notwendig in eine allen modernen Forderungen ab» gewandte Einseitigkeit verfallen. Zu diesem Anfwachsen m vollständig veralteten mittelalterlichen Deukrichtungeu kommt ein für später sehr zu beklagender Mangel an Berkehr mit Andersdenkenden, inrbescndere mit Lhristea. Wenn daher der junge Rabbiner später mir einem christlichen Theologen, einem Materialisten, Pessimisten, einem gutbeschlagenen Antisemiten zusammentrifft, so gerät er in nicht geringe Verlegenheit. Nicht einmal die antisemitischen Stellen in Talmud und Schulchan Aruch kann er widerlege», den» die »hat er noch nicht gehabt". Er ist blo« bi» S. 17 gekommen und fie stehen S. 18. Boa der Not seiner Glaubensgenossen, von den vedürfntffen einer jüdischen Semeind«, von Erziehung, Unterricht, Seelsorge, Skr walrung, Armenpflege hat er keine blaffe Ahanag. Doch end» lich ist er fertig und er steht fich nach einer Stelle um. Wie er dazu kommt, darüber wird Dir nunr^hr au» eigene«« ichrn Erfahrungen berichten im nächsten Brief Dein _ V. S. Lombroso Aber Juden*). In seinem Werke »Genie und Jrrfinn in ihren Bezieh» ungeu zum Gesetz, zur Kritik und zur Geschichte"') behandelt der Profeffor an der Universttät Turin, 6~ Lombroso, auch den »Einfluß der Raffe und Familie auf Genie und Irrsinn". In diesem Kapitel sagte er: »In der That, unsere Juden zeichnen fich durch Bildung und Geistetzschätze au», haben fich io vielen Zweigen unsere» Kulturleben» eine tonangebend« Stellung gefichert; in ihrer Hand liegen zum großen Teil Handel und Presse; berühmte Komponisten, Satyriker, Humoristen und Mediziner find aa« shren Reihen hervorgegangen." ES folgt nun eine lange Reihe von Nanien jüdischer Komponisten u. s. w. und dann fährt der Berfaffer fort: »Man merk« auch auf den Umstand, daß die genannten drrühmren Juden durchweg schüpferi sche Naruren waren. Bo« ihnen ging die mosaische und später die christliche Lehre au»; fie schufen im Handelsverkehr den Wechsel, in der PhUosophie den Pofitidi»mu», in der Literatur die neue humoristische Richtung." In einer längeren Anmerkung giebt der Verfasser sodann sehr intereflant« statistisch« Angaben über die Bildung der Juden Italien»; so erhielten 1867 nod 1868 in den technischen (Real-) Schulen von 106 Katholiken 67, von 100 Juden 78 da» Zeugin» der Reife, in den höhere» Gymnasien von 100 Katholiken 58, von 100 Juden — 100. Sodann heißt e»: »Tew zur Seite ist nuu di« sonderbare, aber feststehende Thatfach« zu stellen» daß eben die Juden «ine verhältnismäßig vierbi» sechsmal größere Anzahl Geisteskranker liefern al» ih« andersgläubigen Mitbürger." Nach einigen Beispielen kommt Lombroso auf de» AntisrmitiSmu» zu sprechen: »Da» find gewiß sonderbare Verhältnisse in einer Bevölkerung, die wohl reich ist a» alten Leute« und somit dem Delirium au« Alter»schwäch« mehr Opfer bringt, doch nur sehr wenige Trinker aufzuweisen hat. Und diese Verhältnisse find gewt'r dem Auge der Antisemiten, die ihrem Laterlaudr wohl wenig Ehre machen, entgangen; hätte» die Berfalger, welch« de» arme» Jude« ihre materielle» und geistigen Erfolge so übel nahmen, gewußt, wie teuer dieselben selbst noch in unserer Zeit von diesem unglücklichen Volke erkauft »erden, so würde ihr Haß ohne Zweifel sich gemildert haben. I» den finstern Zeiten de» Mittelalter» blutete der Körper de» Opfer» au» vielen Wunden und doch war diese« nicht unglücklicher al» jetzt, wo dieOuelle seine» Ruh me» auch die seine» Unglücke» ist." Zum Schluß seien noch einige Worte erwähnt au« der schon ofc* erwähnten Anmerkung: ,Lch füge noch hinzu, daß man, wenn mau mit Buckle (vd. 1) den Wohlstand al» den ersten Schritt und die vornehmste Bedingung zur Zivilisation betrachtet, di« große Anzahl der gebildete» Juden dem Wohlstand ihre» Volke» zuschreiben kann." Nr. •) Urdersetzt von C. Comtfe (t> «rcla»'» Uutoersalbtbltethek gäi»-»sia. > *{. e. 88 fl.) Die ungarische« Tabbatianer find nicht, wie vielfach angenommen wird, im vorigen. Jahrhundert zum Judentum übergetreteu, sonder« schon End« de» 16. und Anfang de» 17. Jahrhundert». Sie find auch nicht Ueberbleibsel der Anhänger Sabbatai Zewi'», sondern richtige Szöklrr, die schon zum Judentum übergetreten waren, ehe noch jemand von Sabbati Zewi etwa».wußte. Al» die ReformatiouSideen in Ungarn eindrangen, beschränkte fich ein großer Teil der von der Auftegung Ergriffenen nicht darauf, da» Protestantentum eine» Luther, Zwingli oder Ealvtn anzunehmen, sondern fie gingen noch weiter zurück in ihrem Drang, de» „echten" Glauben zu finden, und verwarfen auch die zum Tell fich widersprechenden Evangelien. Sie glaubten,' die Juden hätten die echteste Religion bewahrt, da'bei ihnen von schwer faßbaren Mysterien, wie der unbefleckten Empfängnis, der Gottheit Christi u. f. w. nicht die Rede ist. Diese .Neu-Israeliten", die fich hauptsächlich in Siebenbürgen fanden, anerkannten al» den einzigen Gott Jehova; fie aßen kein Schweinefleisch «ad feierten statt de« Sonntag» den Sabbat, weshalb fie von den Magya«a Suomdutouoü. d i. Sabbattaner, genannt wurden (Sromdut ist Samstag, Sabbat). Mau sieht, di« Magyaren unterscheiden die Neu-J»raeliten noch scharf von de» eigentlichen Juden. Nach dem Historiker Katona gingen die Sabbattaner jedoch nicht weiter tu der „verjudung". Sie beseittgten nicht nur da» neue Testament vollständig au» ihrer Bibel, sondern hielte» fich auch in ihrem Zeremoniell streng an die Borschrifte» de» alten Testament», hielten die vorgeschrtebenen jüdischen Festtage, oerlafe» Bibelabschnitte bei ihrem Gottesdienst, fasteten» unterschieden reine und «meine Tiere, ja ein Teil von ihnen ließ fich sogar beschneiden. Da» alle» ging um die Wende de« 16. und 17. Jahrhundert» im veklerland in Siebenbürgen vor sich. Im , Beginn de» 17. Jahrhundert» wurde die Bewegung noch weiter unterstützt durch den Kanzler de» Fürsten Gabriel vethlea, einem gewiffen Simon Päcsi, der nach einer Berfion eine ftomme Jüdin geheiratet» nach einer anderen au» Pole« jüdisch« Anschauungen nitgebracht haben soll und auf alle« seinen Besitzungen den Neu-Mosai«mu« einführte. Unter de»' Fürsten Siegmund Büttory begannen jedoch dt« Verfolgungen. Harte Gesetz« gegen die „Jndau&ntes“ wurden erlassen, die Zugehörigkeit zum Neu-Mosat»mu» mit dem Verluste vo» Leben und vermögen bestraft und so die ohnehin kleine Ge-., meind« wenigsten» offiziell fast gänzlich vertilgt. Im Volk» ■' jedoch erhielt fich lange der »««-mosaische Glaube. Jn»gchet» feierten die Sabbattaner mben dem christlichen Sonntag uoä^t ihre» Sabbat und enthielten fich nach wie vor de» Genuss« «mttnrr Tiere, namentlich de» Schwein« Daher die nag heuren Gänseherden jener Dörfer» da die edle Retteriu Kapitol« den Sabbattaner« nicht nur ihr Fleifch, sondern au da» ebenso «vttge Schmalz zu liefern hat. E» ist übrige ftaglich, ob nach der Rezeption der Juden die Sabbatto fich offen al» Juden bekennen wrrden, oder ob fie nicht» i der ebenfall» in Su«ficht stehenden Rrligion»frriheit Gebrav machend, fich einfach al» mue, nunmehr geduldete Sekte ko stttuteren »erd«. Inhalt: «tu jüdtsche» «itteubild. — «tu 1 F. tu L, — Ratbtuisch« Gmuwerbrtef» (II.) — «ouckroso über de». — Die »utzartschr» «aMatiauer. de»' verantwort!. RedaKem Dr- Rahmer, Magdeburg. Druck: Friedttch Rasche * Eo. Magdeburg.?Verlag: Rob. Friese,

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