Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 37 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 4)
- Language
- German
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Lolkskreise, anf bk zu wirk«» fei, kämen nicht in die Synagoge, also sei alle» in de» Wind gesprochen oder ein Dreschen von leere« Strich. Alle aber seien bedacht, sich da« Leben «»glichst angenehm )» gestalten. Möglichst wenig Arbeit und möglichst viel Nebeneinnahmen. Möglichst wenig Last nnd möglichst hoher Lohn. Die große« Thaten, die man höre, feien: ein Skandal mit dem Schächter, ein Streit mit dem Lorstand oder irgend eine andere schmutzige Geschichte. Daß also unsere inneren Verhältnisse in Grund und Boden verfahren seien, daß wir in grenzenloser Verwirrung und Ratlosigkeit dastehen, daß Kleinmut und Verzagtheit ans der einen, Sorglosigkeit und Gleichgiltigkeit aus der anderen Seite jede Maßnahme lähmen und allmählich eine dumpfe thatlose Verzweiflung eingreife, da» sei iu erster Linie Schuld der Rabbiner. Wenn — mit diesem vernichtenden Urteil schließest Dn — heute alle Rabbiner Deutschland» plötzlich verschwänden, so würde e« in keiner Hinsicht mit dem Judentum schlechter bestellt sein. Habe ich Dich recht verstanden? Nun wohl, so will ich Dir antworten, aber mache auch Dn Dich aus manche« hart klingende Wort geiaßt von Deinem P. G. 18 Kaffen; 13 Füllhörner; 18 Tische; und 18 Verbeugungen. >« Freitag ist der Mensch erschaffen und.va» Gott gesegnet worden, darum nennt der Talmud (Kethnbvth b» Jeruschalmi a. a. O. Anfang und Midrasch rabba znr Genest» I, 88 cap. 8, j, 12, den Freitag eine» segensvolle» Tag. Solle» vielleicht die 13 Fragen am Peßaihabend, da» ■ „Eehftd 'mi jode»“ der Peßachhagada, welche mit „13" „Gnadenerweisungen" Gotte« schließen, eine Polemik Siegen den christlichen Aberglauben über die Zahl: ein? — ,18" Srrgerrü mtö Mltev. „Die Jugend ist ein Rosenkranz, „Da« Alter eine Dornenkrone." lRabbiutlcher Spruch.) O schönste Zeit, o aold'ue« Alter, herrlich ist Dein Strahlenglanz; Wonne füllest Du die Herzen, 'en Tan; O Wie Mt _ Bewegst den ß zum frohen Tanz. Wie Schmetterlinge, Blüten suchend, Bon Blum' zu Sliune fliegest Du; Am Tage saugest Du nur Honig, Und Nacht« gar süß ist Deine Ruh. — Die Zahl „13"! Bon Rabbiner Dr. Goldsahn. In Nr. 35 der gesch. „Wochenschrift" fügt der Herr Redakteur zu der Satyre de» Herr» Oberrabiner« Dr. Jellsnek über den Aberglauben an die Zahl 13, welche auch in jüdischen Kreisen um sich greift, die Bemerkung hinzu, daß in den jüdischen Religion»schulen bei Besprechung de« zweiten Gebote« aus da« Sündhafte diese» Aberglauben» hingewiesen «erden müßte. Ich füge dem hinzu, daß auch von der Kanzel au» gegen diesen Aberglauben angekämpft werden müßte und ich hatte schon vor Jahren ein Mal gegen diesen Aberglauben und gegen den damit in Verbindung Stehenden, daß der Freitag ein Unglück«tag sei, gepredigt und aus der christlichen Ursprung beider hingewiesen. Die Zahl 13 soll eine Unglückszahl sein und wo 13 Personen an einem Male theilnehmen muß der Eine von ihnen sterben, weil Jesus mit seinen 12 Schülern an dem Abendmahle teilgrnom» men und er, Jesu«, bald daraus gekreuzigt wurde. Der Freftag aber soll ein Unglück« :ag sein, weil Jesu» an einem Freitag gekreuzigt wurde. Da« der Aberglaube um sich greift, darf un« nicht wundern. Je wehr der wahre Glaube schwindet, desto mehr verbreitet sich der Aberglaube. Bor nahezu viertausend Jahren hat bereit« der nichl-jüdische Prophet Bileam e» au«gesprochen» „so lange man Jakob und Israel verkünde, wa« Gott gewirft, so lange Jakob und Israel an die Macht Gotte« glaubt und im Glauben au Gott lebt, so lange findet Zauberkunst in Jakob, Wahrsagerei in Israel und Aberglaube unter den Jud«n keinen Halt." (4 M. 83,23.) Al« „ber da« voll von seinen Glauben abgehalten war, wandte e« sich, wie der Prophet Iirmijahu bitter klagt, dem Aberglauben zu. ' Der Abfall von Gott geht immer mit der zwetteu Sünde, dem Hang zum Aberglauben, Hand in Hand. Im Judenthume haben weder Zahlen noch Tage irgend welche übernatürliche Kraft; alle Kraft und Macht ist bei Gott. Symbolisch heilige Zahlen giebt e» allerdings; eine solche ist auch die Zahl: „13". Die Gnade Gotte« wird in 13 Ausdrücken gefeiert; die Opfer am Suckothfeste betrugen am ersten Tage 13 junge Stiere, dann jeden Tag um einen weniger bi« zum 7ten Tage 7 Stiere. Mtt 13 Jahren ist der Jude zeremonien-großjährig. Maimouide« hat 13 Glaubensartikel festgesetzt. Im Heiligthume zu Jerusalem gab e« nach der Mischna Schekalim VL 1 ff. Nicht kennst Du Sorge, kennst nicht Kummer, Nur rosig malt sich Dir me Wett; - Mtt Lieb' umfassest Du die Erde, Du schaust entzückt zum Himmelszelt. Bedenk' jedoch in Deiner Freude, Du liebe Jugeud, daß uicht immer Des Lebens Frühling Dir wird blühen. Denn schnell gar schwindet Erdenschsmmer. So nütz' die Zeit, eb' sie entfliehet. Und streb' nach Wissen, streb' nach Tugend. Wie viele Menschen renra int Aller, Daß träg' sie waren in der,Jugend! Nicht gleich dem Schmetterlinge eile Bon Blum' zu Blume ohne Rast Du; Wie Bienen sammle Honig fleißig. Und Zehrung für da» Mer hast Lu. Münster. I. Feinst,in. Mll» dem Opruchschatz dr» Galtttuv. Boetisch übertragen von Max Meinberg.'' Am Anachen, der Dein L»ben»teil ward, nage, Und ob Andern grSß'rer ward, nicht frage. . * Sollst Deine» Hanfe» Mann fein. Nicht aber fein Tyrann fein. » » « Dhne Wahrheit, Frieden, Recht Steht'» am Lande» Wohlfahrt schlecht. « » » . Nach Aamele» Arast nnd Mast Ladet man ihm ans dir Last. * « * wie z» viel Atzen Lampenlicht erstickt. So r» viel Schwatzen manchen wicht erdrückt. Inhalt: Bor pmtlansend Jahre». Historische Lrzihlnng Adolf v. Zemlinsky, (wchlnh.) — Ratbtnifche «»mmerbriese (l.)j Bon P. - Die Zahl ,48". Bo» Dr.Goldfaha. Rabbiner.; — JntztUd nnd Alter. Gedicht von g. Feknstei». — An» Sprachschatz M Talmn». Poetisch übertrage» von Max »eladere ..J verantwort!. Redakteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck: Friedrich Rasche * ®o„ Magdeburg. Verlag: Nobi. Friese,