Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 34 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
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eingehenden Depeschen statt de« Karton» gebrannte Tonscheiben benutzte». Man führte diese Depeschen, so verwahrt, ans alle Reise mit dem Pharao herum, um nach erfolgter Rückkehr alle diese Schriftstücke in einer Kammer de» Palastetz einzusargen und nie mehr daran zu denken — ganz wie die» auch bei anderen Archiven gelegentlich Vorkommen soll. Diesem System verdanken wir nun die erwähnten Auslchlüffe. Die Fellachen, die zum Nutzen der Reisende» die Ruinen von El- Amarna autzbeuteten, entdeckten in einem Winkel de» Palastetz von Amenothetz IV. mehrere Haufen voll Thontafeln, lauter dem Pharao zugegangene Zuschriften, verteilten den Inhalt unrer sich und verkauften ihn an die Altertümerhändler. So kommt etz, daß heute die Museen Gizih, London und Berlin ',o ziemlich den ganzen Fund zusammen besitzen: eine französische Uebersetzüng von HalSvy giebt einen Begriff von dem Inhalt der Schriftstücke, soweit sie überhaupt in ihrem jetzigen Zustande übersetzbar waren. Ein Bote, der eine Anzahl solcher Thontafeln, auf denen die Briefe geschrieben waren, von Mikanni (d. h. Babylon) nach Memphitz zn tragen hat, brach unter der Last beinahe zusammen: sein Rückweg war leichter, weil der Pharao seinen asiatischen Brüdern stet« auf Papyru» antwortete. Leider kennen wir seine Erwiederungen im voliegeoden Fall nicht; sie mögen in irgend einem Winkel von Syrien oder Ehaldäa liegen und de» gesegneten Hieb» einer Hacke warten, der auch sie antz Tagetzlicht bringen kann. Die Schrift unserer Tafeln ist die Keilschrift Babylon« mit sehr geringen Abänderungen; da» beweist, wie sehr die Ehaldäer den Stämmen am mittleren Euphrat oder io Syrien ihre Kultur aufgcdrängt hatten; selbst die Phöuicier, die damals ihr eigene» Alphabet wahrscheinlich schon besaßen, bedienten sich im Berkehr mit andern Staaten und sogar, mit ihren egyptischen Herren der so unbequemen Keilschrieft: Münze, Maß und Gewicht, Haartracht, Kleidung, Schmuck — alle« war nach chaldäischem Muster eingerichtet. Wo» nun den Inhalt der Schriftstücke anlangt, so ist darin sehr viel von Frauen die Rede. Ueberall, in Asien wie in Afrika, bestand die Lielweiberei, und in Folge davon verfügte jeder König über eine Anzahl von Töchtern und sonstige Berwandten, die er zu politischen Zwecken nach seinem Belieben verwenden konnte. So oft die Heere de» Pharao eine syrische Stadt einnahmcu odcr einen kleinen König unterwarfen, erhielt der Pharao regelmäßig eine neue Gattin, die ihm altz Geisel die Treue ihre« Pater» oder Oheim« oder Bruder» verbürgte. Die asiatischen Fürsten hätten sehr gerne auch Gegenseitigkeit geübt gesehen uud sich mit den mächtigen Berbündeien am Nil noch enger verschwägert; aber die Pharaonen besaßen den Stolz ihrer Raffe; »niemal» — schreibt Amanothe» IV. an den sonst doch ihm al« ebenbürtig gegeuübertrrienden König Babylon» — ist ein« Tochter Egypten» nach auvwärt» einem Basallen gegeben worden." Die fremden Prinzessinnen brachten ein Gefolge von Sklave», Dienerinnen und Schreibern mit sich, auch eine Aussteuer, Möbel, Kleinodien, und eine Mitgift iu Gold und Silber, die ihren Untere halt sicher stellte. Die Sitte gebot, daß der Pharao die Freigebigkeit seiner Schwiegerväter nicht unerwiedert ließ; aber ein Teil der Briefe läßt an« erkennen, daß e» Up» nicht immer gelang, sein« neuen Berwandten zu befriedigen; e» kommt vor, daß ein Schwiegervater enrüstet die Geschenke al» zu gering ganz ablehnt oder ein anderer um eine Zulage bittet, nicht ohne daß er seine eigene Freigebigkeit der egyptischea Knauserei selbstgefällig entgegen stellt. Da» Loo» dieser Pharaovrnftauen war in der Regel kein glänzende»; sie verschwanden unter Hunderten von Frauen im Harem, ohne daß ihre Angehörigen je wieder etwa» Zuverlässige» von ihrem Ergehe« gehört hätten; ein zärtlicher Laier schiltt wohl einmal einen besonderen Gesandten» um nach seiner Tochter zu sehe»; der Pharao ordnet auch an» daß mau sie ihm vorführr: «» erscheint eine bemalte nnd geschmückte Dame, welche versichert, daß sie dir Gesuchte sei: ober der arme Gesandte hat kein Mittel, die Wahrheit der Behauptung festzustelleu l Die Frauen au» egyptischem König»ftamm hatten überdies stet» den Borrang vor den Ausländerinnen; ja da» egyptische Staatsrecht übertrug den Fürstentöchter» di« Befähigung de» Thron zu besteigen, wie ja Herodot thatfächlich von einer Königin Ritokri» zu berichte« weiß. Um so weniger kamen ihnen gegenüber syrische Rebrnftauen de» Pharao in Betracht. Abgesehen von solchen Dingen werfen die Brteftchaften auch aus di« politischen^ Berhältniffe Syrien» Licht. Die Egypter haben kein über die Grenzen ihre» Lande» hinauigehende» Reich gegründet; niemals hat e» asiatisch« Provinzen Egypten» gegeben, wie e» später,römische gab. vielmehr begnügten sich die Pharaonen, an den strategisch wichtigen Punkte» Festungen anzulegen, und überließen den Rest de» Lande» den einhet- .mischen Fürsten, welche gerade im Besitz der Macht waren» Diese worden zu Vasallen de» Pharao'» gemacht und zahlte« einen Jahre»tribut in kostbaren Metalle» oder in Erzeugniffe« de» örtliche» Gewerbfleiße»; außerdem wurden sie verpflichtet, gegen jeden Feind ihre» Oberlehen«herrn zu kämpfen. Sonst lebten sie aber nach wie vor ganz nach ihren Gewohnheiten, ihrer Religion, ihren Gesetzen; fie bekriegten sich gegenseitig, plünderten Städte und Dürfen, überfielen die Karawane» und vergriffen sich wohl gar an den Boten Pharao», wenn diese Kostbarkeiten bei sich führten, welch« die Schelk» reizten. Pharao hatte zwar den Grundsatz, sich so selten al» möglich mit den Angelegenheiten dieser reizbaren, unruhigen Herren zu befaffrn; aber fie ließen ihm ihrerseit» keine Ruhe, baten ihn um Beistand gegen ihre Feind« und beklagten fich um die Wette über deren Schurkereien, der Friede, sagt Ma»pero, herrschte so wenig in den Gebieten, die dem Pharao unterthan waren, wie er in dem feudalen Frankreich de« 1 l. Jahrhundert herrschte, überall schlug man fich, von Suez dt» zum Euphrat. Alle« in Allem gewähren un« die Thoutafeln einen ungeahnten, höchst intereffaaten Einblick! in die Zustände Kanaan», wie fie 100 Jahre vor dem^Einmarsch)der Hebräer in diese» Land waren. Widmung. (Ja „von^der Wieg« bi» zam eigenen Herb" von Elise Polko al» Hochzeilsgeschenk.) Bon Mutter Schoß — zum eignen Herd Im Slternhao», im Elternhall». Wir sonder Sorge und veschwerd' Geht'» ein und au», geht'» ei» und au». Bom eig'nen Herd zum einst'gen Ziel In ferner Zeit, ja ferner Zett, ' Sei Dir da» Leben Kinderspiel Ohn' Sorg' und Leid, ob»' Sorg' undxLeid. Auf daß der Tag, dem die» geweiht. Der Hochzeitstag. der Hochzeitstag, Al» schönster Stern für alle Zett Dtt glänzen mag, Dtt glänzen mag. Wax Weinberg. Inhalt: »or paeitanien» Iahen,. Historisch«! «wähl»»» »an »doli v. g««li»»ky. (FottsHnng.) — 9tc anöwäetigr PaliM, »er «haraauen var tzovv Jahren. — Widmung, »«dicht von Mag Weinberg. l. Redakteur 1>n. Rahmer, Magdeburg. Druck: Friedrich Rasche * Lo^gMagdrburg. Berlag:Rob.Friese,