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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 32 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
32 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Herau-gegebe» von ]>r. «. nt&mtt in Magdeburg. Zur Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie. Da« „Jüdisch» JPkmUlftt-mctt“ erscheint wichentlich alt Vv»ti»-«»Unar Mtbtv BBhtfngt» »nchdrmeb »«» dies»» »lntte ist r ntrvfngt. — Me Einzelnummer zur „I»r»rMischrn IVochrnschrisl" kostet tv Pf» bei der S cveditton. Vor Meitausenv Layvrn. Historisch« Erzählung von stdolf v. Zemll»«ky I. Kapitel. Trauer und Wehklagen war eingekehrt in da* Hau« de* reichen Handelsmann«* Iojakim in Jerusalem. Wenige Monate erst waren e* und Jojakstn war einer der Ersten in der Gemeinde, und gar tief beugten fch die Häupter derjenigen, deren Lebensweg vom Eintritt in dir Welt di* zum Scheiden au» derselben mit Dornen und llnfraut reichlich besäet ist. Der reiche Handelrmauu hatte immer und immer in seinen Unternehmungen Glück; »Gott ist mit ihm!" — fpraditn dir Frommen. Und dann?! Eine» Tage» war Iojakim frbhliih und wohlgemut von einer langen Reise zu den Seinen zurückgekehrt. Voll Freude und Glück eilten ihm seine Frau Masalla und seine Tochter Rachel entgegen. Und de» ander» Tage» kamen daun alle die Freunde und Bekannten und ließen fich von der Reise erzählen und verficherten ihm immer und immer wieder» wie sehr er ihnen Alle« dies« lange Zeit seiner Abwesenheit gefehlt habe und versicherten ihm auch, daß fit im Guten and — Gott soll hüten — im Bösen und Ungemach treu zur Seite stehen r rollten. Wenige Tage waren seitdem vorüber, und Iojakim fül»lte fich — wahrscheinlich von den Beschwerden und Snstre»gun»e, der Reise ersi^pft — derart ermüdet, daß er fich zu Bett; legen «nßte, und nachdem fich rin heftige* Fieber eingestellt, mußte der Arzt gerufen werden. Und der weise Mann prüfe und prüfte, und gab ihm Arzeneien und da» Fieber Härte auf, aber der Körper de« reichen Kaufmanne», den Pott in seinen Schutz genommen, bedeckte fich allmählich mit Beulen und Geschwüi en und der Arzt blieb ratlos und die treuen -Freund« sächtteltra bedächtig mit den Köpfen und machten wohlweislich immer größere •bet kleinere Umwege, wenn e» fich darum handelte, n cht in die Nähe von Iojakim'* Hau» zu kommen. .Gott hat ihn mit Au»satz gestraft-, flüsterten diese Weisen untereinander, .wer weiß, welch« Sünden schuld auf ilm lastet» denn nicht umsonst belegt Gott de» Mensch m mit solcher Prüfung; er muß ei» großer Sünder seirii- Uad einsam, nur auf fich allein angewiesen» lebt«» die beiden Frauen mit dem Kranken and pflegten ihn getreulich «»cheu- «ud monatelang, — bi» endlich dem Kranke« Erlbfung kam durch de» Tod. Ein Trost war den Frauen durch diese vielen Monat« der Kümmernisse und Sorgen dadurch geworden, daß der Sohn de« Nachbar» Amra», Renbeu, tagtäglich st» Hause de» Kranke« erschienra war. Doch auch Trost brachte er dadurch de« krouke» Iojakim, den. Gott für lest« Sünde, so hart gef hlagen «e, indem er liebreich all die Sehrlagen des Kranken über fff trmürse, Freunde, die ihn so schnell vergesse», st einer Weise zu erwidern wußte, daß derselbe bi« zu seinem letzte, Augenblick »echt den richtigen Grund wußte, warum er von seinen Freunde» gemieden wurde. Nicht die Krankheit war es, nein, man durfte ja nicht verkehren mit einem Menschen, der fich so offenbar den Zorn Gotte« zugezogen hatte. — Und jetzt lag er dort — so kalt, seine Lippen für ewig verstummt. — Und seine Frau jammerte und zerriß fich dir Haare — und seine Tochter Rachel stand neben der Leich« de» »ater» mit brennenden Augen — ohne Thräne, — doch krampfhaft die Hände ineinander verschlungen. Und kaum zwei Stunden später» da hatte man den Todtrn mit wohlriechenden Wassern gewaschen, hatte ihn gesalbt und in feine Linnen gehüllt und hniausgetragen nach der letzten Ruhestätte, die so schän am Abhange eine» Hügel» gelegen war, bepflanzt mit Ledern und Palmen, mit Oelbäumen, Mandela, Granaten und würzigen duftigen Kräutern, ein wahrer Gotte»gartrn, rin »guter Ortst» Thal« Josafat. Dem reichen Manne, dnu einstigen Günstling Gotte», waren nur Wenige di» zum Grab« gefolgt und diese Wenige» waren zumeist solche, denen Iojakim bei Lebzeiten gern und freudig Almosen gespendet hatte. Diese waren ihm selbst «ach de« Tode tteu geblieben, begleiteten die Familie nach dem Trauer- Hause zurück und verschwanden dann, nachdem fie noch reichlich bedacht wurden. — Di« Nacht war herringebrochen, sternenklar mit tiefdunkle« Firmamente. — Einsam lag die Ruhestätte der Tobten, betäubend drangen die balsamische« Düste zum khal herab. Fried« herrschte ringsum. — Alle» war lereit» zur Ruh« argangeu. Und doch bewegte fich da plötzlich zwischen de» Gräbern eine Gestalt und phantastisch zeichnete der hell leuchtend« Mond den Schatten dieser Gestalt in Riesengröße auf dst ringsum starrenden weißen Flächen und dies« Gestalt bewegte fich unruhig hin und her — bi» st« endlich auf dem srssch anfgrworfene» Grab« Iojakim» uiedersank. — Di« Rächt war vorüber. — Gestern herrschte Trauer und Wehklagen in Iojakim'» Hause über den erfolgten Tod de» Hausherrn; heute wurde dir Frau de» Verstorbenen von.Verzweiflung ergriffe», den, zu ihrem Schrecken fand fie da» Bett Rachel» »er und niemand wußte, wohin fie gekommen war. — Und man suchte überall, bei allen Freunden, bei alle» Bekannten; — niemand hatte fie gesehen, niemand fand sie. Und nur einer war e», dem eine Ahnung kam, w0 wohl . Iojakim» Tochter zu finden sein dürft«. — Reuden eilte hinanf zum guten Orr. zn» Grab« de» »von Gotte» Zorn Getroffene» - »nd dort lag Stachel leblos yinge streckt, beide Hände gefüllt mit der weißliche, trockenen Erde, welch« fie a»> de« Hstglä gescharrt hatte. Sie wollte zn ihm, fich «tt ihm begrabe r, mit deat Tenren — fort von ttfar Seit voll tzenchüei in Im» nutz

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