Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 30 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Herauegegeben von I'r. «. «te^wrx Magdeburg. $ut U«terhalt»«g UHb Belehr««g für die israelitische Familie. La« „Jüdische R»»UIru.«l»tt" erscheint nöchentlich als »vali»-Beilage zur „JorarMischen Macheuschrlft" *‘* -kostet 10 MfG. bei der ftrvrdition. iqv „«uvmuk |TR«uini*vuin cirojcini kocqciuikq alt wsuv wruspr Weder unbrfugle U«chdr«M ««» diese« Vl«ttr 1Ü imftrfiQ!. — Die Einzelnummer Ulau-ine .»«» -je Wevöst-Mthi». Onginal-Rovelle von A. 8. M. 15) ' iFortsetzung.s .Berzriheu Sie. begann beim Eintreten Gras .1., daß ich zu uugewo Haler Stande bei Ihnen vorspreche, aber ein Gegenstand von wesentlicher Bedeutung — Ein erstaunter Blick in sein schöugeformte« Angestrst, und ein unheimliche« Feuer, da» sie zu« ersten-mal in seinem dunklen Buge gewahrte, veranlaßt« Elaudine fich schnell zu erheben und die Kerzen au»u»üudtn. Mit rasch wieder gewonnener Fassung trug sie dann, ihn mit leichter Handbewrgung zum Sitzen einladend: ,Wa« hätten Sie. Herr Graf, mir Wichttge« »itzuthei. len; e» sei denn", fügte sie lächelnd hinzu, .dass ti Ihnen gelungen, mir den Zutritt zur Yrivatgallerie de» Fürsten D. ■ zu verschaffen". Ter Gras schwieg, dann, wie einem unwiders ehllchen Drange folgend, rief er erregt: ' .Wie, sollten Sie" e» wirklich nicht ahnen, welä, heiße» verlangen mich zu Ihnen treibt? Sollten Sie e» nicht gemerkt haben, welchr« Intrrrffr Sie, gleich bei unser, r ersten Begegnung, in mir wachrieseu und wie diese» Inter rffe nur zu bald zu einem viel wärmere» Gefühl fich steigert«? Ja, ich kann e» nicht länger verhehlen, ich liebe Sir mit der ganzen, ungebrochenen Kraft eine« noch heiß pulfirrnden Herzens." .Halten Sie rin, Herr Graf," bat sie mit eihobenen Händen, »vergessen Sie nicht, daß Sir zu einer verhiiraftten Frau spreche», die obendrein so spießbürgerlich gesinnt ist, . ihrry eigenen Gatten zu lieben." .Ich weiß e« nur zu gut," erwiderte er sckmerzlich lächelnd, .doch wa» schadet e», so lange ich keinen Anspi uch ans Ätigkrit der Empfindung erhebe? Ich bin ein be- Auhängrr Tolstoj's, — ich verlange nicht», wünsche nicht», al» Sie lieben, in achtung»voll«r Entfernung sie an» beten und, wenn mbglich, Ihuen nützlich sein zu dürfen." ,Mtt nützlich sein? Sir erinnern sich vielleicht, am wa» ich Sie mit erhobenen«» Händen aagesirht, wa» mir »ertvoller al» da» Lide» wäre. Doch wie kindisch war r» von n ft, auch nur einen Augenblick dem Wahne zu leben, daß in diesen Reich« irgend Iemaud, nnd stünde er noch so hoch, die M tglichkett hätte, nach eigener Initiative zu handeln." . .Handeln allerdings nicht; können »ft doch, unserem -eigenartigen Sonnensystem gemäß, nur als Planeten um den » Große» Fixstern kreise», von d«m »»ft Licht u»d Wärm« und bestimmte veweg«g«bah» vorgezeichnet erhalte,. Doch Umwegen, darch HiMerpsifttche» die tzaudlungru de» Lllleift», sei»» Wille» »ft »»sichtbar lenkend, Hand, »st» — _to» ««*»•(,-jpji Und wenn irgendwo» fügt« er zögernd hinzu, .so ist bei un» zu Laude dft Iesuirenregel, daß der Zweck die Mittel heilig«, moralisch zu rechtfertigen." Eläudinc lauschte gespannt, mir verhaltenem Athen«, diesen verheißung»vollen Worten. .Sollten Sft wirklich, Herr Graf, die edle Absicht haben, in diesem Sinne für dft Sache der Bedrängten zu wirken, o so thun Sie e«, indem Sft mir jetzt gleich ein Zeichen Ihrir wohlwollenden Grfinnung geben." - .Befehlen Sie, meine Gnädige," sagte der Graf, ihre gefalteten Hände ergreifend und an seine Lippen führend; .ich will sehen, db ich gehorchen kann." .Run denn," rief fie erglühend» .bereift« Sft da» Ohr eine» der Mächtigen vor, mein Gesuch entgegenzunehmeu, oerschaffeu Sir mir eine Andftnz bei Einem derer, die fich beruf«, wähnen, die Geschicke der Völker nach Willkützr zu lenken." .Ich kann Ihnen," sagte er nachdenklich, .Thür und Ohr meine» unmittelbaren Chef», des Minister», eröffne»; doch glaube« Sie ja nicht, daß selbst er, der Mächtigsten Einer, e» wagen dürfte in dft Machtsphär« de« Allerhöchsten eiazugreiftn." .Ich weiß e»; mein verstand sagt e» mir deutlich genug, daß ich nicht» zu hoffen, nicht» zu erwarten habe. — Doch mich treibt ein blinder, gewalttger Drang, mir ist al» ob ich reden müßte, al» ob ich den tanben Stein zum Hören zwingen könnte." .Run denn, folgen Sft dieser inneren Stimme," sagte der Graf bewegt; .vielleicht führt fie zum Heile. Urbermor» gen, um dft Mittagsstunde werde ich Sie, so e» Ihnen recht ist, in meinem Wagen abholen und zu meinem Ehef geleiten." Al» er, von Elaudine mit warmen Danksagungen znr Thür geleitet, fich entfernen wollte, stftß er fast heftig auf den Professor Berttam. der im Rahmen derselben stand und dft Beiden stirnrunzelnd beftachtrte. Elaudine kämpfte schnell ein« aufsteigende, ihr selbst unbegreifliche Verlegenheit nieder und sägte zu ihrem Galten grwendet: .Erlaube, da» ich Dft hier Graf X., eisen der besten Freund« Baro» H.'s, vorstelle." Den gegebene« Anknüpfungrpunkt benützend, wechselft» sft einige nichtssagrude Redensarten in kühler Weise, bi» Graf X., Eile »orschützrnd, fich verabschiedete. Allein gelassen, ging Berttam mit über den Rücken gefaltete« Händen schweigend au» und ab, während Elaudine in eine Sophaeckr gedrückt, still vor fich hinbrütete. Rach einiger Zeit sagft er plötzlich, in feiner.kurz angebundenen Weise: .Wir werden wohl bald, vielleicht schon »wrgrn reise«. — Meine Aufgabe hier ist za Ende, oder vielmehr hat zu gar keinem End« geführt." Er übersah ihr jähe» Erschrecken und verfiel wftber-M bnmpfr» Schweige». .Marge«, schon c" fr»g sie ängstlich »Könnte,