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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 28 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
28 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Herau-gegeben oo» i>r. «. in Magdeburg. Zur Uuterhultuug »ud Belehrung f»r die israelitische Familie. - Är'..Llldifche jKmEru^aiaN'^rschewT' Mebrr tmbrfuofr »achvrurst au» Mrftai »latlr IR wkchentlich alt 9rati»*SrU«0i zur „Joraelttischen u itrrfayl. — Die Einzelnummer kostet IO Ms», bei der Mochrafchrlfk" Expedition. Nklnidink •** die WeröstStüthe. Original-Novelle oon A- 8. M. 1S| <F«rts«tzung.> Besagter Gregor Wasfilewitsch war Feuilletonist eine« ziemlich gelesenen Blatte» und da er sein Licht nicht not«r den Scheffel zu stellen pflegte, und mit ungeheurem Selbstbewußtsein sein elegante» Schnurrbärtchen aufwirbelte,, auch gelegentlich einig« philosophische^ den Anderen meist ünverftändliche Eitale mit lriumphirendem Klick in der Runde zum öftesten gab, so wurde er in diesem Kreise al» gewaltige» Gtaik angestaunt. deffen eigenwillige Kundgebungen man mit stiller Berehrung entgegennahm. — Elaudinr, zum Kleiber genöthigt, verfolgte nun, innerlich höchlichst belustigt, da» Tischgespräch. welche» zumeist um literarische-Tagesfragen sich drehte, die der junge Autor mit unnachsichtiger Strenge entschied. Wir die meisten der jüngeren MusensShne Rußland» dieser Tage, schwor er zur schwarzen Fahne de» Pessimismus und verhielt sich jeder neuen geistigen Production gegenübel vornehm ableh-end, kritisch »egirend. Halb Schopenhauer, halb Kyron, zählte er zu den Geistern »die verneinen", natürlich nur auf literarischem Gebiete, da auf der großen Bühne der Welthandel diesen Stürmern kein Lentil für ihren Zerstötnyg»- drang eröffnet war. »Haben Sie", frug die Dame de« Hause« sich respektvoll an ihn wendend, .da« Buch gelesen, da» Sie meiner Tochter letzthin zu senden die Freundlichkeit hatten." „Gelesen? Wozu denn?" lautete die nachlässige Entgegnung. „Ich meinte, ob auch Alle« wa« darin steht, sich für solch rin Mädchenauge eignet?". „Eignet!" Unsinn! Lerzeihen Sie, Maria Petrrwna, aber wann werden Sie den Zopf dieser veralteten Anschauungen endlich einmal ablegrn? Dealme, wenn ein Midchrn von sechtzzehn Jahren »ich» die naturalistische Schule rurchlausen durste, wie sollte da« moderne Schliff» da» ün 6«- «jede chi(|ue erlangt werden?" „Ader/' wendete Maria Petrowna schüchtern ein, .eine Mutier muß doch auch für di« moralische Entwicklung ihrer Kinder Sorge tragen?" „Oho, moralische Entwickelung. Larifari l Siebt e» hmtzutage noch etwa» derartige», so sollte e» mich freuen, wenn Sie mir angrben wollten, wo e» zu suchen, in welchem Schutt und Moder verkrachter philosophischer Systeme? Ha ha. moralisch« Entwicklung, da» riecht nach dem 18. Jahrhundert mit seinen «äsch-n, Allongrperücken, weißen, gestickten Manschetten, seidenen Soutanen; — da» ließe prächtig zu einer Warodi« sich verwerthe« —" und er zog sei« elegante» Elfenbeinetui heran« und sein lauge«, seidenweiche» Haar zurück», rsend, seiur jugendliche Stirn in krause Falten ziehend, Kritzelte er 4m» huie'y. ^- zLstndea.Sir die .Mildente " von Ibsen schön," h,uchte Btifflffily.?-: . " ■, ■ 4A/' - jetzt Ljuba an seiner Seite, die sichtlich unter dein dämpfen- 'den Eindruck de» Elfenbrintäfelchen» stand. .Schön," entgegnete er herablassend, da« Wort hat keine rechte Bedeutung für mlch. Alle»- ist schön, wa» wahr ist, und wahr ist, wa» die Wirklichkeit treu wiederfpiegelt, und de» hulb je häßlicher desto treuer, folglich desto schöner. Di« Literatur muß un» ein vollblütige» Eontrrfei de» Leben» bietene nicht etwa ein anämische» Zerrbild, wie e» in der Phantastlyrischer Dichter oder im speculationSsüchtigen tziri nacht, wandelnder Grübler sich spiegelt. Wa« den Ibsen betrifft, so hat der gute Mann manchmal recht nette Einfälle, hat auch schon viel Erträgliche» geliefert, aber für einen Parteiführer ist er zu zahm, viel zu zahm, überdies schon veraltet." Der hochweise' Ausdruck, den sein Gesicht zur Schau trug, contrastirtc auf'» possierlichste mit der jugendlichen Rund« und Frische derselbeu. .. Rach diesem kühnen Ausfall herrschte eine andächtige Stille bei der würdigen Tafelrunde, die indeß bald durch die sehr gesprächige Tanta, die jüngere Tochter de» Hause«, unterbrochen wurde. .Ach, Gregor Wasfilewitsch, könnten Sie uu» nicht sagen, welche Kunstwerke in Petersburg besonderer Beachtung werth sind? Unsere Freundin. Frau Professor Bertram, möchte dieselben besichtigen, und Sie wären der rechte Maon, un» mit Ihrem Rathe beizustehen." ..Kunstwerke? Wer in aller Welt beschäftigt sich heutzutage mit der Kunst? Mit etwa», da« so wenig positiv, so, so ideal ist?" — Er verzog geringschätzig den hübschen Mund und klopfte graziö» ein Stäubchen von dem tadellos sitzenden Salonrock. .Sehe» Sie, da muß ich Ihnen Recht geben, ganz meine Meinung," rief der breitschultrige Wirth dazwischen, dessen Bollmondsgeflchr durch den reichlichen Speisegenuß noch um einige Nuancen röthrr geworden war. „Ich behaupte doch immer, pyramidale, collossale Langweile, diese Kunst und dabei so theuer! Eine Arschin Leinwand, die vielleicht SO Kop. kostet, steigt, wenn ein geschickter Pinsel sie bestrichen hat, bi» auf zweibi» dreihundert Rubel und noch mehr und die Waare hat nicht einmal einen bestimmten Eour», da ihr Werth durch die Liebhaberei de» Käufer« willkürlich bestimmt wird. L'ist ein Skandal!" Da» Gespräch wurde jetzt allgemeiner und mit großer Lebhaftigkeit weitergesponnen, bi» Elaudine, Kopfweh vorschützend, sich entfernte. In'r Hotel zurückgekehrt, wandelte Elaudine sinnend in dem dämmrigen, stur vom Kaminfeuer erhellten Zimmer auf und ab. Au? dem seichten Geschwätz, dem sie eben eotrouuech hatte sie etwa» herausgehört, wa» ihr Anlaß zum Denk«, gab; — e» war die» t U echt moderne Geringschätzung der Kunst, die sich bei dem ganz Roben, wie bei de« verbiGet«^" . Blasirien gleichmäßig lundgub. Zn. anderer Zeit wMe^. D» ' Blasirien gleichmäßig lundgub. Zu anderer Zeit wMe^H» ■■v’.' , r

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