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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 27 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
27 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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HerauSgegeben von Dr. «. Malpatr in Magdeburg. /für Unterhaltung «nd Belehrung für die israelitische Familie. DaS „Stldifckr jffamilien-VUlll" erscheint wöchentlich als Vv«tt»-»rU»or zur ..Jaraelttischen Mach Jede» unbrfllptr Nachdruck au» diesem vlatlr M untersagt. — Die Einzelnummer kostet 10 Pfg. bei der Exvedil . «taudlnr .... Sie Wevöstorütye. Origi^al-RoveNe »»» A. 8. M. )2| , Fortsetzung.) .Genau genommen", begann Claudine zögrrnd .birgt da« projectirtt Gesetz vielleicht gar nicht ein solch Unrecht in stch, wie e« Dir erscheint." Mit einer schnellen"Wendung kehrte er* ihr sein blafft« Antlitz zu und sie sah die Zornesader auf der hoher Stirn schwellen. .Was, kein Unrecht? Nun ja, e« liegt einmal in deinem Wesen inimer Opposition zu machen, auch wenn Du d e über den in Rede stehenden Gegenstand noch gar keine Klarheit verschafft Haft." .Aber ich habe so viel darüber gelesen und sprechen hören, und," — .Gar nicht« hast Du," unterbrach er sie gerei?«. .Du bist in diesen Dingen nicht genügend unterrichtet, weißt nicht« von dem-Lust von Au«nahm«gesetzen, könntest auch die juridischen Daumschrauben und Fußangeln gar nicht ersoff m. und — urtheilst darauf Io#.“ .Ich wollte auch kein bestimmtes Urtheil fällen." enlgrgnete sie ruhig, »nur einfach die Frage aufwerfen. ob es denn gar so unrecht wäre, den Juden die eidliche Dci'vsirion, da« heißt eine gefährliche Waffe zu entziehen, wenn ,« wahr ist, wie behauptet wird, daß in Folge von Brvdneid »nd anderen au« ihrer unglücklichen Lage stch ergebenden Beweggründen, falsches Zeugniß so häusig bei ihnen oortommt?" .Eine schöne Logik," lachte er bitter auf, „weil einige Diebe stehlen, soll ein ganzes Volk hinter Schloß unt Riegel gesteckt werden, weil einige Schurken falsch schwören, oll die Rechtegültigkeit des Eide« Allen abgesprochen werden. Doch was nützt es, Dir Logik vorzudociren, da Dir die« eine und wichtigste Organ de« Denkvermögens absolut zu mangeln scheint." Logik und immer wieder Logik, wie oft haue sie die« Won zu hören bekommen, bi« es ihr schien, al» ob kein anderes im weiten Sprachgebiete mehr für ihn Vorhände t wäre. Analistren, Zergliedern war feine liebsie GeisteSoperatiin und diese befaßte sich nicht bloß mir leeren Formeln und starren Begriffen — nein, jede Empfindung, jede Regung, die rerschiedrnen Aeußerungen de« warmpulsirenden Leben« wurden unter die Lupe der Logik genommen, und so lange betastet, gemessen, secirt, bis der zarte Blüthenstaub, von der geheimnißvollen Psyche verwischt, bl« die stets wieder ausflockerude Flamme der Begeisterung verlösch: war und nichts zurückblieb, >ls eine graue Einöde, wo mitten unter Trümmern die Logik thrrnte. — Unmuthig wendete sie sich von diesem Bilde ab, tg« ihrer leicht erregbaren Phantasie vorschwebte: doch den «danken »ar nun etmnal wieder die gewohnte Richtung grgeten, die ln ihrem eigenwilligen Fluge emsig um das persönliche Leid . £ *. ' r~'-' schwirrten. Und zwischendurch klang der bittere Selbftvor» wurs, weshalb sie dir beengende Feffel de« persönlichen Kummer« nicht adzuftreisen, nicht über sich selbst sich zu erheben vermochte. In ihren Mädchenjahren, wo sie der Enttäuschung und Bitter niß doch genugsani erfahren, war e« ihr wohl möglich und nun, — sollte sie wirklich so klein geworden sein, so eingesponnen in ihr egoistische« Brüten, daß da« Unrecht ihr Blut nicht mehr in Wallung bringen, daß kein allgemeiner Gesichtspunkt sie dauernd beschäftigen, daß selbst da» Leid eine« ganzen Lotte« ihren Pul« nicht mehr in erhöhte Bewegung bringen konnte? Gewaltsam sich aufraffend trat sie auf ihren Mann zu und sagte freundlich aber bestimmt: „Josts, Du gehst einem Unternehmen entgegen, das, wie Tu selbst zugiebst, eine Gefahr in sich birgt. In solchem Momente darf die Frau an Deiner Seite nicht fehlen. »Nimm mich mit." „Wozu? Wa« könntest Du mir helfen'?" .Ich weiß nicht, aber mir ist, al« ob ich dabei fein müßte. Und wenn c« auch nur eine Schrulle wäre, gewähre sie mir," bar sie dringend. „Eine Schrulle", enrgegnete er mißunikhig; „ist e« erlaubt, solchen nachzuhängen, zu einer Zeit, wo die allgemeine Roth den Gipfelpunkt erreicht har und ernste unentwegte Abwehr heischt? Lerrrägl sich solch Verlangen mit Deinem Alter, da« doch eine größere Reife vorau«seyen sollte? Doch Tu wirst, glaube ich. nie eufhören ein Kind zu sein." „Run denn," rief sie, halb scherzend, hrlb geärgert, „wenn Du au« meiner so arg verpönten Jugendlichkeit keinen anderen Lonheil, als etwa Material für Deine Tadelsucht, gewinnen kannst, io fei es darum. Rechten möchte ich ob dieser Auffassung nicht mit Dir,, heute, an unserem Hochzeitstage, schon gar nicht, Rur laß', für heute zum mindesten, da« Kind in mir gelten und erfülle mir de» Wunsch, oder nenne e« die Laune dieser Reife." Bei Envähnung de« Hochzeitstages, dem leisen Borwurf der au« ihrer Stimme zitterte, stand er betroffen still. „Ich harre ganz vergessen, ich war bei der Sitzung so abforbin, und im Grunde" — er stockte und brach verlegen ab. „Im Grunde", ergänzte sie errüthend, „ist aiestr Gedenktag nicht so ein freudiger für un«, wie er billig sein sollt«. Laß un« jetzt nichr untersuchen, wem die» zur Last gelegt werden müßt«; nehmen wir lieber an, daß wir Beide unter dem Lerhän^niß kleinlicher Mißverständnisse stehen, »hne bi» nun einen Ausweg au« dem fatalen Ärei« ünden zu könueu. Oder ist die Derfchiedenheit unsere» Wesen» wirklich so groß, daß der Widerstreit nicht zu lösen wäre? Ich denke, «er ernstlich glücklich fein will, der ist e» auch, da da» Glück dem heiter Strebenden auf die Dauer nicht spröde wiiderstthsn kann." „Da» sind Phrasen, liebe Claudine", erwiedene er ernst. II

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