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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 26 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
26 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1H03 Heransgegcden von I)r. t*. «ntzmerin Magvcburg. Lur Umerhaltung uud Belehrung für die israelitische Familie Das „Jüdische jkamiltrn-»l»N" erscheint vbchentlich als Vrnti» - »eilayr zur Jeder unl»«Ul»tr Enchdrucki au» dtrkm »lnttr iS niitrrfngt — Die Einzelnummer kostet „JovnrUtifchrn «achrnschrM'" lv Of». bei der Exvedition. Ntauvine.*« die WerVstStüche. CtiqfnoI'^ostOc u»n A. S. M. 11) «Fortsetzung.; Da hatte sie da» alte Lied, in einer neuen Tonart wieder: da war er. der rothe Faden, der in fataür Weise ihr ganze« Leben durchzog, die klaffend« Wunde ilirt« Gemüthe«, di« bei der leisesten Berührung schmerzlich zusammenzuckle. «5« war die» der Contrast zwischen ihrem äußeren und inneren Menschen, dem ihr aufgedrnngenem Emst, der sie älter al» sie war erscheinen ließ, und der nach Brtisätigang ringenden, heiteren Jugendlichkeit — ein Mißverhältniß unter dem fic stei» unendlich gelitten. In einem Alter, wo die meisten Mädchen mit kecker Hand au» dem sprudelnden Jungbrunnen de«. Bergnügen» schöpfen, war sie ihrem äußeren Gebähten nach beinahe zur alten Jungfer gestcmpe r, hatte sie sich selbst in bitterer Selbstironie .Herbstzeitlose" zenannt, während eine Blutwallung »ach der anderen ihr heiß zu «opfe stieg. DieS unbändige, unausgeglichene Temperament, da» sie so oft, theil» al» Lächerlichkeit, «heil» al» tragisch,« Bcrhängniß empfand, glaubte sie nun in der Freihät de» Ehestandes frei walten laffen zu dürfen. Er wiirde sic verstehen, würde ihre eigenartige, auf Frohsinn und Ernst basi.lc Individualität ander», wie oje blöden Alltagsnienschen, beurtheilen und zu behandeln wiffen Mag sein, imß ihr wogende», durch jabrrlange Eomprimirung fast erstickte» Empsindcn, bei dem jähen Uebergang von der Hast zur Freiheit vielleicht in allzuledhafte» Tempo nerieth, — er, der starke, gelaffen« Mann würde die tzochstuth mir starker Hand schon eindämmcn uud in'» richtige Bett leitet, damit sie befruchtend da» umliegende Erdreich bewäffete. Aler nein, anstatt mit heiterer Ruhe ihren Ueherschwänglichkeiten zu wehren, wie» er sie mit herber Strenge zurück, bezeichnet« er jede, wenn auch ethisch gebotene Aufwallung al» Uebermaß, im besten Fall« al« nervöse Erregbarkeit, und hüllte sich ihr gegenüber in die Toga unnahbarer Würde. So schien e» ihr;uu> mindesten und eine riefe L itterkeil bemächtigte sich ihrer, angefichi» des Sacrilegium», da» täglich, wir sie sich übertreibend sagte, an ihrem scheu behüteten Innen- - leben verübt.wurde. Bei dieser naturgemäß immer ^unelnnenden Trübung ihre» sonst so klaren Urtheil», toniste sie zuletzt den Schlüssel zu seinem festgeliedensn, abgerundeten We en und da» Richtemaß nicht finden für seinen tiekinnerlichin, im Wirken, nicht in Worten sich äußernden Zdealitmu». Und doch konnte sie wieder mit der. jedem tieferen Gefühle anhaftenden Inconjeqneqz sein unentwegte» Streben, sc in rastlose» Schaffen, da« ihm keine Muß« zu psychologische» Beo- ^chtnnge» gestattet«, rückhaltilo« anerkenne«^ konnte «it stolz - r’rr'.iä.La.'-iik.*- - .... geschwellter Brust sich sägen, da» er der Mann sei, die thir u.ndräugenden Rath- und Hilfesuchenden mit taktfester Hand zu leiten und sich in den Mittelpunkt jeder Bewegung zu stellen. .Zu stellen?" nein, denn nicht» ängstigst« ihn so sehr, als die geräuschvolle Kundgebung der öffentlichen Anerkennung, der er bei jeder Gelegenheit sorglich au» dem Wege ging. Doch man suchte ihn, und war Noth an Mann, . so fand man ihn auch, und trat er einmal au» seiner stillen Ecke, so fielen ihm. gewiß die schwierigsten Aufgaben, die Lösung der verwickeltcsten «noten anheim. Hier hielt Elaudinr in ihrer Grübelei inne nnd in Erinnerung einer kleinen Scene, deren unbeobachtete Zeugin sie war, glitt ein helle» Lächeln über ihr feine», eben noch umdnsterteS Antlitz. In Folge von Bcrtrmus energischer Initiative war iit der Stadt ein Verein zur Hebung de» sehr niederen Niveau'» der ärmeren Glaubensgenoffen gegründet worden. Borträge sollten unrntgetlich gehalten, ei.:e Bibliothek gegründet. Bei-- träge herbcigeschafft werden und obwohl Bertram mit uner» müdlichem Eifer alle Hindernisse hinwegräuuite und im eigentlichen Sinne der Schöpfer des Werke» war, machte er bei Bildung des Eomitee'S es zur Bedingung, nicht an die Spitze gestellt zu werden. Herrn 2., einem ebenso reichen al« aufgedlaseneu, alten Herrn .vuroc, al» nominellem lweiter, da» Präsidium übertragen, und mit der ihm eigenen hochmürhigen Selvstbespiegelung spreizte er sich in Amt und Würde. Die anderen- Mitglieder, die unter seinem herrischen Stolz mehr oder minder in ihtcr Eitelkeit verletzt wurden, beschlossen, bei der Neuwahl im folgenden Jahre ihm da« Präsidium zu entziehen. Die Sitzung wurde in ihrer Wohnung abgelmlteu und so konnte Elaudine tut Nebenzimmer der erregten Debatte folgen, und mit freudiger Genugthuung mußt« sie sich gestehen, daß ihr Gatte der Einzig« war, der dir aufgewühlten Unmuthtzwogen niederzuhaltrn und das erforderliche Gleichouiß wiederherzustellen wußte. Er gab den Gereizten zu bedenken, von welcher Wichtigkeit die Stellung und der Einfluß de» Herrn S. . auf gewisse «reise sei und wie selbstdie Untugend seiner Eitelkeit, richtig behandelt, zum Segen für das Allen am Herzen liegende Werk gewandelt werden könne-; fo war er nahe daran eine völlige Umstimmung zu Gunsten von Herrn S. . zu erzeugen, al» dieser, den er al» seine» .persönlichen Gegner kannte, in'» Zimmer trat. Mit stolzer Würde von dem Ihm bereitgehalteoen Fauteuil am obere» End« de» Tische» Besitz ergreifend, geräuschvoll sich räutztzench und seine Brille wischend, ergriff er sofort das Wort: .Meine Herren", sagteer im Tone gnädiger Herablaffung .ich komme spät, aber ich komme doch. Wenn ich aber vo« meiner, wie Sie wiffen, sonst genau beobachteten Pünktlichkeit, viermal Umgang nahm, so geschah «£, weil ich. encstlich nnd lang« mit mir zu Statt» ging, ob und wie ich einen, für tzia gewih peinlichen Entschluß Ihnenmittheiten sollt«. Toch «»muß geschehe« — ich gtdenke, abzudanken!" OQgij>QQ

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