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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 25 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
25 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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•JW35. Jüdisches 1893, t LerauSgegcben öoii l>r. M «ahmer in Magdeburg. ur Unterhaltung nndUVelehrung für die israelitische Familie. I TaS „Jüdische MmUirn-vlatt" erscheint wöchentlich al« Vrali» » Veilagr zur „Israelitischen IVochimschvlfk" Jeder unbefugte vachdruck» au» diesem vlatte ift untersagt. — Die Einzelnummer kostet IS Pft^ bei der Expedition. Ltauditte »».- die yeröstötülye. Lrigiiial-Novelle vo»> A. S. M. " 10) ■ (Fortsetzung.) 1 Lime Claudinc'S Verwunderung zu bemerken, fuhr Bertram mit steigendem Eifer fort: „Und die Malerei, die Skulptur, wozu sollten die dienen? Die Einin behaupten, um die Natui treu zu kopieren, die Andern, um die Natur, im verschönernden Spiegel : der Kunst, in ihr ui idealen Zauber, uns zu zeigen. Haben ' dir Ersten recht, so bedürfen wir der Kunst nicht, denn wer, , eS fei denn der in sein Werk vernarrte Künstler, wird so - thöricht sein, die Kopie dem Original vorzuziehen? Ist aber £ die Kunst als verschönernder Spiegel zu betrachten, s) ist sie t nicht bloß überflüssig, sondern überdies verderblich, kenn um i, den Preis des vorübergehenden Genußes beim Anblick des ' fiktiven Schönen, tauschen wir ein dauerndes Mißbehagen ein, i ob des realen Unschönen, das uns, durch die Gegenüberstellung, i noch häßlicher erscheint." V Claudine lauschte mit wachsendeni Interesse und gepreßtem p Herzen dieser seltsamen Auseinandersetzung. Ist biefe zur £ Schau getragene Unwissenheit 'auf einem so weiten Gebiete, r;. nur Verstellung, dachte sie; ist sie die Selbstverkleineru igSsucht, t die scheinbar der Bescheidenheit, thatsächlich aber der Eitelkeit entspricht? Doch nein, diesem Manne liegt jede, der strengen Wahrheit zuwiderlaufend« Absichtlichkeit fern: überdies widerstrikt der schmerzlich-ernste GefichtSausdruck dieser Auffassung. Eo war er denn wirklich so arm und herzenskalt, daß die Poesie eS verschmähte ihn mir ihren goldenen Fittigen zu umwehen, sich eine Heimstätte in seiner Brust zu gründen? Sie fühlte fast Mitleid mit dem stolzen Geistesheros urd etwas davon klang in ihrer Stimme, al» sie, zu ihm au blickend, sagte: „Ihnen muß in Ihrer Kindheit von den Lippen der Mutter nie ein Liedchen geklungen, nie ein LerLclien zum Auswendiglernen vorgesagt worden sein." Frappiert schaute er in ihr von Sympathie erhelle» Gesicht und fand e» zum ersten Mal schön. Obwohl sein ästhetischer Sinn nicht genügend geweckt war, um der Formbildung einen besonderen Werth beizulegen, empfand er doch ein und« stimmte« Wohlbehagen, dar seinen aufstrigeuden Uumuth über ihre scheinbar unlogische, deshalb, wie er es geringschätzig taxirt«, recht weibliche Logik, entwaffnetr. Halb scherzenden Tone« erw derte er: „Eie haben allerdings richtig errathen.mein« schön, Pythia; doch steht gleichwohl Ihre Bemerkung zu meiner eben mtwickelten Ansicht in demselben incongrunten Berhältniß, wie die Aussprüche Ihre delphischen Borgäugerin zu den Fugen der Dumm-Gläubigen, die vor chrrm.Dreifuß in heiligen Schauern da» Kniee beugte». SS steckt in jeder «eligiou »ad ihrer Mzthologie, wie allbekaant. eine 2-ofiS Uu» -- der Vernunft war es aber, die Orakelsprüche des Gottes in den Mund eines Weibes zu legen. Daher alle Verwirrung und der schließliche Untergang eine» Volke», da» den Cultu» des Schönen auf seine Fahne» gesetzt, die Kunst zu einer welterlösenden Mission erhoben und, al» Krönung des Unsinne», von einem Weibe eine logische Antwort auf eine gestellte Frage' erheischte. Einem „Weibe", schloß er mit komischem Patho», „dar die Logik nur dem Namen nach kennt und solch ein Ding, wie den Causal-Nexu» als gar nicht vorhanden betrachtet". Claudine lachte hell auf und wieder mußte der Professor wahrnchmen, daß dieser ungezwungene Lachen, obwol)l ziemlich unehrerbietig, im Hinblick auf seine unantastbare Autorität, ihr doch gar gut stand. So frug er nur halb geärgert: „Weshalb lachen Sie eigentlich, mein Fräulein?" „Weil Sie die Logik stets im Munde führen," erwiderte sie heiter, „und doch, verzeihen Sie, in Ihrem ganzen Wesen völlig unlogisch sind." „Ich?" rief er erstaunt. „Ich wäre neugierig die Begrünhung zu hören." „Nun, ist eS nicht widerspruchsvoll, allem Idealen Hohn zu sprechen und dabei durch und durch Ideologe zu sein; den weicheren Regungen mit ängstlicher Scheu auü dem Wege zu gehen und dieselben täglich durch Wohlwollen und Wohlthun zu bethätigen? Ift eS logisch Kunst, Poesie, Schönheit und last not ieast das Weib, als Pcrsonisication jener lichtvollen oder dunklen Mächte zu verkleinern, zu schmähen, und doch in tiefster Brust ein ungestilltes Sehnen nach jenem undffinirbaren Etwas zu tragen, wa» nichts andere» ist, als da» Bedürfniß nach Poesie» Harmonie, Schönheit und vielleicht auch', fügte sie stockend hinzu, .nach der Verkörperung derselben, dem ewig Weiblichen, lind in der That," sagte sie ihn unbefangen unlachend, wie schall und leer wäre da» arbeit-rolle Leben des Mannes, ohne d -» lebendige Räthscl an seiner Sette, mit dessen Deutung und Losung er zum mindesten die Maßestunde» füllt." „Nun ja," sagte er in ihr lachende- Antlitz blickend, wenn Sie er so nehmen, Hab« ich nicht» dagegen einzuweaden. Di« Frau ist eben ein Spielzeug für die Erholungsstanden, ein kostbares, oft gefährliches, — aber immerhin ein hübscher Zeitvertreib. Und da man nicht immer eonsequent sein kann, so tritt die verkörperte Juconsrquen; in solchen Momenten harmonisch in unser Dasein und wird zum notwendigen Bestandtheil derselben. — Wollen Sie mein Fräulein," sagte er, . ohne jede Vermittlung, plötzlich in sehr ernstem Dorre, „wollen- ~ Sie in diesem Sinne oder in welchem e» Ihnen be iiebt, «et» Dasein verschönern, so soll «S mir eine Freude, ja gewissermaßen eiu Glück sein, da» heißt wenn man «ine« anfaßba» Schemen so nennen darf." Sr wischte sich erschöpft der Schweiß von . der Sttrn^ athmet« erleichtert auf, da mm die fQlatart und ssmtt da- Schwerste "

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