Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 24 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 4)
- Language
- German
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aobt e«! dir find unser Unolflct! - geraubt mt List da« Glück! rrmdro »ageu es, aus «»serm Boden. Den ivir &tfi$en seit Jalittausenden. Den unste Annen vor de» Römern wahrten. Die Bättr vor de« Cott-m Wut «schützt, Dtauf jene nickl da« kleinste Recht besitzen. Ach ausznsvielen al« die rechte» Herrn Und frei darauf zu walten, wie B^sttzer! Die Inden zehren an de« Volke« Mark Und «ihren aieria stch von feinem. Blute. BernichKt haben sie da« Handwerk schon. Jetzt soll der Bauer ihrer Gier verfallen! Ae schmäh'» da« heil'ge. deutsche Vaterland Und halten e« mit seinen schlimmsten Feinden! Ae höhnen unser reine« Christenchum, Und ihrer Priester gottverdammte AÄiften Erlauben gegen Christen Lug und Trug! Mit unerlaubten, Deutschen fremden Mitteln Erschleichen sie stch Gold und Amt und Ruhm! Ae essen frech und schamlos an« den Schütteln. Die wir. die Deutschen, wir, die Christen, sull'n! Und jagen un« davon mit Lästerreden! „Nicht find wir lieblos, kennen nicht den Hast! Doch den Geduldigsten muh Grimm erfassen. Wenn also er gekrankt wird und verletzt Ja seinen schönst«!, heiligsten Gefühlen! Nicht greifen an wir, wir verleid'gen un»! So wäre ein Geschöpf auf Gotte« Erde, i« prei« stch giebt 'al« Opfer ohne Wehr Dem hiuterllft'ge» ränkevollen Feinde!? Verteidigt Euch und schließt die Reihen fest! Fühlt Euer onsch Blut in Euer« Adern, Entfaltet kühn de« Christentum« Panier, Da« Sitte vstantte in die Menschen Herzen, Davon die Tugend strömt al» ew'aer Quell! Mt Euch ist Gott, der seinen Sohn Euch sandte! Zerbrecht da« Joch der fremden Tyrannei! Seid deutsche Christen! nicht der Juden Knechte! Macht Euch vom Druck der fremden Schufte frei! Mittchuldig macht sich selbst, wer ander« dächte!" Nun dröhnt der enge Raum vom Beifallruf, 8« regen hundert Hände sich zum »latschen. Der Funke fiel, entzündet ist der Brand Und wächst zur Flamme, lodernd und begehrlich Die Leidenschaft erwach:! wie Meererflut Vom Sturm gepeitscht die Felsen überbrandet. So fällt ein Tropfen nur vom gift'gen Hast In'« Herz und überschäumt die oeff're Regung! — Der Redner steht die Wogen und die Flur, Er blickt hinein und lächelt d'rob zufrieden! Die Menge wälzt und »rängt zum Ausgang stch Man schreii: „Den Juden Tod, den fremden Hunden!" „Auf ihre Häuser steckt den roten Hahn!" „Die Juden haben unser Glück gestohlen!" Da» tobt und tost und brüllt so wüst und wirr. Al« wär' der Hölle schwarze Schaar entfeffelt! Da plötzlich stutzt di: Menge, wie betäubt! Die Schreier werden still und stumm allmählich Und aller Augen richten fich zur Thür — Er ist, als ginge Gotte« Geist durch'» Zimmer! Die Thür ward offen. Ein Greis mit wallenl Die Zeit hat tausend Und seinen welken Wangen eingegraben; E« blieben nur die Auren frisch und jung. Die blicken ernst und bücken doch so milde. Al« wäf ihr Blick von einer andern Wett! Wie Zauber bannen fie die tolle Menge. Snd lest ergreift hie neunzigjäbr'ge Hand u« seine« Diener« Arm, der ihm zur Alte. Die Rolle von vergilbtem Pergament. D'rauf in hebrä'schr Schrift die Leine Mose», Dajüdische Gesetz, geschieben steht: Er hebt fie hoch als uär fie feine Schutzwehr — „Im Name« Gotte«, meldjer einzig ist!" Spricht feierlich lodanb der Meile Rabbi. Ae kennen alle ihn und lieben ihn. Wie »inder ihren tremit Vater liebem Ob er auch Jude, sie doch Christen find! Denn aller» war er Frmnd und allen Helfer; Nicht einer ging »och unerhört von ihm, Sein Her» war allen Sstützoelad'nen offen! „Im Kamen Gotte«!" ruft er. noch einmal vard offen, und e« steht darin wallend schneemwersten'Locken, ausend Sinnen seiner Stirn Und scheitet vor — fie machen eine Gasse Und «eichen, wie beschämt vot ihm zurück. Er aber ging mit festem Fast -um Redner. Der blaß »Ä> bleicht nouKauspiel sah; Er wollte spotten, doch die Ehrfurcht ftegte, Der Spott erstarb auf seinem Lästermund. Nur eine« etarge«, kurzen Blick ihm gönnend, Begann der Grei« zu sprechen, — ruhig ward« Und alle bliebe», um sein Dort zu hören. „Gar wundersame Zeitung ward mir kund!" Hub an der Grel«, „die meine Seele schmerzte! Doch Gott ist gnädig — er verzeiht so gern! Und so vermag auch ich Euch «ich zu grollen! Ich leb' fast neunzig Jahre unter Euch! »er bückte ich zuerst da« Licht der Sonne. Die fteuudlich ob der ganzen Erde lacht, — Sier spiest aw »nabe ich mit Euren Vätern nd Hab' mit ihnen Luft und Leid geteilt. Dana ging ich fort, von Witte»«draag «trieben; Doch zu der Heimat zog'« zurück mein Herz! Ae nef mich und ich folgt' dem Rufe freudig; ähr blieb ich treu und wollt' mich trenne« nie o» ihrem Boden und von ihren Mensche«. Fast sechzig Jahre gingen in da» Grab, <s*u hier ich rnttf al» Lehrer, wirf al« Priester — Und dennoch soll ich fremden Stamme» sein!? Soll nicht zu Euch mich fürder zählen dürfen!? O, nimmermehr! ich bin kein Fremdlina! bin Ei« Deutscher, und ich denke e» zu bleiben! De» jüngsten, hoffnungsvollen Sohne« Blut tat Krautteich« Erd« damal« mir getrunken, l« deutsche Kraft das welsche Joch zerbrach! Solch' Opfer habe Deutschland uh gegeben. Und Fremde nennt die Inden jener Mann? O. glaubt ihm nicht! o, glaubet Eurem Herzen! Schaut her auf diese« alle Pergament! Da steh'n die zehn Gebote, die Ihr lerntet, Al« Euer Herz der Sttte Keim empfing! Da» ist die Judenlehre, und die Liebe Zu a l l e n Menschen fordert Mose'« Buch! Der Juden Teuchel stehet allen offen. Wie Salomo aetthrt, der Friedesurft! Da« oberste Gesetz. da» ist die L i e b e! Der Sünde« größte, schwerste ist der Hast! Sogt alle — lebte, lehrte je ich ander«? Seid Zeuge« gegen mich wenn ihr e» könnt! Er schwieg und blickte frei fich um. wie fragend: Da keiner widersprach so fuhr er fort: „Ihr seid bethütt durch gleißend schöne Worte; Die Lüge liebt da« strahlende Gewand! äm Namen Gotte«! rufe ich mm Dritten, «m Lügner dyn verschliestet Euer Ohr, Und haltet Friede! hegt im Herzen Liebe! Wir alle find die Kinder eine« Gott«! Drum ist e« Bruder ha st, wenn wir un» hatten! Was soll'n die Waffen un« de« grimmen Spott«? Wer frevelnd fie erhebt, hat Gott verlassen!?' Er endete, und eine heil'ge Glut Entströmte, Andacht weckend, seinen Augen. Er hob. wie segnend, seine rechte Hand, Derweil' die Link hielt die Thorahrolle Und wollk geh'n — doch zu ihm drängte fich Die Menge, tiefbewegt von seinen Worten. Im Kust verühren wollten ste die Hand, Und manchem hingen Thränen an den Wimpern, Der Redner, der die Jliden ftech beschimpft Und stolz fich brüstete mit hohle« Worten. - War längst gestoh'n und. Zorn in seiner Brust, Verliest er unbemerkt da« stille Städtchen. Drin»' wohnen blieb der Friede alle Zeit, Und, als nach Jahre»frist verschieb der Rabbi, Da» Wörtchen „Frieden!" stammelnd noch zuletzt. Da weinte« mit den Juden auch die Christen. Die Trauer schlich sich ein in jede» Herz. Und alle mochte» den Verlust empfinden. Doch nimmer wütet dort der Giauben«kamps, Der Friede blieb dem Ott al» sein Lermächtni«! Frankenberg l. S. Richard Landau. A. 8. ftmWni Ji»M: (Min *M* Mt H«»fIblüM«. CttynaMbMlU som Hl (F-tfttznng) — fftttMOtr. «wi «. »«»»testet», (kchttch). — «l>,M»R»n»s «tMcht von «ich Land««. ottl. Redottem Dr, Rahnier, Magdeburg. Druck: Frtedrich Rgsche * 9k