Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 24 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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HeranSgegeben von Dp. «. «ich«» in Ragdebarg. 3«r Unterhaltung und^Zelehrnng für die i-raelitifche Familie. i Da» j9IMfi|r erschetut wöchentlich al« Nk-att»»OpNugr zur „AavaNtttfchen Mock>enllhPlft" Sedp» uu»rft,»te Wächdouch an» diese«: Blrtfe ist mtfnfMt. — Die Einzelnummer tostet 10 OfG, bei »er Erkrdltion. Utnndiue .»» die WerSstöküty, . Lriginal-Novell« v», A. 8. M. (Fortsetzung.) »Ein Studirnobjrkt also* Mtinetwegen; eS sollt« «ich durchaus nicht verletzrn als Material zu dienen, wenn ich die Ersprießlichkeit diese« Studium« nur eiasehen köaute." »Wie. Sir erkenne« dir Nützlichkeit desselben nicht an? Sie. der sich so eingehend mit wiffenschastlichen Forschungen besaht, halten da» komplitzierteft« Objekt derselben, den Mcnschen, keiner besonderen Beachtung werth?" »Wir rubricieren doch ohnehin und weisen in der Entwicklungsgeschichte der Lebewesen dem obersten Säugether den Gebührenden und «tneu weit größereil Platz an, alb den c nderen Ordnungen. Wozu also eine ganz extra Sauce für die Sattung »Mensch", die nur dem Srad«, nicht der Art «ach v,n den anderen sich unterscheidet?" — »Aber wenn e» auch wahr ist," wendete sie ei«, »daß der menschlich« Organi»mn« nicht al« ganz eigenartig, sondern nur in progrensfiv^nrfstrigmdei- Folge »an den früheren Entwicklungsstufen sich absondert, so verdient er dessenungeachtet in seiner gegenwärtigen Compiikation Lach eine besondere Behandlung und Erforschung, — sei e» auch nnr al« vorläufig letzter Ring ia der Wesenkrtte." »Zn welchem Zweck wollten Sie eigentlich den newickelteu Snoten, »Mensch" geheißen, lösen?" .Um ihn in seine Bestaudtheile zerlegend' genau zu erkennen und — beherrschen z« lernen," sagt« «llaudine mit stolz erhobenem Sops«. »Da haben «Ir da« unverfälschte Frauengemüth," lachte tram, »da», verzeihen Sie, im weißen Fell verlargene ' Katzenpfötchen. Erst wird die Wiffenschast, Menschenwüi de, die allgemeine Schätzung in'« Feld geführt, — alle» die« nur al« ^Mittel zum Zweck, und der große Zweck, der allein«,,«, auf 'den die Frau ihr Augeomttt richtet, für den sie in begienztem ^MesichtSkreise lebt und wirkt und sich und Andern opfcrt, ist - die Beherrschung de» genug waseuimnw. »Ich sprach vom Menschen, nicht bldß vom Manne. Doch Sie haben recht," fuhr sie leichthin fort. »Der Man» beherrscht die Welt, di« Frau den Mann, so hat Jeder dm ihm zugrwiesenrn Anthtil. Nur muß die Fra, auf die Eitelkeit 'der Befihergreifung verzichten, wenn sie wirklich besitzen will; sie darf nicht zu herrschen fcheiueu, wen» sie herrsche» soll und der Letzte, der da« Seheinmiß ihrer Rächt erfährt, sei der Raun, der arm« Verblendete, der sich unangreifbar in süner Sroßwachtstellung dünkt und doch nur der erste Diener in seinem.Staate ist." Bertram räu«verte sich und machte ein Besicht, >1» ob Essig geschluckt hätte. »Vmm chte« Ihr Ernst ist, mein FrLuleiu, s» ge nähren da, allerdingtz mit ämrkenneuswerther OsWJnrigkit, zen«. Daß dort Slipyen, Untiefen vorhanden find, wußte ich zwar vom Hörensagen; da» Ihrige dachte ich «t: aber doch rin lveuig ander», ein wenig abweichend von der allgemeinen Regel. Und nun —" »Und nun," unterbrach sie ihn lachend, »htt Sie Ihr Scharfsinn zu einem Fehlschluß verleitet; — «cur gerechte Strafe für deu logischen Widerspruch, vermöge defen Sie daö Menschengeschlecht in die Zwangsjacke der Ricbrik stecke» und dann, auf den ersten Blick, ohne jeden Anhaltspunkt, eine Ausnahme kouftatiren. Und wenn diese AuSnalpne wieder nicht genau auf da» eigen» für sie rugeschllittent Manß paßt, —. erneuerte Enttäuschung, die Folge de» weiteren IrrthumS» eine Frau, die« verwickeltest« Wesen, nach ihre« eigenen Sentenzen und Aeußrrungeu beurthrilen zu wollen." »Also auch Brrstellnug, Doppelzüngigkeit, Zweideutigkeit," lächelte der Professor gezwungen. Sin schöne« Longlomerat vo» ' Eigenschaften, dir Sie für da« genug femininnn postulirr» und für die Ihnen Ihr Geschlecht rin Denkmal bri Lebzeiten l setzen müßte." j Da» Gespräch gerieth in'» Stocken; Beide sühlten, daß l sie keinen Boden unter den Füßen hätten und ein ihnen. selbst ‘ unbegreifliche« Mißbehagen bemächtigt« sich ihrer, .'stach einigen vergeblichen Versuche» einen unbefangen««» Don -fl nzuschlagen | entfernte sich Bertram. Claudiue eilte hochaufathmend auf ihre Zimmer. »Wie gut," dacht« sie, »baßer rudlich fort ist, der eitle hochcnüthige* — > Narr, wollte sie sagen, da hielt st« plötzlich iune. Wie, war die Narrheit nicht auf ihrer Seite und hatte fi>: nn diese» lagt nicht eine ganz klägliche, ihrer unwürdige Stolze gespielt?; Gespielt! sie, die jedem Schein, jeder Bemäntelung sorst so ängstlich au» denc Wege ging. Und den Ton räuhelicder Leichtfertigkeit hatte sie angeschlagen, der in ihrem Munt« besonder» gekünstelt und falsch erllang, und der Zweideutigkeit hatte sie, die leidenschaftlich der Ergründung de» Wahren fich hin^-b, da» Wort geredet. Die» «Ule» just de« Manne gegenüber» - den fie wegen de» Ernste» und der Wahrheit hochhielt, die den Kernpunkt seine» Eharakier» bildeten. Wie mußte er sie ob solch jämmerlichen Wortgeplänkels verachten, ob di r Flunkerei» : wie fie e» in strenger Selbstrügt nauute. Bi» tief in die Rocht hinein saß fie, deu klopf in bi« Hand gestützt, am Fenster and blickt« durch di« halt gefrorenen l Scheibe« auf die immer leerer werdrnd« Straße. Sie suchte j Jemand, der» wie e« ihr schien, diese« Weg niemals wehr > »anbei» würde- und doch — fie Iprang erregt cuf upd eine. . heiße Schcnnrüthe brannte auf ihre« Gesichte — mußte sie i ih« wenigsten« »och einmal Wiedersehen, oiußte ihm ein« a»-^ I Herr Meinung vo» fich bridriugen, denn mit dtesk» Zerr l ihre« besseren Ich durfte er von ihr nicht scheiden, j Der Gegenstand ihrer Erregung befand sich pritti - ia ähnlicher, wmrig neideuSwerther Ststmmuig. Witz'