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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 23 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
23 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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*3. Jitdisches L8S3. Herau«gegtbri> von #f- M. Wi|«« in Magdeburg. Zur U»terh«lt«ug und Belehrung für die israelitische Familie. Da, „mm krr uubrfkgtr »«, it jr«BÜI«i-»UH" erscheint wöcientltch ol» Wp«ti»»»etl,gr zur „I»r»rltttkchrn Wochrnfchvtsk" idru» »»» diese« »lütte ist un teefegt. — Die Einzelnummer rostet >0 »fg. bei der vidcmHor. Ltimdinr •»« Sie WrvVftVMtye. Ortaiual-Rovcll« von A.S. M. (Fortsetzung.) In einem kleinen Städtchen «n der rusflsch-preutz schen euze geboren, hatte Joseph wie die meisten Knaben seine«' Um» ebung, bi, zu seinem vierzehnte» Jahre »»«schließlich mi: dem irlernrn der hebräische» Sprach« fich befaßt. Mit Hilf« «ine» - wisse«,kundigen Rrlammed (Lehrpr) und dessen gar nicht Hm» s.Hen Stocke, hatte er glücklich da, Cheder (die jüdisch« Shule) «ds»l»in, »ad dann im Talmud — der Universal-Encyclopädie de, Jndenthum, — so viel Kenntnisse, Weltwriöheit, «Spitz- «digkeit, Sophisterei geschbpft, al, sei»« ungewöhnliche, selbst scherssinnigen Kinder de, Ghetto »»eit überragende Frühreife ihm ermöglichte. Sein Later, «in armer Talmudjl nger, r die Lehre zum Spaten machte und doch keine Schätze sich st ihr ergrub, bestimmte den kleinen "Jlluj" (d. h. Genie) zum iuer und schwelgte i« Lorgennß der Ehren, die der einst ate Sohn, der zukünftig« Pfeiler der rabbinischen «taste, sein alte« Haupt häufe» würde. Wie erschüttern!«, ja 'geradezu niederschmetternd mußt« ans ihn demnach die irröff- »ung wirken, die sein' Josef, sein »rstgeborener, ihm eine« ^Tagc« machte, daß ihn nach der verbotenen Frucht der prol-fanen Erkenntniß gelüste und daß er ei» heiß«, »erlangen «rage» nach Deutschland »n pilgern, um jene Frucht an ihrer .Pflanzstätte zu pflücke». »Rach Deutschland» diesem Herd der Lerderbniß und Gottlosigkeit, diesem Höllenpfuhl?", schrie sein Vater, kirsch. vor Zorn im Gesichte. ,Ei, seht mir doch den lluver- "schämten, nach Deutschland! Worum nicht lieber gleich zur Taufe? Da, wäre doch der kürzere Weg zu dem Ziee, zu tzem Du auf diese Weise ohnehin gelangen mutzt." Der Gedanke, der dem Knabe» durch den während der Ferien im Elternhause weilenden Studenten H., dem «Sohne de, verhatzten Neuerer, de, Städtchen,, nahegelegt ward«, war daher auch so absurd, so ungeheuerlich, da, alle An^hörigrn »nd Freunde der Familie fich versammelten, um zu berathen, wie der Dibbeck (böse Dämon) au, dem sonst so Hellen Kopfe de, Knaben autzutrriben sei. Die Mutter jammert, und «einte, der Later drohte mit dem Fluiht undließ e, nel«n bei an gewiffen schlagenden Argumenten nicht fehlen; die verwandten schlugen die verslhiedeuften Mittel vor, unter denen «ine, der wirksamsten „ba* «bsprechen" erschien. — ein« unter leise gemurmelten Segeu»oüns<hen vorgeuommene Verbrennung Httaisser Kräuter angeficht» de, Patieute», behust.Paralr firnng ' geftirchteten »bösen Auge,". Sogar der fitherste Rvth- Zritk» drängender Gefahr, ein« Fahrt zw» Wunder- (t lp an dte hüchsi» Ärstanz. msbt in HsfWP, genonlmen, al, der kleine Patient rin«, schöne» Tage, alle« | versuchten und beabsichtigten Heilmethoden und Wundercuren ' fich kühnen Muthe, entzog und — spurlo, verschwand. : Er bettelte »nd huugerte fich bi, nach Berlin durch, wo I e, ihm nach unsäglichen Entbehrungen durch Bermitttung eine, mitleidigen Lehrer«, endlich gelang, «ine» Freiplatz in einer Schale und einige Freitische zu erlangen. Hocherfreut über diese unerwartet günstige Wendung in seinem Geschicke» di« «, ihm möglich machte, nur drei Tage in der Woche zu darbe», ging er uni, mit verzehrendem Eifer an die Arbeit, welche ihn zu großen Zielen führen sollte. Mit welch' harter Roth er während dieser langen Lehrjahr« zu ringen hatte, da, weiß Jeder, der da, jammervolle Dasein de, modernen Proletariat, in den großen Städten, die ftierende, hungernde Student«»- schost in der Nähe gesehen. Je ernster der Kampf, desto schwerer der Steg; und wer inag fie zähle» die Kräfte, die in diesem Kampf gebrochen, die Talente, die zertreten, die jugendlichen Existenzen, die unbarmherzig zerstört werben! Bettram's Kraft erlahmte nicht, sie erstarkte vielmehr im harten Ringen. Seine Begabung enttaltete sich zu ungeahnter Blüthe, sein Charakter krystallifirte sich zu unerschütterlicher Festigkeit, — nur da, Gemüth ging leer au,. Porst«, Schönheitdstnn, die befruchtende Gabe der Bewunderung, all die »anen Schützlinge, die de« warmen Sonnenlichtzu ihrem Wachöthum bedürsen, erstarrten unter dem eisigen Hauch der- Armuth und der inneren Kälte. Der Mangel an'Liebe und der Mangel an Brod senkten sich wie dunkle Schatten auf da, jugendliche Empfinden und ließen e« ftöstelnd verkümmern. So reiste er mit verblüffender Schnelligkeit, ober mit ebenso erstaunlicher Einseitigkeit zum Manne, und klemm von Stufe zu Stufe zum ersehnten Gipfel empor. Nachdem er' den Doktorhut an der medizinischen Facultät erlangt und durch seine Dissertation in Fachkreisen allgemeine« Aufsehen erregt hatte, wurde er, da er da, Lehramt der fteien Praxi, vorzog, in überraschend kurzen Zwischenräumen von der Docentur zur Profeffur und von dieser zum Rektorat befördert. Die Erlangung der höchsten academischen Ehren, die ihm säst ohne Wettbewerb zufielen, «in beispielloser Erfolg für den fremde», protektionölosen Juden, >var nicht blo, auf Rechnung seiner gcisttgen Ueberlegenhrit und wiffenschaftlichen Eignung zu fetzen; da« Sesam, vermittelst dessen alle Pfotten in der geisietstolzen, exclusiven Weltstadt sich ihm aufthateu, war zunächst i» sei»« specifisch jüdischen Eigenschaft der Welttlugheit zu suck»», »an» auch in der ganz individuellen der ÄefühlUälte, die i» dem steinigen Boden «ine, starren Recht,sinn«, ihre knorrigen . Wurzln hatte. Dieser Rechwstnn wie seine Gefülstbarmutst ließen ihn gleichmäßig davor zurückwr scheu, Jemand zu verpflichtet zu seiu.wodurch er, sagte n sich Ml» .«» jf/Uftu Uugbhävgigtitt nicht «^.-bereetziM^

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