Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 22 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bor diese Alternative find die Inden tn alt« und in neue» Zeiten »st gestellt Worden, und habe« fast immer da» Erster« gewählt. Sie haben sich tan grasten Elend preisgegeben, find heimathlo« in die unwirthliche Freust« gezogen, aber haben nie dir Gottheit aufgegebrn, .die fit im Geiste erkennen, jenes höchste Wesen, da» wrder darstellbar noch vergänglich ist-, unv blieben dem Glauben ihrer Väter auch noch tteu, wenn sie gezwungen waren, ihm äusterlich zu entsagen. Wenn Legionen Jerusalem zerstüreu konnten, da» Jn» henthum selbst konnten sie nicht schleifen) Und was sollten sie für da« Aufgegebene eintauschen? Nn au« aller Herren Länder zusammengewürfelte« Konglomerat von Göttern und Göttinnen; einen Götzendienst, der ihnen am Sinai feierlichst i verb>ten worden ist, und sollten Sitten und Gebräuche, die! ihnen he-lig waren, für andere hingebrn, die ihnen Abscheu einflöstten? Aber betrachten wir un« doch einmal da« sittliche Leben der stolzen Römer gegenüber de« jener Heimathloseu und Lerfolgten, die fich trotz der gedrückten Stellung, die fie in der Gesellschaft einnahm Mi, dennoch »wegen ihrer unwandelvareu Frömmigkeit, ihre» sttengen Gehorsam« gegen da« Gesetz, ihrer Bedürfnistlosigkeir, ihrer Wohlthätigkeit, ihre« ernttächtigen Leben« unter einander, ihrer Todesverachtung im Kriege, ihre« Fleiste« im Handtverk und im Ackerbau im Frieden, und «egen ihre« unerschütterliche» Gottoertrauen«, dennoch , Freunde und Anhänger zu erwerben wußten"'). So war der innere Jul« beschaffen, den der Römer gar , nicht kannte und e« ist traurig-genug, daß er ihn nur nach i seinem Aeußern beurtheilte und ihm deshalb da« Fremdarttge . feiner Erscheinung mißfällt, welche« nicht einmal seine Schuld war. Seit der Zerstörung de« Tempel« und früher schon . waren die Juden durch ihre Eroberer genöthigt, ftemde Sprache «t erlernen, und ihre eigene zu vernachlässigen, ohne fich jene i gründlich angeeignet fu haben, denn noch ehe fie soweit waren, mußten sic schön wieder den Wanderstab. ergreifen. Dann kamen fie in ärmlichen Verhältnissen al« Kriegsgefangene oder al« Flüchtlinge hierhin und dorthin, in fremde Länder, wo fie al« Feinde betrachtet wurden, nur kümmerlich ihr Brov verdienen konnten und ihnen nur selten Gelegenheit geboten i »der Zeit gelaffen wurde, sich emporzuarbeiten und zu asstnii- ' liren. Der Jude mar fast >>nmer in der Tia«pora ein mit Staub bedeckter müder Wanderer, dem allenthalben Thor und Thür verschloffen war, und doch verlangte man von ihn«, daß er sogar äusterlich dem in Sicherhett Wohnenden gleiche, stugS : andere Gewohnheiten annehme und seine Gebräuche ablege.! Mit etwa« Nachsicht und ein wenig mehr Menschenfreundlich- I keit wäre e« am End« anch ganz gut gegangen, wie e« ja in in der That später in Italien und Spanien gegangen Ist^). Wir sehen, daß der Jude jener Zeit bei« besten Willen gar ' nicht ander« sein konnte; ivi umgekehrten Fall« wäre r« wahr- , scheinlich auch nicht viel ander«. Dieser war bei fich zu Ha»ise in Ruhe und Sicherheit, genoß da« Leben in vollen Zügen, pflegte dir Behaglichkeit und den Luxu« und gab viel auf Aeußerlichkeiten, aber wie war e« mit seinem Innern bestellt? (Forts,yun, folgt.) Allerlei. i «Umrierc ft »er st«, A»tts«>»ittäM«m. In einem geistvollen Essay bejaht Moritz Karriere die Frage: »Eiebt e« nochHalbwilde in Euroya V unter Hinwne auf die AnSfchrettuugen de- Antisemitirmu«. Uebrr diesen äußert fich der berühmte, keineswegs übermäßig ’ tzhilosemttisch^sinntr Aesttaiker: »Die Halbwildbett ist noch da, euch in der Art und Weise, wie der Antisrmitiömu« oft ta« Raf enhaß »eckt »nd schürt, statt durch treue Arbeit und 5 »oechselkeitiae Hilft de« Sermanenthum« sich der AuSwüMe «her I Uebästüiieumgen des Judenchum» zu erwehren und da» allgemeine Mrnschenthum, die Bildung und Gesinnung überall anzuerkennen." Vv« der Landstraße deS Ledenvon M«k Weiuderg. (Nachstruck ohne EttaustnG de« Berfaffer« verdoteu.) Wenn nach de« Tage« Last da« Buch ich zugeschlagen. Ernüdei oft und abgemattet, Ich tränmrisch langsam durch die Sttasten wallte, Die Menschenwelle maß, die fich vorüderwälzte. Berzog oft unwillkürlich zuckend fich der Mund, Ster zum Bedauern, dorten zum Belächeln ni> bunt Gebilde zog durch mein Gehirm Ka!eido«koprnbaft verschwommen Dann diese Bilder mir und waren Nicht wieder lo« zu werden, nicht zu bannen. Bis ich sie umschuf mir zu neuem Sein, Hier einen Kopf anseltt' und da rin Bein Und dort in Kleider sie gesteckt. Wo« dran« geworden daun für Wesen Magst, lieber Leser, selbst nun lesen. De» Mantel nach deui Winde tragen, Zu lächeln, statt .Rein" und „3ar* *u sagen Den Esel meinen und den Sack zu schlagen. Ist nru'ste Mod« in unser« Tagen. ♦ . * Huhn, warum ein solch Gegacker Für da» winzig kleine Ei, Bist du auch von jener Sippschaft. Kleine That und groß Geschrei? 1u krieche» statt zu gehen, u knicen, statt zu stehen, »«reiten statt verschmähen ab' vielfach ich gesehen. ■'i ■71 I 'j 4 )lu» dem -pruchschade» Tcktmud. Vortisch übertragen b»n Bi«r 8 r t» b «rg. Leng ist der stebenokrauz, nur wenig Lust dazwischen, vram sollst du Freud» nicht mit Freud« mischen, Venn soll Dein Freudentheil fllr'o leben wahre» Darfst du nur mastvoll davon zehren. (JftUrat W^oseh 1»5> « . « Besser wohl al» sechzig Linder, Die noch vor dir sterben, Ist »in einzig lebenokrltst'ge», V«g dich kann beerben. » (Lada daldr» »t.) Bätt'st wohl di« Verl« nie erblickt, Vitt' ich den Stein nicht beisett« gerückt. (ck«da»otd «.) ♦ Ä der chxecutor vom eigenen BkUt vor ihm doppelt auf deiner ^nt. (Jom» 18.) 4t# jn enge» Letter Zwei Raben auf rinem Brette. (koroocdit rodd«, 67.) < A .1 i 4 ') Vowmse» V, 550. •) Jos. r. Ap. II 39. Auch Leneea — De nsent in p. 427 — »e,nt: .solch« Macht baden di« Brauche diese« tykMt verruchte» voll e» bereit» gewonnen, daß sie in »Dn Länder» ei»geführt find; fie, di« Beliegten, haben ihre« Siezern <»«s«g« gegeben.' '■ ftlüdewan», Erzietzangwoeie» der Jude» in Italie». Znchiitt: GlaWin« ober di« Herststblmhe. Original-Novell« von A. S.V(!fottf<*■«*>. — ZrilbtlberII. von «. »itdorstein-BreNau. — -.'M Altettei: (larttstrr An de» »mffemiügmn». — Km ta Landstraße de» .. Mm. «»«dich» »0» »ar «einstig. An« de» «prmtzschah »e» rrn. - mn». GoUisch Üdertrage« von M«r Woinberg. -v-j Berantwonl.Redakteurvr. Rahmer, Magdeburg. Drnck: Friedrich Rafche st E». Magdchwcg. Verlag: > ob. ,^kistsL)