Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 20 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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frfnigt&Un tn Dr. M. M«%M*t l* *•«&*&«*»> Zur Unterhaltung »nt Belehrung fiir die israelitische Familie. ^Inhalt Elanbiue» dt« Herbftblüche Original-Rwelle von A. 8 V (Fortsetzung.) — gawi Theater in Ghetto ao». Xen-Vart. Von Ernst ». Helse-Warteaa. H. — Dt« grau in Jnbenthnni. — Erbaut! — Boa der AetrBrafce d«4Leben» Epmchdxhtuagev voa Max Aeiaberg. «arrkrauung. — Ra« dem Sprachschatz de« Talmud. Poetisch Übertragen von Mar Weinberg. : <lln»eta,ler UrtlrU ■«< Itrien Malte tft nttriagt.) Klsndine, die Keröst-lüthe. Original-Xovell» van A 8. V. ► &1. (Fortsetzung.) * Ära Morgen des darauf folgenden Tage» hörte Elaudine au ihre Thür pochen uod auf ihr Hereiu erschien :m Rahmen derselben ihre äußerst selten hier vorfprechend« Stiefmutter; daher der erstaunte Blick, mit der Tlaudin« die zierliche, vom weihen Morgenrock umwallte Gestalt mustere. .Sa« führt Dich zu so früher Staude her, liebe Ma—. Mu—?• die Bezeichnung des Heiligsten, das so ausgesprochen ihr als Entweihung dünkte, wollte ihr nun eiamal nicht über die Lippe. .Laß das/ sagte Emilie leichthin, sie auf die Wange küssend; „ich bin zu juug für dies« respektable Standeser- Höhung und verzichte gern auf da« an diesell« geknüpfte Borrecht der Achtung, wenn ich das weitaus iverthvollrre der Lieb« hierfür eintauschen kann." Es log etwas Berückendes iu ihrer Stimme, in deu weichen Schmrichellauten, mit denen Emilie sich die Herzen iu erobern verstand. D«h Elaudine glaubte tas Oel zu sehen, vermittelst dessen die etwa« schnarrende Schraub« ge. schmeidig wurde; sie fühlte mit ihrem feinen Lhr das Gemachte dieser stets auf Eommaudo erscheinenden Lieben«- Würdigkeit, und so blieb sie starr und unnahbar. „Was führt Dich zu wir. liebe Emilie, wenn es so sein soll?" erwiedertr sie ruhig ihre frühere Frage. iud:m sie ihre« Säst eine» kleinen Fauteuil zuschob.' „Deine Zukunsh meine Liebe, um mit der Thür iu's Haus zu fallen; Deine Zukunft, die mich unablässig beschäftigt und auch eia wenig beunruhigt." ,Lch dm Dir sehr dankbar," sagte Elaudine verwundert, .doch zu welchem Sude diese Liebes-Mühe?" .Du frägst noch und gehst schon iu's zwei und zwanzigste Lebensjahr, ein Alter, das für die Eheschließung doch reif g-uug ist, wie Du mir zuaeben wirst." „Und Du, liebe Emilie, hast, so ich nicht irr«, erst das vier und zwanzigste Lebensjahr erreicht, «in Alti. da» für das Eheststen noch lang« nicht reis genug ist; wie Du mir zugeben wüst", erwiderte Elaudine lächelnd. „Weshalb dies?-' sagte Emilie lebhaft, .ich sollte meine», daß gerade die Jugrndfnjche für solch ein schweies Werk erforderlich tft. Und dann, wer sollt« besser du Ansprüche; Wünsche uud Neigungen der Jugend ermessen und ihnen gerecht werden können, als eben die Jungen?" .Meinst Du?" warf Elaudine kühl dazwisihen. .Jchweiß,"fuhrEmilieineiasch«eichelade.aToie fort»nach« de« ste mir einem schnelle«, uufre undlicheu Seitenb ick Elaudine gestreift. .Di» stehst außerhalb der Regel, für Dich gehört «i« anderer Maßstab als für die große Heerde; doch so un« »«glich es Dir erscheinen uiaL stelle «ich uur ai|f dir Probe JOt Du ssllst sehen, daß ich mir dir Mühe geifmume», i» die Tiefe Deiner Seel« himibzusteigen und das Unergründliche zu ergründe». Komm," fügte sie hinzu, ihren Arm liebevoll j um Elaudine schlingend, „fasse ein wenig Vertrauen zu mir, ' zwinge Dich vorerst zu häufigerem Berkehr mit mir. und dir Eiskruste» die sich um DeinHerz gelegt, wird allmählich schwinden, und dann wirst Du eine ausopferungkfähigr Schwester in mir erkennen." Elaudine wich vor diesem Redestrom ängstlich zurück. Ihr sorgsam behütete« Empfinden wehrte sich mit aller Macht gegen die brutale Invasion der Phrase, wie das! reine Wasser die ihm aufgezwungenr Oelmischung spröde zurückweist. .Nochmals sage ich Dir meinen besten Dank, aber weshalb möchtest Du mich durchaus au« meinem Zustand befreien, der mir bis nun gar nicht unerträglich erscheint?" .Jetzt freilich nicht, aber e« kann eine Zeit kommen, wo eine Veränderung Dir sehr erwünscht und die EielegenheU sie herbeizuführen — unwiederbringlich verloren wäre. Das .zu spät" ist ein grausamer Schicksalsspruch und vor dem möchte ich Dich gern bewahren, meine Liebe. Und die Möglichkeit ist gegeben," fuhr sie, Elaudine'« Schweigen als Zustimmung deutend, eifrig fort, „eine Möglichkeit, die einmal mißachtet, gewiß so bald sich nicht wieder umstellen dürfte. Ein junger Mann voa angenehmen Aeußern, sehr gebildet einziger Erbe eines steinreichen Batrrs, blickt mit Beivunderuug zu Dir auf und wartet geduldig aus ein ermunterndes Wort, um Di» in aller Form einen Antrag zu machen. Dein Bater ist mit ganzer Seele für die Sach« eingenommen, und" — .Also auch mein Bater hat es so eilig, mich loszuwerden?' glitt es bitter von ihren Lippen, „und ich dachte; daß ich ihm selten genug iu's Gehege käme." .Wie magst Du nur Alles so mißtrauisch auffafsen? Deinem Barer liegt nichts ferner, als sich Driurr entledigen zu wollea; Beweis hierfür, daß die Idee dieser Heirarh ihm erst von meiner Wenigkeit unterbreitet, ja fast aufgedrangen wurde. Nun er sie aber einmal in'«'Auge gefaßt, sieht er auch die Bortheile derselben vollständig ein, wie eben ein tüchtiger, praktisch« Saufmanu." „Ich bedauere," sagte Elaudine ruhig, .daß ich es noch nicht gelernt habe, die Ehe von d« praktisch-kaufmännischen Sette, das heißt, als «in Geschäft zu betrachte», und daß es mir daher unmöglich ist, Euch auf diesen Wege zu folgen". .Aber Hugo Müller hat ja auch genügend« ükenntmfse und Fähigkeiten, um deu ideale« Anforderungen seiner zukünftigen Ledeesgejährtin zu entsprechen uuv da» Leben zu Zweien zu einer„Eommunwn der Seelen" zn gestalte«, w^e die Porte«, glaube ich, sagen." Elaudine kämpfte den Widerwillen nieder, den der leicht, fertige Ton uu Mpnde rimr so jumzeu Frau t» ihr errsgH. und eutgegnnete aleiHmAMi> Z . ’ v