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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 19 (1893) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
19 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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Die Klänge der Ouvertüre, welche von einem Orchester von etwa zwanzig Musikern gespielt wurde, vermochten das Geschrei und das Geschwätz im ganzen Hause, daS wohl an tausend Zuschauer fassen mochte, nicht zu unterbrechen. Erst als der Borhang cmporging, trat allmählich Stille ein. Die Scene stellte eine Straße in Jerusalem dar» und die ausgesprochen orientalischen Gesichtszüge der Sänger wie de» recht zahlreichen ChorS, die vorlresslichen orientalischen Gewänder, in welche die Darsteller gehüllt waren und die seltsamen Mollklängr der Musik paßten in stimmungsvoller Weise zu einander. Leider konnte ich den Gong der Handlung nicht verfolgen, denn die Sprache der Darsteller war ein jüdischdeutscher Jargon, ein Gemenge von hebräischen, deutsck»en, volnisihen und russischen Wörtern, die von den Sängern auch noch undeutlich ousgrsprochen wurden. Dasür gewann die Handlung indessen eine „conlenr locale", wie man sie getreuer aus keinem erste» Theater der neuen Welt hätte finden können. Wer weiß, ob „Manoach, ein Bürger ans Bethlehem" (wie er auf dem Theaterzettel bezeichnet war), ob Sulamita, seine Tochter, Joab Gidoni, -ihr Anbeter, Nathan ein Hohepriester u. s. w. nicht von directen Nachkommen dieser historischen Persönlichkeiten dargeftellt wurden? Gebärden, Mienenspicl, Bewegungen und Trachten mochten bei den Darstellern dieser Persönlichkeiten genau dieselben sein, wie bei den letzteren selbst, und die Musik war jene ihrer Borväter, wie sie sich in den Synagogen Zeitalter hindurch erhalten hat und heute noch gesungen wird; manche Melodien waren orchestrirt und als Arien in die Oper ausgenommen worden, andere wurden für Märsche, Chöre oder Orchestral-Jnterluden umgrschrieöen, aber sic sind für Jeden, der den Orient bereist hat, leicht erkennbar. Ist cs da zu wuudern, wenn die bärtigen alten Männer im Publikum ernst und andächtig diesen Klängen lauschten, wenn in den Augen so mancher alten Frau Thräncn erglänzten, wenn sic die Gesänge der früheren Hcimath, die sie möglicherweise als Kind verlassen hat, wieder vernahm'? Aber auch Gesang und Spiel waren dabei so auög> zeichnet, daß ich die ganzen sünf Acte zu End« hörte und mit Interesse dem Wechsel der Scene», welche bald Jerusalem, bald Bethlehem, bald die Landschaften Palästina'» darstrlltcn, folgte. Echaarenweise pilgern die Amerikaner zu den berühmten Pajsionsspiclrn im Lberammergau und doch haben sie in ihrem eigenen Lanke, in diesem Kotunania Opera Hontte eine Bühne, auf welcher biblische Ereignisse, freilich im kleineren Rahme», aber gewiß mit ebenso großem Ernst und mit viel größerer Wahrheit dargestellt werden, zur große» Freude der vielen Tausende von Israeliten, ivelche ihre polnischen Heimathstädte verlassen haben, „in hier in der neuen Welt den gleichen Bcrufsartcn wie dort zn folgen. Bei jeder Borstellung ist das Theater gefüllt und dir Gesellschaft macht vorzügliche Geschäfte bald mit Opern, bald mit Dramen, welche gewöhnlich Ereignisse aus der jüdischen Geschichte zum Gegenstände haben. Der Dramaturg diese» merkwürdigen Theater», ist Professor Horowitz-Halävy, und seine beliebtesten Stücke sind die Oper „König Solomon", das Drama „Jehuda und Israel" und ein Bolksstück „Die Verschwörung von Tisza-Elßar", dessen (Vegenstand dem Titel nach wohl jedem Leser noch erinnerlich sei» dürste. Die hauptsächlichsten Mitglieder der Gesellschaft stammen auS Bukarest, wo sie in früheren Jahren auch auf 'Gastvorstellungen nach ungarischen, rumänischen und poln.schen Srädtrn reisten. Gelegentlich eines Gastspiels in Jassy rrhirlrrn sie von einem zufällig anwesenden amerikanischen Unternehmer eine Einladiing nach Ncwyork, und sie befinden sich hier so wohl, daß sic kaum wieder nach ihrer Heimath zurüclkehren werden. Di: beliebtesten Darsteller der Truppe sind Sigmund Feinmann und Israel Wciablatt; dann Miß Ernestine Finlelfleio, Miß Pauline Edelstein und Madame Feuerstein - ein mineralogisches Kleeblatt. (Schluß f.) Aer Zrlutaöerglauöe iu Khiua. In Bd. 62 Nr. 18 (S. 238) bringt, der .Globuü"' Aufklärungen über dir jüngste C h ri sie »Verfolgung irr China, die auch für uns nicht ohne Interesse sind. Herr Dr. Repsold schreib:: .Die jüngsten Verfolgungen der Weißen, die Srmordungen der Missionare und die Zerstörungen christlicher Kapellen und Kirchen in China war namentlich auf die Antriebe eines hohen chinesischen Beamten, Tschou Han, zurückzuführen, welcher in Tschaugscha, der Hauptstadt HunvauS, residirte. Auf die Vorstellung der europäischen Gesandten in Peking hin, wurde eine Untersuchung gegen Tschou Han eröffnet, die aber so gut wie ergebnißlos verlaufen ist. AuS der amtlichen Pekinger Zeitung, welch« jetzt die in dieser Sache unternommenen Schritte actcnmäßig veröffentlicht, geht hervor, daß Millionen von Flugblättern, Pamphleten, Spott.jeder» unter der abergläubigen Menge verbreitet wurden und ihre Wirkung erzielten. Besonders wurden in geradezu unsiäthiger Sprache die Missionare beschuldigt, .daß sie die Frauen behexten, indem sie ihnen geheime Mittel eingälen, dann sie an verborgene Plätze lockten und sie daselbst tödteteu, um ihnen die Herzen und Augen auszureißen." Dr. Rcpsold schließt diesen Theil seiner Schilderung mit den Worten: .Mit geringen Aenderungen ist da» also die nämliche blödsinnige Beschuldigung, die man in Europa den Juden brzüplich des zur Postahfrier nöthigenChristenblute» seit Jahrhunderten vorwirft." Toute meme ihote. „Der Gemeinderath zu Löbtau bei Dresden, welcher vor Kurzem den Beschluß faßte, eine dort neu angelegte Straße Ahlmardt-Straße zu nennen, hat diesen Beschluß wieder aufgehoben und jener Straße den Namen Gohlis-Straße beizet:gt." Also berichtete., die Tagesblättcr in dieser Woche. »Toute mätne cbose, Ahlwardt oder GohleS!"— sagte ein m odernisirter russisä)cr Jude, als er diese Notiz in der Zeitung las — .wären wir nicht im Goles, gäb's keinen Ahlwardt." Äus dem Spruchschah des Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. Des wein» erster Becher Macht lammsromm den Decher, De» zweiten Becher» Redend!»» Siebt ihm de» keuen kühnen Mnth, Doch schon drei volle Becher schassen Den kühnen Becher um zum Affen, Und schlürft er noch den vierten »in. Ivird au» dem Affen gar — ein Schwein. Der Meisen Di»put Kommt der wei»hrit zugut. tk«r»ni«cril. Redakteur:Tr.Katzmer,Magdeburg. DruckvonBtnsixchHuhu (früher:D.L.Wolff), Magdeburg..VertagKob. Ariel«, (Bada dathra (Berachoth 7.) (I»ma 7».) wen sie mit Recht auch Ueidhart schelten, Der llstt doch Sohn und Jünger gelten fSynhedrin ,00.) Mit den weisen selbst verkehren Klüger mach» al» Buch und kehren. Meist dient de» Meister» Nainen Der Jüngerschaar al» Rahmen.

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