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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 17 (1893) · p. Seite 65

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
17 (1893)
Date
1893-01-01
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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iflbifdjc Literatur gäbe, wußten damall nur uenig lebende Menscheu. Eie au» dem Schutt der Jahrhunderte herauszuholen, eine Wissenschaft de» Judenthum» allererst ,,u begründen und für die Cultur de» gegenwärtigen Geschleckt» dienstbar zu wachen, sollt« Aufgabe ienc» Verein» sein. E» gethan zu hi ben, ist da» unsterbliche Verdienst von Znnz allein. t^ine ähnliche, aber nicht ganz die gleich« Anfgabe hat der am 1. April d. I gegründete „Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Posemuckel". SeiwZwec! ist nämlich nicht, die jüdische Geschichte und Literatur za « rforschen oder ihre Erforschung großsinnig zu unterstützen, sondern von kleineren Zwecken abgesehen: 1. Ali»wLrtig«n Rednern die Reisrspesen zu ersetzen, damit sie 2. da» von einzelnen Forschern geschürfte G«ld auSwalzen und i>. dünnen, schmalen Blechstreifen an die „hochgeehrten Anwesenden" vertheilen, auf daß diese 3. sich in bestimmten Zwischenräumen (etwa alle vier Wochen) ein und eine halbe Stunde an dem melodischen Geklirre „begeistern", wofür 3 Mark jährlich ol»er monatlich 26 Pf. zu entrichten sind. Wenn nämlich die lokalen Kräfte nicht autrrichen, drei Seiten au» Grartz „Geschichte der Juden" so zu bearbeiten, daß e» den Abend füllt, so wird ein gestierter Schriftsteller — ein« Kapazität — «in großartiger Redner, edenfoll« ein berühmter Manu eingeladen, welcher zum tauendsten Mal für Jehuda Helevi begeistert, oder die Geschick,!, der Juden Im Allgemeinen und in P. insbesondere behandelt, oder einen unserer vielen, leider schon arg verschimmelten Religion«. Philosophen oder sogenannten Dichter schmackhaft zu machen weis; Damit auch da« allgemein Menschliche > icht vergessen »erde, wählt der Verein zuweilen Themata wie die folgenden: „Venedig und Neapel", Kanzel und V ahne"—über Lharasterbildung" (o, wie nötig wäre sie manchem Redner im stillen Kämmerlein I) Sollte e» aber jemal» dem Verein an Themen fehlen, so geben wir ihm hstr einige Receptr, welche, dafür bürgen wir. sämmtliche Vortragsabende auSfüllen w:rden bi» in» übernächste Jahrtausend hinein, ja, so lang«! Posemuckel steht und da« Volk der lanzenkundigen Troer. 1. Homer und die Juden — Aeschylo» — Sophoclc», Eurivide« und dir Juden.... Bergil und die Juden die Nibelungen und die Juden .... Gölhe und dst Juden .... Ibsen und die Juden (die» plaimäßig, etwa alphabetisch durchgeführt, reicht allein gut für tausend Jahre, sieh« da» Ramentverzeichniß jeder Literaturgeschichte oder Kürschner» Schriststellerlexicon). 2. Dir Säugethiere und die Juden, > 5ögel und dst Juden, die Wasserthieie und die Juden, die Insekten und dst Juden u. s. ». 3. Judenthum und —i»mu», z. B. Ideal- Fatal- Real— Gymnasial— Special— Lommunal— Liberal— Animal— Sozial— Integral— Kannibal— u. s. w i»mu«. 4. Die Frauen bei den Juden, dst Mäiner bei den Juden, die Kinder, die Jünglinge, di« Jungfranen, die Greise bei den Juden, die Dünnen die Dicken, dst Kleinen dir Großen, dst Zwerge, dir Riesen, dst Reichen, di« Armen, die Guten, die Schlechten bei den Juden u. s. w. 6. Die Juden in Europa, Asien, Afrika. Australien und Amerika, oder, wenn dieser Planet bi» aas dir großen und kleinen Eundaiaseln bereit» abgegrast ist: die Juden auf dem Mond, Mercur, Neptun, Mar»,Jupiter. Saturn, Urauu», Venu» u> s. w. „ O, Herr Singer in Bari», warum warten sie nicht, bi» der Verein in Posemuckel alle dstse Vorträgx zehalten hat? dann drucken Sie einfach die Restrast ab. Und Sie haben dst schünsst Encyclopädie de» Judenthum». Man denke nicht zu gering von d.m Verein für jü». Gesch. u. Lit. in Posemuckel. Sein ersst» Berlistnst ist, daß er überhaupt ein Verein ist, also verdienten Männern «ne Reihe Würden und Tistl verschafft, dst e» sonst nicht geben würde. Oder ist «4 nicht verdienstlich, ernst strebende, aber leider unbekannst Männer der Welt »orzusstlleu al«: Präsident — Schatzmeister — Protokollführer de» Verein» für jüd. Sesch. u. Lit. ist P, auf daß der künftige Geschichtsschreiber der Juden an« den alten Jahrgängen der „Allg. Ztg. de» Judenth." wisst, welche» dst großen Mänmr de» Ist. und 20. Jahrhundert» w.iren? Oder ist e» nicht verdstnstlich, wenn Herr Jsioor Lohn der bei Tage (auch am Sabbathl mit Schnittwaaren handelt, Abend» nach einem Bortrag de» Herrn Dr. Tinstle» (gebürtig im Banat) „über die Freiheit de» Willen» oder dw Prophetalagie de» mozarabischen Religionsphilosophen Leibche ibn Awrohm au» Tokio begeistert in die Worte au»bricht: „Gott, wa« haben wie doch für große Männer im Judenthum! — Der Tinstle» au» dem Banat und Leibch« ibn Awrohm aus Tokio! — Die Rntisemistn sind wahrhaftig schlichst Menschen!" Ist e» nicht verdienstlich, wenn der Verein eben »iesem Herrn Dr. Tinstle» Gelegenheit giebt. eine Reise nach Posemuckel zu machen und dstse geschichtlich und literarisch inten ssante Stadt kostenfrei zu besichtigen? Oder ist e» nicht verdienstlich, ivenn der Verein «in Exemplar von der liegen gebliebenen Restauflage de» unsterblichen Werk«: „VarwiniLmu» und Militärvorloge in Talmud und Midrasch" für die Vereinsbibliothek airlaust? Verdient er nicht dadurch da» Wohlwollen aller Antiquare für Judaica? Ist e» endlich n.cht verdienstlich, wenn der Verein jährlich einen Rechenschaftsbericht drucken läßt und den alten Vorstand per Acclamation wiederwählt? Ja. gewiß, die» Alle» ist sehr verdienstlich. E» hebt ungemein vie jüdische Geschichte und Listratur und begeistert Herrn Isidor Lohn für alle» Große, Edle, Schöne, ma» — gewesen ist. Ein grämlicher Freund von mir meint zwar: Es wäre besser, ven breiigen BcldungSschlomm der Leute durch dstse GeschichtS» und Literatursimpelei nicht noch mehr zu ver» schlämmen, zumal e» doch nur Gewäsch und di« kurze Begeisterung Selbsttäuschung sei, also die Herren Isidor Lohn und Dr. Tinstle» nicht in ihrem Geschäft zu stören, die Vereinsmeierei den Scatclub» zu überlassen, für da» schöne Geld wissenschaftliche Unternehmungen für dasJudenthum zu schaffen, vorhandene zu unterstützen, für den Jtgendunterricht zu sorgen, auch wieder ein bi»ch«n für Lultur de« gegenwärtigen, arg bedrängten Geschlecht» zu arbeiten, aber mein Freund sitzt den ganzen Tag über Büchern, krmmt nicht unter dst Leute und weiß daher nicht, wa« ihnen noth thut — ja, vielleicht ist er nur neidisch, daß er nicht selber Präsident ist de» .Verein» für jüdische Geschichte und Literatur in Posemuckel". P. ö. Stelcnlo». „-Sehe ich recht? — Wahrhaftig, Du last e» alttr Kamcrad — l Ich würde Dich kaum erkannt Hadem — l Diese bleichen, eingefallenen Waagen mit den tiefta Furchen —! Wa» ist mit Dir? — — So sprich dreh.— Warum sitzest Du hier ganz allein? Schweige doch nicht hartnäckig und starre nicht mit dieser unausstejlichen Gleichgiltigkeit auf mich, al» würdest Du mich nicht erkennen -!“ ,-Ich wundre mich, daß Du genug hock,herzig bist, mich erstnnen zu wollen — —!" „— Mache keine Redewendung und sage mii rund herau», wa» Dir fehlt, vstlleicht kann ich Dir behilflich sein —." „— — Da» ist ganz unmöglich. —“ „Donnerwetter! — Ich habe eia Stünochen Zeit—>»mme % in dst nächste Kneipe ——wir wollen «in Glas Bier leere» —

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