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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 17 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
17 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■n - *... aiitf *e# 18VS. Herensgegeben hob Dr. M. A«h«ee In TOogboburf. 8«t Unterhaltung ttttl» Belehrung für die israelitische Familie illnubin«, die Herbstblüthe. Original»?!ovell« von A. 8. M. «Fortsetzung.) — Der Verein für jQMfcfte Siejchtchle und Inhalt * *" Pvsrmuikel. — Glelienlos. — Zur Literatur des Eohod mi joden. — Aus dem Spriubschatz des Talmud. Poetisch . Übertrag«« von Max Weinberg. «llnbetngter isnasrnck an« »tele» vlntte ist n» «erlagt.) Ktaudine, die Kerök-tülhe. Lriginal-Rovelle von A. 8. M. *] (Fortsetzung.) So wurde sie siebzehn Jahre alt, ohne je eine «Se» spirlin besesien. je die Freuden der 'Gesellig!eit gekostet zu haben. An ihrem siebzehnten Geburtstag: sagte sie heiter: »Weißt Du, Mama, Du könntest mir!)eute zu oll den anderen Geschenken noch rin hübsche» Angebinde be» scher«»." »Und waS sollte da» sein?" ,E>n Versprechen. mich einmal froh sein zu lassen mit den Jungen und Frohen, mir etwa die Thore eine» Ball» saale« ^u eröffnen.' Die Mutter erhob erstaunt die in schlaffer Ermüdung halb gesenkten Lider. »Was wolltest Du dort beginnen? Du käst ja nicht einmal den Elementarunterricht im Tanzen erhalten " »Ach, Mama, da» macht sich, denke ich, vor selbst," erwiderte Claudine lebhaft, der der Borgenuß der Tanzfreude wohlig durch die Glieder drang. Dir Mutter blickte in ihr leicht geröthete» Antlitz und schüttelte verweisend da« frühzeitig ergraute Haapt. »Jtinb, Du weiß» nicht, wa« Du verlangst, weißt nicht, wie unsinnig eia solche« Beginnen für Dich wäre. Wie mochte nur plötzlich eine so thvrichte Anwandlung Dich überkommen. Dich, deren Unterricht so ängstlich übeniracht wurde, und die wehr Kenntnisse und ernsten Gedankeng:halt in sich ausgenommen, al» mancher reife Mann?" »So viel ich gehört habe," warf Claudine schon halb rntuutthigt ein, »sollen auch ernste, reife Männec dem Tanzvergnügen huldigen, und Mädchen, die auf keinen« niedrigeren Niveau stehen al» ich." »Da«läßt sich schwer ermeffen und noch schwerer glauberr," erwiederte die Muttergerrizten Tone«, »aber n»:nn auch, so tragen diese Mädchen jedeafall« nicht eine» Narren, der eine fortdauernde Mahnung in sich birgt, alle« Kleinlich« und Oberflächliche von sich fern zn halten. JD, dieser Name," rang e« sich widerwillig au« Claudine'« gepreßter Brust. »Du selbst, Mama, hörst auf :*n gewöhn» lachen Namen Lina; we-halb mußte gerade mir die« Außer» gewöhnliche, diese Kette angeschmiedet werden, die ich nun," fügte sie, schon ob ihre« Patho« lächelnd, hi. »zu, »einem Gallrerensträfling gleich, durch'« Leben zerren rruß?! »Welcher Undank und welch gedankenlose« Geschwätz," stöhnte die Mutter, und ihr Auge schwamm fosort, wie bei j jeder nervösen Erregung, in Thränen. »Mein Name war e« ja eben, der gemeine, alltägliche, der der Fluch »reine«! Lebens gewesen, der mich au« olvmpischer Höh« in die ttioiale! Niederung gerissen und unendlich elend gemach hat. Und > nun, da ich mit dem Aufgebot meiner sthivachen Kräfte Dich vor einem ähnlichen Schicksal, vor der Berührung des All» täglichen bewahrte und in eine reinere Atmosphäre geistiger Vornehmheit Dich versetzte, wird mir Undank und Verkennung zum Lohn." Sie hielt erschöpft inne und fuhr dann düster fort: »Meine eigene Tvchter, aus die ich mein sonst brachgelegtes Empfinden roncentrirte, wendet sich in offenem Widerstand gegen mich; auch ihr, wie Jedem, der in meine Nähe tritt, bin ich ein Stein des Anstöße«." Und sie bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen und brach in ein hysterisches Schluchze» aus. Claudine blickte erschüttert in die Tiefe dieser zerrütteten Menschenseele. Obgleich ihr gesunder Realismus sie vor solchen Ausbrüchen eine« überreizten Hirnes zurückweichen und etwa« Gekünsteltes, Verschrobene« in diriem Gefühlsausbruch ahnen ließ, so war r« doch ihre Mutter, die da;n selbstgeschaffener Qual sich abhärmte; und so schlang sie zärtlich den Arm um die Leidende und versprach thränenfeuchten Auges, sich fürder in allen Stücken von ihrer überlegenen Einsicht leiten zu laffcn. Die Scene hatte ihren Abdruck auf die kaum entfalte:« Mädchenknospe zurückgelaffen Nie vorher ha:« ihre Mutter auch nur durch die leiseste 'Andeutung ihre Vergangenheit bloSgelegt. So grübelte denn Claudine, in ihr Stübchen zurückgekehrt, so lange dem Halboerhülltrn Geheimnisse nach, bi« ihre Phantasie und Erinnerung aus einzelnen Blicken und abgebrochenen Worten ihr ein Bild schuf, da« in seinen Umriffen der Wirklichkeit so zieinlich entsprach. Ihre Mutter Lina oder, wie sie dazumal hieß. Leie Rosenblam, stammtt au« einer Chassidischen Familie, die in einem kleinen Städtchen Südrußland« in Wohlstand, g-oßem Ansehen und — in einer ganz aparten Jdeensphäre lebte. Wer jemals in den Dunitkrers dieser »Frommen" getreten, der wird sich der Ueberzeugung gewiß nicht erwehren können, daß dieser vielfach verhimmelten und vrelfach verlästerten Seele eigentlich niemal« kine ruhige, objectivr Würdigung zu Theil geworden. Weil sic in ihren verschiedenen, historischen Wandlungen in Extremen sich bewegte, so schlugen auch Lob und Tadel leicht in'« Extreme um und konnten von den Endpolen nie so recht den Weg zur goldenen Mitte finden. Aus einer Reaction hervorgegangen, die im Alterthum gegen die geistlose, unnationale Kunstthümelei der Gciechen» partti, in den späteren Jahrhunderten gegen den Geist finsttrer Askese gerichtet war, der wied-rum als fremde« Element im MosaiSmu« Wurzelgeschlagen hat«, haftete dieser psychologischen Erscheinung im Volksleben stets etwas von der Gevaltsamkeit und Schrankenlosigkeit jeder reaclionärrn Bewegung an, die im Grunde doch nur eine Revolution gegen da« Bestehende bedeutet. Wie der Chassidismus ältesten Datu ns ursprünglich nur rin maßvoller Protest gegen das unwürdige. au« der Frrmde eingcführtc Götzenthum, spä«r zu dem iveltoerachttnden Fanatismus der r» Hohlen lebenden Effäer sich steigerte, jo auch entfernte sich der Chassidismus der späteren Jahrhundert«

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