Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 16 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 4)
- Language
- German
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fein Einjährig-Freiwikligen-Jahr abgedient und sollte nun all Kadetl-Offizier-^tellverlreter, nicht aber al« Lieutenmn i» die Reserve übersetzt werden. Die Dame behauptete, ihr Sohn habe während seine- Freiwilligenjahrevollkommen entsprochen, und sei nur de-halb vom Offizierkorp» abgelehnt worden, weil er — Jude st. Der General lächelte und meinte: .Gnädige Frau, eine Mutter sieht die Angel««- beiten ihre- Sohnemit anderen Augen an und urtheilt anderalmilitärische Borgesetzte. Ich kenne natürlich de»» Fall ihre- Sohnenicht Ich weiß um so weniger etwa» davon, alda- Regiment nicht hier liegt, sondern in Z. Aber ich werde die Sache sofort untersuchen, und wenn sie wirklich so ist, wie Sie mir dieselbe darstellen, dann — daraus verlaßen Sie sich — wird gewiß geholfen werden.* Am nächsten Tage kam dec telegraphisch nach Budapest berufene Regiment-kommandant in Parade in da- Gebäut« de- Ofener GeneralkymmantwS. Alder Oberst bei dem Kommandirend« eintrat, bespann dieser: »Herr Oberst, in Ihrem Regiment hat ein junijet Mann, v. P, al- Einjährig- Freiwilliger gedient.* — .Jawohl, Excellenz!* — .Run. und wie hat er sich denn gemacht?" — „Excellenz, gut.* — .Wie ist er beschrieben?' — »Excellenz, gut.* — .Hat er Strafen? Liegen Klagen gegen ihn vor?* — .Excellenz, nein.* — .Warum hat ihn dann da- Regiment nicht zum Lieutenant in der Reserve vorgeschlagen?* — .Excellenz P. ist Jude und in der Offziersvei^ammlung sind Stimmen gegen ihn laut geworden, t#eil sich die Herren denn doch nicht gut einen — jüdischen Husaren-Offizier vorstellen Hinnen.* — Eine unheimliche Pause trat ein. Blutroth färbte sich da« Gesicht Edel heim'-. Zornsprühend und mit der Maßlosigkeit seine- Temperamentschrie er auf, daß die Wände seine- Arbeitszimmerzitterten und die im Borsmache beim Personal»Ad.utanten auf Einlaß harrenden Referenten ein Grauen befiel: .Was? Wa-? Herr Oberst! Jüdischer Husaren»Offizier?l Himmel Herrgott Sakrament noch einmal! Ich kenne keim jüdischen Offiziere, ebenso wenig alich kacholische, protestantische oder griechischorientalische Offiziere kenne; ich kenm nur kaiserliche Offuiere und daganze Heer kennt keine anderen alkaiserliche Offi» iae." Nachdem der Komuiandirende nach diese« An-bruche eine- Zorne- Athem geschürft, fuhr er m ruhigerem, aber treugebietendem Tom fcrt: „Herr Oberst, @te fahren so- •et in Ihre Station zurück, versammeln die Herren de- Kg.ment- und lassen nochmalüber die Würdigkeit- P.'S zum Offizier abstimmen. Sie werden den Herren klar machen, daß man i» kaiserlichen Heere niemals nach der Ration oder Religion einet Soldaten gefragt hat. Da« ist ein Wahrwort, welcheseit dem dreifugjährigen Kriege zu den Traditionen unserer Armee gehört und dawir heute und allezeit hochhall« wollen. Dawerdm Sie d« Herren Ihretzwgimentau-eimraderfttz» und dann — untt die Offizier-Versammlung Beschluß fassen. Sie «erd« mir da- Resulrat nicht im Dienstwege, sondem direkt mittheilen. Gmen Morg«, Herr Oberst!" — Der Oberst verbeugte sich stumm und vorschrift-mäßig und verließ da- Arbeit-kabimt de- Kommandirend«. Bier Tage später erhielt Letzterer die Meldung de- Regiment-kommando-, in welcher ewörtlich hieß. .Ich melde gehorsamst, daß da« Offiz ierkorptt de- Regimenteneuer'oing» abgelehnt hat, d« Einjährig. Freiwilligen Wachtmeistei: v. P. al- Kamerad« in sei« Reih« auszumhm«." Tarauf war Edel-Heim nicht gefaßt. Lasollte er gegen diesen fest« Willen de- Offizier-tcnch» anfaag«? Roch am selxn Abend fuhr er nach Wien, um am nächst» Morg« beim Krieg-minister, Gemral der Kavallerie Freiherr» v. Koller, vorznsprech«. Daltrgeb» aitz dieser tzkise trat in einem der nächsten Armeeverordn rng-- dlätter zu Tage. Der Ilkommandirmde hatte de« Kcieg-- Minister ausei»audergesezt, daß der Oberst debetreffenden Husaren-Regimentnicht nur eine inkorrekte Au-lchung der BeficrdermeWmrschrist durch fest, Offizierkorpgiduldet. sondern auch geze^t hat, daß er »einen Einfluß auf fetae Offiziere besitze. Der Oberst wurde daher in den Ruhestand übernommen und die zwei rangältesten Offiziere jeder Tharge vom Riltmeister abwärtwurd« in andere Regimenter versetzt. Als der neue Oberst da« Regiment-kommando antrat, ordnete er eine Offizier-Versammlung an. um die Herr« zum dritten Male bezüglich der Würdiakeit de- Einjährig. Freiwill gen-Wachtmeistero. P. zur Offizier-befördcrnng zu befragen. ES erhob sich die-mol keine Stimme in der Versammlung. die mit gehorsamstem Schweigen die Erklärung de« Oberst« enlgeg«nahm, „daß also in der Qualifikation-- liste der Freiwillige v. P. alwürdig zur Beförderung zu« Lieutenant zu erkennen ist". Zwei Woche.: später veröffentlichte »a- BerordnungSblatt die Ernennung v. P.'S zum L eutenant in der Restrve. Da« KriegSministenum versetzte jedoch den Neuernannten gleichzeitig zu einem anderen Regiment, denn man trug doch Bedenken, d«sekben im Reservestande eine« Truppenkörperzu belassen, dessen Osfi» zierkorpS er sozusagen ouSeinandergesprcngt hatte. Me zwei K«gada-Lieder 7*fi"v »Nj *tj wurden, wie der Pfarrer Joh. Ea-p. Ulrich in seiner „Samrrlung jüd. Geschichten" mittheilt, zu seiner Zeit (1780) von de» Schweizer Kinder in Zürich mit folgmdem Text gesungen: I. L» ist riu Baum im <94rtli hiuu« V’ Bi-reu wäud nüd fallen Da schückt d» Bur Joageli «sen Er soll die Bieren schuvlen V' Birreu wäud nü» fallen. Da schückt der Bur c* stündli »sen <5 soll de Joggeli bi-e ksiindli will imd Joggeli bissen — Da schückt der Bur e» Steckli »sen L» soll da» Bündel, schlad Steckli will nfi» chündevschlah - Da schückt der Bur tt Fürli »sen L» soll da» Steckt» beenne« 2' Fürli will »üd Stickt, brennen — iLeiter wird da-Lied nic^ mitgetheilt. Der Berfaffer fährt nnr fort: „So geht diese- Züruherische Kinderlieb de« jüdischen Osterlied nach bi« znm Ende.* IL löuter Gesell, ich frag« Dich. «önter Gesell, wa» ftagsi Dm mich? jch frag« Dich da» erst», wa» ch einmal Lin»? ,einmal «in» ist Gott der Herr, d« da lebt und der da schwebt im Hiinmel und auf Erden; durch Lhristnm müssen wir seüg werde». .Ich frag« Dich da» Mei«^ Zwei sind di«lasrln Moskr. Einig ch G«tt der Herr , s. ». Zch frag« Dich da» dritte. Drei sind di« Patriarchen, jwei ». s. w. Zch frag« Dich da» oieet». vier sind di« Lvangeusien. — Zch frage Dich da» fünft«. Fünf sin» die Büch« Mosii. — Ich frage Dich da» sechste. Sech» Arüg mit rothem wein schenkt un» der Serr bei »er Hochzeit tu Lana «fn. — Ich frag« Dich de, siebente. Sie heiligen Seifte». — Ich frag» Dich da, acht«. Acht Stück der Seellgkeit. si^e» «ab», de, hetljge» Geiß« ». f. w. da» neunte. Neun Lh<r« der Engel, acht ». f. w. da» «beud«. -ehe» Gebot» Gotte». — „ _ . da»Ästr. Lilf tausend Märtyrer, tzebn Gebot» Gotte» ». s. ». Guter Gesell, ich fiage Dich. Gnter Gesell, wa» fragst v» mich? trage Dich da» Hwdlfie. Zwils-sind die Artikel de» Glauben». t»»send Märtyrer, zehn Gebot» Gotte» ». s. w. Rabbiner Dr. Littmann-zärich. ArlfSs»»- d« HUttßset i» V-riger l Uaettzett. IL Puei«, «ite — Petersilie. .HL «uuerteig, «äugektee. '»eben sind M* Gaben de» »:Dr.Ii»h»»r.*egdeb»r^ Druck„»»t»»tr»H»h ,lfr»her:».L.Worff'.«a^eb»r,. Verlag»«-. ffriese.LeiPiP^