Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 14-15 (1893)
- Article
- Beilage zu Nᵒ 14-15.
- Date
- 1893-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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sich (H* «mmMt mh «k»lf «itf. Der Hansirrr Nachme Hobzdock gehörte zu jener be» rühmten und weitverbreiteten Klaff« von Ungelehrte», die in ihrer rührenden Unwissenheit und in ihrem frommen Glauben«, eiser selbst die nebensächlichsten und unscheinbarsten religidsen Borschriften mit geradezu lächerlicher Peinlichkeit zu beachten bemüht sind. So pflegte er regelrecht an jedem Lrew Prßach den Rabbi seine« Heimathtstädtchen«, Rel> Jekew, zu wieder, holten Male« hrimzusuchen um ihm alstrhand Fragen über die gesetzlich vorgeschriebene Au»stattung de« Gedertifche« vor. zulegen, denn. N achm« sowohl wie seine Frau Zore l che ge. riet hm alljährlich darüber in Zweifel, we vietMazze« man. ans di« Sederschüffel legen müsse, ob nian statt Petersilie auch Kartoffeln «ehmm känn«. ob man ferner de« betreffenden Lehmgrschmacke« wegm da« OdaniluoM mit Mandeln und Retinen zubereite« dürfe, und wa« derale-che» wichtige Dinge mehr sind. Und Reb Jekew, ein lielunswürdtge«, alte« Männchen, der Nachm«'« Schwächen genan kannte, stand ihm freundlich und geduldig Rede und Antwort; war dieser doch ei» sehr anständige« Gemeindemitglied, bat seinen Stolz darein setzte, dem Rebb« stet« eia ganz anständige» Litzduä Jontow (Jontow-Honorar) in dir Hand zu drmürn. So hattt auch diesmal wieder nach -irlem Hin- und Her» fragen Zorrlche.glücklich den Sedettisch orduungemäßig her gerichtet, und nachoem Nachm« am Abend au« der „Schul" heimgekehrt war, musterte er zunächst uit strenger Kennermiene da« ganze Arrangement und gal» dann seiner Frau, mit der er verrit«vterundzwanzig Zahm i, ungetrübter, wenn auch kinderloser Ehe »usammealebte. „e Knirp in de Back" p Zeichen seiner Zufriedenheit. Hieraus zog ft sich feierlichst den Kittet mit der Silberrrrsse an, nahm auf dem Bett, welche« mit reinen, weihen Annen ükrzoge» war — den Luxü» eine« Sopha'« kanntm dies« gwen Leutchen noch nicht — Platz und nachdem da« Prälud um de« Ljäärmad, da« übliche Händewaschen, sowie die kleine Herzstärkung mit in Salzmasser getauchter Petersilie, und schließlich da« wichtig« «bderrhen de« Axdrkkumoo erledigt waren, begann Nachme, vorschriftämäßig hmgrlebnt, wir ein 8»oro (vornehmer Herr), ernst nnd würdevoll die Lagurlai» zu recitirru. Jmr liebliche, einschruekcheludt Melodie, die dem Sederabend recht eigentlich seine» unwiderstrttiche» Reiz und Zauber verleiht, hatte er von seinem stligrn Vater «lernt; ja. er verstand e« sogar, an Schluß eine« jeden Abschnitte« ein« «ehr oder minder gelurgene Eoloratur an» urbrrngea. Aber die maffenhastr» Fehles di« unser frommer Haufirer ahnnng«lo« verbrach — wer rermag sie z» zählen,' »er sie zn nennen? Breite« wir dariUer den Schleier der Milde und Nachsicht — Härte doch «,uch der liebe Sott gnädig und barmherzig all' den Änsirm wit an, der tag. täglich au« Nach«'» Mund« voller Inbrunst zn ihm emporft«g — nnd freue» wir uns au der Innigkeit und AufruHgkrir, mit welcher er die schäm« Dicht,ugen der .Hagadah" weihevoll, weu» auch verständnißlo» ab sang. Beim .Mah uischtaurh', da» er selbst vortragen muhte, weil, wie bereit« bemerkt. Kinder nicht du »vare» nnd Z welche besser in der Küche al« i» Gebetbuch« Bescheid wußte, wurde sein« Stimme weich und elegisch, aber bald darauf stolperte sei«: Zunge wiÄer lustig und munter über all' die ««hausirtrn holprigen »ege dahin und jeder Stein de« «nslole», der sich ihm ent- «geostellte, wurde »ach mehrmaligem A »laust glücklich überwunde». Zorrlche hatte Anfang« in stiller Andacht dem ergreifend schäm» Gesänge ihre« Gutteo gekduscht, da», war CIc lette in die Küche hiruum^gaugeo, nm »ach de« Effen . __ _ .. L sehen, «l« Nachnwmdlt-H »ach dicke» Mühen und «e-U ^ra9n' V*v%: ' schwrrden bei de« zehn Plag»», die .die Egyptrr betroffen,^ Heu». «) Do« ttmh«att>rt avgelangt vor, dielt er inne. Bei dem bedeuts de« Fingerrintcuchen« durfte natürlich sein« Frau „Zorrlche", rief er daher nach einer Wei rein, e« aiebi jetzt die Leour Huostoa". „Ich kann stbt nicht, Nachmelebrn, ich hob^ Mazze-Kläße abzi-rochev." Nachm« mochte die Wlchiiakeit lriefe« Geschäfte« einsehen. Er stellte da« Wringla« seiner Frau neben' seinige und indem er den kleinen Finger der rechten balv in da« eine, bald in da» andere Sla« tauchte Dü» einzelnen Tropfen weit von sich schleuderte, beginn er: „Dunfcmit—und Dkm fer man Wab (für mein ©eifr)/f Zepbiurdkia fer mir — und Zapiuurdau fer man Datz : i Länoirn fer mir — und Kinoim fer man Wab." So ging er di« ganzen zehn Plagen durch, erst .f und dann für sein Weib. Heilige Einfalt eine« ' Äemütheäl Zoreich« war inzwischen wieder hereingctreteu mrd! noch glücklicherweise an dem mnemotechnischen de« Rabbi Jehuda stlbstthätig Theil nehmen. Und weiter ging r«, immer weiter, über die hinweg, bei denen er stde« Mol nach dem vorbilde > Bater« durch eine entsprechende Handluwegung di«! de« Gesagten zu bekräftigen suchte, bi» er endlich gebahntere Heerstrabe de« Hallernebrtr» gelangte darauf mit einem hemhaften Schluck au» seinem de« ersten Theil der Haaadah abschloß. Erleichtert achmete Nachme auf und erlabte aethaner schwerer Arbeit an den tteffliche« S seine gute Frau ihm zubereitrt hatte. Rach «endete« Festmahl wurde mmmehr liederreiche Theil der „Hagadah" in Angriff genon wir müssen zu unfern Freude gestehen, daß di« ' desielben ohne nrnnrn-werthe Fährlichkriteu brrchungen ziemlich flott von statten ging. Rur ' Thür Öffnet wurde, kam di« klein« oeihe Zie bar« Prontrt, welche frei im Haust u«hertief, lich hereinspazirt, stellt« sich irr Nachme'« N« lauschte andächtig dem Gesänge. 'Vie sie da»^ Schicksal ihre« Schwesterchen« erfuhr, welche« Katze gefresst» worden, da schimmerten ihr« Au und sie beruhigte sich erst wieder, alt sie vernäh Miffethat schon hier auf Erden ihre Sühne und findet. Mt diesem ttästenden Bedanken entstrnre. wieder. Nachme aber, nacktem er geendet hatte, erhH seine« Fürstenthron, trat leist o» fein« sanft sä" Gattin heran und indem rr einen Kuß auf ih drückte, sprach er. die Augen hoff nun« «freudig zu»' emporgeruhtet: „Ueber'S Jahr, zrt gesand, far» ~ Sberne Hochzeit mit Gotte« Hilf — in Jeruschal im fügte rr lauter hinzu: ^komm' schlostch ' brauchst hont') nicht Kristhm« zu leireu')." - -i? Vicht» Me»e» ««1er t«er S«»«e. Bo» F»ht Jolle» im Wien. •■■susti b*»,‘ Alle Errungen schafttn sind Fortsckiritte i« l gange der Lnltnr. Der Euvoicklunasirang war ein naturgemäßer, geschah iwme: ichrtttwetst, derjenigen, der aus diesem Wege de» ersten ward vergessen, liegt i» Schoße derßsterga