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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 12 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
12 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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T-" J»»tsches 189S. *£&xü&unsißf#ff twliufa M >r. M. >I|WW li W»,tM»rA 8»r tttrieriptlimig ,«d Velch-m», fitr vte isr«elittsch- F««Ui«. «rtd u»b Ehr«. Oitgt„l->o»«u ral krr•egraMTt. <F»«t»tz»»a.) — Ei« «»rschlag jnt ■«•rottmig her Bon««Helle. ®** 3a««d »ankfmann-Effea. — 'die »«ebtlouaa de« jüdische» Lehrer» i» Semiaar. acfmtmfmapP-wtrai dm R«»h ^IHfUU. t, Kra^aHfMni». «k^rgetza»,.) - Die ,»E«i»sthr»a, de» «hach«M «afchi ,» Jerafal»« — «»»tz.^ohen. «»dicht «m Richard Laad«». — R«A»l.«ufßatn,. - Rillhiel-Äsm,,. <ll»def»^rr Rmtzvenck me« dteiem Blatte tfl n«trrf«al.) Veld »«d Kyre. Qri»t»Ml.«»W«, nt der «e^»»»,i. So« Rode« «rauer. U] (SrnfctuBfl) Der Baron faßte sich (mit der eben noch dargebotenen Hand an die Stirn. Rach einigem Rachderken entrangen sich seinen Lippen folgende Wort«: „Rein, nein, e» geht nicht I Da» lbnnrii Sie von mir nicht verlangen. Ich habe mich schon über den Mangel de» Adel» bei Ihnen hinweggesetzt, in Anbetracht der großen Dankbbarkrit, welche ich Ihnen schulde, aber ir. einen „Juden" kann und darf doch unmöglich mein Jahrhunderte alte», ehrenhafte» Geschlecht ausgehen. Da müßten sich die Ahnen in ihren Gräbern umdrehen, wenn sie, die für len Heiland gefachten, nun de» letzten Sprosirn ihre» ruhmrnchen Stammes an der Seite eine» Juden erblicken sollten. „Genug, genug," unterbrach ihn Geld« erregt, „ich wußte, daß e» so kommen würde, ich hatte nur ge!»acht, daß Sie erhaben seim über religiöse Borurtheile, dock nun frage ich noch einmal, ehe ich mein L«ben»glück in Trüiiroier geschlagen sehe, sagen Sie e» mir ofsenmüthig, ob Sie n ir Ihre Tochter zur Gattin geben wollen, antworten Sie bestimmt und unzweideutig — ich werde mich Ihrem Ausspruche fügen." „®» geht nicht, «» ist unmöglich I" antwortete der Baron tiefaufgeregt mit Entschiedenheit. „Ich danke Ihnen." entgegnet« Geld«, „obzwar Sie uiich tief in» Herz damit getroffen. Ich groll« Ihnen nicht, denn leider kenn« ich di« schrecklichen Borurtheile, welch« di« Menschheit gegen meine Bolk«- und Glaubeu-genosi m hegt. Weder Thatkrast noch Genie vermögen den Racenhaß zu bannen, der leider in der jetzigen Zeitstrvmung sich besonder» bemerkbar macht. Darum kann ich Sir auch nicht dafür 'verantwortlich machen, sondern daran haben eben nur einige gewissenlose Bolk-verHetzer Schuld, aber tief bedauere ich e«, daß Sie im Mensche« nicht sein Wirken und gondeln, sondern seine Eonsefston zum Maßstab Ihrer Beurt!»«ilung nehmen. „Entschuldigen Sie, wenn ich Sie an eine hinter unliegende Szene erinnere, ich schwöre e» Ihren zu, daß ich lrir» nicht au« Urberhebnaa thu«, oder gar um Sie zu kränken, nein, nur au» dem einfachen Grund« erinnere ich Sie an jene Stund«, da Sie ver,weifiung«voll in den Fluß ge> sprangen waren, um im Tod« Bergeffrnheit zu finden, um Ihnen zu zeigen, daß Sie in einem Jrrthu«, ja in einem Widerspruch befangen stad. Al» ich SK gerettet an'» Land 6bracht und dem Leben wiedrrgegeven hatte, richtete ich an «, Herr Baron, die Frage: .Was veranlaßt« Sie in iV Mita Cm: den Wellen «in kühle» Grab elende Welt »lller Borurtheile damit haben Sie über de Kritik ftftfo. Sie, der Sk damal« di« vorurtheittvolle Welt verdammten. Sie lassen sich jetzt dennoch von Borurtheilen ihnen leiten. Dem reichen bürgerlichen Geld« wollen Sie Ihren Ahnenschlz beugen, aber vor dem Inden Gelde niemals. Ist e» nicht traurig, wenn solche Prineipkn die Welt erfüllen und da» Aufblühen einer strebsamen, »ackeren Menlchenklasse zu untergrabe« drohen? Ich verlange keinen Tribut der Dankbarkeit von Ihnen, Herr Baron, denn ich habe nur eine Menschenpflicht geübt. Wenn Sie den Menschen in mir nicht rhreii und achten können und wollen, so ist da» dk bitterste Erfahrung, die ich mache. Leben Eie wohl!' Auf den Baron hatten diese Worte einen tiefen Eindruck gemacht, er faßte Geld« am Arme und ihn zurückhaltend sagte er: „Bleiben Sie, Herr Gelde und verzeihen Sk, wenn ich Sir gekränkt, aber ich glaube ja, daß Sie da» Hinderniß beseitigen können, da» Sie und mein« Tochter trennt. Wechseln Sir Ihren Glauben und ich halte meine Zusage aufrecht, denn ich erkenne Ihre Geistesgröße an." „Niemals werde ich da« thun', erwiderte Ge.de mit fester Stimme, „meinem Barer habe ich e» auf dem Todtrn» bette geschworen, treu zu bleiben dem Glauben meiner Väter, in welche Lagen de» Lebens ich auch kommeu mag... und müßte ich e» mit meinem Herzblute erkaufen, so werde ich meinem Glauben treu bleiben und jenen Ei» treulich halten. Pietät ist eine der Grundbedingungen de» Judenthu m», und an ihr will ich festhalte» so lange noch ein Blutstropfen in meinen Adern rinnt. Könnten Sie mich noch achten, wenn ich fahnenflüchtig werde, und den Glauben meiner Väter verlaffe. wenn ich den letzten Wunsch desjenigen unerfüllt laffe, der für mich fein Alle» selbst fein tt-eure» Leben geopfert. Bei aller freisinnigen Auffassung!>er Religion, in der ich erzogen bin, fable ich, daß mich mein heilige- Versprechen für immerdar bindet.' „Dann thut e» mir unendlich leid, Ihrem Wunsche nicht entsprechen zu können, doch bitte ich Sie mir trotzdem auch fernerhin Ihre Freundschaft zu bewahren, welche ich über Alle» hochschätze.' „Ich wiederhole Ihnen, Herr Baron, daß ich Ihnen -ganz und gar nicht zürne, und hoffe, daß auch Sie noch einst zur Einsicht Ihre» Unrechte» kommen werden, vielleicht wird e» dann zu spät sein.' Rach diesen Worte» verabschiedete sich Earl Geld«, um in der freien Lust Erleichterung von dem ihn erregende Gespräch zu finden. Auf der Treppe begegnete er Melanie, vxlche er freundlich grüßte, ohne daß sie e« ahnte, welche Demüthigung er eben um Ihretwillen cruttc». In seinem Stelenschmerz zog e» ihn hin zu der aufrichtig liebenden Mürber und Schiveskr. Beim Eintritte in» Gemach eilte ihm Erna glückstrahknd entgegen und thrilte ihm die Erfüllung ihre»Leben»trau me» mit. Zärtlcho bückte er sich nieder und deücktr einen Kuß aus dd rostige«

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