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Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 10 (1893) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
10 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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frwwmyten tn Dr, H, ia «ngk»d«B g»r Unterhaltung und Belehrung für die israelitische Familie. Inhalte f rlint N«Id unk Ehre. Original- Roman aus der B:genwart. iFortjetzung.) — Line Slunkt in der Berliner Israel Volksküche Von Dr. Max Bauer, Redarkenr de» .»athen ftrcutc*. — Maybaum's Rede an Vleichrsker'» Bahre. — Aus kein Spruchschatz des Talmuk. Poetisch Übertragen von Max Weinberg. — >us dem Leikesborn kes Lebens. — Das Buch ker Welt.,— Das Heine-Denkmal. — Proben jüdischen Humors. — Purim-Väidsel. — tllnbekngler Rachkrnck ans tziese« Blatte tfl unteriagt.) K-kd and Khre. Ort,in»l-«»m,» an« der «egenman. Bon Roben Brauer. wj (Fortsetzung.) Unmittelbar darauf trat der angemekdete von Wahle Herrin, Gelbe begrüßte ihn höflich und bot ihm eineit Sessel an. „Mit was kann ich Ihnen dienen?" wenl>ete er sich seinem verlegenen Gegenüber zu. „Entschuldigen Sie gütigst, Herr Geld«", entzegnete von Wahle, „daß ich so frei bin. Sie in Ihrem ArseitSzimmer zu stören, ich habe Ihnen jedoch eine sehr wichtig« Mittheilung zu machen, dir ganz privater Natur ist... Wie Sie vohl wissen »erden hatte ich Gelegenheit die Baronesse Melaric v. Hollwitz kennen zu lernen.... Run ist es mir aber bekannt. daß auch Sie Herr Gelbe, mit dieser Dame in sreunvschaftlichem Berkehrr stehen, deßhalb fühle ich mich jetzt veranlaßt ohne Umschweife an Sie, an Ihr Herz, verzeihen Sie mein Ungestüm. die Frage zu richten: lieben Sie dir junge Baronesse?" Ernst v. Wahle hatte diese Worte in leidenschaftlichem Ausdruck hervorgrbracht und erwartete nun gespannt eine Antwort. .Ich glaube," entgegnete Gelbe, den diese Frage sichtlich frappirt hatte, etwa» kühl, „daß diese Frage ziemlich indiScreter Natur ist, und fühl« ich mich ungeachtet de» großen Verdienstes, das Sie sich um meine Schwester erworben, atsolut nicht veranlaßt. Ihnen darauf eine Antwort zu ertheilen." Auf den Angeredeten hatte diese Antwort und der Ton, in welchem sie gesprochen wurde, einen dearimirenden Eindruck gemacht, doch in dem Momente erlsvb er sich, und mit vor Erregung zitternder Stimme wandte er sich an seinen ehemaligen Freund: .Ich habe viel an Ihnen verbrochen und »eiß, daß es mir nie gelingen wird, Ihre Verzeihung und Freundschaft wieder zu erringen, aber ich beschwüre Sie, mir die Antwort nicht schuldig zu bleiben. Ein grausame- Schicksal hat mich zum Räuber ihre» Glückegemacht, ich habe Ihnen ihr Geiste-product geraubt, will Ihnen aber den Frieden des Herzen» nicht stehlen. Auch ich liebe diese si mberückende Baronesse, doch wenn Sie einen Anspruch aus sie erheben, so will ich auf sie verzichten, um mit diesem schweren Opfer der Entsagung den grüßten Schandfleck müne- Lebens zu verwischen. Haben Sie Mitleid mit eine» reuevollen Sünder, der sein Leben, sein Allezur Wietererlangung Ihrer unschätzbaren Freundschaft einsetzen würde. O, dieses «lende Geld, wie hat e- «ich verblendet, und nun brennt «- in meinen Händen, und Sie wollen diese« verzehrende Feuer nicht löschen." Erschöpft hielt er inne, während ihn Geld« mitleidsvoll betrachtete, richtete letzterer sich plötzlich «uf, reichte dem Zerknirschten die Hand entgegen, und treuherzigen Tone« erwiderte er: .Ich will Dir verzeihen. Alles vergeben, was Du. an mir verbrochcn hast und nehme Dein Opfer auch an, denn dieser Ersatz wiegt Millionen Geldes auf. Alle« ist durch Mammon erreichbar, nur nicht die echte, reine Liebe." Zu Thränen gerührt umarmte» sich beide, um das geschlossen« FreundschaftSbündniß zu besiegeln. „Ich gelob« Dir," sprach von Wahle ansrichtig. „Dir die unendlich« Großmuth nun durch echte unerschütterliche Freundschaft zu bewahren, um Dir meine Reue vollendzu beweisen. „Sehr viel hast Du mir geschenkt", sagte Gelde ernst, „denn Dich hätte der Baron gewiß vor mir vorgezogen, da Du doch von altadeligem Geblüt« bist; aber vielleicht ist dieses große Opfer vergeben«, da meine Liebe nicht genügt, meinen Herzenswunsch zu erfüllen, es bedarf auch der Zuneigung Melanie'» und vor Allem der Zustimmung ihres LaterS." „Dieser bist Du soviel als gewiß denn es leuchtet ihm ein. daß sein materieller Wohlstand nur Dir allein zu verdanken ist, und lvaS Melanie betrifft, kann ich Dich auch beruhigen. Sie hat ihren Aeußerungen nach zu schließen eine unbegrenzte Hochachtung vor Dir, sie verehrt Dich schwärmerisch und von da bizur Liebe ist nur ein Schritt Sie wird Dein Weib so wahr ich Ernst von Wahle heiße " Entzückt horchte Gelde dem optimistischen Freunde und ein glücksttahlender Zug verklärte sein schönes Antlitz. In gehobener Stimmung entfernte sich von Wahle von seinem nunmehrigen Freunde, damit er ihn in seinem schäftscifrr nicht weiter störe. Ge- Earl Gelde bewohnte in einer der lebhaftesten Straßen der Metropole ein ganzes Stockwerk mit seiner Mutter und Schwester. In einem traulichen, bürgerlich möblirten Salon ist die glückliche Familie beim Abendthee im gemächlichen Gespräche, als sich die Thür öffnet und Ernst von Wahle grüßend hereintritt. Alle Anwesenden eilen ihm entgegen, um ihren Gefühlen über das freudige Wiedersehen den herzlichsten Ausdruck zu geben. Er nimmt zwischen Earl und Ern« Platz, welche ihm anmuthig eine Schal« duftenden Thee's au« dem Samowar einschenkt. Die Unterhaltung, welche sich aus alle möglichen Dinge erstreckte, >var bald in Fluß gerathen und e« erfuhr Earl erst jetzt eigentlich, in welcher Lebensgefahr Mutter und Schwester slch befunden hatten, au« welcher sie nur durch die Kühnheit seines Freundes gerettet wurden. „Ich danke Dir herzlich, lieber Freund", sagte Gelde mit einem innigen Gefühl „und bin glücklich, dagrriffene FreundschaftSbündniß wieder befestigt zu haben." Erstaunt blickt die Mutter bei den kollegialen Worte« ihres Sohnes aus. woraus von Wahle das Wort «rgciff und seine ehemalige untreue Handlungsweise den Staunenden schonungslos vorlegte. Wahr^itsgetrru schilderte er. wie er den Berlockunarn des Geldes nicht habe Widerstand leisten können und so zum Verbrecher an seinem besten Freunde wurde. Er schilderte die

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