Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1893-01-01 · 9 (1893) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1893
Issue
9 (1893)
Date
1893-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492351-8722848-5962259--2095-5375949
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

fxr«n«f eartea m Ir.lt tn Vt|Ma|, {tna<|i|iin m llr.lt tn Vt|Ma|, Z»r N«terhalt«»ß unb Belehrung für die isruelttifche Aumilie. ft f r, Sein Indenhnß. Ittnt Pnrtnl>> schichte dm I Herzberg. — Seid trab Ehre. Original - Romnn au« brr »eaenwari. ^flUKUI! (Fortsetznntz.) — Di« BoröUbnna bd jlbtschrn Lehrer« Im Seminar. Ben Lehrer H. Reuh. (Fortsetzung.) — Auch «in Bewei» I <y***r* _ J}4tbftl.*«flob™. — Mt^fUbUng». (OnMncrrr KiAlnrf an« «teiem «InNr tit untersag.) Sei» A«de»hatz. Ein, Purimgeschichte den I. Herzberg. - (Aachbru« verbaten y »Diese schmutzig Brut? O, wie ich si,! verabscheue!" — Diese Worte nef der Banquier Montz Mosenheim au«, indem er, die Fäuste ballend, in höchster Erregung im Salon auf und ab ging. »Könnte ich diese ganze jüdische Sippe irit einem Schlage nirderschmettern." entfuhr e« weiter seinen zorrbebenden Lippen. »Aber, lieber Moritz/ rief da besänftigend seine Frau, »so mäßige Dich doch!" »Moritz! Montz!" versetzte darauf sftrr Mosenheim, fei« vor Zorn geröthete- Gesicht der Sprechenden zuwendend, »auch dieser Name schon erinnert mich an dal elende, jüdische Gelichter, da« ich so sehr hasse. Wo« eigentlich heute Moseheißen sollte, nennt sich Moritz. Der gut«, deutsche Name Moritz ist auch schon verjudet!" »Aber beruhige Dich doch, lieber Mortz!" »Wieder Morrtz!" unterbrach hier Herr Mosenheim seine Frau. »Nenne mich doch lieber Christian, nenne mich Beter, nenne mich Michel, nur sprich mir nicht mehr jenen abscheulichen Namen au-, dessen Klang schon ein Gefühl de« Widerwillens in mir hervorruft, da er mich an au mein Mißgeschick, ja, au all mein Unglück erinnert" »An all Dein Unglück?" sprach Frau Mosenheim, einen fragenden Blick auf ihren Gatten werfend. „Ja, an all «ein Unglück!" entgegw'te dieser, »oder nennst Du «» nicht ein Unglück, wenn so stolze Pläne, dir unter Aufbietung großer Opfer «baut worlxn sind, plötzlich zerstört werden? Die höchsten Au-zeichnurgen winden mir schon, und nun ist Alle-, Alledahin, unwiederbringlich dahin auf immer. Und wer trägt die Schul» daran? Einzig und allein unsere Rassel"-— Der Banquier Moritz Mosenheim hegte «inst gan§ andere Gefühle gegenüber denjenigen, gegen welche ,r jetzt die Schale seine- Zorne« au-schüttete. Er war der Sch« «ne« armen, biederen Handel-manneau- Heimstadt ftwesen, der in seine« Herzen eine heiße Liebe zu seine« angestammten Bolle angefacht hatte. Früb schon war er n-Leben hina«-- geworfrn worden, und durch eiserne« Fleiß und seltene Begabung hatte er sich zu einer hohen Stellung einporgeschwungen. Je höher er aber gestiegen war. desto mehr war er seinen Stamme-angehörrgen entfremdet worden, und seine eigenen Blutsverwandten, die in Dürftiglei! lebte«, hatte er längst nicht mehr gekanot Er blickt« mit steigender Miß» achttlna auf stin« Glaubeu-genofsen, weil er deren Schmähungen und tzxrunglimpfungen wohrnahm gerade in jenen Kreisen, in dluru er sich jo gerne heimisch gemocht hätte. Jede« Wort der Geringschätzung gegen seine St« «me-a»gehörigen Elrudert, traf auch ihn und eward itzi» immer schwerer, « im Lauft der Zeit mit seine« Reicht! «me gewachsenen ei-e vrfnebiguug zu verschaffen. Und hoch gingen seine Wünsche; nach Titel und Ordert verstieg sich sein Verlangen, und er hatte in maßgebenden Kreisen de- Oeftern diesen seinen Wünschen auf Umwege» Au-druck verliehen und schwere Opfer für die Erfüllung seiner Wünsche dahingegeben. Er wußte «bei auch daß der Befriedigung seine- «ihr geizegerade an höchster Stelle unüberwindliche Hindernisse in den Weg gelegt «erden würden» denn dort war r.run de« Bekennern de- Judenthums leine-weghold. Diese THatsache aber hielt ihn nicht ab, nach so Hohem zu streben, da «an ihm die Gewährung seiner Bitte in AuSsiht gestellt. Mt höchster Spannung hatte Mosenheim vonTig zu Tage, von Monat zu Monat der Ernennung zum Eornnerzienrach und der Verleihung einehöheren Orden« ealgrgengeharrt, — jedoch immer vergebens. Da erschien denn -eute endlich da- Amt-blatt, dadie Orden»- und Titelve.'lechung bringen sollte. Mt zitternden Händen hatte er dar Blatt ergrifft«, er batte gesucht — aber vergeben»! Der Name Moritz Mosenheim fehlte. — So waren denn die so lange gehegten Hoffnungen zerschellt. In tiefster Erregung hatte suh der so bitter Enttäuschte erhoben und war zum Regierung-mäsideaten geeilt um sein Befremden darüber au»»usprrchen, daß trotz der ihm gemachten Zusage man ihn abermals igrorit habe. Mt einem nicht mißzuv-wstrhenden Achselzucken hatte der hohe Beamte, halb spöttisch lächelnd erwidert, er habe da« Geinige gethan, obwohl er auf einen Erfolg seiner Bemühungen nicht im Geringsten gerechnet habe, da de» Fürsten Abneigung gegen sie Angehörigen de» jüdischen Bolle» eine unüberwindlich« sei. — Wuthschnaubead war Mosenheim dann heimgekehrt und gegen wen richtete sich sein maßloser Zorn? Gegen seine eigenen jüdisc^n Mitbrüdir, denen er alle Schuld btimafi die nach seiner Meinung selbst die Abneigung de» Fürsten gegen sich durch chr Gebäre t bervorgeruftn, und ihn um die erhoffte Gnadenbezeigung gebracht hätte«. »O, daß ich sie Alle, Alle vernichte« könnte, und sie verschwinden möchten au« der Welt sie, di« mir im Wege stehe»! Aber ich werde Vergeltung üben! Die letzte« Fäden, di« mich noch mit jenem, von aller Welt wie die Pest f* miedenen Boike verknüpfen, will ich zerreißen, und niö will ich mehr gemein haben mit ihnen I" — Und er hatte allzu schr Wort gehalttn. Rick er selbst, sondern auch sein« Frau, dre in ihrer E ein Spielball seiner Launen gewesen, sov>ie seine hoffnung-vollen Söhn« lehrten oe« Judentisum den zu. Sie ließen sich alle an einem Tage vlnftn. — Andem Juden Moritz Mosenheim war der Johanne« Rridinger geworden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.