Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1893
- Issue
- 8 (1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
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hakten Lehrerthätigkeit;,u Gebote, mfiffm sie nicht für Ihr- Srcllung auch ein täcktigP Maß theoretischer und allgemeiner Bildung besitzen, beide« Vorbedingungen für einen schriftstrlleraden Lehrer: Ich kenne kein Buch, da« au« der Praxi« de« Seminar« und der Seminarschule entstanden ist. ES i't das sehr zu bedauern, weil ti ein Beweis dafür ist. daß unsere Seminar sammt und sonder« den Schwerpunkt ihres Wirken« nnht auf den für uns jüdische Lehrer wichtigsten Gegenstand, die Praxis der Religionsschrile, legen, daß sie deshalb gar keine eigentlichen jüdischen Lehrerbildungs-Anstalten sind! Rach diesen allgemeinen Betrachtungen über den Stand der heutigen Methodik n der jüdischen Schule tzehen wir zu den einzelnen Unterrichtsfächern über und thun der speziellen Methodik Erwähnung, um das Bedürfnis einer Besserung, einer Aenderung der Seminanerhältniffe nachzuweifen. ») Biblische Geschichte. Welche« Buch ist doch wohl in den Seminarübung«- schulcn ringeführt? In welchem Zeitraum wird der Lehrstoff bearbeitet? In welcher Zubereitung werden die biblischen Geschichten den Schülerr brr verschiedenen Abtheilung-.n geboten? Dieser Unterrichtsgegenstand läßt am leichterten einen Vergleich zu, zwiscken den Leistungen der jüdischen und christlichen Seminare, zwischen den Erfolgen der christlichen und jüdischen Schule. Freuen wird sich jeder Lehrer, wenn er — zufällig — nichtjüdische Schüler so recht vertraut findet mit der Geschi chte dcö alten Testaments, wie «s mir in verschiedenen Orten begegnet ist, wenn er sie di« Historien daraus in einer t«m Bibelwort sich anschließenden Ausdrucksweis« erzählen hört; ja, stauncn wird er dann, erwachsene Ehristen Bibrlsprtche oder Psalmen mit Berstäadniß hersagen zu hären, und er wird sich dann des Gefühls der Beschämung nicht erwehren können, weil bei uns Juden, den Hütern der Thora, das so ganz anders ist, weil man die Laien an den Fingern zählen kano, die im Stande währen, (Hrbetstücke. Bibelverse undPsalnien in gutem deutsch geläufig und verständnisvoll wiederzugeten. Der geringe Erfolg d>P biblischen Geschichtsunterricht« lic^t da an der geringen Sorgfalt, die diesem wichtigsten Theil de« Religionsunterricht:« gewidmet wird, an dem Fehlen jed?r methodischen Behandlung, an dem zu großen Lernstoff, an dem Mangel eine« methodischen Geschichtsbuches, an dem Anrfall de« BibellesenS und de« Memorirens von Bibelftückln. Es wird in unfern Schulen nicht die näthige Mühe, nicht der näthige Nachdruck auf den biblischen Geschichtsunterricht gelegt — und doch müßte er auch bei un« Jul«» der Mittelpunkt de« Religionsunterrichts sein, weil er allein eine Veranschaulichung der moralischen und ethischen Lehren gestattet, er allein konkictrn Stoff, Vorbilder der Tugend und warnende Beispiele d:r Lasterhaftigkeit bietet. Die biblisch« Geschichte ist so recht für das Lindergemüth, für den kinrlichen Verstand geschaffen. Der systematische Religion«, unterricht liegt eigentlich über dem Horizonte des Schüler«; der Unterricht im Uebersrtzen, so wichtig er ist, wird selbst bei einem gewissenhaften Lehrer nicht den dauernde» Erfolg erzielen, den wir ihm wünschen und den er bei dem grasen Zriiauswande haben müßte — die biblische Geschichte aber rtic.it bis in'» hohe Atter fruchtbringenden Samen in tas zarrl-esaitete, gläubige «iuderherz. sie wirkt zugleich mächtig auf Phantasie. Verstand, tsemülh und Willen. Sie wird nur deshalb in der jüsißhen Schule so stie'mütterlich behandelt, weil viele» Lehrern die Fähigkeit fehlt, sie zweckent» fpr.-chend darzustellcn. (Forts, folgt.) Oin christlicher Prediger ,^cho Z»odi" singend. Unter dem Vorsitze x« Rev. Harris Cohen, Prediger an der Rottigham-Synagoge hielt am 1. Februar H.:r Professor T. Wittvn Davie«, Direktor des Midland Barrist College einen Vortrog über: »Der moderne Jude und feine Synagoge." Der Redner gab einen intereffanten Bericht 5 über die von ihm bei seinen Reisen in Palästina im Um« gange mit Juden gemachten Erfahrungen «ad verbreitete sich rassührlich über die Sitten und Gewohnheiten der Hebräer, über welche er in Gemeinschaft mit einem ander» Professor aus Cambridge vor längerer Zeit tm East End von London rin genaues Studium angestellt hatte. Herr Davies er» zähltr, daß er im Monate Tischri eben so fleißig die Synagoge besucht hatte als der orthodoxeste und frömmste Jude. Dan« sang er den L' cho Dodi, wie er ihn in der Dnte'S Place Synagoge gehört hatte, und von welchem er sagte, daß er einen solchen Eindruck auf ihn gemacht habe, baß er chn in srinein ganzen Leben nicht vergessen würde. Mehr als einmal betonte er auch mit Nachdruck, daß die Ehristen wohl daran thun würden, die Israeliten in ihrer festen Anhänglichkeit an die Lehren ihrer Religion nachzuahmen. In Bezug auf den jüdische« Sabbath bemerkte Herr Davie«, daß e« merkwürdig sei zu sehen, wie die größte Zahl der Inden trotz der materiellen v«luste, welche die Beobachlung der bezüglichen RrligionSgesttze im Gefolge haben, den 'sabbath dennoch streng al« einen ganz dem Herrn geweihten Tag -eiern. „Welch' herrlichen« Bild häuslichen Glückes" ftagte er, „kann man sich denken, al« da«, auf welch!« da« Auge des Fremden fällt, wenn der HauSvatrr am Freitag Abend au« der Synagoge heimkehrt und die Linder und Enkel sich um ihn versammeln, seinen Segen zu empfangen?" Der ganze Bortrag ries in der zahlreichen Zuhörerschaft die höchste Begeisterung hervor, was dem Vorständen ge- _ rechte Veranlassung gab, dem Redner den wohlverdienten * Dank zu zollen. An diese DankeSworte knüpfte er daun noch folgende Bemerkung: „Als ich den trefflichen Worten de« Prof. Davie« lauschte und da» allseitige Interesse »ahrnahm. welche« diese große Berfammlnng denselben bezeigte, stieg der Gedanke in mir auf, daß ti in Wahrheit ein goldene« Zeitalter ist, welche« die Juden erreicht haben und ein gottgefegnetes Land, in welchem zu leben uns vergönnt ist. Dag ein christlicher Geisllicher einem christlichen Publicum über ein rem jüdische« Thema einen Bortrag hält und tvß seine Worte mit so großem Beifall belohnt werden, ist rin Umstand, welcher einem Anhänger der jüdischen Religion die höchste Freude und Bestiedigüng gewährt." Rev. M. Schloß, Vertreter der Gemeinde, war ebenfalls anwesend und repitirte auf Wunsch de« Herrn Davie« verschiedene Stellen au« dem Pcntateuch mit der üblichen Eanlillarivn. M. Ritthfel * Aufgabe». Bon C. i« E I. Z>e*tsches ZgenderStßfel. (Hn Par»«« ist «in tüchtiger Mann. Nenn er nur immer denkt daran, Daß all' lein Thun nur uitzet bann, Nenn er auch klug sich drehen kann. H. Arilhmettfches L-gogryp-. Rechenmeister, ttug und.flink. Rechnet au« die beiden Ding', Di« einst dem itsau sind entgangen, Und die der Jacob auigisaugen. Seht hier die ganz« Rechnerei: 1x2x4 — 8 unb 1 x 8 x 4 — 8. — Wa« nun der Cfou hat ge«Han, Da« geigen 1 -s- 4 »ach an» Lb man zu diese» 8 noch fügt Oder daran 8 auch schmiegt. Anfttfung des ZtLt-fel in voriger N«««er. n»t», >r (Hauptstadt va, «oab), He:»n»erU gNtatnnr Dr. J i |««r. «Jur* Hu ", 4 l 1 i